Bankmythen

Der heutige Beitrag bildet den vorläufigen Höhepunkt der monetären Mythologien. Nach den Zinsmythen und den Geldmythen soll es heute in ausführlicher Weise um den Mythos Bank gehen, den ich in einem meiner älteren Beiträge schon einmal angedeutet hatte. Mitverantwortlich für diesen Mythos zeichnet nicht zuletzt auch die Deutsche Bundesbank, die bis zum Jahre 2007 den Geldschöpfungsprozess falsch dargestellt hatte. Tatsächlich hat dieser Mythos aber seinen Ursprung schon in grauer Vorzeit.

Mythen und Märchen entfalten ihre suggestive Kraft vor allem dadurch, dass sie uns schon in frühester Kindheit erzählt werden; also in einem Alter, in dem der kritische Verstand noch nicht sonderlich ausgeprägt ist. Durch ständige Wiederholung wird dann irgendwann hieraus ein kollektives Wissen, das unser Denken und Handeln bestimmt und somit auch die reale Welt, in der wir leben.

Einer dieser Mythen ist die verinnerlichte Vorstellung, dass Banken das Geld der Sparer verleihen. Zu diesem Zwecke wurde 1924 der Weltspartag ins Leben gerufen, der zum ersten Mal am 31. Oktober 1925 begangen wurde und seit dem jedes Jahr in der letzten Oktoberwoche vor allem die Sparkassen auf den Plan ruft, das Geld der Bürger einzusammeln, damit es für sie ‚arbeiten‘ kann. Diese tradierte Vorstellung ist aber grundlegend falsch. Die Erkenntnis ist übrigens nicht neu, sondern schon mindestens 100 Jahre alt, wie wir noch weiter unten sehen werden. Dennoch findet sich dieser Mythos nicht nur in den Köpfen der einfachen Bevölkerung sondern auch die Banken und Ökonomen sind der festen Überzeugung, dass diese Geschichte etwas mit der realen Welt zu tun hat. Ökonomen und auch die Bundesbank sprechen hier von den Banken als Intermediär. Diese Vorstellung findet sich in allen volkswirtschaftlichen Lehrbüchern und wird so auch von der Bundesbank vertreten. So heißt es in Kapitel 4:

Die Aufgabe des Finanzsystems besteht darin, das Weiterleiten finanzieller Mittel von Anbietern zu Nachfragern zu erleichtern. Wer Geld gibt, erwirbt im Gegenzug einen zukünftigen Anspruch, wie etwa das geliehene Geld mit Zinsen später zurückzubekommen. Im Prinzip gibt es für diesen Vorgang zwei Wege: Erstens können die privaten Haushalte überschüssiges Geld den Unternehmen, die investieren wollen, direkt zur Verfügung stellen, indem sie beispielsweise neu emittierte Aktien oder Anleihen von Unternehmen kaufen. Zweitens können Haushalte Bargeld oder Sichteinlagen bei den Banken in Spar- oder Termineinlagen umwandeln und es den Banken dadurch ermöglichen, gewährte Kredite langfristig zu refinanzieren. Die Bank vermittelt so zwischen Anbietern und Nachfragern von finanziellen Mitteln. Sie tritt damit als Intermediär im Finanzsystem auf.

Was auf den ersten Blick plausibel erscheint – zumal aus der Feder der Bundesbank – ist bei genauer Analyse hinsichtlich des letzten Satzes schlicht und ergreifend falsch. Die Bundesbank verwechselt hier nämlich die Funktion der Fristentransformation mit der der Intermediation.

Die von den Banken und Sparkassen bemühte Interpretation von Intermediation sieht wie folgt aus: Die Sparer bringen ihr Geld zur Bank, damit die Bank dieses Geld dann anschließend an andere weiter verleihen kann. In diesem Sinne äußerte sich auch der Sparkassenpräsident Fahrenschon im FOCUS im Januar 2014:

Wir halten einen regionalen Kreislauf in Gang: Sparkassen sammeln die Einlagen der Menschen in der Region ein und stellen sie für Investitionen in der Region wieder zur Verfügung, anstatt sie auf die internationalen Finanzmärkte zu schießen.

Diese Aussage ist falsch. Tatsächlich ist es nämlich in unserem Geldsystem so, dass Banken keine Einlagen für die Kreditvergabe benötigen und auch nicht die sogenannten Einlagen der Sparer verleihen. Tatsächlich ist es nämlich genau umgekehrt, wie Hartley Withers bereits im Jahre 1909 richtig erkannt hatte: LOANS MAKE DEPOSITS. Durch die Kreditvergabe entstehen also die Einlagen der Sparer und nicht umgekehrt.

Um dies zu verstehen, benötigen wir ein paar grundlegende Buchführungskenntnisse, da jeder Kredit- und Zahlungsvorgang in den Büchern der Banken festgehalten wird. Dies ist nicht anders als vor 600 Jahren; mit dem Unterschied, dass die Bücher heute durch Buchhaltungssoftware ersetzt wurden. Aber das Grundprinzip der Verbuchung und Bilanzierung ist unverändert.

Eine Bilanz besteht aus zwei Seiten. Auf der linken Seite (Aktiva) steht das Vermögen, auf der rechten Seite (Passiva) die Eigentumsrechte an diesem Vermögen; also wem gehört das Vermögen auf der Aktivseite: Mir bzw. dem Unternehmen selber (Eigenkapital) oder aber der Bank oder einem meiner Lieferanten, den ich noch nicht bezahlt habe (Fremdkapital). Dieses Prinzip gilt für alle Bilanzen; auch für die Bilanz einer Bank oder einer Versicherung.

Wenn eine Bank nun einen Kredit an ein Unternehmen oder an eine Familie für den Bau eines Eigenheims gewährt, dann benötigt sie hierfür keine Einlagen der Sparer. Warum? Weil die Einlagen der Sparer aus Sicht der Bank eine Verbindlichkeit sind. Ich kann diese Einlage nämlich bei Bedarf wieder von der Bank zurück fordern. Ich habe also als Bankkunde gegenüber meiner Bank eine Forderung, sofern mein Konto einen positiven Wert aufweist. Die Forderung des einen ist aber immer zugleich die Verbindlichkeit des anderen; hier also die Verbindlichkeit einer Bank.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie man eine Verbindlichkeit verleihen kann. Die Antwort: Das geht nicht. Die Passivseite einer Bilanz konnte noch niemals verliehen werden. Man kann nur Vermögensgegenstände verleihen. Die befinden sich aber auf der Aktivseite einer Bilanz. Auf der Aktivseite einer Bankbilanz befinden sich aber keine Einlagen der Sparer. Die Tatsache, dass die Banken hier von Einlagen bzw. vom Einlagengeschäft sprechen, befördert dieses Missverständnis. Tatsächlich handelt es sich bei einer Einlage um eine Sichtforderung des Kunden und somit um eine Sichtverbindlichkeit der Bank, die jederzeit durch den Bankkunden fällig gestellt werden kann: Entweder durch Barauszahlung am Bankautomat oder aber durch Überweisung auf ein anderes Konto. Wir können also festhalten:

Einlagen/Sichtforderungen der Sparer können nicht verliehen werden, da sie auf der Passivseite der Bilanz stehen.

Was passiert denn nun wirklich, wenn eine Bank einen Kredit vergibt? Nun, sie führt eine einfache Buchung durch, die vereinfacht lautet: Forderung an Verbindlichkeit. Durch den Kreditvertrag hat die Bank gegenüber dem Kunden nämlich eine Forderung auf Zurückzahlung des Kredits. Zugleich hat die Bank aber aufgrund des Kreditvertrags schon heute eine Verbindlichkeit gegenüber dem Kreditnehmer. Sie stellt ihm dieses Geld auf dem Girokonto zur Verfügung. Dies passiert durch einen einfachen Buchungsvorgang.

Dieser Sachverhalt wird in dieser Form erst seit dem Jahre 2008 (also nach Ausbruch der Finanzkrise) in dem Schülerheft der Bundesbank so dargestellt. Es ist an sich auch nichts Besonderes, weil es jeder Bankazubi im ersten Ausbildungsjahr in der Berufsschule lernt. Was er allerdings nicht lernt, ist die Tatsache, dass dieser simple Vorgang in diametralem Widerspruch zur herrschenden VWL steht. Es ist nämlich nicht die Einlage des Sparers, der die Kreditvergabe ermöglicht, sonder es ist genau umgekehrt: Die Kreditvergabe erzeugt die Einlage bzw. das Deposit.

