TARGET und kein Ende

Eigentlich ist zu TARGET bereits vor gut sieben Jahren von Georg Quaas alles Wesentliche geschrieben worden (siehe Linkliste am Ende). Dennoch flammt die Diskussion immer wieder auf. So auch deutlich intensiver in den letzten Wochen, so dass sich selbst Hans-Werner Sinn gemüßigt fühlte, noch einmal seine Sicht der Dinge auf 23 Seiten darzulegen.

Ich möchte einige wichtige Punkte der strittigen Debatte für ein breiteres Publikum in einfachen und klaren Worten darlegen. Wer tiefer einsteigen möchte, der findet am Ende weitere Links zu wichtigen Publikationen zu diesem Thema.

Wie entstehen TARGET-Salden?

Durch Leistungsbilanzungleichgewichte¹ auf Basis asymmetrischer Kreditvergabe (zu hoch im Süden, zu niedrig im Norden) und in Folge zusätzlich durch Kapitalflucht, sofern nicht mit Bargeld bezahlt wurde bzw. Bargeld abgehoben wurde (klassischer Bankrun). Würden alle Zahlungen ausschließlich mit Bargeld erfolgen, gäbe es keine TARGET-Salden. Damit sollte auch verständlich sein, warum TARGET lediglich ein Symptom ist, aber kein selbstständiges Problem, wie von Hans-Werner Sinn et al. immer wieder insinuiert wird.

Sind diese Salden ein Risiko für Deutschland?

Nein, sofern der Euro Bestand haben sollte, ja, wenn der Euro rückabgewickelt werden muss. Die Bundesbank geht von einem Fortbestand des Eurosystems in seiner jetzigen Form aus.

Was wird aus den Salden bei einer Rückabwicklung des Euro?

Variante 1: Die Salden werden umgebucht und sind nun Devisenreserven (aufgrund unserer LB-Überschüsse mit den USA verfügt die Bundesbank auch über Dollarreserven) und unterliegen somit einem Wechselkursrisiko.² Insofern sind TARGET-Salden vergleichbar mit den Devisenreserven der Notenbanken; mit dem Unterschied, dass es bei TARGET kein Wechselkursrisiko gibt. Die Bilanz der Schweizer Nationalbank ist durch hohe Devisenreserven noch stärker aufgeblasen als die der Bundesbank. Neben den hohen LB-Überschüssen ist hier zusätzlich der sichere Hafen für das weltweite Geldkapital maßgeblich.

Variante 2: Die Salden werden durch Wertpapiere/Staatsschuldverschreibungen ausgeglichen und müssen in Euro/ECU oder aber in neuer Lira/Peseta… zurück gezahlt werden. Auch hier verbleibt das Wechselkursrisiko (geringer in ECU, höher in Lira, Peseta…). Auf diese Weise könnte übrigens auch die Forderung von Hans-Werner Sinn erfüllt werden, der einen Ausgleich der TARGET-Salden nach US-Vorbild empfiehlt. Dann müsste auch keiner mehr darüber jammern, dass die TARGET-Salden unverzinslich sind.

Handelt es sich bei diesen Salden um Forderungen/Verbindlichkeiten?

Spätestens seit dem Ende von Bretton-Woods eindeutig nein, da wir uns auf der ersten Stufe unseres Geldsystems bewegen.³ Zentralbankgeld ist weder Forderung noch Verbindlichkeit, sondern stets das Mittel, mit dem eine Zahlungsverpflichtung (=Verbindlichkeit) erfüllt wird. Wer Zentralbankgeld in den Händen hält kann nichts fordern; dazu bedarf es eines vorherigen Vertrags. Die Rechtslage ist hier mehr als eindeutig und ein kurzer Blick ins BGB wäre hier auch für Volkswirte durchaus erhellend.

