Zehn Maßnahmen für ein Europa in Frieden, Freiheit und Wohlstand

Seit nunmehr 6 Jahren tobt die Finanzkrise und obwohl Politik und Zentralbanken viele Maßnahmen ergriffen haben, um diese Krise unter Kontrolle zu bringen, ist ihr Ende noch lange nicht in Sicht und wird mit den klassischen Instrumenten der Geld- und Fiskalpolitik auch nicht zu lösen sein, sondern führt geradewegs in die finale Katastrophe.

Diese Krise wurde von den allermeisten Experten nicht vorhergesehen, da die Prognosemodelle der Mainstream-Ökonomen (egal ob Monetaristen, Keynesianer, Neokeynesianer u. a.) in einigen wichtigen Bereichen fehlerhaft sind. Die Fehler liegen in einem nicht verstandenen Geldsystem. Hierzu hat allerdings selbst die altehrwürdige Deutsche Bundesbank einen nicht gerade rühmlichen Beitrag geleistet; denn auch sie hatte bis vor einigen Jahren den Prozess der Geldschöpfung fehlerhaft beschrieben. Mittlerweile hat sie ihr Schülerbuch für die Sekundarstufe II angepasst und stellt nun den Geldschöpfungsprozess richtig dar. Aber 30 Jahre fehlerhafte Bildungspolitik hinterlässt eben ihre Spuren und hindert uns daran, zu neuen Einsichten und Erkenntnissen zu kommen.

update 05.05.2015: Siehe hierzu auch dieser Kommentar in der FAZ.

(Für alle geldpolitischen Neulinge, Vollgeldvertreter und Mainstream-Ökonomen empfehle ich vor dem Weiterlesen zuerst den Beitrag zum Thema Zinsmythen.)       

Das Dilemma der aktuellen Situation stellt sich wie folgt dar: Nach der allgemeinen Vorstellung der Mainstream-Ökonomen finden Märkte nach externen Schocks immer wieder von alleine zu einem neuen Gleichgewicht. Staatliche Interventionen sind von daher nicht nötig, die automatischen Stabilisatoren reichen völlig aus. Diese Ansicht ist in sehr vielen Köpfen fest verankert und die Erfahrungen der alten Bundesrepublik scheinen diese Sichtweise ja auch zu bestätigen. Tatsächlich handelt es sich, wie wir noch sehen werden, bei dieser Krise auch nicht um eine Krise des Kapitalismus, sondern um einen systemimmanenten Fehler im geldpolitischen Finanzkapitalismus. Dieser arbeitet aber lange Zeit im Verborgenen und wirkt als schleichendes Gift mit zunehmender Intensität bis zu seinem Kulminationspunkt (Lehman 2008 mit Vorbeben IKB und Sachsen-LB 2007)

Wie konnte es dazu kommen? Oder besser gefragt: Warum MUSSTE es hierzu kommen?

Die Antwort hierauf hat Prof. Binswanger gegeben: Es gibt einen systemimmanenten Widerspruch zwischen gesamtwirtschaftlicher Notwendigkeit und betriebswirtschaftlicher Logik in gesättigten Märkten. Wie sieht dieser Widerspruch konkret aus? Letztlich geht es um die ‚angemessene‘ Entlohnung der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital. Dass es hier aus individueller Sicht gegenläufige Interessen gibt, liegt auf der Hand. Und über die ‚Angemessenheit‘ entscheidet in einer Marktwirtschaft immer noch der Markt.

Da in gesättigten Märkten Renditen schrumpfen, Faktoreinkommen aber für die Nachfrage so hoch sein müssen, dass die Lager geräumt werden, gibt es ein Spannungsfeld zwischen angestrebten Unternehmensgewinnen (Mindestverzinsung des Kapitals) sowie den zu zahlenden Löhnen (=Kosten für Unternehmen, aber eben auch Voraussetzung für den Absatz der vorproduzierten Güter). In einer Volkswirtschaft mit nur noch homöopathischen Wachstumsaussichten wird das Risiko der unternehmerischen Tätigkeit nur noch sehr gering entlohnt und/oder es fehlt das potenziell nachfragewirksame Faktoreinkommen.

Die systemischen Grundprobleme verschärfen sich, wenn Unternehmen in der Vergangenheit sehr erfolgreich waren (sieht man u. a. an hohen Cash-Beständen bei Apple, Siemens und Co.), jetzt aber, wegen mangelnder Nachfrage, keine weiteren sinnvollen Verwertungsmöglichkeiten mehr für ihr Geld (nicht ihr Kapital!) finden. Das Geld lagert dann, wie im Falle Siemens, bei der Bundesbank (sorgt bei Deflation sogar für Kapitalmehrung) oder wird an Aktionäre ausgeschüttet.

Wenn dann aber der 6. Ferrari in der Garage steht, bleibt irgendwann auch im Luxussegment die Nachfrage aus. Wenn es dann auch noch wegen mangelnder Nachfrage zu breiten deflationären Tendenzen kommt, können die Unternehmen mit fehlender Nachfrage und geringen Cash-Beständen ihre Kredite nicht mehr bedienen und müssen wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden. Als Folge ergeben sich eine Vernichtung des Kapitalstocks sowie eine Entwertung von menschlichem Wissen, Können sowie der eigenständigen Existenzgrundlage jenseits staatlicher Alimentation.

Damit dies nicht passiert, haben die Banken in Interessenunion mit den Unternehmen neue Absatzfinanzierungsinstrumente kreiert, mit dem dieser Selbstzerstörungsprozess noch etwas hinausgezögert werden kann. Unterstützt wurde dies durch das populäre Deficit-Spending der Staaten (die Entwicklung der Staatsverschuldung spricht Bände und die Krugman-Jünger sollten nicht zu früh jubeln).

Die schönen Wachstumszahlen der letzten Jahre basieren also vor allem auf kreditfinanzierter Konsumnachfrage. Die Problematik einer solchen Entwicklung können Sie hier nachlesen: Das Geschäft mit der Verbriefung.

Solange sich die Geldvermögen (bitte den bilanziellen Unterschied zwischen Vermögen und Kapital beachten) bei einer kleinen Unternehmens- und Personenanzahl konzentrieren (und wer wollte dies bestreiten, hier das Beispiel für die USA (allerdings als Gesamtvermögen), aber auch in Europa dürfte die Entwicklung der letzten 30 Jahre ähnlich verlaufen sein), wird es aber nicht zu einer steigenden Nachfrage kommen und damit auch nicht zur Kredittilgung.

Warum sind die Geldvermögen bei einigen immer weiter angestiegen? Nun, solange noch systemisches Wachstumspotenzial vorhanden ist, fließt durch wachsende Verschuldung immer noch genügend neues Geld nach, das in den ersten Verwertungsstufen noch zu weiterer Nachfrage führt. Aber auf jeder Transaktionsstufe kommt es wegen der Gewinnkalkulation (kalkulatorische Zinsen) zu einer weiteren Vermögenskonzentration, die bei Marktsättigung wegen fehlender Nachfrage (musste ja für Gewinne abgezweigt werden) zu einer Investitionsverweigerung der Unternehmen führt (führen MUSS). Das Geld findet wegen fehlender Nachfrage keine weitere sinnvolle Verwertung mehr und aus der Wachstumsspirale wird eine deflationäre Schrumpfungsspirale und der wie von Zauberhand geschaffene kreditinduzierte Wachstumszyklus bricht in sich zusammen.

Es ist nicht die Kapitalakkumulation im Marx‘schen Sinn, die zur Krise des Kapitalismus führt, sondern die Geldakkumulation ist es, die zur Krise des Finanzkapitalismus führt.

Aus Sicht der Geldbesitzer ist es wiederum rational, auf ihrem Geld sitzen zu bleiben, da man in echten Krisenzeiten (When There‘s Blood In The Streets) auch Assets wieder sehr günstig erwerben kann (Cash is King). Dies führt dann in deflationären Krisenzeiten zu weiteren Realvermögenskonzentrationen in den Händen weniger. Passivität der Geldbesitzer wird hier also ein zweites Mal belohnt.

Dies ist die systemimmanente Problematik unseres modernen Kreditgeldkapitalismus, der für sehr viele Menschen in der Vergangenheit sehr viel Wohlstand erzeugt hat und der  nun wegen eines immanenten Defekts bei abnehmender Wachstumsdynamik in gesättigten Märkten in einer deflationären Vernichtungsspirale hinweggespült wird. Diese Prozesse tragen das Potenzial in sich, neben dem Versprechen ‚Wohlstand für Alle‘, zugleich die freiheitlich demokratische Grundordnung mit zu zerstören.

Die irrigen Vorstellungen der klassischen Geldtheoretiker im Hinblick auf die geldpolitischen Standardinstrumente der Zentralbanken, über Zinspolitik und Transmissionsmechanismus zu einem stetigen und angemessenen Wirtschaftswachstum zu gelangen, helfen hier nicht weiter. Die EZB beklagt selbst seit einiger Zeit, dass der Transmissionsmechanismus gestört sei und die Amerikaner hängen immer noch der wirren Vorstellung an, dass Zentralbanken sowohl für Geldwertstabilität als auch für Beschäftigung sorgen können (da ist ja selbst die katholische Kirche inzwischen dogmengeschichtlich weiter; siehe auch: Allmachtsfantasien zur Zinssetzungshoheit). Sie hätten mal besser bei Karl Schiller aufgepasst: „Man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie selber“.

Was ist aber, wenn sie nicht saufen wollen? Dann braucht man eben neue Instrumente, die systemkonform einer deflationären Systemkrise vorbeugen. Die unkonventionellen Instrumente aus dem Zauberkasten von Politik und EZB (ESM, LTRO, ELA, OMT…) sind jedenfalls nicht geeignet, diese systemimmanente Problematik dauerhaft und vor allem sozial ausgeglichen zu beseitigen.

Gibt es für diese Problematik eine adäquate Lösung? Ja, die gibt es und sie ist eigentlich verblüffend einfach, wenn man erst mal die richtige Diagnose gestellt hat. Sie ist so einfach, dass ich anfangs selber Zweifel an dieser Idee hatte. Inzwischen sind aber alle Zweifel verflogen und aus einem anfänglichen Gefühl ist inzwischen große Gewissheit geworden.

Das Hauptproblem in gesättigten Märkten ist die Geldvermögenskonzentration in den Händen weniger, welches dem Wirtschaftskreislauf entzogen wurde und nur noch in einer selbstreferenziellen Finanzinnovationswelt zirkuliert oder aber im Wäschefach oder bei der Deutschen Bundesbank geparkt wurde. Wie können wir dieses Geld wieder in den realen Kreislauf zurückführen und damit diesen deflationären Destruktionsmechanismus unterbrechen?  Darum wird es in den folgenden Absätzen gehen, in denen ich ein geldpolitisches Manifest für Europa skizziere und zwar als konkrete Handlungsempfehlung an die Politik.

Maßnahmen im Überblick

I.   Verfassungsrechtliche Verankerung eines Inflationsziels von 2 %

Geld hat als Kreditgeld keinen eigenständigen Wert und muss daher – wie alles auf dieser Welt – einer ständigen Entwertung unterliegen. Dies steht im Einklang mit dem Inflationsziel der EZB sowie der Bundesbank, das unter aber nahe 2 % liegen soll. Dieses wichtige geldpolitische Ziel sollte verfassungsrechtlich verankert werden. Ausnahmen nach oben gibt es nur bei externen Schocks sowie importierter Inflation.

II. Umstellung der aktiven schuldenfinanzierten Nachfragepolitik auf eine
passive schuldenfreie Bürgerfinanzierung

Damit der Kreditgeldkapitalismus auch in gesättigten Märkten funktioniert, bedarf es eines ständigen Zuflusses von Geld von außen. Bei der Kreditvergabe durch den Bankensektor gibt es aber immer individuelle Verschuldungsgrenzen. Zudem führt diese Form der Konsumanregung aufgrund des Zinseffekts zu einer Verschärfung der Vermögenskonzentration in den Händen weniger. Nur so gibt es ein zuverlässiges Instrument, mit dem eine Inflationssteuerung dauerhaft möglich ist.

Wie kann dies nun praktisch umgesetzt werden, wo kommt das Geld dafür her und wie hoch sollte diese Bürgerfinanzierung sein?

  1. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen einer Geldgutschrift der Zentralbank auf das Girokonto aller Bürger des Eurosystems.
  2. Die Höhe der monatlichen Zahlung orientiert sich an einem nominellen Ziel-Wirtschaftswachstum in Höhe von 3 % (1 % gewünschtes reales Wirtschaftswachstum plus 2 % Inflation). Für Deutschland ergäbe sich folgender Betrag pro Bürger: Pro-Kopf BIP 2012: 32.280 Euro. Hiervon 3 % ergeben 968,40 Euro pro Jahr bzw. 80,70 Euro pro Monat. Für einen 4-Personenhaushalt sind das also 322,80 Euro, die für zusätzlichen Konsum pro Monat zur Verfügung stehen. Für Griechenland ergäbe sich eine Zahlung in Höhe von ca. 42,93 Euro pro Kopf.
    (siehe hierzu meine Antwort auf einen berechtigten kritischen Hinweis)
  3. Aufgrund der aufgestauten Schuldenproblematik kann für die ersten zwei Jahre sicherlich der doppelte bis dreifache Betrag angesetzt werden und erleichtert damit die Rückzahlung notleidender Kredite.
  4. Zugleich sollte es eine Deckelung nach oben geben (z. B. 20 % über dem Median), damit Länder mit aufgeblähtem BIP (Luxemburg) keinen unangemessenen Geldsegen erhalten.
  5. Woher soll das Geld kommen?  Na dort her, wo letztlich das einzige gesetzliche Zahlungsmittel herkommt, nämlich von der Zentralbank. Sie verbucht es auf der Aktivseite als ewige Forderung an ihre Bürger und auf der Passivseite als Erinnerung daran, dass sie dieses Geld auch wirklich geliefert hat (egal ob als Bargeld oder als Buchgeld).
  6. Die Umsetzung erfolgt im Zusammenspiel mit den Finanzämtern.

III. Verfassungsmäßige Verankerung eines Haushaltsüberschusses

  1. Mit der Einführung einer Bürgerfinanzierung wird zeitgleich die Verschuldung (nicht Neuverschuldung) sukzessive zurückgeführt. Zu diesem Zweck wird ein verpflichtender Budgetüberschuss von mindestens 1 % des BIP festgesetzt.
  2. Länder, die dieses Kriterium nicht erfüllen, erhalten in den folgenden Jahren eine automatische Kürzung ihres Bürgergeldes. Für die Länder des Südens müssen für eine Übergangszeit zusätzliche Regelungen geschaffen werden (z. B. Anschlussfinanzierung zu revolvierender Altschulden durch die EZB zu einem Zinssatz von 2,5 %).
  3. Nachdem alle Schulden zurückgezahlt worden sind, werden die Haushaltsüberschüsse an die Zentralbank abgeführt und ein Teil des kontinuierlichen Geldzuflusses wird wieder an die EZB abgeführt und verringert die ewige Forderung. Das aus dem Nichts geschaffene Geld verschwindet somit zu einem Teil auch wieder im Nichts.

IV. Kontinuierliche Erhöhung des Mindestreservesatzes auf 100 %

Durch die Einführung eines Bürgergeldes erhöht sich die Geldmenge M0 (Basisgeld bzw. Zentralbankgeld) kontinuierlich. Damit die Geldmenge M2 nicht zu stark ansteigen kann (sollte bei solider Kreditvergabe der Banken eigentlich nicht passieren, ist aber wegen der TBTF-Problematik als latente Moral-Hazard-Potenzialität vorhanden), sollte zeitsynchron die Mindestreserve kontinuierlich erhöht werden. Im Endeffekt kommt es zu einer Vollgeldsituation.

V. Refinanzierung der Geschäftsbanken über den Kapitalmarkt

Nach einer Übergangszeit vom Giralgeld zum Vollgeld dürfen sich die Geschäftsbanken nur noch über den Interbankenmarkt refinanzieren. Die Übergangsfristen werden durch die EZB festgelegt. Als Notmaßnahme bleibt die Spitzenrefinanzierungsfazilität durch die EZB in Höhe von 2 %, die sich aber zugleich negativ auf die zukünftige Höhe des Bürgergeldes dieses Landes auswirken sollte.

VI. Gründung einer Evidenzzentrale für Abzahlungsgeschäfte

Jeder Konsumentenkredit sowie die Überziehung des Girokontos sind an eine neu zu errichtende Evidenzzentrale zu melden. Bevor ein solches Abzahlungsgeschäft abgeschlossen wird, hat eine Abfrage bei der Evidenzzentrale zu erfolgen. Ab einer Verschuldungsobergrenze von 5.000 EUR (inkl. des Neuvertrags) ist der Abschluss eines solchen Geschäfts unzulässig.

VI. Zeitliche Befristung von Abzahlungsgeschäften

Alle Arten von Abzahlungsgeschäften mit Endverbrauchern unterliegen einer strikten zeitlichen Begrenzung. Eine eventuelle Restschuld wegen Zahlungsproblemen beim Schuldner verjährt automatisch mit Vertragsende. Dem Gläubiger verbleibt lediglich ein Herausgabeanspruch hinsichtlich der finanzierten Sache. Alle weiteren Ansprüche sind ausgeschlossen. Das Abschreibungsrisiko hinsichtlich einer potenziellen uneinbringlichen Restforderung verbleibt somit beim ursprünglichen Kreditgeber, bzw. bei Verbriefung beim Forderungsaufkäufer/Investor.

Folgende zeitliche Obergrenzen sollten die Richtschnur sein:

  • 2 Jahre für Konsumentenkredite
  • 4 Jahre für PKW
  • 30 Jahre für Grundstücke/Immobilien, wobei der Rückgabeanspruch des Gläubigers bereits nach 20 Jahren verjährt.

(Vielen Dank an Linus Huber für diesen konstruktiven Vorschlag)

VII. Reaktivierung der gesetzlichen Rente

Die gesetzliche Rente muss wieder die Grundlage der Altersvorsorge werden. Die theoretische Grundlage hiefür liefert die Mackenroth-These. Die Privatisierung der Altersvorsorge war ein Irrweg und muss dringend rückgängig gemacht werden. Dies hat inzwischen selbst das liberale Handelsblatt erkannt. Wir sollten uns hier mehr am Schweizer Modell orientieren.

Die Zuflüsse aus den Versicherungen entziehen dem Markt die Realgüternachfrage, rentierliche Investitionen sind aber Fehlanzeige. Daher klagen die Lebensversicherer über  ein niedriges Zinsniveau und werden in risikoreichere Investments gedrängt. Diesen Unsinn sollten wir sofort beenden und neben der Riester- und Rüruprente auch  den Pflegebahr als dass entlarven, was sie alle drei eigentlich sind: Ein Meisterwerk der lobbyistischen Manipulation!

VIII. Reaktivierung der Erbschaftssteuer sowie Einführung eines Erbschaftsfonds

Ohne hier zu viel marxistisches Gedankengut zu reaktivieren: Aber Ehre, wem Ehre gebührt. Marx hatte zwar als Kind seiner Zeit nicht viel vom Geld verstanden, sehr wohl aber von Kapitalakkumulation im volkswirtschaftlichen  Sinne. Bilanztechnisch gehört zu jeder Buchung immer auch eine Gegenbuchung und somit ist das buchhalterische Pendant ‚Vermögen‘ ideologisch neutraler.

Der oben beschriebene Prozess der Mindestrenditeerwartung der Unternehmer führt tendenziell zu einer zunehmenden Vermögenskonzentration in den Händen weniger. Zugleich sollte folgender Sachverhalt berücksichtigt werden: Sind die Gewinne sehr hoch, ist dies im manchen Fällen ein Zeichen echter Produktinnovation mit Alleinstellungsmerkmal, oftmals jedoch lediglich ein Indikator für mangelnden Wettbewerb auf Grund oligopolistischer und/oder kartellistischer Machtstrukturen.

Zugleich ist es für eine Gesellschaft potenziell leistungsfeindlich, wenn man das Glück hatte, vermögend geboren zu werden. Zudem basiert der Reichtum eines einzelnen nicht nur auf eigener Tüchtigkeit sondern eben auch auf den Vorleistungen vieler anderer Menschen vieler Jahrhunderte auf allen Kontinenten dieser Erde sowie dem Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Damit ist dieses individuelle Vermögen – jenseits aller Neiddebatten – aber immer auch ein kollektives Gesamtvermögen. Keinem soll die Chance verwehrt werden, aus eigener Anstrengung heraus vermögend zu werden und unternehmerischer Mut muss belohnt werden; denn davon profitiert das Gemeinwesen als Ganzes.

Damit es im Zeitablauf aber nicht zu einer zu hohen Vermögenskonzentration bei einigen wenigen kommt, sollte die Erbschaftssteuer dahingehend angepasst werden, dass es für die Erben eine Wahl gibt zwischen Steuerzahlung in Form von Barzahlung oder als Alternative bei finanzieller Überforderung der Erben, die Übertragung von Gesellschaftsanteilen als stille Beteiligung an einen zu gründenden staatlichen Erbschaftsfonds (stiller Gesellschafter ohne Mitspracherecht). Vorteil: Unternehmen müssen wegen des Erbfalls nicht zerschlagen werden, die alten Eigentümer bestimmen weiterhin die Geschäftspolitik.

IX. Anpassung der Wochenarbeitszeit bei längerfristiger Zielverfehlung

Bei zunehmender Marktsättigung besteht die Gefahr, dass es zu Überliquidität kommt, die nicht mehr nachfragewirksam wird. In diesem Fall ist die gesetzliche Jahresarbeitszeit kontinuierlich zu senken. Die Verknappung des Arbeitsangebots führt zu einer gleichmäßigen Anpassung und Verteilung von Arbeit und Arbeitseinkommen. Diese Maßnahme sollte aber erst dann zum Tragen kommen, wenn es keinen Sanierungsbedarf mehr bei der öffentlichen Infrastruktur gibt.

Bei zunehmender Überalterung kann in 15 bis 20 Jahren in vielen Ländern aber auch eine temporäre Arbeitszeiterhöhung von Nöten sein, um die demografischen Herausforderungen zu meistern.

X.   Einführung einer Finanztransaktionssteuer

Damit sich die Menschheit wieder sinnvolleren Tätigkeiten widmen kann als Algotrading, Softwareentwicklung für Finanzparasiten  und sonstigen sinnlosen Aktivitäten, die keinen zusätzlichen gesellschaftlichen Nutzen schaffen, sollte eine Finanztransaktionssteuer eingeführt werden für alle Börsengeschäfte, bei denen die Haltedauer unter einem Monat liegt. Das Zauberwort heiß: Entschleunigung.

Schlussbemerkungen

Dieses geldpolitische Manifest ist zugleich ein Manifest für Frieden und Freiheit in einem vereinigten Europa mit einem hohen Maß an Autonomie und Verantwortung der Länder ohne bürokratischen Überbau und zentralstaatliche Allmachtsfantasien.

Update 14.10.2013
Der destruktive Prozess der Deflationsspirale ist schon viel weiter fortgeschritten, als viele von uns vermuten oder wahrhaben wollen: Der folgende Beitrag von Tobias Straumann ist mehr als besorgniserregend: Das «Trio Infernal» in Südeuropa.  Es ist höchste Not zu handeln!

Update 17.10.2013
These: Wolfgang Streeck „Gekaufte Zeit“
Antithese: Michael Brie „Vorwärts in die Vergangenheit?“

Synthese: Haben Sie gerade gelesen!

Update 19.10.2013
Umbedingt lesenswert: Ein Auszug aus dem neuesten Buch von Admati und Hellwig

Update 15.11.2013
Die globale Elite fürchtet den Aufstand der Massen
Wir müssen aus dieser Gleichgültigkeit raus
„Wir bauen auf und tapezieren nicht mit – Wir sind sehr stolz auf Katarina Witt“

The Money Trap

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Es geht ein Gespenst um in Europa, das Gespenst der Deflation!

Bürger aller Länder Europas, vereinigt euch! Nehmt aktiven Einfluss auf die friedliche Gestaltung eines gemeinsamen Europas, mit einer lebenswerten (nicht luxuriösen) Zukunft für ALLE. Wir haben die Möglichkeit und die sittliche Verantwortung, die destruktiven Mechanismen unseres aktuellen Geldsystems zu beseitigen. Informiert Eure Abgeordneten sowie alle Personen, von denen Ihr wisst oder glaubt, dass sie Einfluss nehmen können.

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Die Ideen zu diesem Manifest haben sich in den letzen 9 Monaten kontinuierlich entwickelt. Mein Dank geht an die vielen Mitdiskutanten, die in den einschlägigen Foren mit mir unerbittlich um die richtige Analyse sowie mögliche Lösungsansätze gestritten haben. Besonderen Dank möchte ich hier Herrn Dr. Renée Menéndez aussprechen vom Blog soffisticated sowie Herrn Dietmar Tischer und alterego vom Herdentrieb. Vielen Dank.

Über Michael Stöcker

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
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93 Antworten zu Zehn Maßnahmen für ein Europa in Frieden, Freiheit und Wohlstand

  1. rubybescon schreibt:

    Habe Sie nicht vergessen und kritische Ideen zu den zehn Punkten im Kopf; dauert etwas zur Formulierung.
    Herdentriebdiskussion von Ihnen bringt viel auf den Punkt.
    😉
    Soffisticated ist prima und wiesaussieht auch nicht zu verpassen …

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  2. rubybescon schreibt:

    TomR im Herdentrieb ist ein Zahlungsströmer, der ins Unternehmen hineinschaut und schaut, wo dies Investionen tatsächlich „Mehrwert“ produzieren.
    Das ist eine fachliche und praktische Herausforderung.
    Die EU und EZB-Organisation ist für aussenstehende sehr schwer zu realisieren.
    Systemimmanenz und Machtdurchsetzung. Etwas für Macher und Herrscher, wenn die Vorlagen stimmen. Kompromisse bleiben vorbehalten. Transparenz hilft zur Bewertung.

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  3. rjmaris schreibt:

    Frage zu Vollgeld (Nr. V): Ich dachte, Sie hätten nichts mit Vollgeld?

    Zur Idee der Bürgerfinanzierung/des Bürgergelds: sollte m.E. nur in Zeiten wie heute zur Anwendung kommen, als Alternative zu LTRO & Co. Denn Wirtschaftswachstum darf heute kein Ziel mehr sein, weil dies nie nachhaltig ist. Und eine Wirtschafte ohne Wachstum ist möglich, wenn der Zins bei 0 angelangt ist. Das Bürgergeld darf die Inflation anheben (in den Euro-Kernländern nötig!) aber eigentlich nicht die Zinsen. Auch daher: nur als temporäre Maßnahme einzusetzen.

    Zu „Keinem soll die Chance verwehrt werden, aus eigener Anstrengung heraus vermögend zu werden“: Das erinnert an Meritokratie. Klingt sehr gut, hat aber auch Downsides.
    In http://de.wikipedia.org/wiki/Meritokratie werden viele positive Beispiele genannt (nebst der Oligarchie-Gefahr), und man kann mit Michael Young auch sagen, dass die intellektuelle Gaben, mit dem ein Mensch geboren wird, ein Los aus der genetischen „Verlosung“ darstellt. Das sollte der Anspruch auf viele Einnahmen für Topleistungen relativieren. Young sah kommen, dass die, die aufgrund von Topleistung viel verdient haben, wenig Verständnis für das Schicksal weniger Erfolgreicher haben würden, was sich heute bewahrheitet.

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Die Sache mit dem Vollgeld ergibt sich automatisch durch die sukzessive Systemumstellung, ist aber ein längerer Übergangsprozess. De facto haben wir in Deutschland schon heute einen Vollgeldstandard, geschaffen durch die ‘Druckerpresse‘ des Südens. Bei Vollgeld denken allerdings die meisten an Huber, Senf und Co, die dem Staat den direkten Zugang zur ‘Druckerpresse‘ ermöglichen wollen, um so eine angebliche Seigniorage vereinnahmen zu können. Das ist natürlich Unsinn und hat bislang noch immer die meisten Währungen ruiniert. Denn was macht man nicht alles, um sich beim Wahlvolk anzubiedern.

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      • Der Praktiker schreibt:

        Lieber Herr Stöcker,

        Sie schreiben Zitat:

        Bei Vollgeld denken allerdings die meisten an Huber, Senf und Co, die dem Staat den direkten Zugang zur ‘Druckerpresse‘ ermöglichen wollen, um so eine angebliche Seigniorage vereinnahmen zu können. Das ist natürlich Unsinn und hat bislang noch immer die meisten Währungen ruiniert.

        Zitat Ende.

        Ihren fachkenntnisreichen Ausführungen in allen Ehren. Ihre Aussagen betreffend Vollgeld, sind nicht zutreffend.

        Befründung:

        Das Vollgeldsystem will nicht „die Kreditvergabe über welchen Weg auch immer kontrollieren“. Das ist ein grundlegendes Missverständnis!! Das Vollgeldsystem würde Kreditvergabe und Geldschöpfung trennen, das ist der springende Punkt.!!!

        Vollgeld, als Zentralbank-Buchgeld auf einem Geldkonto eines Kunden, ist weder eine Forderung gegen eine Bank noch eine Verbindlichkeit dieser Bank, sondern ein einfacher Habentitel wie Bargeld in der Tasche oder E-Geld auf einem Chip. Ab Umstellungsdatum würden die bisherigen Girokonten als eigenständige Geldkonten ausgegliedert. Die Kunden sind damit ausbezahlt und haben was ihnen zusteht – sicheres Geld bei stabilen Finanzen, die vor allem der Wirtschaft und den Einkommen im allgemeinen dienen und nicht nur denen der
        Banken.