Damit ist aber auch die Behauptung widerlegt, dass wir sparen müssen, damit wir investieren können. Ökonomen sprechen hier immer von einer Identitätsgleichung. Die Ersparnisse (S) müssen immer genau so hoch sein wie die Investitionen (I). Verkürzt ausgedrückt: S = I. Tatsächlich ist es aber so, dass die Ersparnis erst die Folge einer Investition sein kann. Sie ist nicht schon vorher da.

Ob ein Kredit dann wirklich eine Ersparnis zur Folge hat, hängt natürlich davon ab, ob der Kredit für konsumtive oder für investive Zwecke verwendet wird. Wurde ein Kredit verkonsumiert (typische Abzahlungsgeschäfte, die uns an jeder Ecke wie sauer Bier angeboten werden), dann bleiben natürlich nur die Schulden übrig, denen kein realer Gegenwert mehr gegenübersteht. Daher sollte man auf solchen Finanzierungsunsinn, mit dem Banken und Geschäfte werben, auch nicht hereinfallen. Hier wird lediglich Zukunftskonsum auf der Zeitachse in die Gegenwart verschoben, was notwendigerweise dann zu Einschränkungen in der Zukunft führen wird (siehe auch hier: Das Geschäft mit der Verbriefung).

Hier setzt auch die berechtigte Kritik der österreichischen Schule am Kreditgeldkapitalismus an (ansonsten erzählen die zum Thema Geld aber auch viel Unsinn, da sie Anhänger des naiven Metallismus eines Carl Menger sind und damit unser Geldsystem bis heute grundlegend missverstehen).

Tatsächlich sollte es also darum gehen, solche Investitionen zu finanzieren, die den Kapitalstock einer Volkswirtschaft verbessern (Infrastruktur, Bildung, Produktionsanlagen etc.). Werden hierfür die Ersparnisse der Bevölkerung gebraucht? Nein, die werden hierfür nicht gebraucht, denn diese Ersparnisse sind das Ergebnis einer vorangegangenen Kreditvergabe, mit der Unternehmen ihre Produktion vorfinanziert haben (Loans make Deposits), wodurch die Kredite über die Arbeitsleistung zu Einkommen der Arbeitnehmer wurden, welche dann wieder über den Kauf von Gütern und Dienstleistungen an die Unternehmen zurück fließen, damit die ihre Kredite bedienen können.

Wir können also festhalten: Investitionen müssen aus systemischer Sicht immer über einen Bankkredit vorfinanziert werden. Die Ersparnisse der Bürger sind hierfür nicht nötig, sondern sind im Gegenteil das Ergebnis einer solchen Investition, sofern sie erfolgreich war.

Sind diese Erkenntnisse nun neu? Nein, sie sind es nicht, sondern sind lediglich in Vergessenheit geraten. Und wie man sieht, kann man auch mit einer falschen Theorie eine ganze Weile gut leben. Dann passiert alle 50 bis 80 Jahre eine große monetäre Katastrophe und die Gelehrten streiten darüber, was denn nun die Ursache hierfür ist. Die wahren Ursachen wurden von Hans Gestrich (deutscher Ökonom in der Tradition von Knut Wicksell) bereits 1936 niedergeschrieben (Seite 7 ff.) und sind aktueller denn je:

Wenn Gleichschritt bei den jeweiligen Kreditgewährungen durch die Kreditinstitute eingehalten wird, benötigen diese weder zusätzliches Zentralbankgeld (Notenbankguthaben) noch Einlagen der Sparer (Giralgeld) und auch nicht Interbankkredit (bzw. Minderung Nostroguthaben) zu (auch weiteren) Kreditvergaben.

Bei „Kreditgewährung im Gleichschritt” bleibt am Ende des Tages (tägliche Gegenrechnung [Clearing] der Geldverbindlichkeiten gegen Geldforderungen der Banken untereinander) die Liquidität (beider) Kreditbanken unverändert – dennoch zeigt sich beider Bilanz verlängert – um Kreditforderungen [Aktiva] und in gleicher Höhe um Verbindlichkeiten [Passiva], die sich im Saldo gegenseitig aufheben, also in der Summe Null ergeben – das Geldvermögen der beiden Banken hat sich durch diese (beiden) Kreditgewährung(en) freilich nicht verändert.

Und zwei Seiten weiter schreibt Gestrich:

Es ist kaum etwas geschehen, was in seinen Voraussetzungen und Konsequenzen nicht schon von den modernen Kredittheoretikern durchdacht und auseinandergesetzt war. Jedoch die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit standen so lange abseits der praktischen Bankpolitik, als man in der Praxis mit den alten Vorstellungen glaubt auskommen zu können. Diese in der natürlichen Geistesträgheit der Menschen an sich schon hinreichend fest begründete Haltung wurde dadurch, daß die neue Anschauungsweise nicht allgemein, besonders nicht in der Wirtschaftspresse, anerkannt wurde, erheblich bestärkt. Obwohl längst vor der Kreditkrise des Jahres 1931 das Geld- und Kreditsystem de facto eine Gestalt angenommen hatte, auf die die hergebrachten Meinungen und Lehrsätze zu einem großen Teil nicht mehr anwendbar waren, hielt man an ihnen fest. Erst als die Krisis ein Eingreifen erforderte, wurde dieser Widerspruch zwischen Wirklichkeit und Lehrsätzen offenbar.

Damit hätte auch den Ökonomen spätestens seit 1936 klar sein können, dass die Geschichte von Banken und Versicherungen als Finanzintermediäre nur eins ist: Das größte Ammenmärchen der FinanzINDUSTRIE. Es braucht eben immer erst eine Krise, um zu neuen/alten und besseren Erkenntnissen zu kommen. Bis die sich dann allerdings durchgesetzt haben, vergehen oftmals Jahrzehnte, manchmal verschwinden sie auch wieder in der Versenkung. Wir sollten dafür Sorge tragen, dass dieses Ammenmärchen nicht mehr weiter erzählt wird. Der Schaden ist schon groß genug.

Dass Banken auch Zentralbankgeld benötigen, ist eine andere Geschichte. Fakt ist, für die Kreditvergabe werden keine Einlagen und kein Zentralbankgeld benötigt. Banken vergeben immer zuerst den Kredit und machen sich erst anschließend Gedanken darüber, woher sie das gegebenenfalls nötige Zentralbankgeld bekommen. Wer dies genauer verstehen möchte, der kann sich im Beitrag Geldmythen informieren.

Lord Adair Turner auf einer Konferenz in Toronto im April 2014

update 20.05.2017
Jetzt wird hierüber auch auf dem führenden Schweizer Ökonomenblog diskutiert:
Von Nichts kommt nichts – auch nicht Geld
Das Geld und das Nichts

update 03.05.2017
Nun hat die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht auch noch den letzten Fehler in der Erklärung der Geldschöpfung beseitigt und bestätigt somit meine alte Kritik, dass Banken keine Finanzintermediäre sind. Was nutzt es aber, wenn darüber in den Medien kaum berichtet wird und falls doch, dann auch noch falsch, wie Norbert Häring am Beispiel von Holger Zschäpitz (DIE WELT) ausführlich dargelegt hat. Wie sehr solche Mythen und Märchen unser Denken beeinflussen, können wir auch sehr schön an dieser Diskussion mit dem CEO der UBS erkennen. Diese zwei Links bedeuten selbstverständlich nicht, dass ich jetzt ins Vollgeldlager gewechselt bin.

update 24.08.2016
Am 08.05.2016 hat nun auch die SNB ihre fehlerhafte Darstellung der Geldschöpfung korrigiert: Wie wird Geld geschaffen? Wen die Details interessieren, der wird bei Richard Werner fündig: A lost century in economics: Three theories of banking and the conclusive evidence

update 28.03.2015
Am 13.11.2014 hat die Deutsche Bundesbank in einer FAQ-Liste zum Thema Geldschöpfung diese Sichtweise bestätigt, die zuvor schon Benedikt Fehr am 31.12.2008 in der FAZ dargelegt hatte. Fehr leitet seit August 2011 den neuen Zentralbereich Ökonomische Bildung bei der Bundesbank.

 

Über Michael Stöcker

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35 Antworten zu Bankmythen

  1. Arijan Zenuni schreibt:

    Bis die Einsicht kommt das „Ammenmärchen“ nicht mehr zu erzählen, bedarf es noch weitere Finanzkatastrophen. Ob man dann noch was retten kann ist abzuwarten. Derweile vertrauen wir wie immer auf die „klugen“ Köpfe des Landes.