_____________________
¹ Leistungsbilanz-Defizite entstehen immer dann, wenn ein Land mehr Güter und Dienstleistungen von anderen Ländern erhält als es als Gegenleistung in diese Länder liefert. Parallel dazu muss es immer Länder mit einem korrespondierenden Überschuss geben, da sich alle Überschüsse und Defizite weltweit exakt zu Null saldieren). Italien, Spanien und insbesondere Griechenland hatten über viele Jahre hohe LB-Defizite, während insbesondere Deutschland und die Niederlande hohe Überschüsse auswiesen (Stichwort: Exportweltmeister). Bis zum Ausbruch der Finanzkrise 2007/2008 spielten die TARGET-Salden keine Rolle, da diese Salden über den Kapitalmarkt (Deutsche kaufen z. B. italienische Anleihen) sowie insbesondere über den Interbankenmarkt refinanziert wurden. Als Interbankenmarkt wird der Markt bezeichnet, auf dem Banken mit anderen Banken handeln. Im Mittelpunkt steht die Vergabe bzw. Aufnahme von kurzlaufenden Krediten in Zentralbankgeld am Geldmarkt.
LB-Ungleichgewichte sind vergleichbar mit einem Girokonto. Auch dieses sollte in der längeren Frist ausgeglichen sein und weder dauerhaft hohe Guthaben noch hohe Defizite ausweisen. Bis zu einem gewissen Grad wird die Hausbank eine Überziehung dulden, aber irgendwann ist Schluss. So war es auch im Verhältnis zwischen deutschen und spanischen Banken. Aufgrund der hohen Leistungsbilanzdefizite floss immer mehr Liquidität/Zentralbankgeld aus dem Süden Europas nach Deutschland und mit Beginn der von den USA ausgehenden Finanzkrise wurden auch die deutschen Banken sensibler bei der kurzfristigen Refinanzierung des Südens über den Interbankenmarkt und verweigerten die Anschlussfinanzierung. Und genau für solche Fälle gibt es eine Zentralbank. Sie verhindert durch die Bereitstellung von Liquidität, dass das Finanzsystem kollabiert und in Folge die Realwirtschaft mit in den Abgrund reißt.
Wenn nun aufgrund der LB-Ungleichgewichte immer mehr Geld in den Norden geflossen ist, dann fehlt dieses Geld im Süden und macht es den Schuldnern immer schwerer, ihre Kredite zurück zu zahlen (Geld entsteht überwiegend durch Kreditvergabe der Geschäftsbanken). Wenn sich die LB-Salden also nicht umkehren, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Banken des Südens immer mehr faule Kredite in ihren Büchern haben. Damit steigt die Insolvenzgefahr und die Kunden dieser Banken fürchten um ihre Ersparnisse und heben ihr Geld ab oder überweisen es auf ein sicheres Konto bei einer Bank des Nordens. In Folge steigen nun die TARGET-Salden zusätzlich (also über das Maß der aggregierten LB-Defizite der Vergangenheit) aufgrund von Kapitalflucht.
Wir können festhalten: TARGET-Salden haben ihre Ursache in LB-Ungleichgewichten (realwirtschaftliche Ursache) und erhöhen sich zusätzlich durch Kapitalflucht (finanzwirtschaftliche Ursache). Diese Salden bilden sich nachhaltig nur dann zurück, wenn sich auch die LB-Salden umkehren. Deutschland müsste also für eine längere Phase von einem Überschussland zu einem Defizitland mutieren. Ein Ende des Euro würde diesen Prozess beschleunigen und plötzlich hätte auch Deutschland sehr ähnliche Probleme auf dem Arbeitsmarkt wie Italien, Spanien oder Griechenland. Spätestens dann würde auch in Deutschland die schwarze Null auf dem Misthaufen der Geschichte landen.
² Auch in der Vergangenheit musste die Bundesbank immer wieder hohe Verluste aus Abschreibungen auf Dollarreserven vornehmen. Es handelte sich dabei letztlich um eine indirekte finanzielle Beteiligung an den zahlreichen militärischen Einsätzen der USA insbesondere in den 60er Jahren.
³ Zur Mehrstufigkeit des Geldsystems siehe insbesondere: 1/2/3-stufige Geldsysteme

Vertiefende Links zur Meinungsbildung; zuletzt aktualisiert am 07.09.2018

Bundesbankpräsident Jens Weidmann erläutert TARGET2

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Über Michael Stöcker

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11 Antworten zu TARGET und kein Ende