        Der bisherige Bilanzposten Giralgeld-Verbindlichkeiten der Banken gegenüber Kunden bleibt bei einer Vollgeldreform in der gegebenen Höhe bestehen, jedoch als Verbindlichkeiten der Banken gegenüber der Zentralbank. Die Zentralbankbilanz erweitert sich dementsprechend um diese Forderungen und Verbindlichkeiten. Es ist vorgesehen, diesen Posten, der durch Tilgung nach und nach abschmilzt, zinsfrei laufen zu lassen, um auch von dieser Seite her einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen. Die Tilgungsmodalitäten wären zwischen den Banken und der Nationalbank zu vereinbaren.

        Den Banken entstehen durch Vollgeld daher keine zusätzlichen Belastungen. Jedoch müssen Banken in einer Vollgeldordnung ihre Kredite und Aktiva-Käufe voll finanzieren. Das illegitime Privileg einer nur bruchteilhaften Finanzierung, das einer milliardenschweren Dauer-Subventionierung der Banken gleichkommt, wird aufgehoben. Auch dies erzeugt für die Banken jedoch keinen schockhaften Kostenschub. Zum einen fließen auf dem Tilgungsweg laufend Mittel an die Banken zurück. Diese werden nicht mehr wie heute als Giralgeld gelöscht, sondern stehen für neue Engagements zur Verfügung (soweit sie übergangsweise nicht an die Zentralbank fließen). Auch um Kundeneinlagen in M2/M3 nutzen zu können, entstehen den Banken bei Vollgeld keine zusätzlichen Kosten, da sie heute bereits Habenzinsen auf solche Depositen zahlen. Heute dienen die Habenzinsen aber vor allem der Stillegung der betreffenden Forderungen, um ihrer Abwanderung und damit verbundenen Liquiditätsproblemen vorzubeugen. Liquide Aktiva, erhalten Banken aus Depositen dagegen kaum – benötigen sie auch kaum, da sie einfach neuen Primärkredit auf einer Bruchteil-Reservenbasis ausstellen.

        Das unlautere Privileg der nur zum Bruchteil refinanzierten Giralgeldschöpfung der Banken ist somit beendet. Bitte, analysieren Vollgeld und das herrschende verzinste Schuldgeld paralell – und Sie werden feststellen, dass es so ist.
        Mit freundlichen Grüssen
        Der Praktiker

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  4. Nazario schreibt:

    @Michael Stöcker
    Was halten Sie davon die Deflation damit zu bekämpfen, indem man den einen negativen Leitzins setzt wie Schweden im Januar 2009, damals hat die schwedische Zentralbank den Leitzins auf minus 1.0 % gesenkt!
    Vielleicht sollt man damit die kriminellen Bankster noch zwingen das neue Geld von der Zentralbank direkt in die Real-Wirtschaft zu pumpen anstatt in den Finanmarkt oder den Teufels Casino, wo die Bankster auch gerne mal auf Hunger und Nahrungsmittelverknappung wetten um in armen Ländern die Lebensmittelpreise in die Höhe zu treiben.
    Ich finde es ist an der Zeit lebenslängliche Haftsrafen für Bankster einzuführen falls diese mit Nahrungsmittel spekulieren. und diese Bankster anschließend nach Sibirien umsonst schuften zu lassen 30 Jahren lang, so zur Abschreckung aller anderen Ackermänner…

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Negative Nominalzinsen sind Kokolores. Warum das so ist, habe ich hier kommentiert: Kommentar # 16

      Die Ackermänner dieser Welt sind doch Opfer und Täter in Personalunion. Strafen bringen wenig. Wir müssen vielmehr die Regeln ändern, nach denen gespielt wird. Darum geht es mir bei diesem 10 Punkteplan.

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  5. Ralf Jacob schreibt:

    Hallo Michael,
    vielen Dank für Deine schnelle Antwort.
    Einiges ist mir durch die Anmerkungen klarer geworden, bei anderen Dingen haben die Fragezeichen aber auch zugenommen. Insofern noch ein paar Anmerkungen nachgelegt:
    1. Die aus meiner Sicht vielleicht dringensten finanzpolitischen Probleme der Gegenwart (hohe Vermögensblase auf der einen, überbordende Staatsverschuldungen auf der anderen Seite) sehe ich mit Deinem 10-Punkte-Plan nicht oder nur ungenügend gelöst. Dein Vorschlag, dieser Vermögensblase nur mit einem Upgrade der Erbschaftsteuer entgegenzuwirken, würde uns diese noch eine ganze lange Weile erhalten (von steuerlichen Umgehungsmechanismen wie Gründung von Stiftungen etc. einmal vollständig abgesehen).

    Zur bisherigen Geschichte von Vermögensabgaben in Deutschland und den diesbezüglichen aktuellen Einschätzungen interessant der Wochenbericht 28/2012 des IDW zum Thema: Eurokrise, Staatsverschuldung und privater Reichtum, http://www.diw.de/documents/publikationen73/diw_01.c.405699.de/12-28.pdf.
    Die Diskussion hat ja auch der IWF in seinem jüngsten Fiskalbericht wieder entfacht.
    Gleiches gilt für den nur sehr moderaten Schuldenabbau, der sich aus dem 1%-igen Haushaltüberschuss ableitet. So what? Ich habe nochmal kurz recherchiert – Deutschland bringt dafür seit fast 20 Jahren jährlich deutlich über 60 Mrd. Euro Zinsen auf, zuletzt trotz historischer Niedrigzinsen immer noch ca. 2,4% des BIP (Griechenland 5,0%, Italien 5,5%). Das engt doch die Handlungsfähigkeit des (der) Staates (Staaten) erheblich ein.
    Die gleichzeitige (wenn auch nur teilweise) Lösung dieser beiden Probleme durch eine Vermögensabgabe hat für mich insofern schon einen erheblichen Charme.

    2. Aus Deinen Ausführungen entnehme ich, dass Du stark auf die Kräfte des Marktes setzt und staatliche Eingriffe nur in sehr beschränktem Maße befürwortest.

    Insofern überrascht es mich schon, dass Du eben diesem Staat und das auch noch europaweit das Recht einräumen willst, eine Verschuldungsobergrenze aus Konsumentenkrediten von 5.000 Euro festzulegen [nur der Vollständigkeit halber verweise ich a) auf die faktische Macht der Wirtschaft und des Bankensektors, die eine solche Regelung niemals passieren lassen dürfte und b) auf die damit verbundene Beschneidung der verfassungsrechtlichen Grundrechte der Bürger, die mit den maßgeblichen Parteien nicht zu haben sein dürfte].
    Gleiches gilt für die Festlegung einer gesetzlichen Jahresarbeitszeit bei Marktsättigung, für mich ein staatlicher Eingriff pur [auch hier nur der Vollständigkeit halber die Frage aufgeworfen: Wer? soll wie? eine solche Marktsättigung feststellen und wie? soll „der“ Markt hinreichend differenziert werden – letztlich haben wir es ja mit einer unübersehbaren Vielzahl von Märkten zu tun. Und: Kein auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen würde eine solche Festlegung hinnehmen – staatliche Kontrollen und Sanktionen wiederum wären unumgänglich – … ist das noch die gewollte Marktwirtschaft?]
    An anderer Stelle widersprichst Du heftig dem gesetzlichen Mindestlohn, insbesondere weil Du auf die marktkonforme Preisbildung zwischen Angebot und Nachfrage setzt. Dieser Eingriff dürfte im Vergleich hierzu eher marginal sein.
    Für heute soll es reichen, ich freue mich auf neue Argumente!
    Beste Grüße
    Ralf

    P.S. Übrigens: Sehr gut haben mir Deine Beiträge zur Verbriefung und zu den Allmachtsfantasien zur Zinssetzungshoheit gefallen!

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Lieber Ralf,

      Staatsschulden sind grundsätzlich kein Problem. Sie werden dann zu einem Problem, wenn es sich um ein Twin-Deficit handelt, also eine Kombination aus Staatsverschuldung und negativer Leistungsbilanz; aber auch nur dann für solche Länder, die über keine eigene Währung verfügen oder aber in Fremdwährung verschuldet sind. Da die USA in ihrer eigenen Währung verschuldet sind, ist auch ein Twin-Deficit nicht wirklich ein Problem. Man darf es aber nicht übertreiben. Und da sieht es z. Z. bei den USA nicht gut aus. Aber deren Probleme sind nicht mein Thema, mir geht es um Europa.

      Deutschland hat wie Japan kein Problem mit seinen Schulden. Wenn man so möchte, sind nun die zukünftigen Ansprüche durch die Privatisierung der Altersvorsorge angemessen bilanziert. Jetzt müssen wir nur noch dafür sorgen, dass mit diesen Schulden auch sinnvolle Investitionen getätigt werden, damit die zukünftigen Ansprüche auch tatsächlich erfüllt werden können (Bildung, Bildung, Bildung und dann noch etwas Infrastruktur). Den Irrsinn der Aushöhlung der gesetzlichen Rente kann man nicht auf einen Schlag wieder rückgängig machen. Dies muss wieder kontinuierlich passieren.

      Auf einen bedeutsamen Punkt hast Du aufmerksam gemacht, nämlich auf die Zinshöhe und somit auf die Zinsbelastung. Für Deutschland betrachtet sind die Zinsen durchaus angemessen, wenn man es unter dem Aspekt der Altersvorsorge betrachtet. Zwei Prozent gewünschte Inflation bei aktuell 1,5 % Umlaufrendite ist sogar eine leichte Enteignung von Rentenansprüchen, sofern die Rücklagen der Versicherer für einen Ausgleich nicht mehr reichen sollten.

      Bei den Ländern der Südperipherie sieht dies natürlich anders aus. Da gibt es eben einen Zitteraufschlag von 3 – 4 Prozent, der real nicht geleistet werden kann. Will man den Euro erhalten, dann ist eine Zitterprämie nicht gerechtfertigt. Daher mein Vorschlag, dass für solche Länder eine Revolvierung durch die EZB zu erfolgen hat. Über die Höhe des Zinssatzes müsste man sich einigen. Ich hatte mal 2,5 Prozent vorgeschlagen, bin aber jetzt eher bei 1 – 1,5 %. Vielleicht sollte man es flexibel gestalten und einen Aufschlag von 1 Prozent auf das Wachstum des BIP festsetzen.

      Zum Stiftungsproblem: Ja, das sehe ich durchaus auch, aber nicht die Sachvermögen sind das Problem, sondern die Geldvermögen. Und diese Geldvermögen setze ich durch gezielte Inflationierung unter Druck. Inflation ist nichts anderes als eine Steuer. Da ich die Inflation aber durch eine zentralbankfinanzierte negative Einkommensteuer initiieren möchte, belastet sie nicht den Haushalt und den Geldparkern bleibt nichts anderes übrig, als der Inflationierung tatenlos zuzusehen oder aber sie müssen investieren oder shoppen. Da freut sich der Finanzminister ein zweites Mal. Radikale Maßnahmen, wie Sie auch vom IWF angedacht wurden (http://blog.fuw.ch/nevermindthemarkets/index.php/33620/die-schweiz-und-die-vermoegensabgabe/), halte ich für problematisch, da Steuerzahlungen nun einmal in Geld zu leisten sind. Da so mancher aber seinen staatsbürgerlichen Pflichten nachgekommen ist und kein Geldparker ist, würde es in kurzer Zeit zu einem Überschuss an Assets kommen. Die Preisreaktionen sind unkalkulierbar und würden für massive Verzerrungen in den Bilanzen führen. Wir können nicht die kumulierten Probleme der letzten 30 Jahre in einem Paukenschlag beenden, ohne die gesellschaftlichen Implikationen mit zu denken.

      Zum Thema Markt: Ja, der Markt hat sehr viele segensreiche Wirkungen und sollte von daher nur bei Marktversagen regulativ beschnitten werden. Der Staat beschneidet in sehr vielen Bereichen unsere freie Entscheidung: Schulpflicht, Geschwindigkeitsbegrenzung, illegale Drogen etc. Wieso also nicht auch eine Schuldenbegrenzung? Schulden sind für mich eine mindestens so schlimmere Droge wie Nikotin, Alkohol, Gras etc. Meine Freiheit hört da auf, wo die des anderen beginnt. Eine zu hohe Verschuldung von vielen (siehe Kreditkartenkrise USA) wird eben irgendwann zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem.

      Wenn der Staat sich für solche Eingriffe entscheidet, dann soll er es aber nur marktkonform machen (Mengenpolitik: Schuldengrenze, Arbeitszeitverkürzung etc.) aber niemals marktkonträr (Preispolitik: Mindestpreise oder Höchstpreise). Preiseingriffe sollten nur Extremsituationen (Kriege, Naturkatastrophen) vorbehalten bleiben und zugleich zeitlich limitiert werden.

      Deine Jahresarbeitszeitkritik kann ich nicht ganz nachvollziehen. Wir haben ein Arbeitszeitgesetz und damit einen massiven Eingriff in die Vertragsfreiheit. Der richtige Zeitpunkt für eine Ausweitung bzw. Reduzierung der Arbeitszeit ist aus meiner Sicht an der Höhe der Arbeitslosigkeit in Verbindung mit der Inflationsrate zu erkennen. Wirken die geldpolitischen Impulse der negativen Einkommensteuer nicht mehr inflationär und es gibt auch keine sinnvollen öffentlichen Investitionen mehr (klingt schon sehr nach Paradies), dann kann es doch sehr wohl zu einer 30 Stundenwoche kommen. Porsche hat übrigens damit begonnen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/porsche-will-wochenarbeitszeit-senken-a-928813.html

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      • rubybescon schreibt:

        Die nicht mehr zu finanzierendenVermögen müssen durch Verwendung, Auflösung für Bildungs-, Infrastruktur- und Innovationsinvestitionen mittel- bis langfristig abgebaut werden, damit das System nicht kollabiert. Da die Halter es nicht selbst initieren, kann es nur der Staat durch Steuern und Reallokation, Transfers.
        Fundamental zur Zeit.

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      • Larry schreibt:

        Staatsschulden sind immer ein Problem, denn sie schaffen Inflation und lösen somit den Zyklus Inflation-Desinflation-Deflation-Hyperinflation aus.

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        • Michael Stöcker schreibt:

          Bei Allaussagen sollte man höchste Vorsicht walten lassen. Vor allem in der Ökonomie, die letztlich ein Abbild sozialer Interaktion ist.

          Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu, dass Staatsschulden vermieden werden sollten. Das setzt aber voraus, dass die Steuern genügend hoch sind, um u. a. zu verhindern, dass die Unternehmen zum Nettosparer werden (nicht alle, einige dafür aber umso stärker: „the winner takes it all“ bzw. Matthäus-Effekt). Dies haben wir in der Vergangenheit verpasst und mit dem parasitären internationalen Steuersenkungswettbewerb auch noch gefördert. Wenn die Unternehmen sich aber nicht mehr verschulden müssen, dann bleiben nur noch der Staat, die privaten Haushalte oder aber das Ausland. In einem Kreditgeldstandard ist der Normalfall, dass sich die Unternehmen verschulden und die Haushalte parallel hierzu temporär Ersparnisse halten. Die Unternehmen wollen/müssen sich aber nicht weiter verschulden, da keine Nachfrage. Die Staaten sollen sich nicht verschulden wegen des Fiskalpakts. Dass die Haushalte auf Pump kaufen, wollen nur die Banken und Unternehmen (siehe hierzu auch der Beitrag: Das Geschäfts mit der Verbriefung). Und vom Ausland erwarten wir Schuldenabbau. Wenn jetzt auch noch der Staat als Schuldner ausfällt, dann provozieren wir den Deflationsschock. Wenn der dann gewütet hat und zahlreiche Unternehmen und Menschen in den Abgrund gerissen hat, dann schlägt selbstverständlich wieder die Stunde der Inflation. Und all das wegen falscher Vorstellungen zum Thema Geld, Steuern, saldenmechanischer Logik und Markt versus Staat.

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      • Larry schreibt:

        Ich bleibe bei meiner Aussage: Staatsschulden sind immer ein Problem.

        Unternehmen können nur dank Staatsschulden zu „Nettosparern“ werden, denn Staatsschulden sind arbeitslose Einkommen (da sie nie zurückgezahlt werden und somit niemand angestellt werden muss). Dies erklärt denn auch die mangelnde Nachfrage. Sie befürchten (zu Recht) den Deflationsschock (der ohnehin kommen wird), wollen jedoch die Steuern erhöhen, was den Deflationsschock genauso provoziert / beschleunigt. Einzige Lösung wäre eine Währungsreform, die wird aber, wenn überhaupt, erst nach dem Deflationsschock kommen, also viel zu spät.

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        • Michael Stöcker schreibt:

          Ich denke, in diesem Punkt müssen wir weiter differenzieren. Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu, wenn mit diesen Schulden ausschließlich konsumtive Ausgaben finanziert werden. Dann sind Staatsschulden in der Tat in der Zukunft vergangenes Nichts.

          Was ist aber, wenn es Nettosparer gibt, die mit ihrem Geld nichts anzufangen wissen, außer bestehende Assets zu kaufen. Dann zirkuliert dieses Geld zwischen den Personen/Institutionen, die sich mit der Geldvermögensanlage beschäftigen oder es liegt ungenutzt auf den Konten der Bürger und Unternehmen und fehlt als Nachfrage im Kreislauf. Dieses Geld findet nicht den Weg in neue Investitionen, da es entweder an guten Ideen mangelt oder aber die Risiken für bestehende Ideen (Kapazitätserweiterungen) größer eingeschätzt werden als die Chancen. Man könnte auch sagen, die Gans ist so fett geworden, dass sie sich nicht mehr bewegen will/kann.

          Da es aber einen Überschuss an Ersparnissen gibt, hat sich darum herum eine ganze sinnfreie FinanzINDUSTRIE gebildet, die bemüht ist, dieses Geld selbstreferenziell zu vermehren (was natürlich aus systemischer Sicht nicht funktioniert). Es geht doch nur noch darum, bestehende Assets in der Bewertung nach oben zu treiben, um dann den (hoffentlich) richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg in Cash zu finden, damit man nach einem Kollaps der Vermögenspreisblase wieder günstig auf Einkaufstour gehen kann. Mit der Realwirtschaft hat das alles schon lange nichts mehr zu tun. Nachhaltigen Wohlstand erzeuge ich mit Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Energiesicherheit sowie Kunst und Kultur. Nichts davon wurde in Angriff genommen. Im Gegenteil, solche Investitionen wurden reduziert (bei Infrastruktur in Spanien z. T. zu Recht).

          Höhere Steuern schlage ich nur für die hohen Einkommen sowie vor allem bei der Erbschaftssteuer vor. Die marginale Konsumneigung bei diesem Personenkreis würde durch eine höhere Besteuerung kaum sinken. Oder glauben Sie, dass ein Milliardär wegen 1 Mio. mehr Steuern auf seinen Ferrari verzichten muss/wird? Der deflationäre Druck im Luxussegment ist wohl eine Schimäre.

          Da ist es bei Unterbeschäftigung sowie geringer Kapazitätsauslastung doch allemal besser, direkt für zusätzliche Nachfrage zu sorgen und damit einen positiven Beitrag zum Wachstum zu leisten, als gar nichts zu tun. Wenn es bei Hundert Euro Investition einen positiven Return von nur 80 % gibt oder gar nur von 30 %, ist dies immer noch besser, als Null von Null. Ein deflationärer Schock mit anschließender Inflation ist doch gerade das Risiko des gegenwärtigen Attentismus.

          In der langen Frist sollten wir allerdings wieder zu einem ausgeglichenen Haushalt kommen. Aber dafür benötigen wir signifikant höhere Steuersätze. Da die nur schwer durchsetzbar sind, bin ich für die zweite Methode, wie der Staat an Geld kommt: durch Inflation. Denn Inflation ist nichts anderes als eine Steuer. Es geht mir dabei aber nicht um Assetinflation (stocks) durch QE sondern um Inflation beim HVPI, dessen Güter/Dienstleistungen jährlich neu erwirtschaftet werden müssen. Damit der ärmere Teil der Bevölkerung nicht unter Inflation leiden muss, bin ich für ein wohldosiertes zentralbankfinanziertes Bürgergeld. Über die Höhe entscheidet autonom die Zentralbank im Rahmen ihres 2 % Ziels. Eine Währungsreform können wir uns dann sparen.

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      • Larry schreibt:

        Dass Staatsschulden nicht rentieren, wissen wir alle und anerkennen auch Sie (s. Ihre Beispiele). Klar, wenn der Staat einmal angefangen hat, Schulden zu machen, dann muss er zwingend weiter machen, sonst kommt es sofort zur deflationären Depression. Nur ist das nicht nachhaltig und schafft langfristig immer mehr Arbeitslosigkeit.

        Einen Überschuss an Ersparnissen kann es volkswirtschaftlich nicht geben, da die Gesamtsumme an Ersparnissen zwingend der Gesamtsumme an Schulden sein muss. Und es sind die Schulden, welche die Ersparnisse schaffen, nicht umgekehrt (s. Zitat von Withers unten). Nun muss aber zwischen privaten Schulden, die zurückgezahlt werden müssen, und Staatsschulden, die nie zurückgezahlt werden, unterschieden werden. Erstere schaffen Reichtum und Beschäftigung, Letztere Zerstörung, Unterdrückung, Erpressung, Folter, Krieg, Inflation, Finanzblasen, Massenarbeitslosigkeit und schlussendlich den Totalkollaps. Es gibt keinen „Überschuss an Ersparnissen“, sondern arbeitslose Einkommen, in Form leerer Forderungen an den „Staat“, anders gesagt: an sich selbst. Der grösste Betrug überhaupt.

        Höhere Steuern, egal bei wem, reduzieren nicht nur die Staatsverschuldung, sondern die gesamte volkswirtschaftliche Neuverschuldung, was unweigerlich zum Crash führen muss, da die bestehenden Schulden dann nicht mehr finanziert werden können. Der deflationäre Schock, den Sie zu Recht befürchten, aber aus den falschen (keynesianischen) Gründen, kommt nicht vom mangelnden Konsum, sondern von der mangelnden Neuverschuldung, es fehlt am Ende immer der „Grenzschuldner“, der mit seiner „Grenzschuld“ das nötige neue fresh money schafft, um die Zinsen der bestehenden Schulden begleichen zu können. Nach einem grossen Crash wollen / können die Privaten nicht mehr investieren (sich verschulden), also rufen alle nach dem Staat, dem „debtor of last resort“, bei dem sich dann alle Investoren flüchten, weil er der einzige ist, der seine „Kunden“ zum zahlen zwingen kann und somit der sicherste aller Schuldner ist. Und wenn ganz am Ende auch dieses Geld nicht mehr reicht (weil alle verarmt sind), dann kommt noch die Zentralbank und „kauft“ dem Staat seine Schulden direkt ab, was dann die berühmten Hyperinflationen provoziert.

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        • Michael Stöcker schreibt:

          Sie schreiben: „Höhere Steuern, egal bei wem, reduzieren nicht nur die Staatsverschuldung, sondern die gesamte volkswirtschaftliche Neuverschuldung, was unweigerlich zum Crash führen muss, da die bestehenden Schulden dann nicht mehr finanziert werden können.“

          Nun, die Luft sollte man nur langsam aus einer Blase entweichen lassen, da sie sich ja auch über viele Jahre aufgebaut hat (mindestens 30). Ein größerer Teil des Wachstums der Vergangenheit basierte doch lediglich auf einer höheren Bewertung von Assets aufgrund ungleicher Einkommensverteilung (vor allem auch Bewertungsgewinne des Finanzsektors). Eine kontinuierlich niedrigere Bewertung durch Steuererhöhung lässt nicht das System zusammenbrechen, sondern führt zu einer Korrektur auf der Passivseite beim Eigenkapital bei den Scheinvermögenden. Wenn sie nicht über genügend Liquidität verfügen sollten, um ihre Steuern zu bezahlen, dann müssen sie eben Teile ihrer Assets verkaufen. Der Marktmechanismus sorgt dann für die in diesem Bereich notwendige deflationäre Genesung. Hier passiert aber nichts wirklich Neues; es werden lediglich Stocks einer neuen Bewertung unterzogen. Zusammenbrechen tut da nichts, außer den Vermögensillusionen und Renditevorstellungen parasitärer Schmarotzer.

          Damit das Ganze ohne größere Friktionen abläuft, habe ich ja den Vorschlag zu einem geldpolitischen Paradigmenwechsel in die Diskussion gebracht. Die aktuelle Diskussion können Sie hier verfolgen: http://blog.zeit.de/herdentrieb/2014/06/14/bundesbank-und-ezb-ueberschaetzen-inflation_7467/comment-page-20#comments

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      • Larry schreibt:

        „Einen Überschuss an Ersparnissen kann es volkswirtschaftlich nicht geben, da die Gesamtsumme an Ersparnissen zwingend der Gesamtsumme an Schulden sein muss. “

        –>

        Einen Überschuss an Ersparnissen kann es volkswirtschaftlich nicht geben, da die Gesamtsumme an Ersparnissen zwingend der Gesamtsumme an Schulden entsprechen muss.

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      • Larry schreibt:

        Klar, das möchten die Zentralbanken auch, die Luft „langsam aus der Blase entweichen lasse“. Nur, das hat noch nie geklappt und dafür gibt es auch gute Gründe. Ungleiche Einkommensverteilung hat es schon immer gegeben, aber grosse Finanzblasen sind ein sehr seltenes (wenn auch zyklisches) Phänomen. Es ist viel mehr die Finanzblase, welche die Einkommen ungleicher mach als umgekehrt. Wie es zu Finanzblasen kommt, wird hier (summarisch) erklärt:

        http://www.goldseiten.de/artikel/18–Das-1×1-der-Wirtschaft.html

        Was während der Blase im Privatsektor (vor allem der Finanz) passiert, hat Hyman Minsky sehr gut beschrieben (die wahren Kausalitäten jedoch missverstanden), mit seinen 3 Unternehmenstypen, die zugleich 3 Stadien der Blase sind: hedge, speculative und Ponzi:

        http://blogs.reuters.com/rolfe-winkler/2008/04/06/minskyin-brief/

        Wenn einmal das Ponzi-Stadium erreicht wird, ist der Crash nur noch eine Frage der Zeit, weil sobald die Assetpreise anfangen zu sinken, kommt es sehr schnell zu Überschuldungen und somit Bankrotte, die dann das ganze Kartenhaus zusammenbrechen lassen, bis zur „Kernschmelze“ (s. Debt-Deflation Theory von Irving Fisher). Und wenn einmal das Vertrauen weg ist, ist das Spiel aus. Der Crash ist also programmiert und jeder staatliche Eingriff, seien es schärfere Reglementierungen oder Steuererhöhungen, können dessen Eintreffen nur beschleunigen.

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      • Linus Huber schreibt:

        Ich habe obige Diskussion gelesen und freue mich, dass hier die Aspekte der Krise tatsächlich richtig angesprochen werden. Der Unterschied zwischen den beiden Meinungen liegt in sich nicht weit voneinander entfernt, sondern es geht mehr um die Mittel um das Problem zu lösen.

        Vorab ist festzustellen, dass in Bezug auf eine mögliche Lösung der Problematik unter dem Strich eigentlich nichts unternommen wurde, sondern die Ausweitung der Kreditmenge im System weiter gesteigert wurde. Die Geldentwertung wird/wurde weiterhin als das Mittel zur Bekämpfung der Problematik gewählt, was eigentlich nichts weiter als eine langsam ablaufende Hyperinflation darstellt, d.h. das Vertrauen in die Währungen schrittweise zerstört. Der Pfad zwischen einer ausser Rand und Band geratene Hyperinflation und der gefürchteten Deflation wird daher immer enger. Nur weil die schleichende Hyperinflation nicht als solche bezeichnet wurde, heisst dies nicht, dass sie nicht ablief/abläuft und entsprechende Konsequenzen nach sich zog/zieht, indem z.B. jeder, welcher sich mit möglichst hohem Hebel positioniert, proportional massive finanzielle Vorteile erhaschen kann, was die Kreditblase anfeuerte. Während vor 2008 sich hauptsächlich die Banken dieses Umverteilungssystems bedienten, wird es heute im grossen Stil im gesamten Unternehmensbereich bewerkstelligt, indem das Risikokapital (Eigenkapital) immer stärker zugunsten von Fremdkapital reduziert wird, um einen entsprechenden höheren Hebel zu erzeugen.

        Worin unterscheiden sich die Lösungsansätze? Grundsätzlich will Michael das Problem durch zusätzliche hierarchische Ebenen planwirtschaftlicher Eingriffe lösen, während Ralf den Standpunkt vertritt, dass dies nicht mit Erfolg gekrönt sein dürfte, sondern einzig eine deflationäre Phase das Problem bereinigen dürfte. Ich positioniere mich eindeutig in Ralfs Lager, denn weitere zentralistische Eingriffe führen/führten nicht zum Ziel und dies aus dem einfachen Grunde, dass die damit verbundenen auf Reflexivitaet und Komplexität beruhenden nicht erkennbaren Konsequenzen, welche sehr wohl qualitativer Art sein mögen, wie z.B. das zunehmende Mistrauen gegenüber den Entscheidungsträgern, der Verlust der Lebensfreude und die nachlassenden Akzeptanz für persönliche Verantwortung (gut erkennbar in Japan) und anderer potentiell viel zerstörerischer gesellschaftlicher Verwerfungen, das menschliche Verständnis auch der hochgebildeten Elite weit übersteigen. Wir müssen das System nicht weiter komplizieren, sondern vereinfachen. Ebenfalls dürfte sich die Jagd (via höherer Steuern) auf die Superreichen (Picketty) als Rohrkrepierer entpuppen und einzig zu einer weiteren Ausdünnung der Mittelklasse führen. Der Einfluss dieser Oligarchen auf die Legislative ist derart hoch, dass sie immer Wege finden werden, auszuweichen. Wer die Einkommensverteilung verfolgt, konnte klar erkennen, dass die Superreichen in 2008 eindeutig am meisten einbüssten, also genau dann wenn sich eine deflationäre Phase meldete.