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  2. Hermann Keske schreibt:

    „Durch die Kreditvergabe entstehen also die Einlagen der Sparer und nicht umgekehrt.“

    Das ist falsch. Wenn ein Sparer Bargeld zur Bank trägt und auf sein Konto, ob nun Spar- oder Girokonto, einzahlt, dann ist diese Einlage nicht durch Kreditvergabe von der Bank an ihren Kunden entstanden, Das ist offensichtlich: Dieser Sparer schuldet dieser Bank kein Geld, sondern es verhält sich gerade andersherum. Die Bank hat nichts von ihm zu fordern, weil sie ihm keinen Kredit gewährt hat und auch aus keinem sonstigen Rechtsgrund Ansprüche stellen könnte.

    Natürlich können Guthaben auf einem Girokonto auch aus einem Kredit entstanden sein – das ist aber ein anderer Fall und setzt einen anderen Vertragsabschluß voraus. Selbst wenn wir heute behaupten könnten, die Bankguthaben der Kunden beständen weit überwiegend aus zuvor im selben Verhältnis Bank-Kunde vereinbarten Kreditverhältnissen, so änderte dies doch nichts daran, daß die Guthaben auf Bankkonten auch aus Einzahlungen bestehen können.

    Deshalb ist der zitierte Satz falsch. Einlagen der Sparer sind Einlagen der Sparer und nicht deren Kreditschulden.

    „Einlagen/Sichtforderungen der Sparer können nicht verliehen werden, da sie auf der Passivseite der Bilanz stehen.“

    Das ist ein grober Fehler im Verständnis der doppelten Buchführung. Natürlich stehen die Einlagen der Kunden als Verbindlichkeiten der Bank auf der Passivseite in der Bilanz der Bank. Vergessen wird mit der zitierten Formulierung aber offenbar, daß die Einlage auch auf der Aktivseite der Bankbilanz erscheinen muß, nämlich als um die Einlage gestiegener Kassenbestand der Bank. Darüber, daß die Bank aus ihrem Kassenbestand Kredite vergeben kann und dies auch ständig tut, kann es keine vernünftigen Zweifel geben. Folglich verwenden die Banken mindestens, wenn nicht hauptsächlich Einlagen ihrer Kunden für die Kreditgewährung.

    Die Quelle der Denkfehler scheint darin zu liegen, daß komplizierten Buchungsvorgängen noch dazu im Zusammenhang mit schluderigem Sprachgebrauch zum „Geld“ rechtsändernde Bedeutung beigemessen wird. Das ist ein fundamentaler Fehler. Die Buchführung ändert nichts – sie ist nichts anderes als die Beschreibung und statistische Erfassung der realen Geschäftsvorfälle. Mit ihr werden keine Forderungen begründet und auch nicht erfüllt, und ohne die realen Geschäftsvorfälle können sie auch nicht verstanden werden.

    Für das bessere Verständnis ein paar praktische Überlegungen: Würden Einlagen ihrer Kunden bei der Bank nur als Verbindlichkeiten auf der Passivseite gebucht und wirksam, müßten die Banken Kundeneinlagen grundsätzlich ablehnen. Sie wären doch ausschließlich mit Kosten verbunden (Verwaltungskosten und Zinsen) – welche Bank sollte sich wohl intensiv um Einlagen bemühen, um sich selbst zu ruinieren?

    Umgekehrt gibt die Bank selbstverständlich das eingenommene Geld für Kredite aus – sie will mit den Einlagen ihrer Kunden Gewinne erzielen, das ist ihr Geschäft. Wieso sollte sie sonst Einlagen entgegennehmen, wenn nicht zur Erzielung von Zinsüberschüssen aus der Differenz zwischen den Zinsen, die sie für die Einlagen zahlen muß, und den Zinsen die sie bei der Kreditgewährung kassiert?

    Das ist das Fundament des Bankengeschäftes und kein Ammenmärchen. Der Überbau dieses Fundamentes ist in vielen Bereichen verwirrend, vor allem wegen seiner buchhalterischen Erfassung und Ausführung, seiner zusätzlichen Institutionen und Regeln, seiner Vermischung mit anderen finanziellen Dienstleistungen und der dauernden Verrechung von Forderungen – aber all das ändert nichts am Kern des Geschäfts, soweit es die Einlagen und die Kreditgewährung betrifft.

    Hermann Keske

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    • thewisemansfear schreibt:

      Henne/Ei Verständnisproblem?
      „Wenn ein Sparer Bargeld zur Bank trägt und auf sein Konto, ob nun Spar- oder Girokonto, einzahlt, dann ist diese Einlage nicht durch Kreditvergabe von der Bank an ihren Kunden entstanden“
      Gehen Sie doch mal den Schritt weiter und überlegen, wo dieser Sparer sein Bargeld her hatte. Ich verrate es Ihnen, er hat es wohl von seinem Konto abgehoben. Und Voraussetzung für die Scheine aus dem Bankomat ist ein gedecktes Konto. Während wir uns mit der Annahme, dass das Geld von irgendwem auch immer dort mal eingezahlt worden wäre, im Kreis drehen, folgt, dass das Geld ursprünglich durch einen Buchungseintrag dort „hingekommen ist“. Und dieser wird i. d. R. bei einer Kreditgewährung vorgenommen.

      Dass es mehrere Sichtweisen aufs Geld gibt, und dies aus dem jeweiligen Blinkwinkel betrachtet anders aussieht, dazu empfehle ich folgenden Text von Perry Mehrling: http://economics.barnard.edu/sites/default/files/inline/what_is_monetary_economics_about.pdf

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Hallo Herr Keske,

      vielen Dank für Ihre ausführliche Begründung, weshalb Sie glauben, dass ich falsch liege. Ihre Darlegungen sind aus individueller Perspektive ja durchaus schlüssig. Das ist aber hier nicht das Thema. Es geht nicht um die mikroperspektivische Sicht von Herrn Müller sondern um die Makroperspektive aufs Ganze. Sie unterliegen mit Ihren Schlussfolgerungen dem Trugschluss der Verallgemeinerung.

      Da das Nettogeldvermögen immer nahe Null ist, sind die Geldvermögen der einen (z. B. Ihr positiver Saldo auf Ihrem Girokonto) zugleich die Geldschulden eines anderen (idealtypischer weise eines Unternehmers, den Sie weder persönlich kennen müssen noch je irgendwelche Geschäftsbeziehungen mit Ihm gepflegt haben). Ausnahme bildet z. B. die Erstausstattung mit ZB-Geld nach einer Währungsreform (siehe Beitrag weiter oben).

      Sie schreiben: Natürlich können Guthaben auf einem Girokonto auch aus einem Kredit entstanden sein.

      ALLE Guthaben sind von ihrem Ursprung her ausschließlich durch Kreditverträge entstanden. Auch solche Beträge, die Sie bei Ihrer Bank bar einzahlen, obwohl Sie persönlich vielleicht noch nie einen Kredit in Anspruch genommen haben. Der Ursprung allen Geldes ist der Kreditvertrag mit einer zugelassenen Bank, die zugleich über ein Konto bei der ZB verfügt (also keine reinen Investmentbanken). Daher sprechen wir ja auch von einem Kreditgeldstandard: http://de.wikipedia.org/wiki/Kredittheorie.

      Natürlich sind Banken auch an den Einlagen von Kunden anderer Banken interessiert. Denken Sie nur an die tollen Lockvogelangebote der Kaupthing Bank. Das hat aber nichts damit zu tun, dass diese Einlagen verliehen werden, sondern vielmehr, dass es für die Bank günstiger ist als über den Interbankenmarkt oder aber über die Zentralbank die Tagessalden glatt zu stellen. Zugleich ist ein hoher Bedarf an ZB-Geld für die ZB immer auch ein Warnhinweis, dass mit dieser Bank etwas nicht stimmt; denn normalerweise refinanzieren sich Geschäftsbanken über den Interbankenmarkt. Um dies zu verhindern, werden dann auch schon mal Zinssätze geboten, die deutlich höher sind als bei den Mitwettbewerbern. Da eine der Hauptfunktionen des Zinses aber die Risikoabdeckung ist, sind höhere Zinssätze zugleich immer auch Ausdruck eines höheren Ausfallrisikos und nicht einer höheren zu erwartenden Rendite.

      Zum Thema Buchhaltung: Gehen Sie einfach mal davon aus, dass ich mit der Buchführung bestens vertraut bin und niemals auf die Idee käme, dass es in der Doppik eine Buchung ohne Gegenbuchung gibt.