  1. Thomas schreibt:

    Hallo Herr Stöcker,

    das Thema wird ja endlos „durchgenudelt“ und ich lese auch regelmäßig die Beiträge und Diskussionen auf bto hierzu. Ich wollte nur kurz das Feedback geben, dass dieser Beitrag mit Abstand der klarste zum Thema ist, den ich bislang gelesen habe, und auch insbesondere Ihre Antworten auf die Frage „Sind diese Salden ein Risiko für Deutschland? Was wird aus den Salden bei einer Rückabwicklung des Euro?“ schön auf den Punkt gebracht ist. An dieser Stelle sind zahlreiche Beiträge aufgrund der zugrundeliegenden Motivation – pro oder contra Euro/Währungsunion – in der Regel diffus, gefärbt oder verweigern die ehrliche Antwort.

    In der emotionalen TARGET2-Diskussion brauchen wir dringend neutrale und kurze und klare Beschreibungen für interessierte Bürger. Danke!

    Vg Thomas

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  2. enrico schreibt:

    Mit der Einführung des Target-Systems wurde im Grunde nur versucht auszubügeln, was bei der Gründung des Eurosystems leider versäumt wurde: Eine dreistufige Gliederung des Eurosystems.

    Wäre es dreistufig, dann gäbe es eine klare Hierarchie: EZB → NZB → GB
    (NZB = nationale Zentralbanken, GB = Geschäftsbanken)

    Dann gäbe es:

    1. EZB-Geld, das nur die NZB bekommen können, nicht aber die GB.
    2. NZB-Geld, das die GB bekommen können, aber nicht die Nichtbanken.
    3. GB-Geld, das idealtypisch an Nichtbanken geht.

    4. Bargeld, das in die Hände der NZB, der GB und der Nichtbanken kommen kann.

    Der Zahlungsverkehr zwischen GB und GB im nationalen Inland ginge dann via jeweiliger NZB. Der Zahlungsverkehr zwischen GB und GB von einem Euro-Land in ein anderes, würde folgendermaßen ablaufen: GB im Land A → NZB im Land A → EZB → NZB im Land B – GB im Land B.

    Hier verschuldet sich die GB im Land A gegenüber der NZB im Land A. Und die NZB im Land A würde sich gegenüber der EZB verschulden. Die NZB im Land B käme dann zu Guthaben bei der EZB und die GB im Land B käme zu Guthaben bei der NZB im Land B.

    Und siehe da, genau das geschieht ja mit den Target-Salden mehr oder weniger.

    Der dreigegeliederte Euroraum als abgeschlossenes Gebiet gesehen:
    Importiert die VW im Land A mehr als sie exportiert, hat deren NZB Schulden bei der EZB.
    Exportiert die VW im Land B mehr als sie importiert, hat deren NZB Guthaben bei der EZB.

    Guthaben bei der EZB sind keine Forderungen, sie sind nur Tilgmittel.
    Guthaben bei einer NZB wären dann ebenfalls keine Forderungen und auch nur Tilgmittel.

    Dass die Verschuldung einer NZB bei der EZB Grenzen haben muss, liegt nahe. Dass aber dann auch eine Grenze der Guthaben eingeführt werden müsste, liegt eigentlich auch nicht viel ferner. Oder?
    Nur verstößt dies eben gegen die Religion “Vorherrschende Volkswirtschaftslehre”, bei welcher Saldenmechanik verpönt ist, weil sie zu einfach und obendrein auch noch logisch ist.

    Eine Volkswirtschaftsreligion, die den Glauben vertritt, es sei möglich, dass die Unternehmen in ihrer Gesamtheit ständig mehr einnehmen könnten als sie vorher ausgegeben haben, weil eine VW ja ständig wachsen könne…

    Offensichtlich wurde das Eurosystem nicht eingeführt, damit die Europäer einen Weg zu einer stabilen und starken Gemeinschaft finden, sondern, dass sie diesen Weg verlieren!