        Der erste Schritt müsste darin bestehen, die Gesellschaft korrekt zu informieren und die vergangenen Fehler im Dogma der Zentralbanker anzuerkennen. Da es sich um eine politische Entscheidung handelt, sollte die Gesellschaft im Finden eines Lösungsansatzes einbezogen werden, was wohl Michael mit seinem Blog versucht zu erreichen und wozu ich ihm nur gratulieren kann. Allerdings muss das langsam überholte Dogma, dass eine leichte Inflation (Geldentwertung) keine negative Konsequenzen nach sich zieht, endlich über Board geworfen werden. Die Anhänger dieses Dogmas können sehr wohl ihr System beibehalten, aber es sollte ein von der Bevölkerung gewünschtes Alternativ-System gefördert werden, in welchem eine Währung keinem Wertzerfall unterliegt, womit jeder selber auf freiheitlicher Basis entscheiden kann und nicht durch etwelche Massnahmen der Regierungen zu einer bestimmten Handlungsweise genötigt wird. Die persönliche Verantwortung kann einzig damit gesteigert werden, indem auch die entsprechende Freiheit geboten wird. Die gegenwärtige Gangart läuft jedoch genau entgegengesetzt. Ebenfalls soll über einen möglichen Schuldenschnitt nicht durch etwelche Bürokraten entschieden werden, sondern sind selbst Staatsschulden immer an den Willen resp. die Fähigkeit der Bevölkerung, diese Verpflichtungen zu erfüllen, gebunden und müssen daher einer demokratischen Abstimmung unterliegen.

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        • Michael Stöcker schreibt:

          „Worin unterscheiden sich die Lösungsansätze? Grundsätzlich will Michael das Problem durch zusätzliche hierarchische Ebenen planwirtschaftlicher Eingriffe lösen…“

          Falls dieser Eindruck bei Ihnen entstanden sein sollte, dann habe ich mich vielleicht an der einen oder anderen Stelle missverständlich ausgedrückt oder aber Sie haben noch nicht alle Facetten dieses 10-Punkteplans erfasst. Ich bin grundsätzlich ein Befürworter eines schlanken Staats mit möglichst dezentraler Planung; allerdings ohne libertären Dogmatismus. Ihren Verbesserungsvorschlag bzgl. der Abzahlungsgeschäfte habe ich sofort übernommen, da er viel eleganter ist als mein ursprünglicher Vorschlag. Nochmals vielen Dank hierfür.

          Auch die Vorschläge zu einem ZFB setzen gerade an diesem dezentralen Prinzip an. Siehe hierzu auch dieser Kommentar im Herdentrieb.

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      • Linus Huber schreibt:

        Sorry, meine Überlegungen entsprechen wohl eher denen Larrys und nicht unbedingt Ralfs.

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      • Larry schreibt:

        @ MS

        Alles was die (Geld-)Politiker tun können, ist etwas weniger schlechtes Geld schlechtem nachzuwerfen: die Schulden der bankrotten Banken, Grossunternehmen und Staaten werden durch die noch nicht Bankrotten Staaten übernommen, sei es direkt (EFSF, ESM, IWF) oder über die Zentralbank. Motto: es darf nicht schmerzen! Gewinner: die Gläubigerklasse (Banken, Reiche, Beamte, Berufspolitiker, Rentner, subventionierte Unternehmen usw.). Verlierer: die Schuldnerklasse (Arbeiter, Kleinunternehmer, Studenten usw.). Dass angesichts dieser schreienden Ungerechtigkeit (wer hat, dem wird gegeben) der Ruf nach mehr Umverteilung immer stärker wird, ist klar. Dabei geht aber sehr schnell vergessen, dass die Blase die Folge einer ganz bestimmten, auf die Interessen der Gläubiger orientierten (Geld-)Politik ist. Wenn jetzt von offizieller Seite plötzlich eine radikal andere (auf die Interessen der Schuldner orientierte) Politik bevorzugt würde („zentralbankfinanziertes Bürgergeld“), so würde die Blase (die ja ausschliesslich von den Gläubigern aufgeblasen wird) sofort platzen, mit all den bereits erwähnten Folgen.

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      • Larry schreibt:

        @ LH

        Der (momentane) Erfolg der bisherigen Politik beruht in sehr grossem Masse auf Täuschung, daher wären die Auswirkungen einer „korrekten Information“, wie Sie sie fordern, für das System absolut verheerend (ich persönlich hätte nichts dagegen, ganz im Gegenteil, weil ich dieses System als hochkriminell erachte). Und da die Profiteure an der Macht sind (bzw. die Fäden ziehen), darf nicht damit gerechnet werden.

        Das Problem liegt nicht in der Inflation (bei den Konsumgütern gibt es eher Deflation), sondern in der Überschuldung. Sobald die Blase platzt, wird die Deflation massiv zunehmen, einen ersten Vorgeschmack davon hatten wir 2009. Die Währung wird somit an Wert *zulegen*, nicht verlieren. Die Verpflichtungen, die von den Staaten in Form der Staatsschulden eingegangen werden, können niemals erfüllt werden, denn das Geld ist nicht vorhanden. Staatsschulden sind, wie es PCM treffend formuliert hat, „nichts anderes sind als Forderungen der Bürger an sich selbst, Schwindelpapiere also, oder eben ein „hochverzinsliches Nichts“.“

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      • Linus Huber schreibt:

        @ Larry

        Der Begriff „Inflation“ wird heute hauptsächlich in Anwendung des Konsumentenpreisindexes als Masseinheit verwendet, was grundsätzlich eine fragwürdige Auslegung ist, denn dieser Index deckt einzig einen beschränkten Bereich einer Volkswirtschaft ab und die Preise in diesem Bereiche müssten aufgrund Produktivitätssteigerungen eigentlich seit Jahrzehnten sinken (Greenspans „conumdrum“ – keine Inflation trotz gutem Wirtschaftswachstums – Ende der 90iger Jahre zeigt dabei gut auf, wie einfältig dieser Masstab in der Geldpolitik ist). Die Inflationierung der Geldmenge (Wachstum längerfristig weit über dem Wirtschaftswachstum) muss sich daher keineswegs in steigenden Preisen bemerkbar machen, sondern findet sich aufgrund der damit erzeugten „Flucht aus dem Geld“ in Verzerrungen des Preisgefüges (z.B. Blasenbildungen im Bereiche der „tangible assets“ und Finanzprodukte) wieder. Die Überschuldung ist das Resultat dieser fehlerhaften Doktrin der Geldentwertung und hätte unter dem Aspekt des Respekts für die langfristige Nachhaltigkeit des Systems gar nie zugelassen werden dürfen. Es erlaubte die Mobilisation verschiedener staatlicher Programme (Student-loans, Wohneigentumsförderung etc.), welche eine entsprechende Anspruchshaltung der Bevölkerung produzierte, die jedoch nicht erfüllbar sein wird, da die eingegangenen Verpflichtungen nicht erfüllbar sind. Die gegenwärtige Geldpolitik (Ausweitung der Bilanzen der Zentralbanken) bezweckt einzig, diesen Umstand zu vertuschen und die notwendigen Abschreibungen (Schumpeter) zu verhindern, respektive das Resultat der Konsequenzen der langfristigen inflationären Geldpolitik weiterhin in die Zukunft zu verschieben, womit das Problem sich einzig vergrößert und nicht gelöst wird.

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  6. Ralf Jacob schreibt:

    Hallo Michael,
    auf ein Neues.
    Deine Antworten haben leider noch nicht dazu geführt, dass ich Deinem 10-Punkte-Plan in seinen wesentlichen Punkten folgen kann.
    Deine Kernthese, die Bürgerfinanzierung, verbindest Du mit dem Begriff der negativen Einkommensteuer. Dieses Konzept kenne ich eigentlich in der Ausgestaltung, dass diese nur bei Beziehern geringer Einkommen greift, während sie bei höherem Einkommen abschmilzt und ab einem bestimmten Punkt (beispielsweise mit Überschreiten eines Grundfreibetrages) zu einer positiven Einkommensteuer führt. Da Du aber für alle Bürger unabhängig von der Einkommenslage ein Bürgergeld vorsiehst kann ich das mit dem Konzept der negativen Einkommensteuer so nicht in Übereinstimmung bringen.
    Nicht erkennen kann ich nach wie vor die damit gewünschte Nachfragewirkung bis hin zum Inflationsdruck. Es mag wohl sein, dass die Geringverdiener dieses Geld durch Konsum umgehend in den Wirtschaftskreislauf zurückführen, gleiches kann man bei mittleren und größeren Einkommen gewiss nicht unterstellen, da dort die Sparneigung eher ausgeprägter sein dürfte.

    Deine Argumente zum Thema Staatsverschuldung sind ja ein Stück weit nachvollziehbar. Leider ändern sie nichts an der Tatsache, dass nur in Deutschland jährlich zwischen 50 und 70 Mrd. Euro auf Grund eben dieser Staatsverschuldung eben nicht für die so notwendigen Investitionen in die Infrastruktur zur Verfügung stehen sondern in den Schuldendienst fließen. Was soll daran „unproblematisch“ sein? Darauf habe ich noch keine Antwort gefunden.
    Ich verstehe den Vorschlag zur Revolvierung der Südländer durch die EZB so, dass im Rahmen einer Umschuldung die EZB als neuer Gläubiger für die bestehenden Staatsschulden der Länder eintritt, dann aber mit einem niedrigeren Zins in Höhe von 1-1,5 (2,5) %?!
    Wenn das so ist, dann würden sich die Südländer allerdings günstiger (re)finanzieren als die meisten der übrigen Staaten der Eurozone. Das Modell wäre also nur konsequent, wenn alle! Länder auf diese Weise über die EZB finanziert würden. Damit wären außerdem die Staatsfinanzen weitestgehend vom Kapitalmarkt entkoppelt und institutionelle Anleger hätten nicht mehr die Möglichkeit, auf den Konkurs einzelner Länder zu spekulieren.

    Bezüglich der Privatverschuldung kann ich mich nicht erinnern, dass diese in Deutschland je ein Problem dargestellt hätte. Dein persönlicher Vergleich mit Drogen scheint mir sehr subjektiv, natürlich gibt es immer wieder Menschen, die sich überschulden aber es ist doch zumindest in Deutschland kein gesellschaftliches und gleich gar kein finanzwirtschaftliches Problem. Die faulen Kredite in den Bilanzen unserer Banken sind doch am allerwenigsten Privatschuldnern zuzurechnen. Und wenn doch, dann liegt das Risiko genau beim Richtigen, nämlich bei der Bank selbst, der schließlich die Prüfung der Bonität zukommt.
    Kurz nachrecherchiert: Ganze 12 % der Überschuldungen privater Haushalte in Deutschland sind auf das Konsumverhalten zurückzuführen; Arbeitslosigkeit, Scheidung und Krankheit (=Drogen?) dagegen machen deutlich über 50 % aus.
    Warum also eine neue Reglementierung an dieser Stelle?
    Was Du für die Staatsverschuldung reklamierst (kein Problem bei entsprechendem BIP) sollte m.E. auch für die Privatverschuldung gelten (kein Problem bei entsprechendem Einkommen).
    Die unterschiedliche Behandlung von Konsumentenkrediten (Begrenzung auf 5.000 €) und privaten Immobilienkrediten (keine Begrenzung) erscheint mir zudem angesichts der die Finanzkrise auslösenden Subprimekrise in den USA als nicht zielführend. Auch die im Unterschied zu Deutschland recht hohen privaten Verschuldungsquoten in Spanien, Großbritannien, Frankreich und Italien sind im Wesentlichen dem dortigen Immobilienboom geschuldet.

    Zur Ablehnung der Vermögensabgabe auf Grund ungewisser Preisentwicklungen bei den Assets:
    Handelsblatt vom 11.11.2013:
    „Glaubt man einer aktuellen Umfrage der amerikanischen Citi Private Bank unter weltweit 50 Vermögensverwaltern besonders reicher Familien – den sogenannten Family Offices – werden im Schnitt 39 Prozent des verwalteten Vermögens in Liquidität geparkt, etwa auf einem einfachen, schlecht bis gar nicht verzinsten Bankkonto. Nur 25 Prozent des Vermögens war in Aktien investiert.“
    Glaubt man wiederum diesem Artikel dürfte die Liquidität zur Begleichung einer Vermögensabgabe nicht das Problem sein. Außerdem besteht die Möglichkeit – wie auch früher schon praktiziert – die Zahlung der Vermögensabgabe über einen Zeitraum von z.B. 10 Jahren zu strecken (das dürfte in etwa der Zeitraum sein, indem die Vermögensblase in der Vergangenheit ihre höchsten Zuwächse hatte). Sollte ein Abstoßen von Aktien oder Immobilien dennoch nötig sein dürfte das m.E. nur dazu führen, dass die völlig überhöhten Preise bei Aktien und Immobilien zu Recht korrigiert werden.

    Das von Dir ins Spiel gebrachte Arbeitszeitgesetz trägt ja nun offensichtlich Züge eines Arbeits- und Sozialgesetzes, wir sollten über diesen „ massiven Eingriff in die Vertragsfreiheit“ in einer sozialen Marktwirtschaft des 21.Jh in Mitteleuropa froh sein. Wie gut man mit dem System des Sozialausgleichs fährt ist an der Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gut zu beobachten.
    Eine wirtschaftliche Zielstellung im Sinne der Regulierung des Angebotes war und ist nicht gewollt.
    Wenn man die Sättigung des Marktes an Grobindikatoren wie Arbeitslosigkeit und Inflationsrate (die wie wir wissen auch immer statistische Fallstricke beinhalten) festmachen möchte wird man natürlich auch nur ein sehr grobes Ergebnis erhalten. Trotz einer derart festgestellten Marktsättigung wird es immer Teilmärkte (z.B. im EU-Ausland) geben, die zur gleichen Zeit rasant wachsen – wie soll ein Unternehmen mit nach unten limitierter Jahresarbeitszeit dann auf diese speziellen Herausforderungen reagieren und die Nachfrage decken? Es wird zwangsläufig Marktanteile an die Konkurrenz verlieren.
    Es ist nicht das Gleiche, wenn ein Unternehmen wie Porsche auf Grund seiner ganz individuellen Marktkonstellationen, Geschäftsprozesse und Zukunftseinschätzungen zum Ergebnis einer Arbeitszeitverkürzung kommt (offenbar auch unter starker Mitwirkung des Betriebsrates) oder wenn der Staat diese für alle Unternehmen (eben dann unabhängig von deren individuellen Marktkonstellationen) gesetzlich festlegt. Nicht zu vernachlässigen dürfte auch das Verhalten der Tarifparteien sein wenn es um die Frage des Lohnausgleichs bei kürzerer Jahresarbeitszeit geht.
    Das sollten meine Anregungen für heute gewesen sein,
    mit besten Grüßen
    Ralf

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Lieber Ralf,

      die negative Einkommensteuer à la Stöcker ist wie ein Steuerfreibetrag zu sehen, der real ausgezahlt wird und bei der Steuererklärung selbstverständlich beim zu versteuernden Einkommen zu berücksichtigen ist. Er steht zugleich jedem Bürger des Eurosystems zu, also auch den Reichen. Ich bevorzuge einfache transparente Regeln. Wer dies als ungerecht empfindet, kann ja den Spitzensteuersatz um 1 % heraufsetzen und dann gilt der Grundsatz: Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen. Allerdings gilt dies auch schon beim aktuellen Steuersatz, so dass bei den hohen Einkommen real nur etwas über 50 % hängen blieben. Bei den höheren Einkommen kommt von daher weniger oder aber gar nichts an und fehlt damit auch nicht als Nachfrage, sondern füllt den Steuersäckel. Und den Politikern fällt mit Sicherheit etwas ein (vielleicht ja sogar mal etwas sinnvolles). Und bedenke bitte, dass die Einkommensverhältnisse nach längerer Arbeitslosigkeit (AL-Quote > 12 % in Euroland) doch so manchen Konsumwunsch unerfüllt ließ.

      Die Sache mit den Zinszahlungen läuft relativ schnell gegen Null, vor allem dann, wenn die Inflation die Renditen weiter ins Minus treibt. Die Flucht in die Sachwerte wird steigen. Die steuerrechtliche Alimentierung des Goldes sollte sofort beseitigt werden. Jede Flucht ist ein Kauf und führt zu steigenden Steuereinnahmen und erleichtert somit die Schuldentilgung.

      Eine Alimentierung der Südländer bei einer Revolvierung zu 1 – 2 % sehe ich nicht, da bei einer solchen Politik sehr schnell die Renditen für Anleihen gegen Null laufen. In der Schweiz und in Deutschland gab es schon Emissionen mit einem negativen Zins. Zudem: Wenn klar und glaubhaft kommuniziert wird, dass alle Staatsschulden zurückgeführt werden, dann entfällt die Zitterprämie und die Märkte sind froh, wenn sie noch eine europäische Staatsanleihe für 1 % erwerben dürfen. Und die Sache mit der Spekulation: Nun, das ist dann aber doch das Problem der Spekulanten. Die können immer durch eine kampfbereite Zentralbank schachmatt gesetzt werden. Man muss es nur wollen und glaubhaft verkünden. Ansonsten kann ich keinen sinnvollen gesamtgesellschaftlichen Nutzen in einer solchen Tätigkeit sehen. Für Menschen mit solchen Neigungen gibt es doch Monte Carlo. Da richten sie sich wenigstens nur selbst zu Grunde, aber bringen nicht das Gesamtsystem zum Kollabieren.

      Privates Verschuldungsproblem in Deutschland: Richtig, das ist nicht wirklich vorhanden. Aber nimm doch bitte die deutsche Brille ab: Wir haben eine Währung; und die gilt eben auch in Spanien und Co. Und da spielt eben gerade die private Verschuldung eine große Rolle. Wie übrigens in den USA auch. Und wenn immer noch gelten sollte, dass uns die USA 10 Jahre voraus sind, dann bin ich doch eher für Krisenprävention. Zudem ist zu beachten, dass die Banken ein neues Geschäftsfeld benötigen, wenn es bald keine Bonds mehr gibt. Langfristig kann das bei einer finanziell aufgeklärten Bevölkerung aber vielleicht wirklich einmal überflüssig sein. Im Moment bin ich da eher skeptisch, was die Rechenkünste unserer Studierenden angeht. Prozentrechnen und Exponentialfunktionen sind für viele doch eher böhmische Dörfer. Mein wichtigstes Argument stützt sich jedoch auf das Stabilitätsgesetz. Es geht um ein stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum. Verschuldung für Konsum heute steht diesem Ziel diametral entgegen und verstärkt die konjunkturellen Schwankungen. Achterbahn fahren ist aber keine ökonomische Disziplin sondern gehört auf den Rummel (wie übrigens auch die simplifizierenden Theorien zur Umlaufgeschwindigkeit des Geldes).

      Verschuldung und Immobilien: Bei drohender Blase kontinuierliche Erhöhung der Eigenkapitalvorschriften sowie markante Erhöhung der Grunderwerbssteuer mit gleichzeitiger gestaffelter Reduzierung (z. B. 15 % mit sukzessiver Rückführung um 1 % über 12 Jahre). Dann entsteht zumindest keine kreditinduzierte Blase.

      Zum Thema Arbeitszeitanpassung: Diese Maßnahme ist genauso grob, wie eine negative EK-Steuer. Mit Feinsteuerung ist jede Institution überfordert und sollte von daher auch unterbleiben. Wirtschaft ist eben ein hochkomplexes System mit vielen Rückkopplungseffekten. Aber wenn die allgemeine Arbeitslosigkeit steigt, weil die Betriebe ihre Beschäftigung an eine sinkende Nachfrage anpassen, dann führt eine gesetzliche Reduktion der Arbeitszeit zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Arbeit. Wir arbeiten heute ja auch nicht mehr 6 Tage pro Woche. Warum nicht eine 4-Tage-Woche, wenn es aufgrund der gestiegenen Produktivität möglich ist. Wenig sinnvoll erscheint mir eine Situation, in der sich der eine Teil abrackert und der andere Teil zu Hause Däumchen dreht. Wieso hier einer Marktanteile verlieren sollte, erschließt sich mir nicht. Solche Maßnahmen werden ja nicht in einer Nacht- und Nebelaktion beschlossen. Jeder Betrieb wird also genügend Zeit haben, sich auf eine neue Arbeitszeitregelung einzustellen und kann neue Arbeitskräfte einstellen und anlernen.

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      • rubybescon schreibt:

        „Es geht um ein stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum. Verschuldung für Konsum heute steht diesem Ziel diametral entgegen und verstärkt die konjunkturellen Schwankungen.“
        Investitionen sind Konsum vorgelagert und sind selbst Konsum nur über die längere Nutzungsdauer.
        Bei Bildungsleistungen fällt die Abgrenzung besonders unergiebig aus. Die Wirkungen und Leistungen für die Nutznießer können nicht pauschal als diametral gekennzeichnet werden.
        So ist z.B. die Investitionsentscheidung für eine Schulinstitution später als nachteilig möglich. Außerdem sind die Zahlungsströme dieser Finanzplanung extrem schwankungsempfindsam.
        Angemessen liegt zwischen 2,0 bis 5,0 % für Deutschland gemäß magischem Viereck aber für China bei 10 %, weil es die USA einholen will bis 2040?
        Oder geht es darum Ziele vorzugeben und diese einzuhalten?
        Haushaltstechnische Schuldenabgrenzungen sind wann produktiv sinnvoll?
        Bei 5 % Eigenkapitalzins oder 0,25 % Fremdkapitalzins?

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      • Kai schreibt:

        Ich möchte etwas zur Diskussion in Bezug auf Punkt 2 beitragen und würde mich über eine positive Antwort freuen.

        Aussage aus dem Kommentar:

        Mann Wer dies als ungerecht empfindet, kann ja den Spitzensteuersatz um 1 % heraufsetzen und dann gilt der Grundsatz: Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen.

        Von der Erhöhung des Spitzensteuersatz würde ich dringend abraten. Friedman sagte bereits damals, wie das Geld am effizientesten ausgegeben wird. Wenn der Sinn der Wirtschafts darin bestehen soll, auch die Bedürfnisse der Armen verstärkt und ungehindert zu befriedigen und dies auch wenn das Geld gehortet wird, dann sollte man es den Menschen direkt geben. Woher soll der Staat den wissen, was für mich gut ist.

        Außerdem wäre ich dafür, dass dieser Betrag zwar jeder erhält, dass dieser jedoch mit Sozialleistungen verrechnet wird. Dies würde zusätzlich die Motivation selbst zu arbeiten steigern und Sozialschmarotzertum vorbeugen.

        Um das Ungerechtigkeitsempfinden nicht so sehr herauszufordern, wäre es auch gut, wenn dieser Betrag komplett steuerfrei wäre. Ansonsten wäre es nichts anderes als eine Transferleistung von fleißig zu weniger fleißig.

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        • Michael Stöcker schreibt:

          Schön, dass Sie einen Beitrag zur Diskussion leisten. Ob Sie sich über diese Antwort freuen, kann ich nicht einschätzen, da ich nicht weiß, was Sie unter einer „positiven“ Antwort verstehen.

          Friedman hat (wie viele andere auch auf dieser Welt) Sinnvolles aber auch weniger Sinnvolles gesagt und geschrieben. Ohne hier ein großes Fass aufmachen zu wollen; denn dies ist nicht das Anliegen dieses Blogs: Die Höhe des Spitzensteuersatzes ist zugleich auch eine Frage des intragesellschaftlichen Ausgleichs und somit der Förderung und Herstellung von Gleichgewichtszuständen. Geldvermögensbildung geht nur über eine synchrone Verschuldung. Da es aber für Unternehmen und Haushalte natürliche Verschuldungsgrenzen gibt, Haushalte sich aber eigentlich nicht verschulden sollten und Unternehmen in Deutschland mittlerweile zum Nettosparer mutiert sind, bleibt nur noch der Staat oder das Ausland, das sich verschulden muss. Das Ausland ist oftmals ein schlechter Schuldner (Griechenland, Portugal etc.). Bleibt also nur noch der Staat. Macht man nun aber Ernst mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt, dann darf sich der Staat nicht weiter verschulden, sondern muss sogar Schulden abbauen. Dies geht rein logisch nur mit einem Geldvermögensabbau. Und da ist doch der Spitzensteuersatz ein konjunkturell besseres langfristiges Instrument als eine höhere Mehrwertsteuer (vom kurzfristigen einmaligen Konsumvorzugseffekt mal abgesehen).

          Ich habe zu sehr hohen Gewinnen und Einkommen (> 500.000 EUR) vermutlich eine (mittlerweile) andere Sicht als Sie. Hohe Gewinne sind manchmal Ausdruck außerordentlicher Leistung, oftmals jedoch lediglich Ausdruck mangelnden Wettbewerbs sowie kartellistischer Machtstrukturen. Und hohe Einkommen korrelieren ebenfalls nur sehr selten mit der individuellen Leistung, sondern basieren vor allem auf dem Glück, im richtigen Land, in der richtigen Familie, mit den richtigen Freunden sowie den richtigen Lehrern aufgewachsen zu sein und dann auch noch die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben. Ich will den persönlichen Willen und Ehrgeiz hierbei nicht kleinreden, bzw. kleinschreiben. Aber die hohen Einkommen, gerade auch im Finanzsektor, sind doch keinesfalls Ausdruck individueller Leistung, sondern basieren zu einem großen Teil auf dem missbräuchlich parasitären Verhalten gewissenloser Subjekte, denen das Gemeinwohl am Ar… vorbeigeht. Von daher bin ich ein entschiedener Befürworter einer kontinuierlichen Steuerprogression mit deutlich höheren Freibeträgen, die erst bei einem Spitzensteuersatz von 90 % enden sollte (war übrigens im Zentrum des Kapitalismus früher üblich: http://www.zeit.de/2010/31/Spitzensteuersatz/seite-2 ). Zur Problematik der Tax Arbitrage siehe auch: https://future.arte.tv/de/thema/steuerflucht

          Sollten Sie dem nicht zustimmen können, sollte Ihnen bewusst sein, dass Sie damit implizit ein schwächeres Wachstum mit steigender Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen und somit vielen Menschen eine selbstbestimmte Existenz verunmöglichen, während die Reichen dieser Welt oftmals nicht wissen, was Sie mit Ihrem Geld Sinnvolles anfangen sollen. Die Assetpreisblasen sind hier doch ein beredtes Zeugnis. Die Reichen dieser Welt wissen vielleicht besser, was für sie selbst gut ist, sie wissen aber nicht/selten, was für die Gemeinschaft gut ist und damit in der langen Frist für uns alle. Statt automobile Blechträume im Rest der Welt per Kapitalexport zu finanzieren, wäre die gesamtgesellschaftliche Rendite von Bildungs- und Infrastrukturinvestitionen im eigenen Land deutlich besser ausfallen.

          Die Geschichte mit dem „Sozialschmarotzertum“ sollte man nicht überbewerten. Es gab und gibt immer mal schwarze Schafe. Um es denen so schwer wie möglich zu machen, ist doch eher eine hohe Beschäftigungssituation förderlich. Wir haben durch die asymmetrische Einkommensentwicklung in den letzten Jahren am unteren Ende viele Menschen, die fleißig arbeiten, aber dennoch nicht über die Runden kommen, sondern auf staatliche Ergänzungsleistungen angewiesen sind. An der Systematik der Berechnung sollte sich aber nichts ändern. Insofern ja, die Zentralbankgutschrift sollte bei der Berechnung berücksichtigt werden. Zugleich schwindet die Anzahl der berechtigten Personen und dient der bürokratischen Effizienzsteigerung.

          Wieso Sie allerdings einen weiteren Steuerausnahmetatbestand fordern und diese Einkunftsart steuerfrei stellen wollen, kann ich nicht nachvollziehen; denn Einkommenshöhe und Fleiß korrelieren ab einer bestimmten Einkommenshöhe eher selten. Tatsächlich haben wir es in den letzten 30 Jahren doch eher mit dem umgekehrten Phänomen zu tun. Die Reichen dieser Welt entziehen sich ihrer Verantwortung und bringen somit das Gesamtsystem an den Rand des Kollapses.

          Übrigens: Ihrer Logik folgend bin auch ich gerade ein fauler Schmarotzer, da mein nichtsnutziges Geschreibe ja keinen messbaren monetären Ertrag erwirtschaftet. Der homo oeconomicus ist eben doch nur ein Homunculus.

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  7. rubybescon schreibt:

    Die Herdentriebler beginnen zu verstehen, was ich reziproken Vermögensabbau in reale nachhaltige Investitionen genannt hatte.
    Ideen und Anregungen immer wieder nachdenkenswert .

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  8. rjmaris schreibt:

    internetrecherchebedingt bin ich auf ein mir bis dato unbekannten Blog http://economyatrisk.wordpress.com/2011/11/27/die-krise-der-eurozone-eine-standortbestimmung/ gestoßen. Es handelt sich auf dieser Seite um eine vergleichende Bewertung von Strategien zur Bekämpfung der Eurokrise. Eines der Vorschläge: „Verteilung eines gleich hohen Geldbetrages an alle Bürger der Eurozone“. Dazu fiel mir Ihre Bürgerfinanzierung ein, den Sie im Herdentrieb auch gelegentlich zum Vorschein holen. Mir wird jetzt klar, dass Vorschläge in dieser Richtung mehr Befürwörter kennen als ich das so einschätzte. Bernanke (Helicopter-Ben), Skidelsky und Randy „Stabilizing prices is immoral“ Waldman. Ich freue mich, dass auch Prominente sich mit Bürgerfinanzierung auseinander setzen.