      Ansonsten ist der Link von thewisemansfear sehr hilfreich, da Perry Mehrling eine ausgezeichnete Adresse zum Thema Geld ist. Unter dem Beitrag Geldmythen finden Sie am Ende ebenfalls einige weiterführenden Links (u. a. auch zu Perry Mehrling), die für ein tieferes Verständnis hilfreich sind.

      LG Michael Stöcker

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      • Jan schreibt:

        „Das hat aber nichts damit zu tun, dass diese Einlagen verliehen werden, sondern vielmehr, dass es für die Bank günstiger ist als über den Interbankenmarkt oder aber über die Zentralbank die Tagessalden glatt zu stellen.“

        Sind Sie sich da wirklich sicher? Ich habe erhebliche Zweifel daran.
        Zumal diese Einlagen nicht steuerbar sind, sondern einer kaum vorhersehbaren Fluktuation unterliegen, die dann wieder glattgestellt werden muss, bezweifle ich sehr stark, dass Einlagen als Instrument einer Bank dienen können, um die Tagessalden glatt zustellen.

        Beste Grüße

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        • Michael Stöcker schreibt:

          Lieber Jan,

          Sie schreiben: „Sind Sie sich da wirklich sicher? Ich habe erhebliche Zweifel daran.“

          Wenn Sie weiter gelesen haben/hätten, dann finden Sie Ihre Zweifel bestätigt. Denn die normale Refinanzierung läuft vor allem über den Interbankenmarkt. Höhere Zinssätze für das ‚Einlagen’geschäft sind eher eine Quersubventionierung für den weiteren PRODUKTverkauf.

          LG Michael Stöcker

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  3. Hermann Keske schreibt:

    Schön, daß wir mal darüber geredet haben 😉

    Das müsste es auch schon gewesen sein. Ich dachte eigentlich an eine mit der Ökonomie zusammenhängende Theorie, die ausnahmsweise ganz ohne Widersprüche zwischen Micro und Macro, zwischen Theorie und Praxis auskommt und in der sich auch derjenige zurechtfinden kann, der Antwort auf praktische Fragen sucht. Dazu habe ich nun schon eine ganze Menge gelesen, mehr oder weniger mißvergnügt, und herausgekommen ist immerhin, daß ich besser selber nachdenken sollte.

    So will ich es auch halten – sollte ich tatsächlich je eine Theorie von Geld brauchen, werde ich mir selber eine häkeln. Da wird dann Geld Geld bleiben und Forderungen bleiben Forderungen und unser wundersamer bargeldloser Zahlungsverkehr wird nichts anderes sein als ein phänomenales Gewirr von bloßen Zahlungsversprechen, das in dem Augenblick in sich zusammenfällt, in dem die tatsächliche und sofortige Erfüllung all dieser Versprechen gefordert wird (etwa so wie beim Bankenrun).

    Man sieht bzw. liest sich, denke ich.

    MfG

    Hermann Keske

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  4. LinusK schreibt:

    Ihr Kommentar auf SPON ist von den Bankstern nachgeplapperte größte Unsinn des Jahrhunderts!
    „Auch Sie scheinen einem weit verbreiteten Irrtum zu unterliegen: Banken VERLEIHEN kein Geld zum Zinssatz x, sondern Banken ERZEUGEN durch die Kreditvergabe Buchgeld.“
    Merkwürdig, warum gleichzeitig der Bankenverband für die deutschen Privatbanken die Einlagensicherung von 30%, auf 8,7% gesenkt hat
    Ach jetzt fällt es mir auf, wir Europäer sind ja nur Normalsterbliche, das Vieh auf zwei Beinen.
    Normalsterbliche bekommen solche Riesensummen von der EZB zu Minizinsen niemals. Das Vieh auf zwei Beinen soll die Schnauze halten und Banksters retten!

    Der einzige Grund, warum Banken ständig gerettet werden ist nicht das“too big to fail“ Problem, sondern wie es Mark Carney Governor der Bank of England im Frühjahr erklärte „too interconnected to fail“. Das gleiche trifft auch auf mögliche Griechenpleite zu. und den damit verbundenen Dominoeffekt sowie die mögliche CDS Derivatenblase.
    Übrigens der Schuldenschnitt von Griechenland 2012 hat die deustchen Privatbanken und überhaupt EU (Privat-)Banken kaum getroffen. Denn betroffen waren vor allem die STaatsbanken und Landesbanken.
    DIe Privatbanken hatten bereits 2010 nahezu alle ihre Risiken auf die EZB und auf die öffentliche Hand abgeschoben. Dennoch bekamen die Banksters danach neue große Geldspritzen. Eine Unverschämtheit!
    Die Banken werden immer unverschämter:Bekommen von EZB zu Nullzinsen Billionen. Dann war da noch der der SoFFin Rettungsschirm, der ende 2011 reaktiviert wurde (den die Medien mit Absicht verschwiegen haben). Bankstern bekommen Rekordbonuszahlugngen ausgeschüttet, da sie genau wissen, falls die Banken wieder vor dem Kollaps stünden, würde die Politik erneut retten ohne wenn und aber!
    Und nun entwickeln die Banken neue kriminelle Maschen und verbotene Deals durch die Hintertür
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/clo-us-boersenaufsicht-wittert-neuen-betrug-a-960612.html
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bonus-zahlungen-der-commerzbank-sollen-gewinn-uebersteigen-a-952523.html

    Und nun neuerdings betrügen die Banksters ihre Kunden bei der Berechnung von zu hohen Zinsen
    http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2014/zinsklau.php5

    Übrigens die Finanzkrise 2007-2010 kostete die Steuerzahler in der EU mehr als 4,5 Billionen € um die Banken zu retten (Artikel aus Tagesanzeiger 2010).Und Deustchland hat nicht die Banken mit 480 Mrd.€ gerettet so wie es mit STeinbrück 2008 vereinbart worden war, sondern sogar unfassbare 592 Mrd €.
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/eu-kommission-verlaengert-staatshilfen-4-600-milliarden-euro-fuer-die-banken-11079056.html
    Ein unfassbarer Skandal!

    Ich bin fassungslos und bin der Ansicht dass endlich Todesstrafen für kriminelle Banksters eingeführt werden müssten. Und das ist mein voller ERNST!
    Georg Funke wäre einer der ersten Kandidaten…

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Ihren Ärger über Banker und Banken kann ich gut verstehen. Wir sollten aber dennoch bei der Wahrheit bleiben, bzw. uns um sie bemühen. Das ist es, was ich mit diesem Beitrag versucht habe zu leisten. Und wenn Sie sich meine weiteren Abhandlungen hier durchlesen, werden Sie durchaus feststellen, dass ich nichts nachplappere, sondern selber einer der größten Bankenkritiker bin. Insofern rennen Sie mit Ihrer Wut bei mir offene Türen ein. Wir sollten aber wegen dieses parasitären Fehlverhaltens – so widerlich dieses im Einzelfall auch sein mag – nicht unsere kulturellen Errungenschaften fahren lassen. Auch nicht für einen Herrn Funke.

      LG Michael Stöcker

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      • LinusK schreibt:

        Sorry ich habe soeben festgestellt dass ich einen falschen Satz von Ihnen zitierte. Ich wollte diesen Satz von ihnen zitieren:
        „Dass Banken Einlagen der Sparer verleihen ist übrigens ein weit verbreiteter Irrglaube (bis hin zu unserem Sparkassenpräsidenten), der bis zum Jahre 2007 auch durch die Deutsche Bundesbank genährt wurde. “
        Und diesem Satz stimme ich überhaupt nicht zu. Denn der Bankenverband hat mit Absicht gleichzeitig für die deutschen Privatbanken die Einlagensicherung von 30%, auf 8,7% gesenkt! Um dann nicht dumm dazustehen
        Bei den Sparkassen ist dieser Wert sehr viel höher so viel ich weiß!
        Warum?
        Ganz einfach die Banksters wollen noch mehr zocken ohne dabei für ihre Fehltritte zahlen zu müssen. Der dumme Steuerzahler wird die Rechnung schon übernehmen

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  5. Henry Kaspar schreibt:

    @ Herr Stoecker

    Wir hatten ja gerade eine Diskussion auf Herdentrieb, bei der Sie meinten wir haetten uns geeinigt. Aber wenn ich das lese:

    Damit ist aber auch die Behauptung widerlegt, dass wir sparen müssen, damit wir investieren können. Ökonomen sprechen hier immer von einer Identitätsgleichung. Die Ersparnisse (S) müssen immer genau so hoch sein wie die Investitionen (I). Verkürzt ausgedrückt: S = I. Tatsächlich ist es aber so, dass die Ersparnis erst die Folge einer Investition sein kann. Sie ist nicht schon vorher da.