    LG, enrico

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Was Sie hier beschreiben, ist zentraler Bestandteil meines geldpolitischen Manifests. Dort habe ich am Ende geschrieben:

      Ein zentralbankfinanziertes Bürgergeld kann allerdings nicht den grundsätzlichen Konstruktionsfehler des Euro korrigieren. Hierfür bedarf es der Einführung eines dreistufigen Geldsystems mit einem zusätzlichen Interzentralbankenmarkt, an dem die nationalen Zentralbanken des Eurosystems für einen Liquiditätsausgleich sorgen und sich somit schon am Interzentralbankenmarkt unterschiedliche Refinanzierungszinssätze herausbilden können, die der nationalen Situation gerecht werden. Oder um mit den Worten von Hans-Werner Sinn zu sprechen: Dann können sich die Zinssätze wieder nach ihrem Risiko spreizen und in Folge entstehen erst gar nicht so hohe Leistungsbilanzungleichgewichte. Alles andere ist ein Herumdoktern an Symptomen. Diese Fehlkonstruktion wird allerdings bislang noch gar nicht diskutiert. Wie auch, wenn die Mehrheit der Ökonomen noch nicht einmal verstanden hat, wie ein zweistufiges Geldsystem funktioniert.

      Die von Ihnen angesprochenen Verschuldungs- und Guthabenbremsen würden sodann durch den Marktmechanismus des Interzentralbankenmarktes realisiert. Mehr dazu findet sich bei Renée Menéndez: 1/2/3-stufige Geldsysteme.

      LG Michael Stöcker

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  3. ruby schreibt:

    „Beim Abbau notleidender Kredite ziehen Deutschland und Frankreich am gleichen Strang. In der Erklärung des Gipfeltreffens von Meseberg fordern Berlin und Paris eine Obergrenze für den Bruttobestand notleidender Kredite von 5 Prozent der Kreditsumme. In mehreren Ländern liegen die Problemkredite höher, in Frankreich dagegen bei rund 3 Prozent und in Deutschland bei rund 2 Prozent. Barbat-Layani weist darauf hin, dass die notleidenden Kredite nicht nur in Italien, sondern auch in Portugal und Griechenland hoch seien. Doch sie lehnt das Drängen auf einen raschen Abbau ab: „Diese Kredite in einem halben Jahr abzubauen ist unmöglich. Man muss dem Zeit geben.““
    aus
    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/franzoesische-banken-wollen-bankenunion-vollenden-15718352-p2.html
    Das sind realen Ansätze der Klassenbesten. Die Wirklichkeit in den restlichen Staaten spricht für sich. Zeit versus Ausweglosigkeit, denn wer soll diese Benchmarkquoten durchsetzen bzw. die mißachtenden Institute schliesen?

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  4. enrico schreibt:

    Hallo Herr Stöcker,
    danke für die Antwort mit den interessanten links!
    Habe noch eine Skizze mit bisschen Text zu diesem Thema angefertigt.
    Neben der Stufigkeit (einstufig, zweistufig, dreistufig etc.) ist auch entscheidend ob die Banken parallel oder seriell miteinander verbunden sind.

    https://workupload.com/file/3w7nmVX

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  5. Alex schreibt:

    Ich würde für mich noch ergänzen. Die TARGET-Salden gehören nicht unbedingt der Bundesbank. Haushalte, Finanzinstitute und Unternehmen haben eine Nachfrage in Deutschland Kapital zu halten. Ähnlich der SNB die um die Nachfrage nach Franken zu decken und um eine Aufwertung zu vermeiden Devisenanlagen (Bilanz der SNB) mit geschöpften Franken „kauft“. Die TARGET-Salden zeigen weiterhin enormen Aufwertungsdruck und deflationäre Tendenzen (für die Währung) in Deutschland. Ohne die EWU wäre die Bundesbank wie schon in der Phase von Bretton-Woods, dem Europäischen Wechselkursverbund und dem Europäischen Währungssystem (quasi die ganze Phase seit dem 2.WK) regelmäßig im Interventionsmodus um eine Aufwertung zu verhindern. Dies schafft die Bundesbank mit selbst geschöpfter Währung und kaufen kann sie dann Pesetas, Lira und Drachmen um weiterhin Liquidität für Finanzinstitute in anderen Ländern zu gewährleisten.