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  9. veblen schreibt:

    Hallo Michael Stöcker,

    wie versprochen habe ich mir etwas Zeit genommen, um über Ihren Neun-Punkte-Plan nachzudenken. Weil mein Kommentar ziemlich lang ausfällt, habe ich mich entschlossen, ihn hier zu veröffentlichen.

    Zunächst einmal zu Ihrer These von den gesättigten Märkten. Mit Binswanger kenne ich mich zu wenig aus. Aber wenn Sie wie Dietmar Tischer davon ausgehen, dass in Deutschland die meisten Bedürfnisse mittlerweile befriedigt seien, und deshalb die Binnennachfrage so niedrig sei, dann muss ich widersprechen. Wenn das so wäre, dann müsste die marginale Konsumquote gegen Null tendieren. Das ist aber nicht der Fall. Ein Anstieg des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte um einen Euro hat in den letzten Jahren immer zu einem Anstieg des privaten Konsums um mindestens 0,9 Euro geführt.

    Nun zu den einzelnen Punkten Ihres Vorschlags:

    Zu I. Eine verfassungsrechtliche Verankerung eines Inflationsziels von 2 % halte ich schon deshalb nicht nicht für zielführend, weil die EZB diese Ziel gar nicht garantieren kann. Ausserdem kann es aufgrund aussenwirtschaftlicher Ungleichgewichte innerhalb des Euroraums notwendig sein, dass in Überschussländern eine höhere und in Defizitländern eine niedrigere Inflationsrate als 2 % angestrebt werden sollte.

    Zu II. Ich will zuerst auf die buchhalterischen Aspekte eingehen, die Sie wie folgt dargestellt haben: „Das Ganze ist technisch gesehen reine Buchhaltung und läuft auf 4 Ebenen ab: Auf der obersten Ebene verbucht die EZB eine ewige Forderung gegen jede nationale Notenbank in Höhe der nationalen Gesamtsumme auf der Aktivseite ihrer Bilanz und auf der Passivseite verbucht sie auf dem Konto Zentralbankgeldlieferung die Erinnerung daran, dass sie auch tatsächlich Zentralbankgeld zu Verfügung gestellt hat (für Deutschland ca. 6,6 Mrd. Euro pro Monat).“

    Hier fehlen noch die Gegenbuchungen bei den NZBen. Als Gegenbuchung zur ewigen Forderung der EZB müsste z. B. die Bundesbank eine ewige Verbindlichkeit auf der Passivseite verbuchen. Auf der Aktivseite müsste sie spiegelbildlich zur Zentralbanklieferung der EZB den Zentralbankeingang verbuchen. Das wäre zumindest ungewöhnlich, denn Zentralbankgeld befindet sich üblicherweise auf der Passivseite einer Notenbank. Und noch ist kein Geld auf dem Konto des Bundes. Schreibt sie das Geld auf dem Konto des Bundes auf der Passivseite gut, braucht sie wieder eine Gegenbuchung auf der Aktivseite, also z. B. eine ewige Forderung gegen den Bund. Das Ganze ist wenig elegant und irgendwie doppel gemoppelt, vor allem dann, wenn man das ganze Eurosystem konsolidiert. Würde die ewige Forderung – ermächtigt durch die EZB – gleich auf der Ebene der NZBen verbucht, käme man mit einem Buchungssatz aus.

    Ganz generell, glaube ich, dass OMF funktionieren könnte. Die Vorteile gegenüber herkömmlichem deficit spending würde ich allerdings nicht so hoch bewerten wie Turner (crowding out spielt in einer Liquiditätsfalle eh keine Rolle und Ricardianische Äquivalenz halte ich für ein theoretisches Hirngespinst). Aber wenn OMF, dann nur als einmalige Auszahlung. Schließlich betreten wir hier unbekanntes Terrain. Turner selbst spricht ja von einer „extrem option“. Eine kontinuierliche Auszahlung des Fiatgeldes an die Bürger würde dagegen nur schwer wieder revidierbare Gewöhnungseffekte hervorrufen. Und was natürlich gar nicht geht, ist die Verteilung des Fiatgeldes entsprechend dem BIP-pro-Kopf in den einzelnen Ländern. Was meinen Sie, wie die ärmeren Länder darauf reagieren würden, dass die reichen Länder nun auch noch mehr Geld von der gemeinsamen Zentralbank geschenkt bekommen sollen. Weiterhin gilt es zu bedenken, dass staatliche Investitionen größere Multiplikatoreffekte hervorrufen als Tranfers an die Bürger.

    Zu III. Das kapiere ich gar nicht. Erst wollen Sie die aggregierte nominale Nachfrage durch OMF anheben, dann wollen Sie Budgetüberschüsse, die per se dämpfend auf die Nachfrage wirken, verfassungsmäßig verankern. Das ist so, als ob sie mit dem einen Fuß Gas geben und mit dem anderen auf der Bremse stehen würden. Wie gleichzeitig die Verschuldung zurückgeführt werden soll, die Neuverschuldung aber nicht, verstehe wer will; ich nicht. Zudem können Einnahmenüberschüsse des Staates saldenmechanisch nur dann realisiert werden, wenn der Rest der Welt (Haushalte, Unternehmen, Ausland) mehr ausgibt als einnimmt. Letzteres können Sie aber staatlich nicht verordnen. Will der Rest der Welt auch „sparen“, dann geht`s südwärts mit der Wirtschaft, was wir in den Krisenländern gerade beobachten können.

    „Nachdem alle Schulden zurückgezahlt worden sind, werden die Haushaltsüberschüsse an die Zentralbank abgeführt und ein Teil des kontinuierlichen Geldzuflusses wird wieder an die EZB abgeführt und verringert die ewige Forderung. Das aus dem Nichts geschaffene Geld verschwindet somit zu einem Teil auch wieder im Nichts.“

    Das ist nun wirklich der Knaller im Zusammenhang mit IV., der kontinuierlichen Erhöhung des Mindestreservesatzes auf 100 %. Also das reine Fiatgeld verschwindet durch Haushaltsüberschüsse und die Banken können kein Geld mehr schöpfen. Da stellt sich die spannende Frage, wo überhaupt noch Geld herkommen soll.

    Ich denke, das sollte als Anstoß, Ihren Vorschlagkatalog noch einmal gründlich zu überdenken, erst mal reichen.

    LG veblen

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, meine Ideen zu durchdenken und vor allem auch zu kommentieren. Ich lege auf Ihre Meinung großen Wert, da Ihre Kommentare im Herdentrieb zu den hochwertigsten zählen.

      Die Sache mit den gesättigten Märkten sehe ich ähnlich wie Sie. Es gibt schon noch Wachstum, aber eben nicht mehr wie früher mit Raten von 3–4 Prozent, sondern eher noch mit 1–2 Prozent, Tendenz weiter fallend. Es gibt sehr wohl noch für vermutlich eine längere Zeit mehr oder weniger lineares Wachstum, was dann aber eben fallende Wachstumsraten impliziert. Ich gehe also davon aus, dass die Wachstumsraten langfristig gegen Null laufen, aber nicht Null erreichen werden und somit immer etwas lineares pro Kopf Wachstum wahrscheinlich ist. Bei einer anderen Sichtweise machten meine Vorschläge zu einem zentralbankfinanzierten Bürgergeld (ZFB) auch keinen Sinn. Zusätzliches Geld würde in diesem Fall keine weitere Nachfrage generieren. Aber gerade die schwache Reallohnentwicklung in den ersten Einkommensdezilen in den letzten 20 Jahren sprechen eher für eine hohe marginale Konsumneigung bei dieser Gruppe.

      Eine verfassungsrechtliche Verankerung eines Inflationsziels ist in der Tat nicht sinnvoll, da zu viele Faktoren die Inflationsrate beeinflussen, die nicht immer (eher selten) exakt durch die Zentralbank gesteuert werden können, da sie eben auch von der Fiskal- und vor allem der Lohnpolitik abhängt (externe Schocks mal außen vor). Mit den klassischen Instrumenten kann die Zentralbank in gesättigten Märkten das Inflationsniveau kaum noch steuern, außer vielleicht mit Erwartungspsychologie (Forward guidance) im Sinne einer sich selbst erfüllenden Erwartung. Mir war die Bedeutung eines Inflationsziels in mindestens dieser Höhe so wichtig, dass ich hier in der Tat über das Ziel hinausgeschossen bin. Um die Bedeutung eines solchen Inflationsziels zu betonen, wäre wohl eine explizite Aufnahme einer Mindestinflationsrate in den VERTRAG ÜBER DIE ARBEITSWEISE DER EUROPÄISCHEN UNION (AEUV) ein gangbarer anzustrebender Weg.

      Die technische Umsetzung muss meines Erachtens schon über diese 4 Ebenen laufen, da diese neue Form von Geldpolitik erst einmal unbesichertes exogenes Geld ohne konkreten Rückzahlungstermin in den Umlauf bringt. Eine unkontrollierte ewig perpetuierte Fortführung unterminiert das Vertrauen in eine Währung. Durch diese Art der Verbuchung ist immer klar, wie viel exogenes Geld bei welcher NZB geschaffen wurde. Die Entscheidung über die Höhe darf aber nicht bei der NZB liegen, sondern ausschließlich bei der EZB. Dafür müssten wir natürlich insgesamt ein klares 3-stufiges Bankensystem etablieren, bei dem auch autonome Aktionen wie z. B. ELA nicht mehr möglich sind.

      Dass zu jeder Buchung eine Gegenbuchung gehört, ist selbstverständlich. Die Passivseite einer Zentralbank enthält natürlich kein Zentralbankgeld, sondern ist der Systematik der Doppik geschuldet. Es ist ein Erinnerungsposten daran, dass man auch tatsächlich Zentralbankgeld geliefert hat, egal ob als Bargeld oder aber als Buchgeld. Aber Geld ist als Vermögenswert immer auf der Aktivseite. Bei Zentralbankgeld ist Buchgeld und Bargeld gleichwertig. Es ist eben beides Zentralbankgeld.

      Eine kontinuierliche Auszahlung des Fiatgeldes an die Bürger würde dagegen nur schwer wieder revidierbare Gewöhnungseffekte hervorrufen.

      Ja, diesen Punkt sehe ich auch kritisch, aber bei erfolgreicher Inflationierung werden diese Zahlungen kontinuierlich entwertet. Wenn wir die Zahlungen relativ niedrig ansetzen, wie von mir vorgesehen, dann ist das Risiko doch sehr überschaubar.

      Und was natürlich gar nicht geht, ist die Verteilung des Fiatgeldes entsprechend dem BIP-pro-Kopf in den einzelnen Ländern.

      Ja, das war auch mein erster Gedanke, hatte dann aber zu sehr die technische Inflationsbrille aufgesetzt (mehr Geld in Deutschland würde die Inflation hier stärker steigen lassen und somit den Konvergenzprozess beschleunigen). Ich bin inzwischen aus den von Ihnen genannten Gründen wieder davon abgekommen und präferiere ein gleichen Betrag für alle. Ein weiterer Aspekt, der von technischer Seite für die gleiche Höhe spricht, ist die schnellere Entschuldung der Südperipherie. Ein großer Teil des ungedeckten exogenen Geldes wird also wohl in Deutschland landen und dann hier die Inflation stärker erhöhen oder aber die Assetpreise weiter ansteigen lassen.

      Zu Ihren Anmerkungen zu Punkt III. Es ist weniger eine Mischung aus Gasgeben und Bremsen, sondern vielmehr eine kontinuierliche Kreislaufbetrachtung, bei der es Zuflüsse und Abflüsse gibt. Wenn es ausschließlich Zuflüsse gäbe, die ein Wachstum unterhalb der Zuflussrate generierten, dann bliebe immer mehr ungedecktes exogenes Geld übrig.

      Es ist wohl sehr wahrscheinlich, dass es auch bei meinem Vorschlag weiterhin bei einem Zufluss Richtung oberer Vermögensdezilen bleibt. Daher ja auch ergänzend Punkt VIII. mit der Reaktivierung der Erbschaftssteuer. Damit sollte in der langen Frist eine Entschuldung des Staates möglich sein; und das geht nun mal nur mit einem Haushaltsüberschuss. Geldschulden und Geldvermögen sind Stocks, die so über die Inflationsrendite über einen sehr langen Zeitraum symmetrisch abgebaut werden können.

      Sie schreiben weiter:

      Wie gleichzeitig die Verschuldung zurückgeführt werden soll, die Neuverschuldung aber nicht, verstehe wer will; ich nicht.

      Dies mag daran liegen, dass Sie wie Turner mit OMF argumentieren, ich aber mit ZFB. Bei OMF gibt es eine explizite Forderungsposition in Höhe der aufgekauften Schuldtitel auf Basis einer höheren Neuverschuldung, die somit auch zu einer höheren Gesamtverschuldung führt. Bei ZFB gibt es eine implizite ewige Forderungsposition, die die Zentralbank auf Ewigkeit bei ihren Bürgern hat, die aber über einen Überschuss im Staatshaushalt aufgrund von Akzelerator- und Multiplikatoreffekten zum Teil wieder nivelliert wird. Das ganze passiert allerdings erst in ferner Zukunft, da zuerst die Staatsverschuldung zurückgeführt werden muss. Ein Prozess, der über viele Jahrzehnte abläuft und somit über einen sehr langen Zeitraum (vermutlich irgendwas zwischen 50 und 100 Jahren) endogenes Bankengeld durch exogenes Zentralbankgeld substituiert. In beiden Fällen kommt es zu einer Expansion der Bilanzsumme der Zentralbank. Hier haben wir, sofern ich Sie richtig verstehe, also keinen Dissens.

      Sie schreiben sodann:

      Zudem können Einnahmenüberschüsse des Staates saldenmechanisch nur dann realisiert werden, wenn der Rest der Welt (Haushalte, Unternehmen, Ausland) mehr ausgibt als einnimmt.

      Ja, das gilt grundsätzlich in einem Schuldgeldsystem mit besichertem exogenem Geld. Nicht aber bei einem mit zusätzlichem unbesichertem exogenen Geld (reines Fiatmoney). Da können sehr wohl monetäre Überschüsse erzielt werden, ohne dass sich die von Ihnen angesprochenen negativen Wachstumseffekte ergeben. Zielstellung ist letztlich ein kontrollierter Abbau der fiktiven Schulden- und Vermögenspositionen, die sich in den letzten 30 Jahren aufgetürmt haben.

      Ich denke, damit löst sich auch der Knaller Ihres letzten Kritikpunktes in Wohlgefallen auf. Das reine Fiatgeld wird eben nicht in voller Höhe zurückgeführt, sondern nur zu einem geringen Teil. Zudem verschwindet ja auch das endogene Geld nicht von heute auf morgen. Bis zu einem Vollgeld mit 100 % Mindestreserve ist es also ein sehr langer Weg.

      Nochmals vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Die zeigen mir, dass ich meine Ideen noch wesentlich klarer und deutlicher kommunizieren muss.

      Ich bin gestern auf ein sehr interessantes aktuelles Paper von Gilles Moec von dbresearch gestoßen. Er schreibt dort zum Schluss:

      Kurz gesagt, es gibt es keine adäquate Methode, das für eine Kreditlockerung erforderliche Tempo mit der Notwendigkeit, die Regierungen auf dem richtigen Haushalts- und Reformpfad zu halten, in Einklang zu bringen. (…) Eine detaillierte Diskussion darüber, wie Europa die Kreditlockerung anwenden könnte, falls sich die gegenwärtige Erholung nicht fortsetzen sollte, wäre unserer Einschätzung nach zu begrüßen.

      LG Michael Stöcker

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  10. Bruno Bandulet schreibt:

    Ihre Überlegungen zur Lösung der Finanzkrise, sind nicht zielführend, da sie die Grundlagen des verbrecherischen Schuldgeldsystems überhaupt nicht berücksichtigen! Die Schlüsselrolle spielt der Federal Reserve Act von 1913, die Kreatur von Jekyll Island, der die Machtposition der Privatbanken der Wall Street begründete! Die Geldschöpfung aus dem Nichts – „Modern money mechanics“ die Denkschrift der FED gibt eindeutig Auskunft wie das fraktionale Banksystem funktioniert, und solange Privatbanken das Geld der Welt schöpfen, ist jede andere Maßnahme Makulatur, da die Zinsen nicht bezahlt werden können! Wir haben eine Guthabenkrise, und keine Schuldenkrise! Wenn alle Leute dieser Welt ihre Schulden bezahlen würden, gebe es kein Geld mehr, keinen einzigen Dollar, Yen oder Euro! Daher ist das Umlagefinanzierte Rentensystem ein Schuß in den Ofen, welches schon von Bismarck erkannt wurde! Nur ein gedecktes Vollgeldsystem erlaubt eine stabile Wirtschaft und eine Stabile Gesellschaft, denn intrinsisch wird die Verschwendungssucht der Politiker total und brutal heruntergefahren! Durch gedecktes Geld gibt es auch keine Inflation, da die Geldwertstabilität gewährleistet ist! Sie sollten die Finanz- & Wirtschaftspolitik unter Otto von Bismarck studieren, denn dann wäre klar, das es keine gesamteuropäische Finanzpolitik geben kann! Die freie Marktwirtschaft in Preussen kann nur die Antwort sein! Europa ist nur etwas für Phantasten und bar jeglicher Realität, welches durch die momentane Eurokrise orchestriert wird und Deutschland in den absoluten Untergang führt!
    z.B. Siehe Target 2 Salden der Bundesbank

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    • Linus Huber schreibt:

      @ Bruno

      Sie erkennen die grundsätzliche Problematik, was ich als die langfristige Wirkung der inflationären Geldpolitik (Geldentwertung) bezeichne, welche das Ausmass der gegenwärtigen Ungleichgewichte produzierte, indem etwelche negative Konsequenzen von nicht nachhaltigen Programmen dadurch zeitlich immer in die Zukunft verschoben werden konnte.

      Die Idee, dass eine schleichende Inflation (da nicht gross bemerkbar von Jahr zu Jahr) keine negativen Konsequenzen nach sich zieht, wird seit Jahrzehnten von den Mainstream Ökonomen (resp. „econometricians“) als geltende Doktrin angewandt, indem die Manipulation des Preises von Geld (und dessen Wert) dazu verkommen ist um kurzfristige wirtschaftliche Schwächephasen zu verhindern. Mit einer garantierten Geldentwertung verändert sich hingegen über Zeit das Verhalten der Marktteilnehmer zunehmend, indem man sich mit möglichst hohem Hebel so positioniert, dass man daraus einen Gewinn erzielt, was die erzeugten Blasen erklärt. Ein zusätzlicher Aspekt liegt darin, dass das dadurch in Gang gesetzte Schneeballsystem eine Erwartungshaltung der Bevölkerung hervorgerufen hat, welche mit Sicherheit von der kommenden Generation nicht geleistet werden wird/kann und dass eine systematische Institutionalisierung des „Moral Hazards“ (Umverteilung der Kosten des Kreditrisikos vom Risikoträger via Geldpolitik auf die Allgemeinheit und dem damit verbundenen Operationsmodells der unberechtigten Selbstbereicherung durch die Entscheidungsträger in der Finanz- und Grossindustrie.

      Zur Zeit wird alles unternommen um diese historische Kreditblase am Leben zu halten und jegliche Abschreiber auf nicht rückzahlbare Schulden zu verhindern. Die Aufblähung der Bilanzen der Zentralbanken diente genau diesem Zwecks, wobei sich dadurch die Ungleichgewichte nur noch festigen und dadurch irgendwann in einem Kollaps der Nachfrage ausarten dürfte (man kann nicht ewig in eine und die gleiche Richtung umverteilen).

      Ich möchte Ihnen hier ein Konzept vorstellen, welches Ihnen vielleicht ein wenig Ihre persönliche Ansicht der gegenwärtigen Situation in einem neuen Licht erscheinen lässt.

      Wenn der Mensch atmet, tut er dies im Allgemeinen unbewusst und ohne Anstrengung. Einzig bei hoher Belastung ist es von Vorteil, bewusst eine regelmässigen Atmung anzustreben, andernfalls fällt das Resultat einer bewussten Ein- / Ausatmung eher viel erratischer aus, als wenn wir diesen Prozess dem Unterbewusstsein überlassen. Versuchen Sie es für ein paar Sekunden und Sie werden zur gleichen Konklusion kommen.

      Die Möglichkeit, den Lungen neuen Sauerstoff zuführen zu können, bedarf des vorhergehenden Ausatmen, ansonsten wir schnell an die Limite der Sauerstoffzuführung gelangen. Natürlich können wir rein theoretisch die Kapazität künstlich evtl. durch Zusatzlungen vergrössern, jedoch ist solch eine Idee aus leicht erkennbaren Gründen zu verwerfen.

      Gesellschaftliche Systeme sind ebenfalls diesem Prinzip unterworfen, ansonsten eine Entwicklung in immer die gleiche Richtung aufgrund der damit verbundenen und auf Reflexivität beruhenden Verhaltensveränderung die Regeln der Nachhaltigkeit verletzt. Der Unterschied liegt darin, dass der gesellschaftliche Organismus Jahre anstelle von Sekunden als Masseinheit verwendet. Z.B. wurde die Altersvorsorge schrittweise durch Pensionskasse und Eigenvorsorge komplementiert, um der sich entwickelnden Schwäche der Altersvorsorge alleine auf der Basis des AHV-Systems der Umverteilung entgegenzuwirken. Aber ich will hier nicht auf spezifische Programme eintreten, sondern einen sehr weiten Bogen schlagen.

      Dieses Prinzip spielt im Bereiche der Machtkonzentration eine überragende Rolle. Seit Jahrzehnten läuft der Trend, dass immer mehr Verantwortung auf eine übergeordnete Ebene verlegt wird, wodurch sich eine zunehmende Machtkonzentration bildet. Es werden immer weniger Entscheide getroffen, welche ein Problem nachhaltig lösen, sondern es wird versucht, ein Problem in einen grösseren Kontext zu verlagern um einer möglicherweise schmerzhaften Lösung auszuweichen, was im Endeffekt einzig einer Verzögerungstaktik gleichkommt. Auch die gegenwärtige Geldpolitik bezweckt genau dieses Ziel. Als Beispiel hier ein Text aus einer Empfehlung von Kevin O’Rourke und Alan Taylor:

      “So where the eurozone needs to go in the long run, we argue, is towards a genuine banking union; a eurozone-wide safe bond to break the sovereign-bank doom loop; a central bank that is more flexible and willing to act as a true lender of last resort against such bonds and other assets as necessary; and a fiscal union at least sufficient to support the above.”

      Solch eine Entwicklung anonymisiert Verantwortlichkeiten, fördert das Gefühl der Ohnmacht des einzelnen Gesellschaftsmitglieds, erhöht die Gefahr willkürlicher Entscheide, institutionalisiert fragwürdige Anreiz-Systeme, reduziert die Kontrollmöglichkeiten, die Selbstverantwortung, den verspürten Selbstwert der Menschen etc. etc. Wenn wir diese fragwürdige Vorstellung von vermeintlichen Lösungen bis zur letzten Konsequenz durchdenken, enden wir in einer Situation, in welcher die Machtkonzentration schlussendlich bei jenem seinen Schlusspunkt findet, welcher das ausgebauteste Gewaltpotential besitzt, und damit zukünftig über unser aller Wohl entscheiden wird. Kann jemand die Worte “Barack Hussein Obama” aussprechen? (Wer aufgrund kurzfristiger persönlicher Vorteile den Wert der Freiheit nicht erkennen kann und aufgrund dieser Überlegung seine persönliche Freiheit für vermeintliche Sicherheit sowie sein momentanes Wohlbefinden eintauscht, der verdient es, versklavt zu werden.)

      Sie mögen sich nun am Kopf kratzen und sich fragen, was genau soll das mit der Funktion des Atmens zu tun haben. Ich versuche Ihnen hiermit zu erklären, dass eine Bewegung in eine Richtung (z.B. Einatmen) durch eine Bewegung in die entgegengesetzte Richtung (z.B. Ausatmen) von essentieller Notwendigkeit ist, damit die erste Bewegung wieder fruchtbar wird. Einer Phase der Zentralisierung muss eine Phase der Dezentralisierung folgen, ansonsten irgendwann ein Stillstand droht. Der Trend Richtung Zentralisierung ist extrem stark, da die Funktionäre ihr persönliches Interesse der Existenzsicherung natürlicherweise (ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt) immer mit im Auge halten und somit die Ausweitung ihres Kompetenzbereiches anstreben. Aus diesen Gründen entsteht die Notwendigkeit, dass wir unbedingt und möglichst bald eine möglichst starke Dezentralisierung (Verlegen von Entscheiden auf die tiefste mögliche gesellschaftliche Hierarchiestufe bis hin zur persönlichen Selbstverantwortung) anstreben müssen, um diese, zumindest für mich, offensichtliche Fehlentwicklung zu korrigieren. Einzig die unmittelbare Nähe zur betroffenen Materie (ob Kranken- und Altersversorgung oder Arbeitslosigkeit, Invalidität oder Armut) ist in der Lage die durch die Anonymisierung und aufgrund der Reflexivität entstandene fragliche Nachhaltigkeit zu korrigieren, was zwar für den Einzelnen in manch einer Situation unangenehme Folgen haben dürfte, jedoch es erlaubt, das System insgesamt einer Erneuerung zu unterziehen und auf ein neues und stabileres Fundament zu stellen.

      Nun kommen wir auf die Angelegenheit von Geldpolitik zu sprechen. Eine Geldpolitik, welche einzig immer in eine Richtung funktioniert, nämlich eine Politik der schleichenden Inflation und damit verbundenen dauernden Entwertung der Währung, erlaubt oben dargestellte Entwicklung der Zentralisierung nicht nur, sondern fördert sie oder ist vielleicht sogar ein essentieller Teil dafür. Selbst wenn man die Lungen eines Elephanten implantiert (Steigerung des Potentials der Kreditausweitung), stösst man eines Tages an die Grenze der Kapazität weiter einzuatmen. Die inflationäre Geldpolitik produziert den oberflächlich nicht leicht erkennbaren Nebeneffekt, dass dadurch die Macht- und Vermögenskonzentration gefördert wird, indem Probleme nicht einer wirklichen Lösung zugeführt werden, sondern tendenzmässig auf die nächst höhere Entscheidungsstufe gehoben werden, was oft nicht weiter als einer Anonymisierung der Verantwortlichkeiten und einer Verzögerungstaktik gleichkommt. Es ist von essentieller Notwendigkeit, dass sich leichte inflationäre Phasen mit Phasen leichter Deflation abwechseln, damit Fehlentwicklungen Einhalt geboten werden und schlechte Anreize, welche zu gesellschaftsschädigendem Verhalten führen, nicht institutionalisiert werden.

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      • Michael Stöcker schreibt:

        @ Linus Huber

        Ich stimme mit vielen Ihrer Aussagen überein; vor allem hinsichtlich der Dezentralisierung von Entscheidungen. Aber: Was dann in Bezug auf Ihre Inflations-/Deflationsvorstellungen folgt ist im Rahmen eines Kreditgeldstandards ein systemisches non sequitur, zumindest dann, wenn sich Ihre Forderungen auf den HVPI beziehen. Bezüglich der Assetinflation d’accord. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf den Beitrag Zinsmythen.

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      • Linus Huber schreibt:

        Wollen Sie bitte „Kreditgeldstandard“ ausführlich beschreiben; handelt es sich nicht eher um ein System ohne Standards und ohne Anker (Schneeballsystem), welches der Willkür der Zentralbanken unterliegt, welches Sie hier als Standard versuchen einzustufen. Vermischen wir damit nicht immer stärker Basisgeld mit Krediten, welche mit den entsprechenden Risiken behaftet sein müssen, um eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten.

        Die Verwendung des Konsumentenpreisindexes zur Bestimmung der Geldpolitik ist sehr fragwürdig, denn die extreme Ausweitung der Geldmenge (in diesem Falle hauptsächlich der systemweiten Kreditmenge) muss sich keineswegs in diesem Index bemerkbar machen (z.B. würden Produktivitätssteigerungen normalerweise sinkende Preise bewirken).

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      • Linus Huber schreibt:

        @ Michael

        Ich verstehe Ihre Denkweise sehr wohl. Allerdings wollen Sie unter Verwendung von verschiedenen neuen Begriffen und in Ignoranz langfristiger Nachhaltigkeit ein Schneeballsystem als eine Art Weiterentwicklung des Geldsystems verkaufen.

        Anstatt mir etwelche Links zu offerieren, gehen Sie besser spezifisch auf die einzelnen Punkte ein, indem Sie ein entsprechendes Gegenargument offerieren, worauf ich das entsprechende Gegenargument formulieren kann. Dies führt zur Wissenserweiterung und nicht das Vermarkten etwelcher Theorien und Modelle, welche sich hauptsächlich auf den weiteren Ausbau der Bürokratie und Machtkonzentration fokussieren und in welchem immer wieder fragwürdige Annahmen herumgeistern.

        Ebenfalls geht es oft auch nicht darum, ob und inwiefern ein System funktioniert, sondern darum, welche Verhaltensveränderungen durch das damit verknüpfte Anreizsystem entstehen und inwiefern diese insgesamt negative oder positive gesellschaftliche Auswirkungen nach sich ziehen. Wenn Sie erklären wollen, dass jemand das Kreditsystem (wie z.B. die Österreichische Schule) nicht versteht, frage ich mich, warum genau diese es sind, welche die Krise aufgrund ihrer Lehre und dem Studium des menschlichen Verhaltens voraussehen und erklären konnten, während die traditionellen Denkschulen versuchen, es als irgendein Naturereignis einzustufen.