    …. bin ich mir nicht so sicher. Wir wir bei HT diskutierten ist Ersparnisbereitschaft – oder: gewuenschte Erspranis – notwendig, um reale Investitionen zu ermoeglichen. D.h. wir muessen sparen wollen, um investieren zu koennen.

    Das ist an „wir muessen sparen um investieren zu koennen“ sehr nah dran. Weit weg von der korrekten Darstellung sind hingegen Aussagen wie „eine Volkswirtschaft kann investieren ohne Ersparnisbereitschaft“, oder „kreditfinanzierte (nominale) Investitionen generieren automatisch Ersparnis“. Und solche Interpretationen suggeriert Ihr Satz zumindest.

    Besten Gruss,
    HK

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Vielen Dank für Ihre Klarstellung. Eine Investition ohne (Geld)Ersparnisbereitschaft ist selbstverständlich nicht möglich, da die vorfinanzierten Beträge ja erst sukzessive über den Umsatzprozess wieder eingespielt werden. Bei einem Annuitätendarlehen ist dies besonders leicht nachzuvollziehen, wenn Abschreibungszeitraum, Preiskalkulkation und Darlehenszeitraum aufeinander abgestimmt sind. Dennoch geht der erste Schritt immer über die Darlehensgewährung.

      LG Michael Stöcker

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  6. Fabian Lindner schreibt:

    @ Stöcker, Kaspar

    Der Satz „kreditfinanzierte (nominale) Investitionen generieren automatisch Ersparnis“ ist absolut korrekt – wenn man denn den Begriff „Ersparnis“ richtig benutzt. Wenn Sie damit Geldersparnis – also höheres Nettogeldvermögen von irgenjemandem meinen – dann ist der Satz nicht notwendig richtig. Wenn Sie meinen, die Investition ist als zusätzliches Sachvermögen gleich der Ersparnis, weil per Definition jeder Sachvermögensaufbau Ersparnis ist (die ja definiert ist als Aufbau von Vermögen), dann ist der Satz vollkommen richtig.

    Als Beispiel: Die Bank richtet einem Unternehmen einen Kredit ein. Das hat mit Ersparnis NICHTS zu tun, aber der Unternehmer kann jetzt mit dem Geld eine Maschine bauen. Mit dem Bau der Maschine hat die Wirtschaft mehr Sachvermögen aufgebaut, ergo gespart. Ob aber die Haushalte (hier: Die Arbeiter) oder die Unternehmen auch Geldersparnis bilden, hat damit nichts zu tun. Wenn der Unternehmer die Arbeiter mit dem von der Bank geliehenen Geld bezahlt, erhalten die erst mal nur Gehalt. Wenn sie nur einen Teil davon für die Güter des Unternehmens ausgeben, sparen sie. Und das Unternehmen entspart notwendig um den gleichen Betrag, weil seine Einnahmen (Güterkäufe) nicht mit seinen Ausgaben (Löhne) mithalten. Dann ist die Geldersparnis der Haushalte positiv, die der Unternehmen negativ – und im Aggregat gleich null. Die aggregierte Ersparnis ist notwendig gleich der Investition (=Sachvermögensaufbau).

    Aber die Haushalte können natürlich auch ihr ganzes Einkommen für Güter ausgaben – dann sparen sie nicht und die Unternehmen entsparen nicht. Die aggregierte Ersparnis ist dann aber immer noch gleich den Investitionen.

    Die Arbeiter können natürlich auch mehr ausgeben als sie einnehmen – wenn sie etwas selbst noch Geld haben. Dann spart das Unternehemen und die Haushalte entsparen. Die Gesamtgeldersparnis: Wieder null. Die aggregierte Ersparnis: Wieder so hoch wie die Investitionen!

    Fazit: Es gibt überhaupt keinen notwendigen Zusammenhang zwischen der Geldersparnis einer Gruppe von Wirtschaftern (Haushalte, Unternehmen oder Staat) und der Sachvermögensbildung, also der Investition.

    Und, übrigens, wenn Kaspar schreibt: Der Investition muss geplante Ersparnis vorausgehen, dann ist das nur richtig in dem Maße wie der Satz bedeutet: Zum Investieren muss jemand investieren wollen, bzw. anders ausgedrückt: Wenn jemand in Form von Sachvermögensaufbau spart, sollte er das auch wollen.

    Wenn Sie es genauer und umfassender wissen möchten, gerne hier:

    http://wug.akwien.at/WUG_Archiv/2014_40_1/2014_40_1_0033.pdf

    Oder hier: http://werdiscussion.worldeconomicsassociation.org/wp-content/uploads/WER-Lindner-supply-of-credit-II.pdf

    Grüße, Fabian Lindner

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  7. Fabian Lindner schreibt:

    @ Stöcker

    „Dennoch geht der erste Schritt immer über die Darlehensgewährung.“ Richtig.
    “ Eine Investition ohne (Geld)Ersparnisbereitschaft ist selbstverständlich nicht möglich“. Falsch.

    Sie dürfen die Bereitstellung von Kredit (reine sog. „reine Finanztransaktion“) NICHT mit einer Gelersparnisbildung verwechseln. Bei der Bereitstellung von Geld führt ein Kreditgeber einen Aktivtausch durch: Er gibt Geld und erhält eine Forderung ggü. dem Schuldner. Die Änderung seines Nettogeldvermögens (seine Geldersparnis) ist genau gleich null – denn eine Nettogeldvermögenserhöhung wäre ja nur möglich, wenn der Wirtschafter entweder mehr Bruttoforderungen oder weniger Bruttovberindlichkeiten hätte. Da er ja durch den Kredit nur die ZUSAMMENSETZUNG seiner Bruttoforderungen verändert hat, hat er sein Nettogeldvermögen nicht geändert, ergo nicht gespart.

    Das Nettogeldvermögen lässt sich nur erhöhen, wenn jemand weniger ausgibt als er einnimmt, also einen Einnahmeüberschuss realisiert. Die Bereitwilligkeit, so was zu tun, hat aber weder mit der Sachvermögensbildung etwas zu tun noch ist sie mit der Kreditgewährung identisch.

    Grüße, Fabian Lindner

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Vielen Dank, dass Sie sich an der Diskussion beteiligen sowie den Link zu Ihrer Kritik der Loanable-Funds-Theorie, die ich in Gänze teile und sich mit dem deckt, was ich mit diesem Beitrag zeigen wollte. Insofern kann ich allen Lesern, die tiefer in die Materie einsteigen möchten, Ihre dezidierte Analyse sehr empfehlen.

      Meine Antwort auf Henry Kaspars Bedenken erfolgte im Kontext unserer Diskussion im Herdentrieb.

      Ich hätte besser noch eine Nacht über seinen Kommentar geschlafen, da zu späterer Stunde selten etwas Sinnvolles herauskommt (q. e. d.). Auch wenn ich Geld in Klammern gesetzt habe, ist diese Aussage in der Tat falsch inkl. dem Beispiel mit dem Annuitätendarlehen und widerspricht dem, was ich im obigen Beitrag versucht hatte darzulegen. Danke für Ihre Richtigstellung.

      LG Michael Stöcker

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  8. Fabian Lindner schreibt:

    @ Stöcker

    Noch eine Sache: ich stimme mit vielem überein, was Sie im obigen Hauptpost geschrieben haben, aber wäre etwas vorsichtiger. Sie schreiben ja ganz richtig, dass die Bank durch die Kreditvergabe eine Zahlungsverpflichtung eingegangen ist gegenüber ihrem Kreditnehmer, nämlich eine Zahlungsverpflichtung in Form von Zentralbankgeld.

    Zentralbankgeld kann sie aber selbst nicht herstellen, wie viele Depositen sie auch immer einrichtet und wie viel Kredit sie auch immer vergibt. Das Zentralbankgeld muss sie irgendwoher nehmen, und deswegen ist es schon richtig zu sagen, dass ein Banker noch nie Geld (=Zentralbankgeld) herausgegeben hat, das er nicht vorher irgendwoher bekommen hat.