    Ich hoffe ich liege dabei nicht komplett falsch. Die von Herrn Menéndez oft erwähnte Budgetrestriktion greift bei einem solchen Szenario und die deutsche Leistungsbilanz würde wenn die Bundesbank nicht interveniert sinken (keine Liquidität für Ausland um deutsche Güter zu akzeptablen Preisen zu kaufen). Zusätzlich gäbe es eine Währungsaufwertung. Da es aber geringere Anlagemöglichkeiten in Deutschland gibt, (Schuldenbremse, Haushalte sparen, nichtfinanzielle Unternehmen sparen) gäbe es eine Aufwertung bis jmd. gezwungen wird für ein Budget (Verschuldung im Inland [Japan] oder Liquidät fürs Ausland zu Verschuldung) zu sorgen. Bis das Problem gelöst ist gibt es eine Rezession. Aus meinem Blickwinkel muss man sich vergegenwärtigen das eine Währung nur ein Substitut eine Art outgesourcte Einheit ist um die Dimension der Zeit adaquät im Wirtschaftsgeschehen abzubilden.

    Es gibt übrigens ein gutes Beispiel (Gedankenexperiment). Was wäre wenn die FED keine Swap Lines zum Zeitpunkt der Krise eingerichtet hätte? Quasi eine deflatorisch, repressive Geldpolitik (gefühlt der typisch deutsche Weg). Unglaublich viele Finanzinstitute hätten Assets (Immobilien in den USA) und zeitgleich Verbindlichkeiten in US-Dollar denominiert. Wie werthaltig sind den noch die Collaterals bei einem Krisenszenario wie diesem? Mir viel dieser Gedanke ein da Adam Tooze (Wirtschaftshistoriker) ein neues Buch (Crashed: How a Decade of Financial Crises Changed the World) und zusätzlich einen Vortrag in Deutschland gehalten hat (das Buch wird erwähnt). Hier der Link dazu:

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  6. ruby schreibt:

    Alex, QE ist höchstens eine Dimension an Zahlen aber kein reales Wirtschaftsgeschehen unnabhängig der Währungen, die nicht Zeit, eher Staatsgrenzen und Staatssysteme substituieren.
    Adam Tooze als Historiker erklärt, daß jeweils Demokraten in den USA das Finanzsystem der Banken gerettet haben (New Deal und AIG-Rettung via 4 Billionen Dollars.

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  7. ruby schreibt:

    Eine fünfteilige britsche Serie zu den Zusammenhängen der Finanz- und Geldverfassungen.
    https://www.bbc.co.uk/programmes/w3csxhjl
    1. Teil Authority and Trust
    2. Teil Austerity and Consequences

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  8. Popper schreibt:

    Guten Morgen Herr Stöcker,
    mir ist nicht ganz klar, wie Sie einerseits die Verfahrensweise einer Rückabwicklung beschreiben, aber andererseits erklären, die Forderungen/Verbindlichkeiten der Targetsalden seien bereits Zentralbankgeld mit den die Zahlungsforderung bereits erfüllt ist. Was gibt es dann noch ausgleichen? Nichts, nada!

    Freundliche Grüße
    POPPER

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Im Falle einer Auflösung des Euro gibt es wieder eine Bilanzierung auf Basis der nationalen Währungen. TARGET2-Salden gegenüber der EZB (die müsste ja ebenfalls abgewickelt werden) mutieren sodann zu Devisenreserven oder aber zur neuen/alten Verrechnungseinheit ECU gegenüber den anderen nationalen Zentralbanken.

      Ausgeglichen werden muss da in der Tat nichts. Habe ich auch nicht geschrieben. Denn es ist ja gerade das Zentralbankgeld, mit dem Salden ausgeglichen werden. Der Saldo lautet dann eben auf neue Lira/Peseta/Franc… und unterliegt den bekannten Wechselkursrisiken. Ein realer Ausgleich solcher Salden findet nachhaltig über eine Umkehrung der Leistungsbilanzsalden statt.

      Zu den politischen Bewertungsproblemen siehe auch Mythos TARGET2 – ein Zahlungsverkehrssystem in der Kritik Kapitel VII. und VIII.