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      • Larry schreibt:

        @ LH

        Ich verstehe Ihre Denkweise (und das damit verbundene Jargon), da ich selbst mal „Österreicher“ war. Es ist aber umgekehrt: nicht die Entwertung führt zur Überschuldung, sondern Staatsschulden schaffen zuerst Inflation, dann Desinflation, dann Deflation und erst ganz am Ende Hyperinflation. Die Österreichische Schule fusst auf der Mengerschen Metalltheorie des Geldes, die nachweisbar falsch ist. Geld ist und war immer primär eine spezielle Form des Kredits. Dazu kommt das gesetzliche Zahlungsmittel (das jedoch in normalen Zeiten nur einen kleinen Bruchteil des gesamten Geldumlaufs macht), das immer vom Staat per fiat definiert wird (legal tender = fiat money).

        http://www.goldseiten.de/artikel/18–Das-1×1-der-Wirtschaft.html
        https://www.community-exchange.org/docs/what%20is%20money.htm
        https://www.community-exchange.org/docs/The%20Credit%20Theoriy%20of%20Money.htm
        https://archive.org/details/staatlichetheor00knapgoog
        https://www.yumpu.com/de/document/view/4374061/macht-der-staat-und-die-institution-des-eigentums-miproxde

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      • Linus Huber schreibt:

        Ok, Larry

        Gehen wir von Ihrer Idee aus, dass Staatsschulden das Problem kreieren, was ich mitunter keineswegs verneine, denn die staatliche Verschuldung beinhaltet ebenfalls die Ausweitung der Kreditmenge, jedoch spielt die Kollateralisierung zukünftiger Einkommen generell das Problem und beschränkt sich nicht einzig auf den Staat, wobei solch ein Verhalten oft durch staatliche Programme gefördert wird. Die Frage, welche sich stellt, besteht darin, inwiefern die Manipulation der Zinsen unter Verwendung fragwürdiger Indikatoren, wie z.B. dem CPI durch die Zentralbanken mit eine Rolle spielt, resp. die staatliche Verschuldung erlaubt oder gar fördert. Worin liegt der Fehler in der Überlegung, dass der Preis für Geld (resp. Kredit) das Verhalten in Bezug auf Sparen, Investieren und Konsumieren grundsätzlich regelte, sofern keine zentralistische Manipulation vorliegen würde. Natürlich stellt die aufgrund der Fristentransformation „notwendige“ Funktion des „Lenders of last resort“ und anderer staatlicher Gratisversicherungen (wie z.B. Einlageschutz) zulasten der Allgemeinheit ebenfalls eine wichtige Rolle in der Verzerrung der Preisbildung dar.

        Geld wie Kredit ist eine Frage des Vertrauens. Wenn wir das Kreditrisiko vom Kreditgeber auf die Währung (selbst wenn die Währung eine spezielle Form von Kredit darstellt) übertragen, leidet dadurch automatisch das Vertrauen in die Währung oder dieser speziellen Form von Kredit. Risiken und deren Kosten verschwinden nie, sondern werden einfach umverteilt oder melden sich im ungünstigsten Moment zurück. In einem System von z.B. einem strikt eingehaltenen Goldstandard, löst die Aushändigung von Gold die Schuld endgültig auf, was aufgrund dessen begrenzter Verfügbarkeit die Macht von Regierungen limitiert (man kann auch was anderes aushändigen, z.B. eine Liegenschaft, jedoch eignen sich andere Gegenstände weniger gut dafür, weswegen Menschen meist dazu tendierten, diese Funktion an Gold und Silber zu delegieren). Natürlich wurde ein lupenreiner Goldstandard aufgrund der damit verbundenen Einbusse an Macht der Regierungen nie wirklich durchgesetzt (zumindest nicht seit der Existenz des Fed), sondern er wurde schrittweise durch ungedecktes Fiat-Geld ersetzt. Geld ist grundsätzlich die gesellschaftlich akzeptierte Form eines meist auch gesetzlich festgelegten Zahlungsmittels. Eine Untersuchung, inwiefern Regierungen (auch via Zentralbanken) mit der damit verbundenen Macht wirklich verantwortungsvoll umgehen, würde den Rahmen dieses Forums wohl sprengen, jedoch liegt dort wohl der springende Punkt.

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      • Larry schreibt:

        @ LM

        Die Zinsen lassen sich wenn überhaupt nur sehr kurzfristig manipulieren, langfristig hat der Staat (inkl. ZB) überhaupt keinen Einfluss darauf, sonst wären die Zinsen immer tief. Die Kollateralisierung künftiger Einkommen ist nur dann ein Problem, wenn diese Einkommen fiktiv sind. Privates Schuldenmachen ist der Motor des Kapitalismus, ohne dies läuft nichts und das System bricht zusammen. Die Zinsen regeln (sehr) lange rein gar nichts, da der Staat als „sicherer“ Schuldner angesehen wird. Erst kurz vor dem Bankrott schiessen sie plötzlich in die Luft und dann ist es viel zu spät, dann hilft nur noch Hilfe von aussen oder ein Schuldenschnitt. Die Zentralbanken sind eine Antwort auf die durch die Staatsverschuldung verursachten Krisen, sie ermöglichen ein Hinausschieben des Zusammenbruchs, indem sie nach einem Crash alles aufkaufen und alle grosse Banken und Unternehmen vor dem Bankrott retten. Das Schuldenproblem lösen sie jedoch überhaupt nicht, es ist reine Symptombehandlung.

        Das Kreditrisiko lässt sich nicht „auf die Währung übertragen“, sondern höchstens auf den Steuerzahler. Wie schon bemerkt, in einer Deflation ist die Währung (Cash) der letzte sichere Ort, weil alles andere Zusammenbricht:

        [Werbung gelöscht. Ihre Meinung ist willkommen, ebenso wie einfache Literaturhinweise]

        Deflation heisst Aufwertung der Währung. Historisch gesehen hatte schon Kondratiev erforscht, dass die Preise nach einer Inflation immer wieder auf das Anfangsniveau zurückfallen und es wird auch diesmal der Fall sein. Der Goldstandard wurde vor dem 1. WK klar durchgesetzt und funktionierte sehr gut, wurde dann jedoch aufgehoben, eben weil er der Schuldenmacherei der Staaten eine klare Grenze setzte, was diese nicht tolerierten. Die Wiedereinführung des Goldstandards bei gleichzeitiger, massiver Abwertung der Leitwährungen (v.a. des USD) wäre die einzig vernünftige Lösung der Krise, aber damit ist leider nicht zu rechnen, weil die Verlierer viel zu zahlreich und zu mächtig sind.

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      • Linus Huber schreibt:

        @ Larry

        Gehe mit Ihnen einig; nur einige kleine Bemerkungen.

        „Die Zinsen lassen sich wenn überhaupt nur sehr kurzfristig manipulieren, langfristig hat der Staat (inkl. ZB) überhaupt keinen Einfluss darauf, sonst wären die Zinsen immer tief.“

        Einverstanden, allerdings lässt sich diese Kurzfristigkeit mit etlichen Eingriffen (z.B. Bilanzverlängerung der Zentralbanken) verhältnismässig stark in die Länge ziehen.

        „Privates Schuldenmachen ist der Motor des Kapitalismus, ohne dies läuft nichts und das System bricht zusammen.“

        Ebenfalls einverstanden, wobei erstens das Ausmass und der Verwendungszweck der Kredite mit eine Rolle spielt und auch die Notwendigkeit gegeben sein muss, dass nicht rückzahlbare Kredite im Sinne der Schumpeterschen schöpferischen Zerstörung abgeschrieben werden um die langfristige Nachhaltigkeit des System zu gewährleisten.

        „Das Kreditrisiko lässt sich nicht “auf die Währung übertragen”, sondern höchstens auf den Steuerzahler.“

        Na ja, das sehe ich ein wenig anders. Vielleicht kennen Sie den Ausdruck „moneyness“, welcher ausdrücken will, wie stark man z.B. einen Kredit als geldähnlich einstuft. Im Falle einer anerkannten Hyperinflation werden unter gewissen Umständen Kreditverhältnisse durch Drucken von Banknoten aufrecht erhalten. Sie können das starke Wachstum von M0 auch heute schon gut beobachten.

        Im Übrigen decken sich Ihre Überlegungen mit meinen, wobei Ihre Einsicht, dass der Ursprung der Problematik die staatliche Verschuldung sei, ich noch am abarbeiten bin; ich habe staatliche Verschuldung immer als negativen Umstand eingestuft, jedoch darin nicht den massgebenden und hauptverantwortlichen Ursprung des Kreditbooms gesehen. Danke für Ihre Ausführungen.

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      • Larry schreibt:

        @ LM

        Bei der Bilanzverlängerung der Zentralbanken ist nicht so sehr die Quantität als vielmehr die Qualität der gekauften Wertpapiere zu achten. Die Aktivseite der ZB ist ein schwarzes Loch: alles was die ZB aufkauft, wird aus dem Umlauf gezogen und steht der Volkswirtschaft nicht mehr zur Verfügung. Wenn die ZB also erstklassige Schuldpapiere wie z.B. US Treasuries bbkauft (wie gegenwärtig das Fed seit QE2), hat das absolut null Wirkung, da lediglich Quasi-Cash gegen Cash umgetauscht wird. Wenn die ZB jedoch Müll aufkauft („toxische Papiere“), wie z.B. das Fed 2008-09 (QE1) oder wenn die EZB (seit 2010) Staatspapiere der bankrotten Südstaaten aufkauft, dann verhindern sie natürlich den Totalzusammenbruch („Kernschmelze“) des Finanzsystems und ermöglichen so dessen Fortbestehen für ein paar weitere Jahre (was dann typischerweise noch grössere Spekulationsblasen provoziert, wie seit 1987 zu beobachten).

        Dass zuviel private Schulden gemacht werden ist die logische Wirkung der Inflation (weil es sich dann rentiert, auf Pump andere Unternehmen aufzukaufen). Während der Desinflation passiert dasselbe, aber nicht mehr in der „Realwirtschaft“, sondern an der Börse und evtl. bei Immobilien.

        Das Risiko einer sofortigen Hyperinflation erachte ich als null, da die Angst davor ein entsprechendes Handeln der ZB genau das Gegenteil auslösen würde: sämtliche Geldwerte würden abgestossen, was eine Hyperdeflation auslösen würde. Erst wenn die Blase geplatzt ist eine Hyperinflation möglich (und wahrscheinlich, weil die Staaten nach ihrem Bankrott keine Gläubiger mehr finden und sich an ihre ZB wenden). Aber Sie haben recht, man kann eine Schuld „monetisieren“, insofern war meine vorige Formulierung nicht sehr glücklich.

        Für Ihre „Abarbeitung“ der Schuldenproblematik kann ich Ihnen folgendes Buch höchstens empfehlen, welches diese Problematik auch historisch sehr gut beleuchtet:

        [Werbung gelöscht. Ihre Meinung ist willkommen, ebenso wie einfache Literaturhinweise: Paul C. Martin, Aufwärts ohne Ende]

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        • Michael Stöcker schreibt:

          Große Zustimmung: Hier findet lediglich ein Asset-Swap statt mit dem Problem, dass fiktive Relativwerte monetisiert werden und damit in einen absoluten Wert transformiert werden: Ein Euro ist immer ein Euro. Dies ist die große Sauerei, die gerade abläuft, weil durch die falsche Geld- und Fiskalpolitik der letzten 30 – 40 Jahre die Assetpreise künstlich in die Höhe getrieben wurden und die fiktiven Werte nun in scheinbar (im wahrsten Sinne der Worte (Geld)Schein und bar) reale Werte umgewandelt werden, weil Geld in einer Deflation zu einem eigenständigen Asset wird. Marx sprach in diesem Zusammenhang vom fiktiven Kapital. Recht hatte er! Das widerliche Verhalten des parasitären Finanzsektors wir hier ex post goutiert. Es ist eine weitere Schlinge am Hals der Demokratie:

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      • Linus Huber schreibt:

        „Bei der Bilanzverlängerung der Zentralbanken ist nicht so sehr die Quantität als vielmehr die Qualität der gekauften Wertpapiere zu achten. Die Aktivseite der ZB ist ein schwarzes Loch: alles was die ZB aufkauft, wird aus dem Umlauf gezogen und steht der Volkswirtschaft nicht mehr zur Verfügung.“

        Dies mag aus rein buchhalterischen Überlegungen richtig sein. Jedoch in der Kombination der erklärten Absicht, Inflation zu erzeugen, wie Aussagen „whatever it takes“ bewirkten eine weitere Ausweitung des Hebels zwischen Kreditvolumen und Risikokapital im gesamten System. Z.B. mögen die Banken heute mit weniger „leverage“ arbeiten (minimal weniger), dagegen sind heute sämtliche Unternehmen massiv stärker „leveraged“ (Verhältnis Eigenkapital zu Fremdkapital). Das systemweite Kreditvolumen (und damit Risiko) ist nicht reduziert worden, sondern sogar ausgeweitet, wobei die Blasen sich nicht mehr einzig in einzelnen Segmenten (z.B. Neuer Markt/Nasdaq-Bereich in 2000, oder Housing 2007) befindet, sondern ein durch die Zentralbanken induzierte systemweite Erhöhung des Hebels vorangetrieben wurde, wobei die Bilanzausweitung der Zentralbanken wohl einzig ein Mosaikstein des gesamten Bildes sein dürfte, aber einer welcher einen induktiven Charakter ausweisen dürfte.

        Es ist aus meiner Sicht daher schwierig, einzig die staatliche Verschuldung als Ursache der Problematik zu erkennen; das Verhalten der Zentralbanken war/ist zumindest förderlich in diesem gesamten Prozess (e.g. Greenspan put). Vielleicht verhält es sich wie mit dem Problem des Huhns und Eis, wobei es im Endeffekt wohl unwichtig ist, welches zuerst entstand, sondern beide Aspekte sich in Wechselwirkung aufgewiegelt haben dürften. Was klar ist, dass Regierungen wie Zentralbanken Organisationen sind, welche nicht marktwirtschaftlichen Mechanismen ausgesetzt sind und tendenzmässig immer versuchen ihre Macht und ihren Einfluss auszubauen.

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      • Larry schreibt:

        @ MS

        Wobei man Euros auch nicht essen kann, Geld ist immer ein Relativwert, wie jede andere Schuld auch. Und anfänglich (wie beim letzten Crash 2008-09) werden auch die Schuldpapieren der noch nicht bankrotten Staaten steigen, vor allem die Kurzfristigen.

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        • Michael Stöcker schreibt:

          In der Tat, Euros kann man genauso wenig essen, wie Forderungen auf Euros oder Gold. Daher ist ja der Blick auf die Realwirtschaft so wichtig. Allerdings sind Euros, sofern man nicht in einen simbabwischen Vulgärkeynesianismus verfällt, ein unspezifischer Anspruch auf das BIP sowie vorhandene Stocks. Und weil dieser Anspruch so unspezifisch ist, ist er ja gerade weniger schwankungsanfällig als der Wert einzelner Güter/Dienstleistungen. Die Volatilität ist beim Euro doch wesentlich geringer als bei allen anderen Assets.

          Die Relativität von Raum und Zeit gilt selbstverständlich auch in der Güter-, Geld- und Währungssphäre. Bei der Suche nach dem objektiven Wert ist ja auch Marx mit seiner Arbeitswertlehre gescheitert. Von daher sind ja auch die mathematischen Modelle so putzig, mit denen Ökonomen irgendwelche Gleichgewichte ermitteln wollen.

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      • Larry schreibt:

        @ LM

        Als Draghi „whatever it takes“ sagte, meinte er, dass er griechische und andere PIIGS-Schulden als Kollateral für die Emission frischer Euros akzeptieren werde und zwar zum Nominalwert (obwohl deren Marktwert weit tiefer liegt, im Falle GRs nahe bei null). Das Problem hier ist also die Qualität, nicht die Quantität. Ohne diese Warnung (und weiteren Hilfsmassnahmen der EZB, sowie EU und IWF), wären die PIIGS allesamt bankrott und das Finanzsystem wäre schon längst kollabiert. Also absolut keine Frage, dass die ZBs eine zentrale Rolle spielen. Aber ZBs sind selbst eine Antwort auf frühere Krisen, die bereits dazumal durch die Staatsschulden verursacht wurden. Finanzkrisen gab es bereits bei den Römern und im Mittelalter, obwohl es damals keine ZBs gab.

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      • Linus Huber schreibt:

        „Dies ist die große Sauerei, die gerade abläuft, weil durch die falsche Geld- und Fiskalpolitik der letzten 30 – 40 Jahre die Assetpreise künstlich in die Höhe getrieben wurden und die fiktiven Werte nun in scheinbar (im wahrsten Sinne der Worte (Geld)Schein und bar) reale Werte umgewandelt werden, weil Geld in einer Deflation zu einem eigenständigen Asset wird.“

        Mit diesen Worten bestärken Sie meine Überzeugung, dass wirkliches Geld eben die Fähigkeit beinhalten muss, ein eigenständiges Asset zu sein, ansonsten andere Assets zu diesem Zweck missbraucht werden, was zu den bekannten Blasen führt. Es muss möglich sein, sein Kapital bei zu kleinen Renditenaussichten und zu hohem Risiko nicht zur Verfügung zu stellen (genau gleich, wie man entscheiden kann, eine Wohnung zu vermieten oder eben nicht), ansonsten die grosse Gefahr eines Schneeballsystems sich bildet, welches mit solch einem hohen Aufwand an korrupter Bürokratie im Griff gehalten werden soll; eine eher naive Vorstellung dieser Entwicklung wirklich Herr zu werden. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass z.B. Gold keineswegs eine konstante Geldmenge bedeutet, sondern erstens das Produktionsniveau, wie das Horten/Enthorten
        sehr wohl auf Preisveränderungen reagieren. Der wichtigste Aspekt liegt jedoch darin, dass damit die Machtkonzentration massiv reduziert wird, denn jeder einzelne hat dadurch die Macht, entsprechend zu reagieren und sollte theoretisch nicht genötigt werden, wobei natürlich immer zum Wohle des Staates (gemeint ist dabei meistens zum Wohle der Regierung und der Machtelite) Zwangsmassnahmen drohen können, wie z.B. der Einzug sämtlichen Goldes und dessen Aufwertung um 50% in den 30iger Jahren.

        „Finanzkrisen gab es bereits bei den Römern und im Mittelalter, obwohl es damals keine ZBs gab.“

        Ja, es gab schon immer Politiker und Eliten, welche sich mit Lug und Betrug an der Macht hielten.

        In Bezug auf den Ursprung kann ich vermelden, dass ich mich schrittweise Richtung Staatsverschuldung bewege, wobei die Regierungen die Zentralbanken wohl zu einem essentiell wichtigem Instrument in diesem Spiel entwickelten…. Sofern ich richtig informiert bin, war der ursprüngliche Grund zur Gründung des Fed eine Art Liquidität-Versicherung-Organisation für die Banken und wurde schrittweise von der Regierung zur Befriedigung eigener Befindlichkeiten mit zusätzlichen Aufgaben betraut.

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        • Michael Stöcker schreibt:

          „Mit diesen Worten bestärken Sie meine Überzeugung, dass wirkliches Geld eben die Fähigkeit beinhalten muss, ein eigenständiges Asset zu sein, ansonsten andere Assets zu diesem Zweck missbraucht werden, was zu den bekannten Blasen führt.“

          Sie missverstehen immer noch unser Geldsystem. An anderer Stelle hatten Sie am 22. Juni folgendes geschrieben:

          „Übrigens wäre M0 auch nach Rückzahlung aller Schulden noch in Existenz und es ist falsch zu sagen, dass nach Rückzahlung sämtlicher Schulden kein Geld mehr existieren würde“

          Unser gesamtes Schuldgeldsystem ist nichts anderes als ein effizientes Management von Kreditbeziehungen (Vertragsbeziehungen). Auch das Zentralbankgeld kommt ausschließlich über einen Kreditvertrag zeitlich befristet in den Markt (Tender-Geschäfte). Demzufolge bleibt am Ende aller Tilgungen (=Vertragserfüllungen) nichts mehr übrig. Auch alles Bargeld muss dann saldenmechanisch wieder zurück geflossen sein, da dies ja nicht vom Himmel gefallen ist, sondern ebenfalls über Kreditbeziehungen das Licht der Welt erblickt hat. Es gibt lediglich einen kleinen zu vernachlässigenden Teil, der übrig bliebe. Und das ist diejenige Geldmenge, die durch das Münzgeld in Umlauf gebracht wird. Aus der Tradition heraus wird dieses schuldfrei durch die nationalen Regierungen in Umlauf gebracht. Siehe hierzu auch meine Kommentare bei: Das Vergangene Märchen der Seigniorage.

          Geld hat demzufolge keinen eigenständigen Wert. Es ist eben gerade kein Warengeld, sondern Kreditgeld. Wenn Sie jetzt diesem Geld einen absoluten stabilen Wert zuweisen wollen, dann stellen Sie Geld auf eine höhere Stufe als die Realwirtschaft, in der Güter nun einmal einem Wertverfall unterliegen (Aristoteles würde sich im Grabe umdrehen). Dann wird Geld gehortet und dem Kreislauf entzogen und das System stranguliert sich selber. Oder wir müssen einen finden, der immer neues Geld nachschiebt, sich also verschuldet. Dies passiert im Moment vor allem durch die Staaten und verlagert das Problem in die Zukunft. Die eigentliche Ursache hierfür ist eine zu geringe Besteuerung/Umverteilung sowie das Renditeproblem nach Binswanger. Würden die ganzen Geldhorter ihr Geld ausgeben, wäre schon viel gewonnen. Da sie es aber nicht tun, muss man es ihnen entweder wegnehmen (höhere Grenzsteuersätze) oder wenigsten dafür Sorge tragen, dass es entwertet wird (Inflationssteuer).

          Daher hatte ich in meinem ersten Beitrag (Zinsmythen) am Ende auch geschrieben: „Maßvolle Inflation ist also kein Systembug, für den der Sparer eine Zinsentschädigung zu erhalten hätte, sondern das notwendige Feature in einem modernen Kreditgeldstandard.“

          Ansonsten folgen Sie meinen Kommentaren im Herdentrieb. Da finden Sie viele weitere hilfreiche Verlinkungen für ein richtiges Geldverständnis: http://blog.zeit.de/herdentrieb/2014/06/30/biz-empfiehlt-normalisierung-der-geldpolitik_7501#comment-123959

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      • Larry schreibt:

        @ LH

        Das Fed wurde wegen der Panik von 1907 eingeführt. Damals konnte JP Morgan die anderen Grossbanken überzeugen, gemeinsam zu intervenieren (sprich: bedrohte Banken und Unternehmen zu retten), also jene Aufgaben wahrzunehmen, die normalerweise einer Zentralbank zukommen. Da man aber (zu Recht) befürchtete, dass dies in Zukunft nicht mehr möglich sein würde, hat man eben das Fed geschaffen. Und da das Staatsschuldenproblem immer grösser wurde, hat man die Kompetenzen des Fed stets ausweiten müssen. Resultat ist natürlich, dass sich die Schulden (und somit die entsprechenden Guthaben!) einfach weiter akkumulieren. Gewinne werden während der Hausse privatisiert und Verluste während der Baisse dem Steuerzahler überlassen. Zudem findet eine massive Kapitalkonzentration statt (Stamokap), die freilich auch entsprechende politische Machtkonzentrationen zur Folge hat. Die zunehmend autoritären Tendenzen sind ja offenbar. Was sich in Kontinentaleuropa in den 1930er und 40er Jahren abgespielt hat wird nun jetzt in der ganzen westlichen Welt, angefangen mit den USA, wiederholt. Ludwig von Mises warnte bereits 1944 davor (s. „Omnipotent Government: The Rise of the Total State and Total War“).

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      • Linus Huber schreibt:

        „Wenn Sie jetzt diesem Geld einen absoluten stabilen Wert zuweisen wollen, dann stellen Sie Geld auf eine höhere Stufe als die Realwirtschaft, in der Güter nun einmal einem Wertverfall unterliegen (Aristoteles würde sich im Grabe umdrehen).“

        Na ja, es gibt auch andere Dinge, welche nicht an Wert verlieren, z.B. Boden, womit ich mit diesem Argument nicht einig gehe. Der Goldstandard funktionierte zu früheren Zeiten ebenfalls und Verwerfungen entstanden darin nicht aufgrund des Umstandes des zu wenig Geldes sondern aufgrund des spekulativen Verhaltens der Banken, soweit ich dies verstehe. Warum soll es nicht einfach der Bevölkerung überlassen sein, sich jenes Gut als Geld zu wählen, welches es als am besten geeignet beurteilt? Natürlich behindert eine auf diese Art verankerte Währung die manipulativen Eingriffe und Umverteilungsmöglichkeiten via Geldpolitik, aber haben die Entscheidungsträger nicht schon klar genug bewiesen, dass sie sich nicht nachhaltig verhalten wollen, sondern sich immer mehr Macht in der Form von Regulierung, Kontrolle und Überwachung aneignen und durch diese Infantilisierung der Bevölkerung wichtige gesellschaftliche Werte wie z.B. Selbstverantwortung und Freiheit schwächen sodass wir schlussendlich einer immer anonymer funktionierenden Bürokratie gegenüber stehen.

        Kredit muss sich von Geld (wie jedem anderen Gut) unterscheiden, ansonsten wir einfach eine Ponzi-Scheme in Gang setzen, in welcher das Kreditvolumen ins unendliche wächst. Ich sage nicht, dass wir dieses Geldsystem, in welchem Geld sich von Kredit unterscheidet, zur Zeit haben, was aus Ihrer Einschätzung, dass ich das gegenwärtige System nicht verstehe, entnehme. Natürlich nicht, aber die Probleme sind genau aus diesem Grunde entstanden.

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        • Michael Stöcker schreibt:

          Sie erwähnen zu Recht Grund und Boden, die typischerweise nicht an Wert verlieren, sondern sogar eine natürliche Rente/Verzinsung abwerfen (Holz, Waldfrüchte etc.). Lediglich beim Abbauboden gibt es eine Wertminderung durch Abschreibung. Von daher sind ja seit einigen Jahren die Reichen dieser Welt auch so scharf auf Böden/Wälder.

          Grund und Boden gehören von Natur aus erst einmal allen. Da kollektivistische Güter aber auch viele Nachteile haben, hat sich die Menschheit so etwas wie Privateigentum ausgedacht/erobert. Durch unsere Rechtsordnung hat man durch die Grundsteuer versucht, einen finanziellen Gerechtigkeitsausgleich zu schaffen. Der Eigentümer hat für den Ausschluss fremder Dritter eine Entschädigung an die Gemeinschaft zu zahlen, da die Gemeinschaft durch die Privatisierung ja eines Teils ihrer Gemeinschaftsgüter beraubt wurde (privare = berauben). So kommt der natürliche Ertrag aus der Bodennutzung letztlich allen zu Gute.

          Der Goldstandard hatte noch nie richtig funktioniert und ist zudem eine archaische Form der Bezahlung. Jeder hat das Recht, Verträge individuell zu gestalten (Grundsatz der Vertragsfreiheit) und somit auch einen anderen Erfüllungsgegenstand zu vereinbaren. Sie müssen sich mit Ihrem Vertragspartner nur einig werden, in welcher Form bezahlt wird. Hier schreibt Ihnen keiner etwas vor.

          Eine Infantilisierung der Bevölkerung auf Micky-Maus-Niveau findet statt, wenn man so etwas Sinnloses wie die Duckschen Goldspeicher für soziale Interaktionen vorhalten möchte. Dazu kommen die infantilen IllusionsPRODUKTE der Finanzverkäufer in Folge der lobbyistisch induzierten Schleifung der gesetzlichen Rente. Gekrönt wird das Ganze dann noch mit einer Absenkung des Renteneintrittsalters durch unsere GaGAGroKo (Ganz Ganz Große Koalition).

          Um Ponzi-Schemata zu verhindern/erschweren brauchen wir kein Gold, sondern markant höhere ungewichtete EK-Quoten, eine Finanztransaktionssteuer, ein striktes Trennbankensystem sowie eine Verstetigung des Geldmengenwachstums/Kreditwachstums auf Basis der Ideen von Friedman/Fisher.

          Der naive Micky-Maus-Glaube der Austrians trägt leider zur Infantilisierung unserer Gesellschaft bei. Dies war sicherlich nicht die Absicht von Hayek/Mises. Shit happens.

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      • Linus Huber schreibt:

        Es geht gar nicht um Gold selber, sondern darum, inwiefern ein System gewählt wird, welches von sogenannten Entscheidungsträgern manipuliert werden kann, welche bewiesen haben, dass sie weder die Weitsicht noch den Sinn für Nachhaltigkeit besitzen, oder weder man die Wahl des Systems der freien demokratischen Entscheidung der Bevölkerung überlässt, welche sicherlich z.B. eine Währung, welche sich nicht entwertet, dem gegenwärtigen System vorzieht. In diesem Zusammenhang will ich Ihre Anstrengungen sehr wohl positiv einstufen, denn diese helfen die Systemdiskussion zu fördern.

        Infantilisierung heisst „abhängig machen“. Wenn Sie beobachten, wie sehr die Bevölkerung immer stärker von Regierungen abhängig gemacht wird, welche sie immer stärker reguliert, kontrolliert und überwacht, frage ich mich, ob Sie auf einem anderen Planeten leben. Der Umverteilungsmechanismus via Geldpolitik ist hierbei einzig eines vieler Programme und nein, es handelt sich hierbei keineswegs um etwelche Verschwörungstheorien, sondern alleine um die Erkenntnis, dass jede Organisation die inhärente Eigenschaft des krebsartigen Wachstums in sich trägt und damit, aufgrund der Reflexivität, den Keim zur eigenen Selbstzerstörung, allerdings erst nach der Zerstörung des Gastgebers, sofern dieser sich nicht wehrt. Die Gefahr totalitärer Regierungen ist bei näherer Betrachtung immer mehr einzig eine Frage der Wortwahl. Kein Wunder stört es die EU massiv, dass die Schweiz sich nicht unterordnen will, denn sie demonstriert, dass es auch anders gehen kann. Mit allen Mitteln wird die Machtkonzentration vorangetrieben.

