Die späten Bekenntnisse des Ottmar Issing

Bei der Bundesbank fand heute ein hochkarätiges Symposium statt. Der bescheidene Titel: Frontiers in Central Banking – Past, Present and Future. Weiterlesen

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Le néolibéralisme est mort, vive le néolibéralisme

Ich hatte schon vor längerer Zeit vor, einen Beitrag zum Neoliberalismus zu schreiben. Aber dann hatten sich doch wieder andere Dinge in den Vordergrund geschoben. Dank einer Diskussion im Blog von Daniel Stelter ist es nun endlich so weit, die Irrungen und Wirrungen um diesen Kampfbegriff ins rechte Licht zu rücken. Es ist zugleich ein gutes Beispiel, wie ein ursprünglich ganz anders besetzter Begriff durch gesellschaftliche Entwicklungen eine völlig gegensätzliche Bedeutung erlangen kann; denn an einen aktiven Staat, der das soziale Gemeinwohl an erste Stelle setzt, denken wohl die wenigsten, wenn heute in den Medien von dem Neoliberalismus gesprochen wird. Weiterlesen

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Marx Reloaded

Karl Marx war seiner Zeit weit voraus. Nachdem Das Kapital 150 Jahre lang durch die Kapitalisten bekämpft wurde, wird Marx nun durch den Pontifex Maximus des Kapitals rehabilitiert. Ausgerechnet der Chef der historisch bedeutsamsten und zweitältesten Notenbank der Welt begeht einen doppelten Tabubruch: Er hat eine extrem politische Rede gehalten und sich dabei auch noch auf Karl Marx berufen. Es ist höchste Zeit für ein neues/altes Denken, bevor uns die politischen Ereignisse samt Lumpenproletariat überrollen: Der Pöbel des Karl Marx und die Ränder der Gesellschaft.

Hier ist die bemerkenswerte Rede von Mark Carney im Original zu lesen und zu hören. Das Handelsblatt hat eine kurze Zusammenfassung veröffentlicht.

Wie man die von Carney in seiner Rede thematisierte Ungleichheit bekämpfen kann, hatte ich vor drei Jahren unter Punkt II. und Punkt VIII. eines 10 Punkteplans für Europa beschrieben.


Auch der Deutschlandfunk hat der Causa Marx eine sechsteilige Serie gewidmet: Aktuelle Brisanz der Marxschen Kategorie.

Die geldpolitischen Kontroversen des 19. Jahrhunderts sind im Kontext der Eurokrise aktueller denn je: Karl Marx über die Peelsche Bankakte von 1848.

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Das kollektive Versagen

1909 schuf die Universität Zürich für Albert Einstein ein Extraordinariat für Theoretische Physik, da er keine Anstellung an einer anderen Hochschule erhielt. Am Semesterende reichte er wie alle Dozenten seine Klausurfragen ein. Am folgenden Tag kam das Sekretariat auf ihn zu und sagte: „Herr Dr. Einstein, diese Fragen wurden letztes Jahr hier schon gestellt.“ Einstein lächelte und sprach: „Das ist schon in Ordnung. Die Fragen sind dieselben geblieben, nur die Antworten haben sich geändert.“ Weiterlesen

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Debitismus ad Infinitum

Dr. Daniel Stelter hatte mich vor kurzem gebeten, doch einmal zu erklären, weshalb eine Notenbank in einem zweistufigen Geldsystem die Grundprinzipien des Debitismus aushebeln könne.  Dies ist der Hintergrund für den heutigen Beitrag, der dann doch wieder etwas länger ausgefallen ist als ursprünglich gedacht. Wer keine drei Seiten lesen möchte, der findet eine Kurzantwort im Blog von Dr. Stelter. Hier nun die vor acht Tagen angekündigte längere Version. Weiterlesen

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Sola fide oder Der kreditäre Irrtum des Martin Luther

Anlässlich des beginnenden einjährigen Gedenkjahres zur Vorbereitung des 500. Reformationsjubiläums möchte ich heute einen Abschnitt aus dem Essay Die monetäre Krise des Kapitalismus wiedergeben, den ich bereits zu Beginn dieses Jahres veröffentlicht hatte. Am 31.10.1517 hatte Martin Luther seine 95 Thesen öffentlich gemacht und dabei insbesondere den Ablasshandel als Finanzinnovation des Mittelalters zum Erhalt und Ausbau der Macht ins Zentrum seiner Kritik gestellt. Man könne sich nicht durch die Tat (Kauf des Ablassbriefes) von seinen Sünden freikaufen. Allein der Glaube (sola fide) sei es und nicht das Werk. Aber auch dieser revolutionäre Gegenentwurf reicht allein nicht aus für die Erlösung und das Seelenheil, aber das sola fide ist die notwendige Voraussetzung hierfür. Allerdings bedarf es zur Vollendung dann doch noch des Werkes. Hierum geht es in diesem Kapitel: Um den Irrtum des Martin Luther, der sich in seiner berechtigten Papstkritik zu einseitig auf den Ablasshandel konzentrierte und somit das positive Werk aus dem Auge verlor. Die neue Einheit von Glaube und Werk ist zugleich ein Anknüpfungspunkt für die ökumenische Bewegung und somit für die partielle Überwindung des 2. großen Schismas. Weiterlesen

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Ein geldpolitisches Manifest für Europa

Der Bestand der Europäischen Union – und somit der Friede in Europa – sind ernsthaft gefährdet. Die Hauptursache hierfür sind falsche Theorien über die ökonomische Wirklichkeit sowie eine fehlerhafte Konstruktion des Eurosystems; allerdings ist dieser Fehler an einer ganz anderen Stelle zu verorten, als allgemein angenommen wird. Insbesondere in Deutschland setzten sich diese neuen Erkenntnisse nicht durch, da diese Krise zur Zeit noch überwiegend jenseits der deutschen Grenzen stattfindet. Tatsächlich ist aber Deutschland mit seinen merkantilistischen und austeritätspolitischen Vorstellungen inzwischen international weitgehend isoliert.

Was sind also nun die wirklichen politischen und ökonomischen Ursachen dieser schweren Krise? Fünf zentrale Problembereiche werden im Folgenden kurz erläutert und sodann eine Lösungsstrategie aufgezeigt, die im Hinblick auf ihre Umsetzungschancen weitaus realistischer ist als der Rettungsplan, der vor wenigen Tagen von führenden Köpfen der internationalen Politik vorgestellt wurde. Weiterlesen

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