      LG Michael Stöcker

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  9. Andreas B. schreibt:

    Hallo Michael Stöcker,

    ich fasse nochmal zusammen was die Bundesbank diesbezüglich erklärt;

    TARGET2 als zweite Generation des Individualzahlungsverkehrssystems
    TARGET (Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System) ist das gemeinsame Echtzeit-Brutto-Clearingsystem der nationalen Zentralbanken des Eurosystems (EZSB) und zusammengeführt der Europäischen Zentralbank (EZB).
    Brutto-Clearingsysteme dienen dem täglichen Transfer von  Zentralbankgeld zwischen den angeschlossenen Banken. „Brutto“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass jede einzelne Zahlung aus dem Zentralbankguthaben der auftraggebenden Bank ausgeführt wird. Zentralbankoperationen, Überweisungen aus Großbetragszahlungssystemen im Interbankenverkehr sowie andere Euro-Transfers werden über TARGET2 verrechnet. Wenn Zentralbankgeld von einer nationalen Zentralbank des Eurosystems an eine andere überwiesen wird, entstehen TARGET2-Verbindlichkeiten und –Forderungen gegenüber der Europäischen Zentralbank, die als Clearingstelle (täglich 24:00 Uhr) fungiert. Die hohe Anzahl von Zahlungen innerhalb eines Tages in TARGET2, diese werden am Ende eines Geschäftstages in einem Verrechnungssystem automatisch zusammengeführt und auf die Europäische Zentralbank (Novation) übertragen. Dadurch verbleibt zuletzt nur noch eine einzige Forderung oder Verbindlichkeit jeder nationalen Zentralbank gegenüber der EZB, der TARGET2-Saldo:
    https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/unbarer-zahlungsverkehr/target2/target2-saldo/target2-saldo-603478

    TARGET2-Forderungen in der Bundesbankbillanz:
    Während der TARGET2-Saldo der Bundesbank seit dem Höhepunkt der Krise im Euroraum im Jahr 2012 zunächst relativ kontinuierlich abnahm, ist er seit Beginn des Jahres 2015 wieder gestiegen. Dieser Anstieg erklärt sich in erster Linie durch die Anleiheankäufe des Eurosystems im Rahmen des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (APP): Die Zentralbanken des Eurosystems kaufen einen wesentlichen Teil der Wertpapiere bei Kreditinstituten, die außerhalb des Euroraums beheimatet sind. Viele dieser Kreditinstitute nehmen über ein Konto bei der Bundesbank an TARGET2 teil. Kauft beispielsweise die niederländische oder spanische Zentralbank Wertpapiere von einer Geschäftsbank mit Sitz in London an und unterhält diese Geschäftsbank ein TARGET2-Konto bei der Bundesbank, so erfolgt dort die Gutschrift des Gegenwertes. Sollte die ankaufende Notenbank über TARGET2-Forderungen verfügen (wie zum Beispiel aktuell die niederländische Zentralbank), verringern sich diese im entsprechenden Umfang. Hat die ankaufende Notenbank dagegen TARGET2-Verbindlichkeiten (wie zum Beispiel aktuell die spanische Zentralbank), weiten sich diese aus. Die TARGET2-Forderung der Bundesbank erhöht sich in beiden Fällen. Der jüngste Anstieg des TARGET2-Saldos der Bundesbank hängt also vor allem mit den umfangreichen Anleihekäufen der Zentralbanken des Eurosystems zusammen.
    https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/themen/anleihekaeufe-haben-massgeblichen-einfluss-auf-den-target2-saldo-762106