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  11. Bruno Bandulet schreibt:

    Sehr geehrter Herr Stöcker,
    Als Student der Wirtschaftswissenschaften, hätte ich von Ihnen eine sachliche Auseinandersetzung mit meinen Thesen erwartet, aber das sie alles gleich löschen ist schon ein absolutes Armutszeugnis & spricht nicht von großem Geist, geschweige denn von historischen Zusammenhängen! Träumen sie weiter, das böse Erwachen wird über Nacht kommen & es sind Leute wie sie, die durch falsche Thesen und Nebelkerzen unser deutsches Volk in den Abgrund führen! Gute Nacht!

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  12. Bruno Bandulet schreibt:

    Sehr geehrter Herr Stöcker,
    ich bin weder Student noch bin ich Buchhalter, denn darum geht es hier überhaupt nicht! Sie haben nicht eine meiner Fragen bzw. Anregungen überhaupt aufgegriffen, und mit dem Link zur EZB, die das Geld schafft, befinden sie sich absolut auf dem Holzweg! Sie vergleichen hier 2 völlig verschiedene Sachen, nämlich die Geldschöpfung und die Bilanzierung-Buchhaltung, die nichts miteinander zu tun haben! Ich glaube nicht an Ihre Kompetenz das Geldsystem & Schöpfung verstanden zu haben, denn jede, aber auch jede Währung dieser Welt ist mit dem US$ unterlegt, damit hat die EZB nichts zu melden, auch keinen Hinweis auf Bretton Woods von Ihnen! Ich vermenge kein Zentralbankgeld mit Kreditgeld, wie sie es nennen, denn dieses ist kein legales Zahlungsmittel, sondern Giralgeld aus der Kreditschöpfung! Es kommt auch kein Hinweis auf das riesige Schattenbankensystem der Bad Banks von Ihnen!
    Ich glaube sie haben eine kognitive Dissonanz, denn Sie haben zumindest das Geldsystem und was dahinter steht nicht verstanden, oder wollen die Sache nur vernebeln!
    Der € und die EU sind eine absolute Mißgeburt von Anfang an und eine riesige Enteignungs-maschine des deutschen Volkes!
    Die Buchhaltung interessiert mich nicht, genauso, wie der ganze andere Ökonomenunsinn, denn der Kern ist die Geldschöpfung und nicht die Buchhaltung! Die ist zwar wichtig für die Enteignung der Arbeiter & Angestellten dieses Landes über den Target 2 Saldo der Buba, ist hier aber nicht das Thema! Herr Stöcker, Sie haben hiermit das Thema verfehlt, denn es geht um die Geldschöpfung und „modern money mechanics“ der FED!
    Die Buchhaltung der 10% Mindestreserve einer Bank ist hier nicht das Thema!
    Sie haben das Thema Geldschöpfung nicht verstanden oder erfaßt, wie auch immer und ihre Verlinkungen sind nicht zielführend, sondern am Thema vorbei, genau wie dieser ganze EU-Wahn-& Unsinn, der uns deutsche Steuerzahler 10 Billionen € gekostet hat!

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Sehr geehrter Herr Bandulet,

      Ihr bisheriger Diskussionsstil ist, vorsichtig formuliert, nicht dazu geeignet eine substanzielle Diskussion zu führen. Da Sie alle Sätze mit einem Ausrufezeichen beenden, frage ich mich, ob Sie wirklich an einer Diskussion interessiert sind oder lieber von der dogmatischen Kanzel zum gemeinen Pöbel dozieren wollen (sorry, aber diesen Eindruck haben Sie bei mir evoziert).

      Ich möchte aber nicht unhöflich sein und starte daher einen Versuch, mit Ihnen in eine wirkliche Diskussion zu kommen. Da Sie sich mir nicht weiter vorgestellt hatten, habe ich aus Ihrem ersten Satz von heute früh geschlussfolgert, dass Sie ein Student der Wirtschaftswissenschaft sind. Sie haben diesen Satz aber wohl auf meine Person bezogen. Meine Studentenzeit liegt allerdings schon über ¼ Jahrhundert zurück.

      Es war auch nicht meine Absicht, Sie als Buchhalter zu disqualifizieren oder herabzuwürdigen. Aber ich bleibe bei meiner Aussage, dass ohne grundlegende Buchführungs- und Bilanzierungskenntnisse substanzielle Aussagen zu ökonomischen Realitäten nur sehr schwer möglich sind und immer wieder Ursache für Fehlinterpretationen sind.

      Aber ich möchte zu Beginn erst einmal eine gemeinsame Basis schaffen. Und da gibt es eine Aussage von Ihnen, die in der Tat ein Ausrufezeichen verdient: „Wir haben eine Guthabenkrise, und keine Schuldenkrise!“ Auf diesen Sachverhalt weise auch ich immer wieder hin. Wichtig hierbei ist allerdings, ob ein Land in Summe Nettoschuldner ist oder Nettogläubiger. Hierfür sind vor allem die Leistungsbilanzen maßgeblich. Solange der Staat bei seinen eigenen Bürgern verschuldet ist, können diese Schulden auf ewig prolongiert werden oder aber wegbesteuert werden. Dies ist bei Nettoschuldnern wie Griechenland oder Spanien nicht möglich. Sie haben keinen direkten Zugriff auf das deutsche Nettovermögen. So ist das eben, wenn das stupid german money auf der verzweifelten Suche nach Rendite automobile Blechträume des Südens befriedigt. Dass hieraus keine nachhaltigen Renditen zu erwirtschaften sind, liegt auf der Hand.

      Ebenso stimme ich der darauf folgenden Aussage zu: „Wenn alle Leute dieser Welt ihre Schulden bezahlen würden, gebe es kein Geld mehr, keinen einzigen Dollar, Yen oder Euro!“ Das ist vollkommen richtig, würde aber zugleich bedeuten, dass wir wieder zur Subsistenzwirtschaft zurückkehren müssten, mit unmittelbaren Tauschprozessen am Flussufer. Ich glaube nicht, dass Ihnen dies als Idealziel vorschwebt.

      Was dann folgt ist allerdings ein non sequitur, wenn Sie schreiben: „Daher ist das Umlagefinanzierte Rentensystem ein Schuß in den Ofen, welches schon von Bismarck erkannt wurde!“ Ob Bismarck dies zu erkennen glaubte, weiß ich nicht. Lohnt sich aber auch höchstens für eine langweilige Seminararbeit dazu zu recherchieren. Warum? Es gab in Deutschland in langer Vergangenheit noch ordnungspolitische Kompetenz. Und die ist vor allem bei Wilfrid Schreiber zu verorten. Dazu noch ein wenig Mackenroth und von Weizsäcker, und die kapitalgedeckte Rente entpuppt sich als DAS lobbyistische Mega-Märchen einer parasitären FinanzINDUSTRIE, deren Lakaien immer noch nicht vollends demaskiert wurden. So wird munter weiter geriestert und gerürupt und den Verwaltern der Illusionen (aka Banken und Versicherungen) Liquidität zur Finanzierung opulenter Lebensstile zugeführt. Siehe hierzu auch mein Kommentar von heute bei Daniel Stelter.

      Ich denke, dass sollte für einen Einstieg erst einmal reichen. Vielleicht finden wir ja doch eine gemeinsame Diskussionsbasis.

      Einen schönen Abend wünscht Ihnen
      Michael Stöcker

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  13. Bruno Bandulet schreibt:

    Sehr geehrter Herr Stöcker,
    Da sie viele meiner Aussagen teilen, wieso kommen sie dann zu völlig anderen Schlußfolgerungen?
    Sie demaskieren die Machenschaften der parasitären Finanzindustrie, sind aber Anhänger des Schuldgeldsystems und hinterfragen nicht die Geldschöpfung? Sie sind für den € und die EU und wissen aber, daß wie sie es nennen stupid german money Blechkarossen für lau in die Welt verkauft?
    Das verstehe ich überhaupt nicht. Das paßt alles nicht zusammen und ist verwirrend, denn sie kennen anscheinend alle Hintergründe, verklausulieren aber die Kernzusammenhänge! Da sie von Weizsäcker erwähnen, müßten sie doch von Carl F. von Weizsäcker das Buch “ Der bedrohte Friede “ kennen, indem er (von W.) die ganze zukünftige Entwicklung vorwegnimmt. Ich bin nicht für die Subsistenzwirtschaft, sondern für ein ehrliches, gedecktes Vollgeld wie unter dem deutschen Reich 1871, welches daher die Inflation von vornherein ausschließt!
    Ich stimme ihnen nicht zu, daß man ohne grundlegende Buchführungs- und Bilanzierungs-kenntnisse ökonomische Zusammenhänge erkennen und beschreiben kann! Wenn ich schon 1996 bei Reisen in südeuropäische Länder im Vorfeld des €, die großen ökonomischen Unterschiede als absoluter Laie wahrnehme, wie kann ein deutscher Politiker dann noch den € in Deutschland einführen? Das ist finanzpolitischer Selbstmord und hat nichts mehr mit Nettoschuldner oder Nettogläubiger zu tun…das ist absolute Dummheit. Außerdem sind, mit Verlaub gesagt, die meisten Ökonomen betriebsblind, da sie nicht an den Realitäten arbeiten, sondern theoretische, mathematische Modelle bemühen, die nicht der Realität entsprechen! Bsp. die Max Planck-Ökonomen haben nach sage und schreibe 10 Jahren erkannt, das die grünökologische Energiewende in Deutschland einem Selbstmord gleicht, weil nicht bezahlbar! Da schlage ich dann als Bürger die Hände über dem Kopf zusammen, und frage mich , was sind das für taube Nüsse?
    Einmal die Thermodynamik bemüht und schon weiß man, daß Windmühlen & Brenngläser für die Stromerzeugung völlig ungeeignet sind, genauso wie der € als Gemeinschaftswährung eine absolute Mißgeburt ist.
    Man muß auch die historischen Zusammenhänge in die Finanzmathematik einbeziehen, sonst kommt man zu falschen Schlußfolgerungen. Die latainische Münzunion von Frankreich, Schweiz und auch Griechenland ist schon einmal vor dem €, durch Griechenland gescheitert, warum um alles in der Welt wollen Sie dann den € und die EU? Wir als Deutsche verlieren durch die EU, Haus, Hof und alle Güter! Die Geldkracke wird das Geld absaugen und ein riesen Heer von Armen in unserem Land hinterlassen, so daß ein Bürgerkrieg das wahrscheinlichste Szenario ist.
    Es wird ein Riesenheer von Armutsrentnern und Armen geben, wobei das umlagefinanzierte Rentensystem die Zündschnur an der Bombe ist. Gerade die Ökonomen wären hier in der Pflicht aufzuklären und Roß & Reiter zu nennen und nicht alles noch weiter zu verkomplizieren durch ihr Ökonomenlatain, das kein normaler Mensch versteht!
    Wer die Schuld an dieser Misere trägt, ist eindeutig und nicht zu übersehen. (Schuldgeld-linke Tasche und Staatsanleihen-rechte Tasche)
    MfG
    Bandulet

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  14. Bruno Bandulet schreibt:

    Sehr geehrter Herr Stöcker,
    In meinem obigen Artikel habe ich mich vielleicht etwas hemdsärmelig ausgedrückt, deshalb möchte ich die Sache nochmals mit einem kurzen, aber sehr guten Artikel präzisieren:
    http://der-klare-blick.com/?p=36128
    Der Artikel ist von Egon von Greyerz, welcher Ihnen bekannt sein dürfte. Er bringt die Situation des Geld – & Wirtschaftssystem auf den Punkt.
    Freundliche Grüße
    Bandulet

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Sehr geehrter Herr Bandulet,

      meine Antwort fällt etwas länger aus, ist aber keinesfalls allumfassend bezüglich der Beantwortung Ihrer Aussagen und Fragen. Ich versuche mich von daher auf die aus meiner Sicht größten Missverständnisse zu konzentrieren. Vorweg: Die Tatsache, dass ich einige (viele scheint mir übertrieben) Ihrer Aussagen teile, muss noch lange nicht bedeuten, dass man auch die gleichen Schlüsse daraus zieht (siehe kopernikanische Wende: Alle sehen das Gleiche aber die Schlussfolgerungen sind diametral gegensätzlich).

      Der verlinkte Beitrag beschreibt die Instabilität des Finanzsystems in der aktuellen Situation zwar recht gut, liefert neben allgemeinem Wehklagen aber auch nicht den Ansatz eines substanziellen Beitrags zu einer konstruktiven Lösung. Herr von Greyerz war mir bislang nicht bekannt. Dies mag daran liegen, dass er Anhänger der gläubigen Priesterkaste des naiven Metallismus ist. Wer nach über 300 Jahren Aufklärung immer noch an die Goldmarie glaubt, der ist genauso geistig stehen geblieben wie die Vertreter eines simbabweschen Vulgärkeynesiansimus, die glauben, dass exzessives Gelddrucken einen substanziellen Beitrag für den Wohlstand einer Gesellschaft leisten kann.

      Ich habe mir einmal erlaubt, Ihren Namen zu googeln. Wenn Sie es sind, der am 9. Mai dieses Jahres mit der Roland Baader-Auszeichnung geehrt wurde, dann wird mir klar, dass es nicht ganz einfach sein wird, mit Ihnen bei den Lösungsstrategien auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Sie sind mit dieser Auszeichnung der Österreichischen Schule sehr verbunden, die durchaus in vielen Punkten eine Bereicherung für das ökonomische Denken ist, beim Thema Geld aber in einigen zentralen Punkten auf dem Holzweg ist. Auch Sie scheinen mir ein Anhänger eines Goldstandards zu sein.

      Geld ist nicht, wie u. a. Thorsten Polleit hier schreibt, ein Gut wie jedes andere, sondern Geld ist nichts anderes als umlauffähige Schulden. Geld ist eine juristische Weiterentwicklung des Wechsels, um soziale Interaktionen noch mehr zu vereinfachen.

      Wie kommen nun grundsätzlich Schulden in die Welt? Nun, in dem jemand einen Vertrag schließt. Verträge sind grundsätzlich Schuldverhältnisse (siehe Schuldrecht im BGB). Zur Absicherung der Kaufpreisforderung wurde in früheren Zeiten der Wechsel als Zahlungsersatzmittel eingesetzt. Hier fiel die Erfüllung aus der Begebung und der Weitergabe eines Wechsels im Falle des Regresses auf den ursprünglichen Schuldner zurück. Dies ist bei der nächsten Abstraktionsstufe nicht mehr der Fall. Wer mit Geld zahlt, der hat seine Schuld endgültig erfüllt. Von daher ist Geld auch nicht in erster Linie ein Tauschmittel, sondern ein Schuldentilgungsmittel.

      Wovon hängt nun die Werthaltigkeit dieses Schuldentilgungsmittels ab? Nun, es dürfen nur so viele Kredite vergeben werden, wie es nachhaltige Schuldverhältnisse gibt. Und nachhaltig kann ein Schuldverhältnis vor allem durch zwei Eigenschaften sein. Die Person (auch eine juristische) ist entweder durch Ihre Arbeitskraft in der Lage, diese Schulden abzuarbeiten oder diese Person verfügt über Eigentum, das im Fall der Fälle ersatzweise zur Vertragserfüllung herangezogen wird. Dies kann natürlich auch Gold sein; aber eben nicht nur! Ach so, natürlich kann man auch Dritte in die Vertragserfüllungspflicht mit hineinziehen. Dies nennt sich dann Bürgschaft, ist aber letztlich auch wieder nur zukünftige Arbeitskraft und/oder Eigentum, das verwertbar ist (Eigentumsökonomik nach Heinsohn/Steiger, Ich empfehle Ihnen auch meinen Kommentar dazu zu lesen).

      Von daher ist die Geschichte mit dem Goldstandard nichts weiter als eine Geschichte. Mit den Voraussetzungen für Prosperität und Wohlstand hat das aber alles nur am Rande zu tun. Und man sollte den Zentralbanken auch nicht zu viel Allmacht zusprechen. Die ist nämlich doch sehr begrenzt. Ich hatte hierzu schon mal vor einiger Zeit einen Post im Herdentrieb geschrieben, den ich hier noch einmal auszugsweise wiedergeben möchte:

      Wie soll man eine Institution entmachten, die im Rahmen des Eurosystems schon lange entmachtet wurde (sofern sie diese Macht in realiter je hatte)? Es gibt lediglich Geschäftsbanken, die verantwortungsbewusst Kredite vergeben und solche, die es nicht tun. Die gab es in der Vergangenheit und die gibt es auch heute. Und nur hiervon hängt es ab, ob eine Zentralbank als machtvoll oder eben als schwach angesehen wird. Sie ist es nicht eo ipso, sondern nur im Zusammenspiel mit den Geschäftsbanken sowie der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung.

      Unser heutiges Geldsystem ist ein Schuldgeld- oder eben auch Kreditgeldsystem. Und damit hängt alles an der Kreditsicherheit! Gold mag psychologisch noch ganz nett sein, weil die Mehrheit sich vom Glanze blenden lässt (Psychologie ist nicht zu unterschätzen, daher sind ein paar Goldreserven der Bundesbank auch ganz nützlich). Aber für eine stabile Währung ist es vollkommen überflüssig, ja ich behaupte sogar gesamtwirtschaftlich schädlich, da Gold (außer als Geschmeide am Hals einer schönen Frau sowie als Rohstoff für die produzierende Industrie) keinen zusätzlichen Nutzen schafft. Ganz im Gegenteil, es erzeugt überwiegend Kosten.

      Zum bessere Verständnis sollten wir uns daher die Vorgänge nochmals genau vor Augen führen: Unter erbärmlichsten Arbeitsbedingungen graben und sprengen Menschen tiefe Löcher in die Erde, auf der Suche nach Goldklumpen. Diese werden anschießend unter weiterem Aufwand von Energie und Arbeitskraft in handliche Barren gegossen, sodann in die Schweiz (als pars pro toto) ausgeflogen um sie alsdann in zuvor mit viel Aufwand in die Erde gebuddelte Hochsicherheitslöcher (vulgo Bunker) wieder verschwinden zu lassen. Exterritoriale Beobachter würden dieses Verhalten wohl als ein merkwürdiges Gesellschaftsspiel interpretieren, dessen Sinn sich genauso wenig erschießen lässt, wie der rheinische Karneval einem Hamburger. Allein die Aufbewahrung des „deutschen Goldes“ in London kostet den Steuerzahler ca. 500.000 EUR jährlich.

      Es ist gerade der Kreditgeldkapitalismus (nicht zu verwechseln mit dem parasitären, selbstreferenziellen Finanzkapitalismus), der über die monetäre Vorfinanzierung so sinnvolle Projekte wie Infrastrukturinvestitionen oder die Erhöhung des produktiven Kapitalstocks ermöglicht. In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal darauf hinweisen, dass die Gleichung S=I immer eine ex post Identität ist. Tatsächlich ist die Ersparnis immer die Folge von Investitionen, aber nicht deren Voraussetzung. Ersparnisse der Verbraucher (aka Einlagen, die man aber besser als das bezeichnet, was sie sind, nämlich ‚Sichtforderungen‘) sind für Investitionen nicht erforderlich! Es gilt die Beziehung I=>S. Und dieses S ist genauso unbestimmt, wie die Zukunft vorhersehbar ist. Und hier kommt nun neben dem Zeitfaktor die eigentliche Zinsfunktion ins Spiel, die nämlich genau diese Ungewissheit abfedern muss. Der Zins ist die kollektive Risikoprämie für das Investitionsrisiko.

      Welchen tieferen Sinn es haben sollte, solche Investitionen über den Umweg des Buddelns von Löchern mit anschließendem Verbuddeln der gefundenen Devotionalien in anderen Löchern haben sollte, konnte mir bis heute keiner erklären. Es ist bis zum heutigen Tag der Midas’sche Tanz ums Goldene Kalb, der nach über 2000 Jahren immer noch unsere Sinne vernebelt. Wo bleibt da der ‚klare Blick‘? Insofern halte ich das Wiederaufleben dieser inkonsistenten meatallistischen Vollgeldtheorie für eine Zombieveranstaltung, die mit den zahlreichen Zombiebanken endgültig zu Grabe getragen werden sollte.

      Zum Schluss möchte ich einen der ganz großen Denker zu Wort kommen lassen, dessen Wahlspruch Ihnen selbstverständlich bekannt sein wird, es sich aber immer wieder lohnt, sich ihn in Erinnerung zu bringen:

      Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen.

      Sapere aude!

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    • Linus Huber schreibt:

      @ Michael

      „Aber für eine stabile Währung ist es vollkommen überflüssig, ja ich behaupte sogar gesamtwirtschaftlich schädlich, da Gold (außer als Geschmeide am Hals einer schönen Frau sowie als Rohstoff für die produzierende Industrie) keinen zusätzlichen Nutzen schafft.“

      Sie unterstellen hierin, dass die Entscheidungsträger in der Lage sind, eine stabile Währung wirklich zu organisieren, was diametral zur kürzlich gemachten Erfahrung der Krise liegt. Es ist doch genau die missbräuchliche Verwendung des Massstabs Währung zur Erreichung kurzfristiger wirtschaftlicher Ziele, welche die Probleme produzierten. Es gibt eben einen wichtigen Unterschied zwischen Basisgeld (Banknoten) und Kreditgeld. Während die Banknoten einen klar definierten Anspruch auf einen Teil des BIP darstellen, basieren Kredite wie Sie sagen zwischen 2 Vertragsparteien, welche freiwillig in dieses Versprechen eintraten, was zwangsläufig auch damit verbunden sein muss, dass etwelche negativen Resultate (nicht Erfüllung der Versprechen) bei diesen beiden Partnern zu verbleiben hat, ansonsten eine willkürliche Umverteilung der Kosten des Risikos stattfindet (Übrigens wäre M0 auch nach Rückzahlung aller Schulden noch in Existenz und es ist falsch zu sagen, dass nach Rückzahlung sämtlicher Schulden kein Geld mehr existieren würde). Eine Entwicklung der im Verhältnis zum BIP stark erhöhten Ausweitung der Kreditmenge ist nicht zufällig, sondern beruht auf der verwendeten fehlerhaften Doktrin der Geldentwertung, welche sich Zentralbanken und Regierungen verschrieben. Sie scheinen den Ursprung der Problematik teilweise zu erkennen, vernachlässigen diesen Aspekt aber in Ihrer weiteren Argumentation. Das Verhalten der Finanzindustrie ist eine natürliche Folge der Geldentwertung und dieses Verhalten und die damit entstehenden verstärkten Ungleichgewichte wird durch die gegenwärtige Geldpolitik nur noch weiter gefördert. Grundsätzlich ist zu sagen, dass die Komplexität der Gesellschaft die menschliche Fähigkeit diese nach belieben zu managen weit übersteigt, womit die Schlussfolgerung eine Reduktion der Machtkonzentration beinhalten muss und nicht noch weitere Stufen von Entscheidungsträgern mit ihren Heeren an Bürokraten, welche sich im Schutze der Immunität in erster Linie ein angenehmes Leben einrichten, zur Erfüllung weiterer zentralplanerischer Manipulation zu schaffen.

      Noch ein Wort zum naiven Goldstandard. Der Goldstandard, wenn wirklich angewandt, limitiert genau die Macht der Entscheidungsträger und sorgt für eine stabile Währung. Wenn Sie diese Funktion als trivial hinstellen wollen, beruht dies auf Ihrem Obrigkeitsglauben, dass die Entscheidungsträger in der Lage wären, ihre Aufgabe prinzipientreu zu erledigen. Sind Sie nicht, denn auch sie sind Menschen.

      „Nun, es dürfen nur so viele Kredite vergeben werden, wie es nachhaltige Schuldverhältnisse gibt.“

      Wer/was genau bestimmt, welche Schuldverhältnisse nachhaltig sind? Die Veränderung der Geldmenge beeinflusst nicht einzig die Fähigkeit der Schuldner, die Schulden zu tilgen, sondern beeinflusst ebenfalls in einer Wechselwirkung den Wert des Kollaterales. Warum erkennen Sie nicht ihre eigene Vorliebe zu Ponzi, welcher zu den heutigen Ökonomen mit ihren abstrusen Vorstellungen der Funktion einer Währung wohl fast schon als Amateur einzustufen ist. Wenn Sie ein Haus bauen und sich der Meter jeden Tag ein wenig verkürzt, was glauben Sie, wie das fertiggestellte Haus aussehen wird? Den Massstab, welcher sämtliche wirtschaftliche Tätigkeit misst, dauernd in eine Richtung zu verändern, führt langfristig betrachtet automatisch zu entsprechenden Verwerfungen, mag jedoch anfänglich als effizient eingestuft werden.

      Will die Gesellschaft in Anbetracht des kreierten Scheiterhaufens anhand einer fehlerhaften ökonomischen Doktrin, sich weiter auf diese gleichen auf persönlicher Ebene verantwortungslosen (da durch Immunität geschützt) Entscheidungsträger verlassen, oder würde, bei freier Wahl ein System bevorzugt, welches möglichst frei von den durch Manipulation erzeugten Umverteilungseffekten funktioniert und einen grossen Teil dieser Bürokraten erübrigen würde, bevorzugt. Wenn die Bevölkerung die Situation sachlich verstände, würde ich darauf tippen, dass der 2. Wahl den Vortritt gewährt würde.

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  15. Bruno Bandulet schreibt:

    Sehr geehrter Herr Michael Stöcker,
    ich teile keine einzige ihrer Thesen, da sind nicht mal im Ansatz auf meine Anregungen eingegangen sind, geschweigen denn das Geldsystem, in meinen Augen wirklich verstanden haben.
    Ihr Zitat:
    „Der verlinkte Beitrag beschreibt die Instabilität des Finanzsystems in der aktuellen Situation zwar recht gut, liefert neben allgemeinem Wehklagen aber auch nicht den Ansatz eines substanziellen Beitrags zu einer konstruktiven Lösung. Herr von Greyerz war mir bislang nicht bekannt. Dies mag daran liegen, dass er Anhänger der gläubigen Priesterkaste des naiven Metallismus ist. Wer nach über 300 Jahren Aufklärung immer noch an die Goldmarie glaubt, der ist genauso geistig stehen geblieben wie die Vertreter eines simbabweschen Vulgärkeynesiansimus, die glauben, dass exzessives Gelddrucken einen substanziellen Beitrag für den Wohlstand einer Gesellschaft leisten kann.“
    Die Lösung ist der Totalcrash des momentanen Geldsystems, da es sich um ein ungedecktes Schuldgeldsystem handelt! Für naiv halte ich alle Ökonomen, die nicht an ein gedecktes (GOLD-Edelmetallsystem) glauben, denn nur jenes ist echtes Geld, weil es intrinsisch gespeicherte Arbeit beinhaltet und kein Fiatgeldsystem – „es werde Geld“ wie wir es Haben!
    Ihre These, daß Zentralbanken keine Allmacht haben, ist schlichtweg falsch, weil wir dieses momentan nämlich erleben! Dann frage ich doch mal, woraus besteht denn die FED in den USA?
    Was ist denn mit dem Federal Reserve Act von 1913? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Politik und den Bankern?
    Der Zins ist nichtkollektive Risikoprämie, sonder das eigentliche Übel in unserer Welt, weil er von vornherein immer ein Minus im Geldsystem automatisch beinhaltet, schlicht es gibt immer zu wenig Geld im System, da die Forderungen immer höher sind als die Geldmengenausgangsbasis! Deshalb auch immer die kindische Wachstumsgläubigkeit der meisten Ökonomen, die völlig Fehl am Platze ist, denn wir leben in einer endlichen Welt mit endlichen Ressourcen!
    Für unmündig halte ich alle Menschen die keine Ahnung vom wirklichen Geldmechanismus (linke Tasche – rechte Tasche = Geld drucken – Staatsanleihen ausgeben) haben. Das System wird kollabieren, da ab einem bestimmten Punkt die Zinslast durch die Bevölkerung eines Staates nicht mehr getragen werden kann, da Steuern & Abgaben viel zu hoch sind, und genau davor stehen wir momentan! Außerdem haben sie das Machtgefüge von BIZ in Basel, der City of London und der FED nicht verstanden, oder eben das Machtkartell von Staat-Banken & Versicherungen, die alles eins sind! Es lohnt sich das Buch „Die Kreatur von Jekyll Island“ zu lesen, dann ist alles Klar, wer wirklich herrscht! Es gilt „Homo homini lupus“ oder auch Brot & Spiele, und das seit über 2000 Jahren! Der Kondratieff Zyklus läuft noch bis 2020 und wird alles auslöschen, wie 1923 & 1929!
    Carpe diem

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Sehr geehrter Herr Bandulet,

      ich hatte eine solche Antwort von Ihnen erwartet, da Ihr Diskussionsstil gerade nicht durch den Grundsatz „sine ira et studio“ geprägt ist. Sie werfen hier in religiösem Übereifer eine steile These nach der anderen in den luftleeren Raum und müssen sich hierbei auf Dritte berufen, anstatt in eine Diskussion um Erkenntnis eintreten zu wollen, die über den Austausch von Parolen und Plattitüden hinausgeht. Es liegt im Wesen der Wiederholung, dass im Laufe der Zeit dann auch der noch so größte Unsinn geglaubt wird. Zu diesem Zwecke beten die einen den Rosenkranz, andere 3-mal täglich gen Mekka, während Sie gebetsmühlenartig die Litanei der Kreatur von Jekyll Island zum Besten geben. Der Kopp-Verlag steht nicht gerade für Seriosität und intellektuelle Brillanz. Zugleich sehnen Sie inständig den finalen Exitus herbei nach dem Motto: „Wollt ihr den totalen Crash?“ Sorry, aber das ist keine Diskussionsbasis. Zudem sollten wir bedenken: „Auch Alter schützt vor Torheit nicht“. Und um es ganz klar zu sagen: auch bei mir nicht.

