Die späten Bekenntnisse des Ottmar Issing

Bei der Bundesbank fand heute ein hochkarätiges Symposium statt. Der bescheidene Titel: Frontiers in Central Banking – Past, Present and Future.

Bemerkenswert war insbesondere der letzte Teil der Abschlussrede von Ottmar Issing, in der er auf eine Bemerkung von Mario Monti einging, in der er auf das Konstanz Seminar verwiesen hatte (mehr zum Konstanz Seminar hier und hier).

Warum bemerkenswert? Weil Ottmar Issing mittlerweile wohl auch der Ansicht ist, dass der Erfolg des monetaristischen Ansatzes der zwei erfolgreichsten Zentralbanken der Welt auf einer falschen Theorie beruhte. Issing gibt in einer etwas verlegenen Tonart die Einschätzung von Monti zum damaligen Ansatz der Bundesbank als „this is quite naive“ wider. Er legt nach und spricht von der

…most successful central bank in the world […] but you are successful on a totally naive and misguided concept. […] This is a totally wrong approach, but the result is good; the result is good.

Aber hören Sie besser selbst ab Minute 21:30 (letzter Vortrag ganz unten: Concluding remarks). Hut ab vor so viel Selbstkritik in diesem fortgeschrittenen Alter. Der Vortrag von Monti, auf den Issing Bezug nimmt, findet sich hier in Panel 2 ab Minute 26:40.

Die zwei erfolgreichsten Zentralbanken haben ihre fehlerhafte Theorie mittlerweile korrigiert. Die Bundesbank war Vorreiter im Jahre 2008 und hatte aktuell noch einmal nachgelegt, die SNB folgte offiziell im letzten Jahr, obwohl die BoE bereits 2014 eine größere Aufklärungsserie gestartet hatte. Die Hintergründe sind im Beitrag Bankmythen nachzulesen. Verstanden haben dies wohl immer noch die wenigsten, wie Norbert Häring sehr schön am Beispiel von Holger Zschäpitz darlegt: Die Bundesbank versucht über Geldschöpfung aus dem Nichts aufzuklären – vergeblich.

Über Michael Stöcker

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
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4 Antworten zu Die späten Bekenntnisse des Ottmar Issing

  1. Dirk schreibt:

    Sehr interessant. am Anfang der Krise war Ottmar Issing noch sehr optimistisch und beschwor eine Rückkehr des Monetarismus. Vgl. https://makroskop.eu/2016/12/der-euro-und-sein-architekt-otmar-issing-ueber-das-ende-des-euros-1/

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  2. Andreas B. schreibt:

    Die von wichtigen Notenbanken seit der Finanzkrise 2008/09 vermeintlich betriebene Ausweitung der Zentralbankgeldmenge hat doch erst aufgezeigt, dass die monetaristische Vorstellung eines engen Zusammenhangs zwischen der Zentralbankgeldmenge (Geldbasis) und einer Geldmenge (M1 oder M3) nicht der Realität entspricht, weil odie Geschäftsbanken die gestiegene Geldbasis nicht nutzen (können), um verstärkt Geld- und Kreditschöpfung (durch Vergabe von mehr Krediten an Unternehmen) zu betreiben. Mit dieser geldpolitischen Ausrichtung haben sich die Zentralbanken von der monetaristischen Lehre verabschiedet und es ist deutlich geworden, dass der Monetarismus in der geldpolitischen Diskussion keine Rolle mehr spielt. Allerdings muss man auch das, erstmal für sich selber erkennen können.
    http://blog.drosteeffekt.de/dunning-kruger-effekt-so-lasst-sich-inkompetenz-bandigen/

    mfg

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  3. ruby schreibt:

    Traurig was Braunberger in der faz vorführt…
    Mit dem vermeintlichen Ende der EZB-Anleihkäufe zur verdeckten Staatsfinanzierung wird das €-System implodieren. Negative Zinsen galten als Irrationalität jetzt ist der „Wahnsinn“ Rettungspolitik.
    Frage: Kommt erst eine neue DMark oder reicht die Kraft für ein neues ECU-System zum Jahresbeginn 2019?
    Das deutsche Forderungen nicht zweifelhaft sind hat soffi erläutert, aber bleiben sie im abgeschafften € auch werthaltig?
    Dabei denke ich einen relativ langen Zeithorizont 8;-)

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