    Jetzt steht natürlich das Zentralbankgeld der Geschäftsbank (in Form von Einlagen bei der ZB oder Bargeldern etwa in Bankautomaten) bei den Aktiva – und wenn Einleger der Bank das Geld haben wollen, muss die Bank ihre Bargelder um diesen Betrag verringern. Sie leiht dann eben genau Zentralbank aus. Das hat natürlich mit Sparen nichts zu tun, aber es wäre auch nicht ganz richtig, wenn man diese wichtige Dimension der Kreditvergabe – dass eine Bank nämlich in Zentralbankgeld zahlungsfähig sein muss, sonst ist sie bankrott – unter den Tisch kehrt.

    Grüße, Fabian Lindner

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Völlig korrekt ist, dass es ohne ZB-Geld nicht geht. Danke, dass Sie dies noch einmal betonen, da manche ja der Meinung sind, Banken könnten Geld völlig aus dem Nichts schöpfen. Von daher bemühen sich Geschäftsbanken ja normalerweise auch um ihr Einlagengeschäft. Trifft für deutsche Banken im Moment eher nicht zu, da sie (ähnlich den Schweizer Banken) in ZB-Geld schwimmen (TRARGET-Salden).

      Sie leiht dann eben genau Zentralbank aus.

      Sie meinen hier sicherlich ZB-Geld. Aber das ist nicht korrekt. Banken ‚verleihen‘ niemals ZB-Geld! Dies macht auch gar keinen Sinn, da bei einer Leihe dasselbe zurück gegeben werden muss. Mit ZB-Geld kann ich eine Geldschuld endgültig erfüllen. Und genau dies macht eine Bank, wenn sie eine Überweisung aufgrund eines Girovertrags durchführt oder aber Bargeld auszahlt. Sie kommt ihrer ZAHLUNGSVERPFLICHTUNG (= Erfüllungsgeschäft) nach, die sich entweder aus einem Kreditvertrag oder aber aufgrund eines Girovertrags ergibt. Bei der Barauszahlung findet eine Geldstufentransformation statt; aus Buchgeld/Bankengeld wird ZB-Geld. Bargeld im Automaten einer Bank zählt nicht zur Geldmenge M1. Wir hatten die Diskussion schon einmal mit bmmayr, veblen et. al. Hier die aus meiner Sicht zentralen Punkte der damaligen Diskussion als Link:

      http://blog.zeit.de/herdentrieb/2014/07/11/wie-sich-hans-werner-sinn-bei-der-bankenunion-verrennt_7550/comment-page-11?sort=asc&comments_page=9#comment-126388
      http://blog.zeit.de/herdentrieb/2014/07/11/wie-sich-hans-werner-sinn-bei-der-bankenunion-verrennt_7550/comment-page-11?sort=asc&comments_page=11#comment-126496
      http://blog.zeit.de/herdentrieb/2014/07/11/wie-sich-hans-werner-sinn-bei-der-bankenunion-verrennt_7550/comment-page-11?sort=asc&comments_page=11#comment-126579
      http://blog.zeit.de/herdentrieb/2014/07/11/wie-sich-hans-werner-sinn-bei-der-bankenunion-verrennt_7550/comment-page-11?sort=asc&comments_page=15#comment-128035

      Das hat natürlich mit Sparen nichts zu tun, aber es wäre auch nicht ganz richtig, wenn man diese wichtige Dimension der Kreditvergabe – dass eine Bank nämlich in Zentralbankgeld zahlungsfähig sein muss, sonst ist sie bankrott – unter den Tisch kehrt.

      Exakt! Bei Banken geht es IMMER um Zahlungsfähigkeit. Das Liquiditätsmanagement spielt die zentrale Rolle. Bankrott (=Insolvenz mit Betrugsabsicht) ist sie dann hoffentlich nicht, illiquide wohl nur bei mangelhafter Kreditvergabe in Verbindung mit zu geringen Rückstellungen bzw. Eigenkapitel. Bei soliden/solventen Banken funktioniert die Refinanzierung über den Interbankenmarkt. Illiquidität ist letztlich immer nur die Folge mangelhafter Rentabilität. Für Liquiditätsereignisse gibt es die Zentralbanken. Die können aber nur für Liquidität sorgen, niemals für Rentabilität. Was nicht mehr rentabel ist, sollte kontrolliert abgewickelt werden.

      LG Michael Stöcker

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      • Christoph schreibt:

        @ Hr. Stöcker: Danke für ihren Beitrag! @ Fabian Lindner: Das Geldvermögen des Kreditinstituts ändert sich bei Kreditgewährung nicht. Das Geldvermögen des Kreditnehmers ändert sich bei Kreditgewährung (zunächst!) nicht. Erst wenn der Kreditnehmer den Ausgabenüberschüss (für dessen Finanzierung er ja Kredit nahm) zu Gunsten eines Dritten tätigt, ändert sich sein Geldvermögen (nicht sein Gesamtvermögen [Geld- & Sachvermögen]) negativ. Der aus diesem Kredit einnehmende Dritte verringert damit entweder seine (offenen) Verbindlichkeit oder generiert einen Einnahmeüberschuss – beides bedeutet eine Erhöhung seines Geldvermögens, also +S (insofern gilt ex post: I=S). Oder frei nach Stützel: Jeder Ausgabenüberschuss bedeutet in der Gesamtwirtschaft (bei einem anderen Wirtschaftssubjekt) entweder Tilgung offener Verbindlichkeiten oder einen Einnahmeüberschuss in insgesamt gleicher Höhe. Fabian, ich weiß, dass du das ohnehin weißt – nur zur Klärung. Vielleicht schreibst du mir mal eine kreditmechanische Entgegnung zur Behauptung der BIZ, dass Schulden nicht mit Schulden zu lösen wären und (lt. 84. Jahresbericht), dass sowohl der Unternehmens- wie der Staatssektor (gleichzeitig?!) seine Schulden abbauen müsste (ein kreditmechanisches Paradoxon?!) Herzlichen Gruß! Christoph
        P.S. @ Hr. Stöcker: Konnte der „Fehlende-Zins-Mythos“ schon geklärt werden (habe das früher mal hier debattiert gesehen)? Vielleicht wäre es gut, das (falls schon mal getan) nochmal zu erklären – dass der Zins nur dann fehlt, wenn dieser nicht von der einnehmenden Bank in Form von realwirtschaftlichen Ausgaben wieder „zurück“gegeben wird. Danke für ihre Bemühungen. Freundliche Grüße!

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  9. rubycon schreibt:

    Um eine neue Geldtheorie mit ihren Auswirkungen und Veränderungen zu leben, müssen diese
    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/iwf-forderung-nach-stresstest-europas-banken-sollen-profitabler-werden/10912580.html
    Vollspacken erstmal restlos stillgelegt werden.
    Nicht nur mit Worten sondern absolut real.
    Besser, ihre Vermögen werden bis zur Kante besteuert, um Verschuldung zu beenden und umzuverteilen in Nachfrage, die Investitionen konsumiert. Name Flat Tax for Cash-Rich als Gedankenanregung. Flucht in den Offshorebereich ist technisch durch Kapitalverkehrskontrollen, -stilllegungen in Echtzeit sehr einfach. Schön, dass das „Bankgeheimnis“, hat es nach Tippke/Lang nie gegeben, jetzt beerdigt wird .

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  10. EraserFS schreibt:

    Aha.
    Die Schlussfolgerung, das Kreditschöpfung der Ersparnis immer voran geht, folgt aus der völlig vom eigentlichen Produktions-/Bedürfnisbefriedigungsprozess der Wirtschaft losgelösten Betrachtung. Dieser Prozess verrät einem um was es sich bei Ersparnis und Kredit handelt.
    Dass die Schlussfolgerung trotzdem bedingt richtig ist, liegt daran, dass unserer Geldsystem darauf ausgerichtet ist, mithilfe von Kredit, die für investitionen zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel (Ersparnisse) auszudehnen bzw. Geldschöpfung der Erstellung der entsprechenden realen Gegenwerte vorgelagert wird.

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    • rubycon schreibt:

      Zins mit Kredit vorschüssig festzulegen bringt Abweichungen zum real erwirtschafteten Ergebnis. Das zu erkennen und trotzdem spekulative Höchstrenditen verbriefen zu wollen ist nicht Einsicht zur Umkehr von der Finanzinvestition zur Realinvestition freiwillig, nachschüssig. Historisch gab es Wirtschaft vor dieser kapitalistischen Systemgrundlage – also kann es auch Wirtschaft nach der Überwindung des Selbstzerstörungsmechanismus geben.