      Ich starte einen letzten Versuch, mit Ihnen in einen konstruktiven Dialog zu treten. Ich möchte dabei in einem ersten Schritt auf eine Aussage von Ihnen näher eingehen. Sie schreiben:

      „Für naiv halte ich alle Ökonomen, die nicht an ein gedecktes (GOLD-Edelmetallsystem) glauben, denn nur jenes ist echtes Geld, weil es intrinsisch gespeicherte Arbeit beinhaltet und kein Fiatgeldsystem – “es werde Geld” wie wir es Haben!“

      Es ist richtig, das Gold gespeicherte Arbeit beinhaltet, sofern es gefördert und in Barren gegossen oder in Münzform geprägt wurde. Dies gilt allerdings ebenso für eine Windmühle, ein errichtetes Haus, gebaute Straßen, Schulen etc. Gold hat vor allem einen ästhetischen Wert. Man kann es nicht essen, als Waffe ist es viel zu weich und in der Industrie als Rohstoff von geringer Bedeutung. Wieso möchten Sie von daher, dass sich die Menschheit mit der Goldsuche beschäftigt, statt mit der Errichtung von Schulen, Straßen, der Förderung von Kunst und Kultur? Bei den letzten beiden Aspekten hat dann auch Gold als ästhetisches Material durchaus seine Berechtigung. Aber was bitte schön soll es im Keller für einen gesellschaftlichen Nutzen bringen, außer als Notgroschen in Krisenzeiten?

      Zudem gebe ich zu bedenken, dass die „intrinsisch gespeicherte Arbeit“ am Markt sehr starken Schwankungen unterliegen kann. An der objektiven Arbeitswertlehre ist schon Karl Marx verzweifelt und gescheitert. Denn auch hier gilt die Relativität von Raum und Zeit. Wenn Sie in Kriegszeiten kurz vorm Verhungern sind, dann tauscht sich eine Unze Gold gerade mal gegen ein paar Sack Kartoffeln. In Zeiten produktiven und konsumtiven Überflusses kann man ohne Subventionen als Bauer kaum überleben. Und dann sollten Sie sich noch fragen, womit Sie lieber auf einer einsamen Insel landen wollen: Mit einem Sack Kartoffeln und/oder einem Messer oder doch lieber mit einer Kiste voll Gold?

      Falls Sie sich entschließen sollten, in die Diskussion einzusteigen, möchte ich Sie bitten, sich auf diese konkreten Aussagen und Fragen zu konzentrieren und nicht wieder alles miteinander zu vermengen. Wir können uns dann sukzessive vorarbeiten. Ansonsten ist eine Diskussion nicht möglich und am Austausch von Glaubensbekenntnissen bin ich nicht interessiert.

      Darüber hinaus möchte ich Ihnen meine kurze Diskussion im Blog der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich mit Herrn Georg Dorgan empfehlen, die sehr konstruktiv begann, dann aber leider abrupt aufhörte: http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2014/05/der-fiskalpakt-und-seine-folgen/#comment-1166 . Auch sehr interessant der heutige Beitrag von Jörg Baumberger in der NZZ: http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschafts-und-finanzportal/die-voll-leergeld-reform-1.18310205

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  16. Bruno Bandulet schreibt:

    Sehr geehrter Herr Stöcker,
    Da sie mir religiösen Übereifer vorwerfen erübrigt sich jede weitere Diskussion, denn wir leben alle unter dem gleichen Himmel, haben aber nicht den gleichen Horizont. Sie sind nicht ernsthaft auf nur eine meiner Thesen eingegangen, welches ein schlechter Stil ist und viel über ihre Denkungsart aussagt. Sie haben nicht eine meiner Thesen ernsthaft widerlegt, sondern versuchen, genau wie unsere Politik alles in`s lächerliche zu ziehen, um ja nicht Farbe bekennen zu müssen. Ihre beiden Verlinkungen sind lächerlich, da sie die ökonomischen Tatsachen verschleiern und keinesfalls zur Aufklärung beitragen! Es wird ein Fiskalpakt mit viel theoretischem Gesums verbreitet, aber nicht klar gesagt, das die Politik und vor allen Dingen die Ökonomen und Banker vollkommen versagt haben! Keiner hält sich auch nur andeutungsweise an Gesetze und Verein-barungen z.B. Wie wäre es mit dem Vertrag von Maastricht, indem der deutschen Bevölkerung eine harte Währung wie die der Mark versprochen wurde-welch eine riesige Lüge-die Enteignung erfolgte über Nacht
    nächste Präambel: kein Staat kommt für die Schulden eines anderen Staates auf-welch eine riesen Lüge- das wievielte Griechenrettungspaket haben wir mittlerweile?
    Stattdessen werden Statistiken über Verschuldungen aufgeführt, die keinem, außer der Politik und Finanzindustrie nützen, um über eine Geldumverteilung den Bürger bis auf`s Hemd auszuziehen!
    Wir sprechen und schreiben die gleiche Sprache, leben aber in einem anderen Land! Sie dürfen weiter in Ihrem ökonomischen Wolkenkuckucksheim über Theorien und Ansätze fabulieren, die aber nichts mehr mit der Realität zu tun haben! Das Ergebnis der Europawahl war ein Weckschuß, der anscheinend von vielen Etablierten nicht gehört wurde, wenn Frankreich ökonomisch untergeht kommt das Erdbeben hinterher…man sollte aufpassen das man sich dann nicht mehr im einstürzenden Wolkenkuckucksheim befindet!
    Theorie und Praxis bilden eine Einheit, aber nur theoretisch!
    Für mich zählt das Experiment, und wenn Theorie und Praxis nicht übereinstimmen, dann ist die Theorie schlichtweg falsch & unbrauchbar!
    Der Herr Kondratieff war ein sehr kluger Mann, und seine Thesen beschreiben die Zukunft!
    In diesem Sinne:
    Carpe diem

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Sehr geehrter Herr Bandulet,

      Sie schreiben: „…das die Politik und vor allen Dingen die Ökonomen und Banker vollkommen versagt haben!“

      Bei dieser Aussage gibt es eine vollkommene Übereinstimmung zwischen uns. Ich würde aber noch einen Schritt weiter gehen: Auch wir (mich eingeschlossen) haben lange Zeit versagt, weil wir an so manches Märchen der Mainstream-Ökonomen geglaubt haben. Dennoch ist die Hauptverantwortung bei den sogenannten Eliten zu suchen, da diese Kraft Ihrer privilegierten Stellung eine höhere sittliche und moralische Verantwortung für das Gemeinwesen tragen (sollten) als die Bevölkerung. Aber wir sollten jetzt nicht den Fehler begehen und auf andere vergangene Märchen hereinfallen. Diese Gefahr sehe ich bei einigen Ihrer Aussagen. Unsere momentanen Differenzen ergeben sich also weniger aus der Ist-Analyse, sondern vielmehr aus den Schlussfolgerungen, die uns aus diesem Dilemma herausführen können, ohne das friedliche Zusammenleben der Völker in Europa weiter zu gefährden. Die Ergebnisse der Europawahl sind in der Tat alarmierend und die Situation in Frankreich ist, wie Sie zu Recht betonen, mehr als kritisch. Ich hatte mit einem solchen Ergebnis gerechnet und aus Sorge hierüber im Vorfeld der Europawahl einen Aufruf an unsere Studierenden verfasst.

      Auch bei der Wertschätzung der Erkenntnisse eines Herrn Kondratieff haben Sie meine volle Zustimmung. In diesem Zusammenhang sollte meiner Meinung nach auch immer Schumpeter genannt werden. Sie sehen, es gibt also durchaus eine gemeinsame Basis. Vielleicht leben wir ja doch im selben Land, zumal wir uns auch bei den zentralen Zielen einig zu sein scheinen. Bei den Mitteln, um diese Ziele auch zu erreichen, sehe ich allerdings noch größere Differenzen.

      Wenn Sie an konstruktiven Lösungen interessiert sind, wovon ich mal ausgehe, dann kann ich Sie nur bitten, auf meine Anmerkungen zum Thema Gold und Golddeckung einer Währung einzugehen und meine Aussagen zu falsifizieren. Berücksichtigen Sie hierbei bitte die paradigmatischen Erkenntnisse eines Thomas S. Kuhn. Ich bin in den letzten 2 Jahren zu der festen Überzeugung gelangt, dass wir beim Thema Geld vor einem radikalen Paradigmenwechsel stehen. Obwohl wir alle täglich mit Geld umgehen, haben wir es bis heute nicht richtig verstanden. Wenn wir das Thema Gold abgearbeitet haben, dann können wir in uns in einem nächsten Schritt sehr gerne der ‚Creatio ex nihilo‚ zuwenden.

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  17. Bruno Bandulet schreibt:

    Der Prozeß der Geldschöpfung wird auch heute noch verklausuliert, als Interbankenaustausch falsch dargestellt! Die Zentralbank, als auch die Geschäftsbank schöpft das Geld aus dem Nichts und verleiht dieses Geld an die Geschäftsbank, den Bürger gegen Zinsen, welches ein unmöglicher Vorgang ist, da dieses nicht gedeckt ist! Damit sind alle ausgereichten Kredite nicht geschäftsfähig, da die Banken ihrerseits keine Sicherheiten hinterlegt haben!

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  18. Larry schreibt:

    Die ZB schöpft kein Geld (Ausnahme: QE), sondern diskontiert bereits vorhandene Forderungen der Geschäftsbanken. Die eigentliche Geldschöpfung findet mit der Kreditgewährung der Geschäftsbanken statt. „Loans make deposits“, wie es Hartley Withers bereits 1921 richtig formuliert hat:

    https://archive.org/stream/cu31924030178663#page/n83

    S. auch:

    http://insideparadeplatz.ch/2013/09/25/die-snb-und-das-maerchen-von-der-geldschoepfung/#comment-13215

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  19. Bruno Bandulet schreibt:

    Hier ein Artikel, der direkt beschreibt wie unser Geld in die Welt kommt, nämlich linke Tasche-rechte Tasche, und wer von den Zentralbankbillionen profitiert!
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/05/30/kredit-klemme-die-billionen-der-ezb-landen-bei-einer-kleinen-finanz-elite/
    Money for nothing! Gruß an die Ökonomen, die immer noch an das Märchen der Geldschöpfung glauben!
    MfG & Carpe diem

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Sehr geehrter Herr Bandulet,

      Sie tragen hier gerade Eulen nach Athen. Der von Ihnen verlinkte Artikel der DWN wurde durch mich bereits mehrfach kommentiert. Falls Sie doch noch in eine konstruktive Diskussion mit mir einsteigen möchten, erlaube ich mir, Sie noch einmal an meine konkreten Fragen vom 28.05.2014 zum Thema Gold zu erinnern.

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      • Bruno Bandulet schreibt:

        Sehr geehrter Herr Stöcker,
        Sie sind auf keine meiner Thesen je eingegangen, Sie kommen mit Ihrem Link Geldmythen, der den Sachverhalt nicht annähernd richtig darstellt, wie auch die Erklärungen der BuBa für die Geldschöpfungstheorie in der Sekundarstufe, für die Schüler völlig daneben & falsch ist! Es ist einfach erschreckend, wie wenig der Prozeß der Geldschöpfung in den Ökonomenkreisen verankert bzw. bekannt ist. Ich präzisiere hiermit meine Thesen durch einen Beitrag von Herrn Prof.Dr. Brodbeck:

        „Gold ist Geld, alles andere ist Kredit!“ J.P.Morgan
        „Gold ist die höchste Form der Bezahlung.“ Alan Greenspan
        Klarer kann man es nicht sagen! Damit sollten alle Fragen zur Geldschöpfungstheorie und was richtiges Geld ist geklärt sein.
        MfG

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        • Michael Stöcker schreibt:

          Sehr geehrter Herr Bandulet,

          vielen Dank für Ihr weiteres Bemühen. Der von Ihnen verlinkte Beitrag von 3sat mit Prof. Brodbeck ist mir bekannt und ich stimme mit seinen Aussagen vollkommen überein. Was die Analyse anbelangt gibt es zwischen uns also kaum Differenzen. Die medial inszenierte Schredderung von Geld evoziert hier aber wiederum falsche Vorstellungen beim unbedarften Zuschauer. Warum? Weil hier Geld und Kredit in einen Topf geworfen wird. Banken können nur Kreditverhältnisse begründen; Geld, im Sinne von Zentralbankgeld gibt es aber ausschließlich von der Zentralbank.

          Die von Prof. Brodbeck angeführten Beispiele sind in der Tat zum allergrößten Teil fiktive Werte, die sich in den Bilanzen wiederfinden. Marx sprach hier vom fiktive Kapital (hätte nicht gedacht, dass ich mal auf Marx rekurrieren muss, auch wenn er diesen Sachverhalt anders begründet).

          Diese Bilanzpostionen sind aber doch lediglich Forderungen und Verbindlichkeiten, die sich bei Vertragsende gegenseitig aufheben und damit wieder verschwinden. Das Widerliche an der Sache ist doch, dass die künstlich-manipulative Aufblähung der Assets durch die kreationistische FinanzINDUSTRIE zu bilanziellen (nicht tatsächlichen) Gewinnen geführt hat, die über die erfolgsorientierten Vergütungsmodelle zu völlig überhöhten Auszahlungen an die ‚Leistungsträger‘ dieser Gesellschaft geführt haben. Hier müssen wir ansetzen, aber doch nicht bei der Goldmarie. Da würde ich ja nur eine sinnlose menschliche Betätigung (Algo-Trading tec.) durch eine andere sinnlose substituieren; nach dem Motto: Banker in die afrikanischen Goldminen. Das sind aber doch alles schlaue Leute. Die brauchen wir im Bildungssystem und in der produzierenden Industrie, aber doch nicht schon wieder als Verwalter der (Gold-)Illusionen.

          Daher sympathisiere ich sehr mit den Vorschlägen von Admati/Hellwig. 30 % EK ist eine solide Basis. Lässt sich bekanntlich leicht erreichen durch Kapitalerhöhung und Gewinnthesaurierung. Zugleich maximale Steuerabzugsfähigkeit von Gehältern, Boni, etc. auf 500.000 EUR. Dies erleichtert die Gewinnthesaurierung ungemein.

          Dazu noch etwas Finanztransaktionssteuer (gab’s früher auch schon, hieß da nur Börsenumsatzsteuer) sowie antizyklische Kapitalpuffer wie in der Schweiz und die Bereinigung im Bankensektor nimmt ihren evolutorischen Lauf.

          Dann kann man sich auch den ganzen weiteren regulatorischen Quatsch sparen. Die besten Regeln sind die einfachen, die auf eine Seite passen.

          Noch zu Alan Greenspan: Da wundere ich mich doch sehr, dass Sie gerade diese Person für die Begründung Ihrer Position anführen. Der hatte unser Geld- und Wirtschaftsystem ja wohl sehr lange Zeit überhaupt nicht verstanden:

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        • Michael Stöcker schreibt:

          Aber es war nicht nur Greespan, der sich geirrt hatte. Ich bin zwar kein Freund der Wissensmanufaktur (die reden auch viel Unsinn; vor allem der Popp), aber Prof. Berger bringt die Probleme in diesem Interview sehr gut auf den Punkt:

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  20. Linus Huber schreibt:

    WENN MENSCHEN ZU RATTEN WERDEN
    (Langzeitwirkung inflationärer Geldpolitik auf die Gesellschaft)
    © Linus Huber (Ausstellungsdatum 30. Jan. 2013)

    Ich kann mich gut an gewisse Erlebnisse aus meiner Kindheit erinnern und erwäge die kleinen Episoden als wichtig ein, aus dem ganz einfachen Grunde, weil sie aufgrund der Tatsache, dass ich mich überhaupt noch daran erinnere, einen grossen Eindruck auf meine sich formende Persönlichkeit gehabt haben müssen. Es geht hier nicht um die Bewertung der Erfahrungen in sich, sondern um deren Stellenwert auf mein zukünftiges Verhalten als erwachsener Mensch. Es will auch demonstrieren, dass sich Veränderungen im Verhalten des Individuums sehr langsam einstellen, da man durch die Erfahrungen in den Jahren der Persönlichkeitsentwicklung stark dem Einfluss vergangener Prinzipien ausgesetzt ist.

    Risiko und Stress

    Montag war wohl der wichtigste Tag in meines Vaters Berufsleben. Mit viel Bargeld ausgestattet, machte er sich zwischen 3 und 5 Uhr auf seinen Weg, die in der Vorwoche gekauften Kälber einzusammeln und fuhr dabei von Bauernhof zu Bauernhof um gegen spätestens 8 Uhr auf dem Kälber-Markt vorfahren zu können. Je früher desto besser, da die Nachfrage der Einkäufer von Schlachthöfen und Mästerei-Betrieben ansonsten schon eingedeckt sein mag. Natürlich half ihm das aufgrund langer Erfahrung ausgebaute Beziehungsnetz, jedoch verblieb wohl dauernd ein kleiner Zweifel, denn er hatte sich diesen beruflichen Weg schwer erkämpft, als er den Schritt vom einfachen Bahnangestellten, welcher unter anderem die Bahnhofswaage bediente und dadurch in den Kontakt zu Bauern und dem Viehhandel kam, in die Selbstständigkeit wagte. Schlussendlich hatte er 6 Kinder und eine Frau zuhause, deren Wohlbefinden von seinem Erfolg abhingen. Sein gelegentlicher Zweifel seines finanziellen Erfolgs des morgigen Tages drückte sich auch nach langen Jahren durch das Auftreten von Ängstlichkeit am Sonntag Abend aus, indem er oft an extremem Juckreiz seiner Fusssohlen litt und diesen mit rigoroser Verwendung einer Bürste bekämpfte.

    Diese Episoden sind Ausdruck der Tatsache, dass Risiko einen hohen Grad an Stress produzieren kann und nicht eine angenehme Angelegenheit für den einzelnen Menschen ist. Die Frage, welche allerdings wichtiger sein muss, liegt darin, ob solche Erfahrungen positiv für das Individuum selber und die Gesellschaft insgesamt sind, oder ob man deren Auftreten verhindern sollte (indem man zum Beispiel festlegen würde, dass der Staat den Kauf sämtlicher Kälber, welche zum Markt geführt werden, sicherstellt). Das Individuum hasst zwar den Stress, aber wie viele Studien belegen, hilft Stress das menschliche Verhalten insofern zu beeinflussen, dass man versucht die Unsicherheit oder das Risiko durch entsprechendes Verhalten zu reduzieren, was das Denken im Sinne von Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein fördert. Ebenfalls ist es eine fragwürdige These, dass wenn man das Risiko verallgemeinert (auf die Allgemeinheit verlagert), das Individuum dadurch weniger strapaziert wird, sondern der Fokus wird sich auf andere Gebiete des täglichen Lebens lenken, in welchem ebenfalls Probleme auftreten können. Denn der Mensch braucht und sucht Herausforderungen, ansonsten er langsam abstirbt. Dies zeigt sich oft darin, dass Menschen nach einem lebensveränderndem Ereignis, wie z.B. Pensionierung oder Tod des Partners, lustlos dahin vegetieren, da der stimulierende Stress fehlt. In anderen Worten, ist die Angst vor dem Versagen ein Positivum für den einzelnen Menschen.

    Reflexivität

    Die nächste Frage, welche zu beantworten ist, wie sich die Reduktion der Unsicherheit für den Einzelnen und damit das Verteilen der Kosten des Risikos auf die Gesellschaft auswirkt oder wie ändert sich das Verhalten der einzelnen Individuen in solch einer Gesellschaft. Es ist sicherlich nicht mehr als fair anzunehmen, dass sich die obigen aufgeführte positive Verhaltensweise (Vorsicht und Nachhaltigkeit) mit negativen Vorzeichen besetzt werden dürfte. Die Erkenntnis solcher Reflexivität ist Naturwissenschaftern viel bewusster als den heutigen Wirtschaftswissenschaftlern, da es sich beim Organismus „Gesellschaft“ um lebende Subjekte handelt (näher einem Lebewesen als einem physischen Objekt) und das Verhalten der einzelnen Mitglieder einer Gesellschaft dadurch nicht mit mathematischen Formeln vereinfacht erfasst und gemessen werden kann. Um diese Reflexivität besser zu erklären, will ich dies anhand eines praktischen und in diese Zeit passendes Beispiels erörtern.

    Ich bin selten krank, jedoch wenn ich von einem nicht lebensgefährdendem Leiden befallen werde, erkundige ich mich über die möglichen Gründe der Symptome im Internet. Ich erwäge in eigener Regie, was die plausibelste Ursache sein mag und konsultiere kurz meine engste Umgebung um mögliche Ratschläge mit zu berücksichtigen. Danach entscheide ich mich auf meine Behandlung, welche oft einzig darin besteht, gar nichts zu unternehmen um den Körper auf die notwendige Widerstandskraft zu trimmen, was langfristig sicherlich vorteilhaft sein dürfte. In anderen Fällen besuche ich einen mir vertrauten Apotheker und diskutiere kurz das bestgeeignete Medikament, kaufe und administriere es, womit die Angelegenheit abgeschlossen ist. Natürlich können sich bei diesem Vorgehen unvorhergesehene Nebenwirkungen melden, dies trifft jedoch auch zu, wenn ich auf den Rat eines Arztes höre. Was jedoch wichtig ist an diesem Beispiel, liegt im Umstand, dass ich Eigenverantwortung und Risiko übernehme und nicht delegiere. Nun, es ist leider nicht möglich in unserem gegenwärtigen System in der Schweiz sowie vielen anderen Staaten der Welt, nach diesem Prinzip zu handeln, da man erstens sämtliche Kosten selber zu tragen hat (Ablehnung der Deckung durch die Krankenkasse) und zweitens das Medikament ohne eine Verschreibung des Arztes gar nicht kaufen darf. Wenn das einzelne Individuum die Kosten persönlich zu tragen hätte, würde die Anzahl Arztbesuche vielleicht um 50% einbrechen und aufgrund des reduzierten Aufwandes somit Nachhaltigkeit gesteigert und Verantwortungsbewusstsein im Bereiche der eigenen Gesundheit gefördert würden. Ich kann daraus schliessen, dass das System falsche Anreize produziert, indem die Eigenverantwortung und das Risiko an eine gefühlsmäßig undefinierbare Masse delegiert wird, was die Regeln der Nachhaltigkeit des gesamten Gesundheitswesens untergräbt, ein Umstand, welcher für die Gesellschaft insgesamt negative Auswirkungen produziert. Wie schon erwähnt, geht es hier nicht darum, das gegenwärtige Gesundheitssystem zu bewerten, sondern einzig darum, den Einfluss von Massnahmen auf das Verhalten des einzelnen Individuums zu untersuchen, und zu demonstrieren, was unter dem Begriff Reflexivität zu verstehen ist. Übrigens und nur als Zwischenbemerkung gemeint, habe ich die hohen Kosten der Verwaltung, welche das System erfordert, noch nicht einmal angesprochen.

    „Er haet sin Scheck nie igloest“ (er hat seinen Scheck nie eingelöst), erklärte mir mein Vater und ich konnte nicht erkennen, ob er sich ob dieser Tatsache freute oder grämte. Vielleicht war es eher ein Ausdruck leichter Beklommenheit. Mein Vater war kurz zuvor in einen Gerichtsfall verwickelt, als er auf der Basis eines Handschlages ein paar Schweine kaufte und nach Vollzug der Handelstransaktion der Verkäufer seine Meinung änderte, indem er glaubte, einen zu kleinen Preis erhalten zu haben und deswegen eine Klage einreichte. Im Viehhandel ist/war es üblich, sich nicht unter Verwendung von Dokumenten Vertragsabschlüsse zu besiegeln, sondern ein Handschlag war Tradition und Regel. Der Verkäufer verlor vor Gericht und musste die Gerichtskosten beider Parteien berappen. Die ursprüngliche Zahlung für die Schweine in der Form eines Schecks wurde jedoch nie in Anspruch genommen, da der Käufer den Scheck nie in der Bank vorlegte. Nach reiflicher Überlegung kam ich zum Schluss, dass der Verkäufer aufgrund einer der folgenden Umstände den Scheck nie einreichte. Vielleicht zerriss er den Scheck in einem Anfall von Wut und war zu stolz um eine Neuausstellung zu bitten. Vielleicht glaubte er, dass aufgrund des Gerichtsurteils er kein Anrecht mehr auf Bezahlung hatte und dies Teil der Bestrafung darstellte. Vielleicht wollte er damit bezeugen, wie sehr er meinen Vater verachtete und deswegen kein Geld von ihm akzeptieren würde. Was immer der Grund gewesen sein mag, es zeigte jedoch in jedem Fall ein tief verwurzeltes Selbstverantwortungsgefühl und eine damit einhergehende Ehrbarkeit. Das Gericht musste zum Schluss gekommen sein, dass mein Vater den Verkäufer nicht getäuscht hatte und der Handel somit seine Gültigkeit besass. Somit musste der Verkäufer automatisch seine eigene Ehrbarkeit hinterfragen und fühlte sich dementsprechend blamiert und unehrenhaften Verhaltens bezichtigt. Wenn wir dieses Verhaltensmuster mit dem heutig gängigen Verhalten vergleichen, kann man zweifelsfrei eine Verhaltensveränderung erkennen. Ehre, Tradition und Währschaftlichkeit haben an Gewichtung verloren und es zählt oft einzig nur noch das Resultat, welches sich unter dem Strich ergibt. Die Leichtigkeit des Kommerzes, welcher auf gegenseitigem Vertrauen beruhte, ist einem mit unzähligen Bestimmungen ausgeschmücktem Regelwerk gewichen. Die Frage, welche sich in diesem Zusammenhang stellt, besteht darin, ob wir als Gesellschaft uns dadurch eine bessere, ehrlichere und rechtsstaatlicher Umgebung geschaffen haben oder ob dies das Gefühl der Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit eher unterminierte. Auch hier will ich keine Bewertung der Entwicklung anstellen, sondern einfach festhalten, dass aufgrund der vielen Regeln der Wert des selbstverantwortlichen und ehrenhaften Verhaltens offensichtlich reduziert wurde. Ehrenhaftes sowie verantwortungsvolles Verhalten kann man nicht durch Gesetze verordnen, sondern sind ethische Werte, welche jeder in sich trägt. Je stärker man hingegen jeden Umstand regelt, desto mehr schwächt man dieses in jedem Menschen inhärente Bedürfnis der Ehrbarkeit und Selbstverantwortung. Auch dies ist ein Beispiel für Reflexivität.

    Bürokratie und Regulierung

    Im Bestreben, Risiken des Einzelnen zu reduzieren, haben wir unzählige Systeme und Regelwerke geschaffen. Diese Regeln produzieren natürlich einen zunehmenden Verwaltungsaufwand und entsprechende Institutionen wurden entweder ins Leben gerufen oder ausgebaut. Wie die Gesellschaft ist eine Institution ebenfalls besser als ein Organismus zu betrachten und man sollte der Versuchung, die rein funktionelle Ebene zu sehen, widerstehen. Aus der Natur wissen wir, dass jeder Organismus wachsen will oder sich, wenn bedroht, zu wehren versucht. Dies kann man auch sehr gut nachvollziehen, indem natürlich jeder Verwaltungsangestellte seine Position auszubauen versucht, indem er sich möglichst viele Kompetenzen aneignet um seine Existenz abzusichern. Ein natürlicher Vorgang, welcher auf der menschlichen Natur beruht und in sich als positiv zu betrachten ist. Allerdings mag diese Verhaltensweise des einzelnen innerhalb des Verwaltungsapparates für die Gesamtheit der Gesellschaft negative Konsequenzen in sich bergen und zwar im Zusammenspiel mit der zunehmenden Regulierungsdichte. Es dürfte wie ein Turbo auf die oben beschriebene Entwicklung wirken und viele Regeln institutionalisieren, womit die Flexibilität und langfristige Nachhaltigkeit des gesamten System negativ beeinflusst wird. Die Idee, dass man jegliches Risiko durch entsprechende Massnahmen eliminieren kann, produziert ein Problem der Nachhaltigkeit und unterminiert die Vitalität für die Gesamtheit des Systems. Mit der Reduktion persönlicher Freiheiten, werden auch die menschlichen Qualitäten wie Verantwortungsbewusstsein, Gemeinschaftssinn, Gefühl der Schicksalsgemeinschaft, Mitgefühl, Ehrenhaftigkeit und andere für die Gesellschaft positive Eigenschaften geschwächt. An dessen Stelle tritt der Drang die Regeln zu beeinflussen, die Regeln zu umgehen, Wege zu suchen, sich zu bevorteilen zulasten der Allgemeinheit und dies aus dem einfachen Grunde, dass wir die Pflicht der Verantwortung für das Funktionieren des Gesamten von uns weg delegierten. Ehrenwertes Verhalten hat hier keine Funktion und ist nicht mehr gefragt, sondern einzig Regeln bestimmen den Ablauf. Wer sich benachteiligt fühlt, versucht entweder Einfluss auf die Regeln (nur möglich für die Elite) zu nehmen oder, wie wohl die meisten, konsterniert einfach. Aus sogenannten Effizienz-Gruenden oder weil es der Wirtschaft schaden könnte, sind Regeln und Gesetze zunehmend irrelevant (biegen oder ignorieren von Verfassungsartikeln und Neuinterpretation von Gesetzen, indem deren Geist mit Füssen getreten wird) für Entscheidungsträger, da sie anscheinend das System zu retten haben, dabei jedoch vergessen, dass die damit einhergehende Rechtsunsicherheit möglicherweise bedeutend schädlicher sein mag für das System, als ein temporärer Einbruch des Wirtschaftswachstums.