    Beispiel einer Zahlung und Buchung im TARGET2-System als Interbankkredit & Saldenausgleich; Ein französisches Unternehmen kauft Waren bei einem deutschen Handelspartner (1) und bezahlt diesen Import. Die in Frankreich ansässige Bank des französischen Importeurs belastet zunächst das Konto ihres Kunden (2). Gleichzeitig reicht sie bei der französischen Notenbank Banque de France eine Überweisung in TARGET2 an die in Deutschland beheimatete Bank des deutschen Exporteurs ein (3). Daraufhin belastet die Banque de France das TARGET2-Konto der französischen Geschäftsbank und verbucht gleichzeitig eine TARGET2-Verbindlichkeit gegenüber der Bundesbank (4). Spiegelbildlich verbucht die Bundesbank eine TARGET2-Forderung gegenüber der Banque de France (5) und schreibt den Betrag dem TARGET2-Konto der deutschen Geschäftsbank gut (6). Diese nimmt schließlich die Gutschrift auf dem Konto des Exporteurs vor (7). Der kann nun über dieses Geld verfügen.
    >Geldschöpfung und TARGET2-Überweisungen:
    https://www.bundesbank.de/de/service/schule-und-bildung/schuelerbuch-geld-und-geldpolitik-digital/vertiefung–geldschoepfung-und-target2-ueberweisungen-614502

    So weit so gut, allerdings kommt mir diesbezüglich noch der ‚Schuldenmythos und das Dilemma der Schwarzen Null‘ in den Sinn, weil:

    Letztendlich hat die Deutsche Bundesbank ja Netto-Kreditfinanziert die Deutsche Lieferfirma bezahlt. Der reale Warenexport wird dabei durch einen Netto-Kapitalexport finanziert. Während dieser in der Regel privater Natur ist (das liefernde Land erwirbt Vermögenstitel des importierenden Landes), stellen die TARGET-Salden einen öffentlichen Kapitalexport dar. Bilanztechnisch entspricht ein TARGET-Defizit dem Teil des Leistungsbilanzdefizits, der nicht durch private oder fiskalische Nettokapitalimporte finanziert wurde. Bei ausgeglichener Leistungsbilanz entsteht ein TARGET-Defizit, wenn private Nettokapitalexporte vorliegen.

    Die Nettokreditaufnahme der Sektoren erhält im konjunkturellen Zusammenhang außerdem von der Kredit- wie Saldenmechanik besondere Beachtung. Aus der Nettokreditaufnahme (Nettoverbindlichkeiten) eines Sektors fließen anderen Sektoren Nettoforderungen zu. Der Ausgabenverzicht der privaten Nichtunternehmer zum Zweck eigener Geldvermögenserhöhung hinterlässt eine Budgetlücke bei den Unternehmen, weshalb Wolfgang Stützel auch darauf hinwies, dass, um eine Höherverschuldung des Unternehmenssektors mit dem Risiko verstärkter Konjunkturschwankungen zu vermeiden, mittels staatlicher Nettokreditaufnahme (Haushaltsaldo, Staatsanleihen 1:1 liquide Geldmittel) zu kompensieren wesentlich sein kann. Kann ein Exportüberschuss (Nettokreditaufnahme des Auslands) in geeigneter Höhe (Zahlungsbilanz) die gesamtwirtschaftliche Budgetlücke der inländischen Unternehmen ausgleichen oder entsparen die Privaten (und verzichten zukünftig auf Einnahmeüberschüsse), entfällt selbstverständlich der Bedarf der Finanzierung aus der Nettokreditaufnahme des inländischen Staates.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Nettokreditaufnahme

    Kann es von daher (mit hinblick auf die fiskalische Deflationspolitik/Reale innere Abwertung seit 2001) nicht sein, das:

    Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Art. 88[Bundesbank]:
    Der Bund errichtet eine Währungs- und Notenbank als Bundesbank. Ihre Aufgaben und Befugnisse können im Rahmen der Europäischen Union der Europäischen Zentralbank übertragen werden, die (>EZB) unabhängig ist und dem vorrangigen Ziel der Sicherung der Preisstabilität verpflichtet. =TARGET-Nettoforderungen

    Als Staatsschulden gelten in Deutschland „alle in Geld zu erfüllenden  Verpflichtungen“ des Bundes, soweit sie nicht der laufenden Haushaltswirtschaft angehören. Ausgenommen sind daher die im Rahmen der „Kassen- und Haushaltsführung abzuwickelnden Verbindlichkeiten“.
    =HAUSHALT-Nettoverbindlichkeiten

    in etwa die gesamtwirtschaftliche Finanzierungs- bzw. Nachfragelücke im Binnenhandel darstellt?

    mfg
    -Andreas

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