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  11. Peter Krall schreibt:

    Eine Ergänzung zu Ihere Analyse, Herr Stöcker: Geldschöpfung funktioniert nicht nur technisch wie von Ihnen beschrieben, sondern bildet auch die Prozessen in der physischen Welt korrekter ab, als es ein Intermediär-Bankensystem täte.

    Den Krediten stehen nämlich nicht irgendwelche Vorräte an Saatgut oder sonstigen Gütern gegenüber, sondern Erwartungen zukünftiger Wertschöpfung. Das war im Ansatz schon so, als florentinische Bankiers Schiffstransporte finanzierten – und damit eben Wertschöpfung, die erst noch stattzufinden hatte. Und es ist natürlich auch so, wenn heute ein Unternehmer einen Kredit bekommt: Das ist eine programmatische Zusage der Allokation zukünftiger Ressourcen; die Maschinen, der kaufen wird, existieren noch nicht; die Dienste und Güter, die seine Angestellten vom Lohn kaufen werden, sind noch nicht geleistet und nicht produziert; usw. Diese Zusicherung zukünftiger Ressourcenallokation bezieht sich also nicht auf Vorräte, die durch Konsumverzicht in der Vergangenheit angesammelt wurden. Deswegen ist Kreditvergabe mit vollem Recht weitgehend unabhängig von Sparguthaben, die vergangenem Konsumverzicht entsprechen.

    Das war, wie gesagt, schon in der Renaissance ein Thema. Damals konnte man es aber noch als Randthema ansehen und die Hauptbedeutung von Geld darin sehen, dass damit für vorhandene Güter und erbrachte Leistungen bezahlt wurde. Heute stimmt das nicht mehr. Geld hat eine sehr viel komplexere Semantik gewonnen, zu der insbesondere die abstrakte Zusicherung zukünftiger Ressourcenallokation gehört. Wegen dieser Sachverhalte in der physischen Welt ist die reine Intermediär-Theorie des Bankensystems nicht nur falsch, wie Sie ausführen, sondern die manchmal geforderte Reduktion der Funktion von Geschäftsbanken – Stichwort: Vollgeld – wäre auch kontraproduktiv in Hinblick auf die Anforderungen moderner, durch technische Innovation und risikobehaftete Investitionen gekennzeichnete Ökonomien.

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  12. KBX schreibt:

    Naja über der Geldmultiplikator funktioniert das Spiel nur, wenn der Kredit als Einlage wieder bei der Bank landet. Und da Geld nur über Kredit (eben exogen) geschöpft wird muss der Kredit vor der Einlage kommen, die Einlage ist aber die Grundlage für weiteren Kredite. Kredit -> Einlage ->Kredit bis nichts mehr geht… leider nie genug denn es wird immer weniger Geld im Umlauf sein um zusätzlich die Zinsen zu bedienen (wie der Karotte der man hinterherläuft, die einem vor der Nase gehalten wird). Das perverse daran – eine Bank hat Pfändungsanspruch, ohne Risiko – Other Peoples Money. Und dadurch, dass Sie den Blutkreislauf der Wirtschaft darstellt kann Sie die Allgemeinheit erpressen. Die Geldschöpfung gehört diesen Verbrechern weggenommen, jedoch nicht dem Staat in die Hände gelegt. Vielmehr muss man der Geldmenge realwirtschaftliche Güter zugrundelegen, die auch einen Marktpreis haben. Z.B Energie, würde allen Ansprüchen des Geldes genügen (nicht zu knapp wie Gold hat heute wie morgen denselben Wert ist teilbar und die Energienachfrage geht Hand in Hand mit dem BSP). Just my 2 cent

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Sie sollten den Geldschöpfungsmultiplikator als Erklärungsansatz für die Geldschöpfung besser aus Ihrem Kopf streichen. Die Bundesbank hat ihr Glossar nicht umsonst bereinigt. Hier ihre Erläuterung, die ich uneingeschränkt teile.

      Auch das Märchen von den fehlenden Zinsen löst sich sehr schnell in Wohlgelfallen auf, wenn man sich nicht von der Fiat-Gemeinde ins Bockshorn jagen lässt. Zinsen sind genau wie alle anderen Einnahmen/Ausgaben zu betrachten. Einnahmen werden nur dann zu einem Problem, wenn sie nicht wieder ausgegeben werden. Und ob nun Zinserträge gehortet werden oder aber Löhne, Gewinne etc. ist dabei völlig gleichwertig. Zudem sollten Sie berücksichtigen, dass die Zinsen der Zentralbanken schon seit einiger Zeit gegen Null laufen bzw. vereinzelt sogar schon negativ sind. Lesen Sie hierzu bitte auch den ersten Beitrag dieses Blogs: Zinsmythen oder vertiefend auch Dynamische Einsichten zu Geld und Zins.

      Das eigentliche Problem ist also nicht die Kreditgeldschöpfung, sondern die Geldakkumulation (nicht zu verwechseln mit der marx’schen Kapitalakkumulation), wie ich es im 10 Punkteplan herausgearbeitet hatte. Zu einer ähnlichen Schlussfolgerung kommt heute Werner Vontobel mit seiner Vollgeldkritik. Denn auch das Vollgeld beseitigt nicht den biblischen Matthäus-Effekt. Dies geht am besten über fiskalische Redistribution und/oder ein zentralbankfinanziertes Bürgergeld.

      Übrigens: Die Bank hat sehr wohl ein Risiko; nämlich das des Kreditausfalls. ‚Pervers‘ ist auch nicht der Pfändungsanspruch der Bank, sondern die mangelnde Bildung von Rückstellungen für solche Ereignisse; denn diese Unterlassung hat ja erst die ganzen ‚perversen‘ Boni-Orgien zu Lasten der Steuerzahler ermöglicht.

      LG Michael Stöcker

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  13. „Es gibt Inside Money (endogenes Giralgeld) und Outside Money (exogenes Zentralbankgeld). Nur Inside Money kann durch Banken geschaffen werde.“
    d’accord
    ABER HIER IST ETWAS UNKLAR:
    „Wir können also festhalten: Investitionen müssen aus systemischer Sicht immer über einen Bankkredit vorfinanziert werden. Die Ersparnisse der Bürger sind hierfür nicht nötig, sondern sind im Gegenteil das Ergebnis einer solchen Investition.“

    Es gibt zwei logisch korrekte Interpretationen:
    1:
    Die Ersparnisse der Bürger … sind im Gegenteil das Ergebnis„. Die „Ersparnisse“, idnem sie das „Ergebnis“ sind, müssen also existieren. Das bedeutet: Als der Investor sein geliehenes Geld von der Bank bekommen hat, seiner „Schuld“ entspricht ein identisches Volumen von „Guthaben“, also etwas was den Sparern gehört. Guthaben == Ersparnis. Im Sinne der Kausalität gilt: Investition (Kredit, Schuld) => Guthaben == Ersparnis
    2:
    Die Ersparnisse der Bürger sind hierfür nicht nötig„. Also, Guthaben existieren nicht als Ersparnisse. Das Guthaben ist eine Zahl die frei in der Luft schwebt. (Natürlich, bei Zurückzahlung verschwindet es.) Es ist das Geld „aus dem Nichts“. Die Bank ist ein Geldfälscher. Der verbotene Geldfälscher arbeitet mit einem Pinsel, die Bank mit Zahlenschreiben. Nur das ist der Unterschied.
    So.
    Der Unterschied ist imens. Was war gemeint?

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  14. Ich überlege gerade. Es gibt Missverständnisse, die durch Schwächen der (menschlichen) Sprache entstehen, und es gibt Meinungsunterschiede. Wenn nur nicht geschickt gewählte Begriffe zu Dissonanzen führen das lässt sich in Ordnung bringen. Wenn es um richitge Auffassungunterschiede geht, da lässt sich nichts tun …
    So, jetzt konkret:
    SPAREN: Wenn ich eine Münze ins Sparschwein werfe, habe ich gespart. Ersparniss gebildent.
    ABSTINIEREN: Diese Münze ist eingefroren, auf mein tägliches Bier verzichte ich. (Man kann abstinieren und Ersparnisse ohne Münzen und ohne Sichteinlagen schaffen, bei Kreditvergabe ist es der Fall – wie ich es verstehe.)
    Sparen ist aber trotzdem nicht dasselbe wie Abstinieren. Benutzt man sie doch als Synonyme, die Missverständnisse lassen sich kaum vermeiden. Würde ich also vorschlagen: Unterscheiden wir zwischen SPAREN und ABSTINIEREN.