    Magie von Bargeld

    „Das isch no an richtige Maa“ (Dies ist ein richtiger Mann) waren meines Vaters Worte, als nach dem Tode meines Bruders, er dessen Wohnung in Zürich verkaufte und der Käufer mit einem Bündel Tausendernoten zahlte. Obwohl ich kein Kind mehr war, hinterliess seine überzeugende Ausdrucksweise durch die in den Worten mitschwingende Dynamik einen bleibenden Eindruck auf mich. Es handelte sich nicht einzig darum, dass mein Vater die Tatsache bewunderte, dass der Käufer in der Lage war, diesen grossen Betrag in Bar zu produzieren, sondern es war ein Ausdruck der Ehrbarkeit, welche diesem Käufer damit zugeordnet wurde. Aber auch allgemein bekannte Sprichworte weisen auf die Bedeutung des Bargeldes hin. Die Sicht der Dinge meines Vaters, wie vieler andere Leute seiner Generation, wurden durch die Erfahrungen während der Weltwirtschaftskrise nach 1929 geprägt und er hielt an seiner Überzeugung fest, obwohl empirisch betrachtet sich dies seit mindestens der Mitte des letzten Jahrhunderts klar widerlegen liess , indem Geld respektive Bargeld gleich welcher Währung an Kaufkraft einbüsste. Es handelt sich um ein Verhaltensmuster, welches bei ihm eingebrannt war.

    Die meisten Menschen jener Generation sind heute nicht mehr am Leben und haben schwerlich noch Einfluss auf das heutige Geschehen. Wenn man mit jungen Leuten darüber diskutiert, wird oft unmissverständlich erklärt, dass man wohl von Geld in der heutigen Zeit keine Ahnung mehr zu haben scheint und heutige Währungen einzig als Zahlungsmittel zu funktionieren haben. Auch viele Ökonomen haben sich mit oft abstrusen Theorien dazu geäußert und viele belächeln die Idee des wertbeständigen und ehrlichen Geldes. Als ich vor gut 12 Jahren einen Neuwagen in Singapur erwarb und nach Abschluss der Verhandlungen erklärte, dass ich gedenke mit Bargeld zu zahlen (ein Betrag von vielleicht umgerechnet chf70k) und nachfragte, wie hoch ein zusätzlicher Barzahlungs-Rabatt (Skonto) ausfallen dürfte, wollte der Verkäufer am liebsten den ganzen Kaufvertrag rückgängig machen. Der Grund lag darin, dass der Verkäufer eine Kommission für jeden Kreditvertrag kassierte und damit dieser Verdienst ausfiel. Schon damals fragte ich mich, welche gesellschaftlichen Werte durch solche Anreizsysteme wohl gestärkt und welche geschwächt werden. Werte in der Gesellschaft sind nie in Isolation zu betrachten, sondern wenn sich ein gesellschaftlicher Wert erhöht, verliert ein anderer Wert relativ gesprochen. Ebenfalls ist es nicht abwegig, den Ursprung für die Veränderung der in der Gesellschaft vorherrschenden Werte zu untersuchen.

    Gesellschaftliche Bedeutung des Geldes

    Die Kraft der Suggestion spielt in der Psychologie eine wichtige Rolle, indem sie das Selbstverständnis der Zielperson beeinflusst. Diese Methode wird im Bereiche der Erziehung oft bewusst eingesetzt um eine bestimmte Verhaltensweise zu fördern. Auch das Selbstverständnis und, in der Folge, das Verhalten der einzelnen Mitglieder einer Gesellschaft kann in Anwendung dieses Konzeptes verändert werden. Jede Verordnung oder Regelung wirkt auf mindestens zwei Ebenen. Einerseits auf der Ebene der durch die Massnahme beabsichtigten und angestrebten Verbesserungen der Lebensqualität für einen Teil der Gesellschaft, andererseits auf der Ebene der durch die adaptive Fähigkeit eines Lebewesens eintretende Verhaltensveränderung. Die Verhaltensänderung kann selber jedoch zusätzlich noch in zwei Bereiche unterteilt werden, nämlich auf den spezifisch auf die Massnahme Bezug nehmenden Bereich einerseits und aufgrund der suggestiven Wirkung auf das durch die Massnahme implizierte Selbstverständnis des einzelnen Mitgliedes einer Gesellschaft andererseits. Grundsätzlich kann man sicherlich festhalten, dass je höher die Verordnungsdichte, desto mehr schwächen sich Eigenverantwortung, Ehrbarkeit, Selbständigkeit, Freiheit, Unabhängigkeit, Gemeinschaftssinn, Respekt gegenüber der eigenen wie Drittpersonen und andere ähnlich gelagerte und essentiell wichtige Werte des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

    Die Effektivität einer Massnahme auf das Verhaltensmuster der einzelnen Mitglieder einer Gesellschaft ist am höchsten, wenn die gesamte Gesellschaft gleichzeitig und dauerhaft damit konfrontiert ist und damit eine Bewusstseinsveränderung erzeugt wird. Es gibt wohl kein anderes menschlich geschaffenes System, welches das Selbstverständnis und die gesellschaftliche Ordnung stärker beeinflusst, als Geld. Geld ist allgegenwärtig, wird täglich von jedermann benutzt, misst den eigenen wirtschaftlichen Erfolg und trägt massgebend zum Selbstverständnis der eigenen Person bei. Der Einfluss dieses Mediums auf den Menschen eines Währungsraums beschränkt sich keinesfalls einzig auf monetäre Aspekte und ökonomische Aggregate, sondern nimmt, aufgrund der gesellschaftlichen Bedeutung, massgebend Einfluss auf die Werte-Skala der entsprechenden Gesellschaft. Die Eigenschaft einer Währung, welche auf der Geldpolitik einer Zentralbank beruht, ist daher von hoher gesellschaftlicher Bedeutung.

    Geldpolitik

    Ausnahmslos verfolgen Zentralbanken eine Politik der Geldentwertung. Es ist eigentlich erstaunlich, dass es keine einzige Ausnahme gibt und sämtliche gegenwärtig im Umlauf befindenden Währungen überall über einen längeren Zeitraum betrachtet, der Entwertung unterliegen. Die einen entwerten sich schneller als die andern, aber sich entwerten, tun sie alle. Ist dies eine natürliche Eigenschaft einer Währung oder ist dies durch Menschenhand gesteuert? Bei genauerer Betrachtung kann man gut erkennen, dass dahinter eine sehr bewusst betriebene Manipulation steckt, indem der Werterhalt einer Währung zugunsten der durch die Manipulation erreichten kurzfristigen wirtschaftlichen Vorteile, geopfert wird. In anderen Worten wird das Recht des Eigentümers der Währung verletzt, um eine statistisch messbare quantitative Verbesserung der Wirtschaftsleistung zu erreichen. Wachstum kann allerdings nur auf quantitativer Ebene gemessen werden, und vernachlässigt dadurch eine qualitative Einschätzung des erzielten Wachstums. In anderen Worten, Wachstum, welches auf inflationärer Geldpolitik beruht, erzeugt in Anwendung oben erklärter Prinzipien menschlicher Natur negative gesellschaftliche Auswirkungen, welche zwar nicht direkt messbar sind, jedoch die Gesellschaft auf verschiedenen Ebenen langfristig und fast unbemerkt schädigen. Nachfolgend werden wir einige dieser Konsequenzen erläutern, wobei die oben aufgeführten Beispiele der Reflexivität als Hilfe dienen.

    Wie wir gerade ausführten, wird durch die Manipulation der Währung (dauernde langfristige Entwertung) das Recht des Eigentümers der entsprechenden Währung verletzt. Wenn sich eine Währung entwertet, löst sich der Kaufkraftverlust des Geldeigentümers von zum Beispiel 20 Prozent in 10 Jahren nicht in Luft auf, sondern jemand anders hat sich diesen Verlust an Kaufkraft angeeignet. Im allgemeinen dürfte derjenige, welcher sich verschuldete, davon profitieren. Es handelt sich in diesem Sinne um einen Umverteilungsmechanismus, an welchen sich eine Gesellschaft schrittweise gewöhnte und damit ihre Verhaltensweise entsprechend angepasst hat. Das Resultat ist eine bankenfreundliche Umgebung, da damit das Wachstum des Kreditvolumens gefördert wird; dies aufgrund der Tatsache, dass der geldmässig negativ positionierte (verschuldete) Akteur unter Abzug der Transaktionsmarge der Bank, ohne entsprechende wirtschaftliche Leistung, einen Gewinn erzielen kann. Im Geiste widerspricht dieser Umstand der in der Verfassung festgehaltenen Gewährleistung des Rechtes auf Eigentum und unterminiert damit die Rechtsstaatlichkeit.

    Attribute des Geldes

    Durch die Teilenteignung des Geldeigentümers nimmt Geld vermehrt Attribute verbunden mit Besitz anstelle von Eigentum an. Besitz und Eigentum, obwohl sie meist zusammenfallen, sind jedoch konzeptionell verschieden. Wir können sehr wohl ein Auto besitzen, ohne dessen Eigentümer zu sein. Dies stellt sich zum Beispiel ein, wenn man ein Auto mietet. Verhalten wir uns genau gleich unter Verwendung eines gemieteten oder eines eigenen Fahrzeugs? Dieser oder jener Mieter mag sich tatsächlich genau gleich verhalten in der Benutzung des Autos. Trotzdem hält sich das Gefühl der Sorge und der nachhaltigen Pflege für einen nur auf Zeit ausgeliehenen Gegenstand in Grenzen. Es liegt in der Tatsache, dass Eigentum nicht nur ein Recht sondern auch eine Pflicht beinhaltet, nämlich die Pflicht sich nachhaltig darum zu kümmern. Mit der Schwächung des Eigentumsrechts wird der Mensch in der Folge konditioniert, kurzfristig und nicht nachhaltig zu handeln. Wenn dies nur ein einziges oder ein kleiner Teil der Mitglied(er) der Gesellschaft so handhabt, werden die Auswirkungen auf die Gesellschaft schwach ausfallen. Wenn jedoch aufgrund jahrzehntelanger Konditionierung sich zunehmend ein immer höherer Anteil der Gesellschaft ihr Verhalten in diese Richtung verändert, ergeben sich dadurch schädliche gesellschaftliche Folgeerscheinungen, indem sich das kurzfristige und nicht nachhaltige Verhalten festsetzt.

    Gesellschaftliche Auswirkungen der Geldentwertung

    Zum Beispiel entwickelt sich die Kultur der unverzüglichen Gratifikation, welche sich dadurch ausdrückt, dass man etwas sofort besitzen muss und nicht zuerst dafür spart. Man zieht es vor, sich zu verschulden als sich in Geduld zu üben und verantwortungsvoll zu budgetieren. Diese Entwicklung führt dazu, dass das aktuelle Verhalten den Wert der Nachhaltigkeit untergräbt. Das Konzept, dass man sich einen gewissen Lebensstandard zuerst erarbeiten muss, wird dadurch zunehmend geschwächt. Das Leben auf Pump, um einen gängigen Ausdruck zu verwenden, wird hingegen gefördert. Heute und jetzt wird wichtiger, da die Zukunft ungewiss und nicht mehr kalkulierbar geworden ist. Die Konsum- und Wegwerfgesellschaft ist geboren.

    Das Verhältnis im Verhalten gegenüber Risiken verändert sich ebenfalls, indem die Kosten von Risiken zunehmend vom Risikonehmer auf die gesamte Gesellschaft transferiert werden. Diese Entwicklung begann nicht mit den kürzlich getroffenen Massnahmen in der Form der Rettung von Finanzinstituten, sondern fand dort seine Kumulation. Eine solche Konstellation produziert erhöhte Risikobereitschaft und untergräbt die Sorgfalt, welche notwendig ist, um eine nachhaltige Entwicklung zu erfahren. Die Entlastung des Risikonehmers von den möglichen negativen Konsequenzen eines Risikos untergräbt die gesellschaftlich positiven Werte der Sorgfalt, Verantwortung, Redlichkeit und Ehrlichkeit.

    Da Geld langfristig wertlos zu sein scheint, verlagert der Mensch sich auf materielle Werte um dem Wertschwund des Geldes zu entgehen. Die Idee, sich mit einem Sparbuch eine finanzielle Notreserve oder einen Spargroschen zu sichern, wird verpönt und durch Investitionen in Sachwerte ersetzt. Dies fördert eine materialistische Weltanschauung, in welcher ethische und für das Zusammenleben wichtige Grundsätze an Wert verlieren. Es schürt schrittweise ein allgemeines Misstrauen gegenüber den Entscheidungsträgern (niemand liebt manipuliert zu werden), und produziert die Tendenz zu verstärktem Individualismus und der damit einhergehenden Reduktion des Mitgefühls.

    Das wirtschaftliche Wohlbefinden der Bevölkerung beruht zunehmend auf einem Wachstum, welches einzig auf dem Entwerten der Währung beruht, wodurch sich eine immer höhere Machtkonzentration bei den Währungshütern bildet, welche sich schlussendlich wie Hohepriester fühlen müssen. Es wird zusehends unvermeidbar die nicht bestehende Nachhaltigkeit durch Verschleierung und Täuschung zu vertuschen und das Spiel des Perzeption Managements beginnt. Da die Bevölkerung sich ebenfalls an den Status Quo klammert, werden die Proklamationen der Entscheidungsträger auch wenn sie im klaren Gegensatz zu logischen Überlegungen stehen, enthusiastisch empfangen und verzweifelt geglaubt. Ehrbarkeit, Ehrlichkeit, Verantwortlichkeit, Nachhaltigkeit weichen einer Kultur von Lug und Betrug.

    Ein anderer Aspekt der durch Manipulation erzeugten Reduktion des Eigentumsrechtes liegt in der Tatsache, dass im Effekt ein Diebstahl legalisiert wird. Die dadurch eintretende Untergrabung der Rechtsstaatlichkeit reduziert den Schutz der persönlichen Freiheit. Natürlich sind gewisse persönliche Freiheitsrechte in Bezug auf grundlegende Menschenwürde und -rechte einzuschränken. Ausserhalb dieses Bereiches hingegen, sollte der Staat die Regeln so formulieren, dass der Schutz der persönlichen Freiheit (und damit der implizierten Selbstverantwortung und anderer positiver gesellschaftlicher Werte) gefördert wird. Ich ordne hier die Zentralbanken den staatlichen Institutionen zu, obwohl sie offiziell formelle Unabhängigkeit geniessen. Jeder Eingriff, jede Regelung, jede Manipulation sollte auf den langfristigen Einfluss, welche diese Massnahme auf die Werte innerhalb der Gesellschaft ausübt, überprüft werden. Es handelt sich hierbei um nicht messbare Grössen oder in andern Worten um nicht quantitativ erfassbare Aspekte, sondern um qualitative Werte. Da Ökonomen sich im Bereiche von messbaren Veränderungen profilieren, sind ihnen philosophisch unterlegte Betrachtungsweisen eher fremd.

    Schlusswort

    Um meinen kleinen Aufsatz abzuschliessen, möchte ich Ihnen folgenden Satz als Gedankenstütze auf den Weg geben: Wenn man eine Gesellschaft wie eine Labor-Ratte manipuliert, wird sie sich zunehmend die Attribute einer Ratte zulegen (Konditionierung). Oder in anderen Worten, wer Geld entwertet, entwertet ebenfalls die Menschlichkeit und die Bedeutung des zwischenmenschlichen Vertrauens.

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Ich stimme mit Ihnen ja in vielen Punkten überein, jedoch nicht beim Thema Inflation. Es handelt sich hierbei auch nicht um eine gezielte Manipulation zur Benachteiligung des Schuldners, sondern der Herstellung eines Kräftegleichgewichts zwischen Gläubiger und Schuldner. Aufgrund unserer demografischen Struktur gibt es mehr Ersparnisse, als sinnvolle Investitionsmöglichkeiten. Ist es dann sinnvoll, nicht für die Zukunft vorzusorgen? Nein, das ist es nicht. Also werden auch Investitionen vorgenommen, die eine negative Rendite haben. Um es einfach auszudrücken: Auch wenn die Hälfte meines Korns im Speicher von den Mäusen gefressen wird, ist es dennoch sinnvoll Ackerbau zu betreiben und Vorräte (=Ersparnisse/Investition) anzuhäufen, als in den folgenden Jahren zu hungern. Ebenso ist es sinnvoll, Verträge mit Jüngeren abzuschließen, die für meine spätere Versorgung im Alter sorgen. Die von den Austrians bemühte intertemporale Konsumneigung spielt doch in gesättigten Märkten mit Überkapazitäten eine genau umgekehrte Rolle. Hier gibt es keine Zinsen für Konsumverzicht, sondern es muss gezahlt werden für die Aufbewahrung der Produktionsüberschüsse bzw. für das Versprechen, dass die wenigen Jungen für die dann vielen Alten aufkommen. Geldersparnisse gibt es auf aggregierter Ebene in einer Volkswirtschaft nicht. Vielleicht lesen Sie sich ja auch noch einmal meinen ersten Beitrag vom August letzten Jahres hierzu durch: Zinsmythen.

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      • Linus Huber schreibt:

        „Aufgrund unserer demografischen Struktur gibt es mehr Ersparnisse, als sinnvolle Investitionsmöglichkeiten.“

        Dieses Problem wäre schon lange durch die schöpferische Destruktion behoben worden, wenn man nicht mit entsprechender Geldpolitik und staatlichen Programmen künstlich den Konsum hochgehalten hätte. Sie reden von der heutigen Situation als ob diese sich zwangsläufig ergeben musste, und vernachlässigen die zentralplanerischen Aktivitäten und zunehmende Machtkonzentration in den Händen von Bürokraten der Regierungen, welche aufgrund einer ankerlosen Geldpolitik eine die Nachhaltigkeit verletzende Entwicklung in Gang setzten. Man muss schon die wahre Ursache erkennen und nicht einzig die Symptome.

        Danke, dass ich hier meine Gedanken frei äußern darf. Haben Sie einen Zähler bezüglich Blog-Leser?

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        • Michael Stöcker schreibt:

          „Man muss schon die wahre Ursache erkennen und nicht einzig die Symptome.“

          Ich bin sehr bemüht, die eigentliche Ursache der Krise zu erkennen und lasse mich auch immer wieder gerne durch bessere Argumente überzeugen. Ich sehe die wahre Ursache an einer anderen Stelle, während Sie zwar nicht an der Oberfläche kratzen, aber nicht das tieferliegende Problem hinter dem Problem erkennen. Dies mag damit zu tun haben, dass auch Sie ein fehlerhaftes Verständnis von Geld haben. Die wahre Ursache für solche großen Krisen, die alle 40 bis 70 Jahre auftreten müssen, hat aus meiner Sicht bislang nur Prof. Binswanger richtig erkannt und in seinem Buch Geld und Magie schon in den 80er Jahren richtig beschrieben. Da seine Thesen aber großen Wiederhall in der Ökoszene fanden, war er damit zugleich für den meinungs- und deutungssdominierenden Mainstream eher ein nicht weiter ernstzunehmender Gutmensch. Dass er jetzt zusammen mit Huber für ein Vollgeldsystem eintritt ist leider auch nicht förderlich, da Huber unser Geldsystem definitiv nicht verstanden hat.

          Weil diese geldsystemischen Gründe (Binswanger-These) nicht erkannt werden können, da wir mit einem falschen Geldparadigma durch diese Welt irren und nicht einmal ein John Taylor versteht, wie Geld entsteht und vernichtet wird, kommen eben so sinnlose Dinge heraus wie Deficit-Spending unlimited, Dual Mandat der FED, Konsumbefeuerung durch Verbriefungsgeschäfte etc. Da haben Sie meine volle Zustimmung, dass die Zentralbanken und die Politik Symptome behandeln, aber nicht die eigentliche Ursache. Siehe hierzu auch meine letzten Kommentare im Herdentrieb.

          Da Sie nach der Leserzahl fragen: Hier ein Screenshot von heute früh.

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  21. Linus Huber schreibt:

    „VI. Gründung einer Evidenzzentrale für Abzahlungsgeschäfte“

    Anstelle dessen würde ich die Festlegung der Abzahlungsdauer festlegen, wonach der Kredit als nicht rückzahlbar abzuschreiben ist, womit keine neue Organisation von Nöten wäre. Z.B. Konsumentenkredit muss innerhalb 12 Monaten abgezahlt sein mit Ausnahmen evtl. Autos 24 Mt. Wohnungen 120 Mt., „landed property“ 240 Mt. (vor allem die letzten 2 Bestimmungen würde sich gegen die übermäßige Kolletarisierung richten, wobei wohl vorerst die verschiedenen Programme der sogenannten Wohneigentumsförderung zu eliminieren wären).

    Damit muss keine neue Organisation mit noch mehr Bürokraten gegründet werden, sondern die Marktakteure werden sich selber darum kümmern.

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Vielen Dank für Ihre konstruktiven Beiträge und Vorschläge. Volle Zustimmung. Eine solche Regelung ist viel eleganter als mein Vorschlag! Man könnte sich jetzt nur noch Gedanken drüber machen, ob bei Konsumentenkrediten 12, 24 oder 36 Monate angemessen sind. Aber ich tendiere im Moment auch eher zu der kürzeren Laufzeit.

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  22. Linus Huber schreibt:

    Nachdem ich Ihre 10 Punkte noch einmal durchlas, entfuhr mir ein Wow; da will wohl jemand noch mehr Bürokratie und Manipulation durch die Entscheidungsträger vorantreiben. Hey, wir brauchen nicht noch mehr von jenen, welche uns in diese Sch… ritten. Darum kurz ein kleiner weiterer Beitrag.

    Die Absurdität von Immunität

    Gestern habe ich deutlich über meinen Durst getrunken und ich fühle mich elend heute morgen und bereue zu einem gewissen Grad meine Leichtfertigkeit im Umgang mit der zwar eine gute Stimmung simulierenden Substanz, jedoch war es natürlich ein gutes Erlebnis zu jener Zeit gestern Abend. Der miserable Zustand meiner Person heute morgen zeigt mir jedoch die Schranken auf und ich muss nun mit den Konsequenzen meiner gestrigen Handlung leben.

    Diese Darstellung erklärt das System, welchem wir als Individuen ausgesetzt sind, nämlich die Verantwortung für sein eigenes Verhalten zu tragen und es funktioniert. Wenn wir uns in dieser heutigen Welt ein wenig umsehen, können wir allerdings einige Menschen erkennen, welche sich zwar mit Vergnügen volllaufen lassen, jedoch die Konsequenzen daraus nicht tragen wollen. Sie verstecken sich unter dem Mantel der Immunität, wollen uns jedoch erklären, dass Sie zu unserer aller Wohl handeln. Sie erklären, dass sie das Wohl der Gesellschaft in ihren Händen tragen und damit eine hohe Verantwortung tragen, mit welcher sie ihre übersteigerten Gehälter und Pensionen rechtfertigen, verweigern hingegen die Konsequenzen ihrer Entscheide auf persönlicher Ebene tragen zu wollen. Verantwortung ohne mit den daraus resultierenden Entwicklungen auf persönlicher Ebene tragen zu wollen, ist ein inhaltlicher Widerspruch. Das Gegenteil sollte zutreffen, indem jene, welche für andere Menschen Verantwortung tragen wollen, ihr Handeln einem schärferen Masstab zu unterstellen hätten, als jene, welche sich einzig um ihre persönlichen Belange kümmern. Wer genau sind diese Menschen?

    Es handelt sich um Menschen, welche Macht über ihre Mitmenschen anstreben. Im Bereiche des Staates handelt es sich um die politischen Entscheidungsträger und Funktionäre in Regierung und regierungsverwandten Unternehmen. Auch im Bereiche der Wirtschaft wird dieses Prinzip durch den Schutz der Unternehmensstruktur, welche ein Unternehmen vor dem Gesetz mit einer natürliche Person gleichstellt, erreicht, indem die Entscheidungsträger quasi nie persönlich zur Verantwortung gezogen werden, jedoch aufgrund der „grossen“ Verantwortung sich großzügig bereichern. Auch im Falle des Unternehmens Regierung findet ein ähnlicher Vorgang statt, indem sich diese Menschen großzügige Kompensationen und Pensionen zusprechen. Aber wirkliche Verantwortung, welche zu persönlichen Nachteilen führen mögen, wollen diese Menschen nicht übernehmen, sondern lassen die ihnen „anvertraute“ Bevölkerung an den Kopfschmerzen nach der Party leiden.

    Dies ist der Grund, dass man die Macht einer Regierung klar umgrenzt, sodass der Versuch der Machterweiterung dieser “Firma” Regierung in Schranken gewiesen wird. Heute besteht eine genau entgegengesetzte Entwicklung, indem Regierungen die Rechtsnormen biegen, sich immer weniger um die von Verfassungen auferlegten Machtbeschränkungen halten, die Auffassung Bürger als ihr Eigentum zu betrachten vertreten (anstelle der entgegengesetzten Meinung), die Bevölkerung zunehmend unter fadenscheinigen Gründen vermeintlicher Sicherheitsbestrebungen reguliert, überwacht und kontrolliert und sie somit auch aufgrund verschiedener Programme immer stärker von der Regierung abhängig macht und infantilisiert. Parallel läuft eine Entwicklung der zunehmenden Zentralisation ab, indem die Bürokraten (von der Allgemeinheit finanzierte Entscheidungsträger) ein vermeintliches Glück in internationalen Gremien und somit in einer immer undemokratischeren Struktur suchen, welche jedoch hauptsächlich dazu dient, diesen Bürokraten neue zusätzliche Jobs mit allen “benefits” zu offerieren und Entscheide weiter vom Volkswillen zu distanzieren, wodurch das einzelne Subjekt zunehmend fühlt, in einer Art Matrix zu leben, in welcher es keinen wirklichen Einfluss mehr ausüben kann. Dieser Umstand in Kombination mit der Tatsache, dass viele der staatlichen Programme nicht wirklich nachhaltiger Natur sind, sondern in erster Linie zum Machtgewinn der Regierung installiert wurden, erhöht sich die allgemeine Unzufriedenheit der Bevölkerung, wodurch sich schrittweise eine Gegenbewegung einstellen würde, d.h. Reduktion der Machtkonzentration. Um dies zu verhindern, werden die zuständigen Entscheidungsträger jedes Mittel (inkl. Krieg) einsetzen. Wir müssen uns bewusst sein, dass die Entscheidungsträger nicht wirklich Verantwortung tragen und tragen wollen, sondern sich vor Jahrzehnten die internationale Norm der Immunität überstülpten. Wirkliche Verantwortung heisst mit den auch persönlichen Konsequenzen einer Handlung zu leben. Eine vergleichbare Immunität wurde den Managern von Grossfirmen erlaubt, indem man solche rechtlichen Strukturen zwar vor dem Gesetz wie eine natürliche Person betrachtet, jedoch die darin funktionierenden Entscheidungsträger auf persönlicher Ebene nicht wirklich zur Verantwortung gezogen werden.

    Die Ausnahmen hervorragender und prinzipientreuer Persönlichkeiten bestätigen die Regel.

    Um mit den Worten Frederic Bastians zu enden:

    “Ah, you miserable creatures! You who think that you are so great! You who judge humanity to be so small! You who wish to reform everything! Why don’t you reform yourselves? That task would be sufficient enough.”

    „Ah, ihr miserablen Kreaturen! Ihr, welche denken, dass ihr so grossartig seid! Ihr, welche die Menschlichkeit so klein einstufen! Ihr, welche versuchen, alles zu reformieren! Warum reformiert Ihr Euch nicht selber? Solch eine Aufgabe wäre gut genug.“

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  23. rjmaris schreibt:

    Hallo Herr Stöcker,
    das Interview mit Wimmer dauert 1,5 Std. Können Sie vielleicht andeuten, welche Minutenabschnitte denn interessant im Sinne der Diskussion sind?
    Übrigens zu Ken Jebsen:
    „Mittlerweile werden auf dem KenFM YouTube-Kanal in regelmäßigen Abständen KenFM im Gespräch und zu aktuellen Anlässen KenFM über sowie Telefoninterviews veröffentlicht. Interviews führte er unter anderem mit Sabine Schiffer, Jürgen Elsässer und Christoph Hörstel, aber auch Jürgen Grässlin und Werner Rügemer. Jebsen schreibt auch für Elsässers politisches Monatsmagazin Compact.[16] Dabei vertritt er unter anderem die Ansicht, dass die Anschläge vom 11. September 2001 von der amerikanischen Regierung inszeniert worden seien.[17]

    Die Journalistin Anna Marohn bezeichnete in der ZEIT Jebsens politische Statements als „krudes Geblubber“,[18] im Deutschlandfunk war die Rede von „Stammtisch-Parolen“.[19] “
    http://www.psiram.com/ge/index.php/Ken_Jebsen

    Ansonsten: die Diskussion mit Herrn Bandulet habe ich halbwegs komplett gelesen. Trauriges gegenseitiges Ignorieren-Vorwerfen! Dabei haben Sie völlig recht damit gehabt, dass er auf Ihre Gold-Einlassungen gar nicht eingegangen ist. Ich habe auch den Eindruck, dass er die Geldschöpfung im Mugabeschen Sinne versteht. Dann ist es schwer, dagegen anzukämpfen.

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Ich hatte hierauf bereits vor einiger Zeit direkt per Mailkontakt geantwortet.

      Wimmer ist durchaus in voller Länge hörenswert. Besonders interessant sind aber seine Einschätzungen ab Min. 52. Ich teile seine Ansichten weitestgehend.

      9/11 war sicherlich nicht inszeniert, aber vermutlich gewollt geduldet (was es nicht besser macht). Ein weites Thema.

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