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  15. Natürlich weiß ich nicht, ob die Thematik, über die ich kommentiere, Sie in meinem Sinne überhaupt interesseirt, wenn das nicht der Fall ist, ist matürlcih auch in Ordnung. (Dann lasse ich es einfach.) Wenn aber ein bischen doch, da erinnerte ich mich gerade an meinen Text, als ich noch bei den Piraten war (die überzeug waren, die Banken würden das Geld „aus dem Nichts“ schaffen, wogegen ich protestierte – ohne Erfolg.)
    – 100%-Money: Ein Fall von Realitätsblindheit mit finaler Geistesverwirrung
    mehr >>>

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Zu Ihren letzten drei Kommentaren gäbe es ganz viel zu schreiben. Aus Zeitgründen nur ganz kurz: Auf aggregierter Ebene gibt es kein Nettogeldvermögen außer der unbedeutenden Restgröße in Höhe des Münzgeldes (Münzregal, rex, regis), das sich auch auf der Aktivseite der Bundesbankbilanz befindet, während der Banknotenumlauf auf der Passivseite gebucht wird. Münzregal = Currency-School = Georg Friedrich Knapp: Der Staat nimmt Einfluss auf die umlaufende Geldmenge; Geld ist also staatlicher Natur.

      Giralgeld = Banking-School: Der Bankkredit ist der Ursprung der zirkulierenden Geldmenge; Geld ist also privater Natur.

      Die Geldmenge (M1, M2, M3…) wird durch das Münzregal (heute kaum der Rede wert) sowie das Giralgeld determiniert, nicht aber durch den Banknotenumlauf. Der Banknotenumlauf ist lediglich eine veraltete Form der Bezahlung. Für uns als Bürger ist Bargeld (Noten und Münzen) gleicher Qualität obwohl es unterschiedlichen Ursprungs ist. Einer der Gründe für die unendlichen Wirren rund um das Thema Geld! Letztlich läuft der Vorschlag von Thomas Mayer (da Sie bei den Piraten waren kennen Sie ja sicherlich das Interview der Geldsystempiraten mit Herrn Mayer) mit seiner Idee eines Aktivgeldes darauf hinaus, dass er das Münzregal erweitern möchte. Ob man dies nun mit Münzen, Banknoten oder aber Zentralbankbuchgeld macht ist dabei aus systemischer Sicht irrelevant, da Barzahlung in Zeiten des Internet eigentlich ein Relikt vergangener Zeiten ist. Dennoch hat Bargeld auch diverse Vorzüge (Anonymität, technische Unabhängigkeit etc.).

      Beim Ihrem verlinkten Artikel geht einiges durcheinander, im Kern ist Ihre Kritik aber völlig korrekt. Von daher halte ich die Argumentation der Vollgeldbewegung mit den angeblichen Vorzügen auch für voll daneben, obwohl mein Vorschlag zur Einführung einer Citoyage zu einem ähnlichen Ergebnis führen wird. Insofern liegen die Vollgeldler, Thomas Mayer, Adair Turner, etc. und mein Vorschlag auch sehr nahe beieinander. Es geht um einen höheren Anteil an schuldfrei geschaffenem Geld. Letztlich geht es im Ziel um eine Verwässerung privater Schuldverträge = Inflationssteuer. Vordergründig ist es der Kampf zwischen bösem/raffgierigen Staat und guter Privatwirtschaft, tatsächlich aber ein Kampf der 1 % gegen die Interessen der 99 %. Es geht also letztlich um die zentrale Machtfrage, um die es schon immer ging. Und diese wurde bislang auch immer für alle wissenden offen ausgefochten (Jesus, Jan Hus, JFK, Herrhausen…).

      Zum Vollgeld verweise ich der Zeit wegen auf die aktuelle Diskussion im Blog von Herrn Menéndez:

      Schweizer Spezialitäten
      Bargeld oder nicht Bargeld – das ist hier die Frage
      Noch mehr unter dem Tag Geldschöpfung

      LG Michael Stöcker

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  16. „Beim Ihrem verlinkten Artikel geht einiges durcheinander, im Kern ist Ihre Kritik aber völlig korrekt.“
    Was könnte z,B, falsch sein?

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  17. Ja, wenn man die ganze Geschichte betrachtet, und das soll man tun, ist dem so: Die Banken haben „Papiere“ zuerst selbst ausgegeben, erst später hat dies der Staat übernommen.

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  18. Es wäre interessant zu wissen, wer die ganz privaten Bank-Noten akzeptiert hat, Freundenkreis-Bank-Noten könnten keine besondere Wichtigkeit haben. Aber sagen wir es so: Sie sind die Vorfahren. (Was Historiker interessieren kann, aber die WiWi erst am Rande.)

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  19. Axel2 schreibt:

    Hallo Hr. Stöcker
    Wahrscheinlich bin ich dafür etwas zu naiv, aber so wie ich verstanden habe, wird natürlich das Geld der Sparer nicht verliehen. Aber die Menge der Fiatgeldschöpfung ist doch von den Spareinlagen abhängig. Soviel ich weiß, müßen immer ca. 5% der Kredite durch eine Mindestreserve abgedeckt sein, zu denen ja auch unsere Spareinlagen gehören. Wäre unser Geld unabhängig von den Krediten auf der Bank, müßten diese ja sicher und nicht durch Kreditausfälle bedroht sein und demzufolge bräuchte man auch keine Angst vor einem Bankrun haben! Aber genau der ist doch gefährlich, weil nur ca. 5% wirklich als Sicherheit mit Zentralbankgeld (Geldnoten) gedeckt sind, oder?

    Gruß Axel2

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Lieber Axel,

      nein, Sie sind nicht zu naiv; denn das Märchen von den Banken als Geldverleiher haben Sie wohl durchschaut. Die Kreditmenge ist allerdings im ersten Schritt völlig unabhängig von den (Spar)Einlagen; denn die ‚Einlage‘ wird ja mit dem Kredit simultan erzeugt. Der Wert des Geldes wird auch nicht durch Banknoten determiniert, die sich zudem auch noch auf der Passivseite der Bundesbank befinden (nur Münzgeld und Gold sind ein Aktivum), sondern durch die Fähigkeit der Kreditnehmer, ihre Schulden zu erfüllen und die Fähigkeit der Bürger, ihre Steuern zu entrichten. Wäre unser Geld unabhängig von den Krediten auf der Bank, dann wäre es wohl nichts wert. Denn wer hätte dann einen realen Leistungsdruck? So etwas begreift aber die Gemeinde der Fiat-Jünger nicht, die dem Geld einen eigenständigen Wert andichtet.

      Und seien Sie vorsichtig mit dem Begriff des Fiat-Geldes; da gibt es viel Verwirrung. Ein Bankkredit ist KEIN Fiat-Geld, zumal hier kein Zentralbankgeld sondern Giralgeld erzeugt wird. Echtes Fiat-Geld gibt es aktuell nur in der sehr bescheidenen Menge des Münzgeldes. Zukünftig vielleicht auch in größerer Menge. Dies entspräche dann den Ideen von Thomas Mayer und seinem Aktivgeld. Turner schlägt hier OMF vor, meinen Vorschlag zur Einführung einer Citoyage (QE4P) haben Sie vielleicht schon gelesen. Es wäre eine Intensivierung unseres hybriden Geldsystems durch eine schuldfreie Inverkehrbringung von Zentralbankgeld über das Münzgeld hinaus.

      Die Mindestreserve beträgt übrigens aktuell nur 1 %. Aber auch die ist insbesondere für Deutschland eigentlich unbedeutend. Aufgrund des Zusammenbruchs des Interbankenmarkts ist die Bundesbank zudem mittlerweile Nettoschuldner; das heißt, die Überschussreserven sind so hoch, dass wir in Deutschland eine vollgeldähnliche Situation haben. Angst vor einem Bankrun müssen die Deutschen also keine haben. Und die Einlagensicherung für alle in Höhe von 100.000 EUR ist auch nur eine technische Angelegenheit, wenn die Zentralbanken mitspielen. Und warum sollten sie nicht; dafür sind sie doch gerade da. Und unsere (Spar)Einlagen sind erst die Folge der Kreditgewährung und gehören somit nicht zur Mindestreserve. Erst wird der Kredit vergeben und erst dann müssen die Geschäftsbanken sich refinanzieren: Bei der Zentralbank oder aber auf dem Interbankenmarkt.

      LG Michael Stöcker

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