Aufgelesen bei Thomas Mayer: Wer ist wirklich schuld an den niedrigen Zinsen?

Auch Thomas Mayer hatte uns in seiner Kolumne bei der FAZ die Weltwirtschaft erklärt. Als ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank gehört er zu den wenigen Ökonomen, die ihr monetäres Paradigma in Frage gestellt haben und auf der ehrlichen Suche nach neuen Antworten ist (ja, es gibt auch ehrliche Banker und Ex-Banker). Meine heutige Analyse seiner Kolumne vom Februar dieses Jahres ist im Zusammenhang mit dem gestrigen Beitrag zum Erklärversuch von SPON zu sehen (bitte zuerst lesen) und soll verdeutlichen, wie groß die Missverständnisse zum Thema Zinsen in unseren Köpfen verankert sind und wie schwierig es ist, zu den richtigen Antworten zu kommen.

Einigen Punkten dieser Kolumne von Mayer kann ich in Gänze zustimmen. Insbesondere seiner Prognose zum Thema Altersvorsorge:

Stagniert die Wirtschaft, gibt es keine rentablen Anlagemöglichkeiten. Folglich werden die künftigen Ruheständler einen Teil ihres Geldeinkommens horten, indem sie Bargeld unter der Matratze verstecken oder in ein Bankschließfach legen. Wird dieses Geld dem Konsum entzogen, fallen die Preise. Die Nutznießer dieses Effekts sind die Jüngeren, die sich bei gleichbleibendem Geldeinkommen mehr Waren kaufen können. Lösen die Älteren bei Eintritt in den Ruhestand dann ihre Ersparnis auf, erhöht sich die nominale Konsumnachfrage wieder. Da aber gleichzeitig die Produktion fällt, weil nun weniger Leute arbeiten, steigen die Preise kräftig an und entwerten das für die Altersversorgung angesparte Geldvermögen.

Dies ist die große Gefahr, die auch ich sehe: Nach einer deflationären Stagnationsphase kommt der inflationäre Schub: Weniger als Ketchup-Effekt, sondern vermutlich mehr als schleichende (3 – 4 %) oder galoppierende Inflation (5 – 10 %).

Zielstellung sollte also auf Basis dieser Überlegungen nach Mayer eine wachsende Wirtschaft sein. Er schreibt:

Wächst die Wirtschaft, haben die künftigen Ruheständler ebenfalls die Möglichkeit, Geld einfach zu horten und damit die Preise zu drücken. Andererseits haben die Jüngeren nun den Anreiz, sich das gesparte Geld von den Älteren gegen eine Leihgebühr zu borgen, um es in die Produktion von Kapitalgütern zu investieren. Aus dem wirtschaftlichen Zuwachs, der mit diesen Kapitalgütern erzeugt wird, können sie die Leihgebühr begleichen. Mit der Leihgebühr, dem Zinseinkommen, können die Ruheständler ihre Konsumausgaben finanzieren, ohne dass die Jüngeren auf Konsum verzichten müssen.

Hier ist er wieder: Der große Irrtum der Ökonomen über die Aufgabe der Banken in einem 2-stufigen Kreditgeldsystem, den ich immer und immer wieder ins Zentrum meiner Kritik stelle. Nein, NEIN und nochmals N E I N:

Repeat After Me: Banks Cannot And Do Not „Lend Out“ Reserves

Sparer haben in einem Kreditgeldsystem nicht die Wahl, ihre Ersparnisse zu verleihen. Zumindest dann nicht, wenn sie ihr Geld zur Bank tragen. Denn Banken VERLEIHEN kein Geld!!! (siehe auch Bankmythen)

Damit sind aber auch die Schlussfolgerungen von Mayer unsinnig:

Entweder ist der Kreditzins positiv, weil es sich lohnt, Geld zu verleihen. Oder es gibt keinen Kreditzins, weil sich Geldverleihen nicht lohnt und es daher keinen Kreditmarkt gibt.

Wir müssen endlich die kopernikanische Wende im Geldsystemverständnis schaffen: Nicht die monetären Ersparnisse ermöglichen Investitionen, sondern es ist genau anders herum: Die monetären Investitionen ermöglichen über den produktiven Bankkredit die reale Ersparnis.

Je länger die Phase der selbstverschuldeten Stagnation mit hoher Arbeitslosigkeit, desto größer wird der inflationäre Schub werden, da in der Stagnationsphase die nötigen Zukunftsinvestitionen unterlassen werden und in Folge der Hystereseeffekt  seine negativen Wirkungen entfaltet. Jugendarbeitslosigkeitsraten von über 40 % sind nicht nur ein ökonomisches Desaster sondern eine katastrophale Verantwortungslosigkeit unserer sogenannten Eliten.

Die Zinsen sind eines der vielen nicht verstandenen Phänomene der Menschheit obwohl Schumpeter hierzu eigentlich alles Nötige gesagt hatte. Der einzige mir bekannte Ökonom der Gegenwart, der bislang eine schlüssige Erklärung sowie Strategien für dieses fundamentale Problem geliefert hat, ist Lord Adair Turner. Dieser Vortrag vom letzten Jahr beinhaltet die zentralen Aspekte seines neuen Buchs und sollte von allen Ökonomen, insbesondere aber auch von allen Parlamentariern in Europa gesehen und/oder gelesen werden. Denn die ökonomische Krise wird in einer politischen Krise enden. Hier sehe ich ähnlich schwarz wie Turner.

Die wahren Gründe dieser Krise sind laut Turner: „Real Estate and Instability“, „Rising Inequality“ und „Global Imbalances“.

Alle diese Punkte können durch die Zinspolitik nicht gelöst werden. Höhere Zinsen verteuern zwar die Finanzierung von vorhandenen Assets und dämpfen somit möglicherweise einen Immobilienboom, drosseln aber zugleich die Finanzierung von neuen/zusätzlichen/produktiven Investments, die wiederum zu gering sind wegen „Rising Inequality“ und „Global Imbalances“.

Wenn wir uns nicht von unseren mittelalterlichen Tabus lösen und alte biblische Weisheiten auch weiterhin stoisch ignorieren, wird das Ganze in einer gesamteuropäischen Katastrophe enden.

Die Wahlergebnisse in Frankreich und Spanien sind schon jetzt potenziell  demokratiegefährdend. Eine Fortführung der Austeritätspolitik wird den blutleeren Ökonomien (Geld ist die vitale Lebensader des Kapitalismus) den Rest geben. Das  medial gehypte spanische Wachstumswunder ist eine Chimäre und ist wohl unmittelbare Folge germanischer kognitiver Dissonanz. Die Studie von David Rosnick und Mark Weisbrot widerlegt alle Austeritätsapostel.


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44 Antworten zu Aufgelesen bei Thomas Mayer: Wer ist wirklich schuld an den niedrigen Zinsen?

  1. EraserFS schreibt:

    „Wir müssen endlich die kopernikanische Wende im Geldsystemverständnis schaffen: Nicht die monetären Ersparnisse ermöglichen Investitionen, sondern es ist genau anders herum: Die monetären Investitionen ermöglichen über den produktiven Bankkredit die reale Ersparnis.“

    Alternativ könnte man auch einfach das begriffliche Wirrwarr zwischen Horte und Sparen auflösen, dass soweit ich weiß auf Keynes und seinen spezifischen Vordenkern basiert, die beide Begriffe synonym zu verwendeten.

    Vorschläge für Arbeitsdefinitionen:
    – Horten = Geld nicht gegen Güter oder Dienstleistungen eintauschen.
    – Ausgeben (Ausgaben) = Geld gegen Güter oder Dienstleistungen eintauschen.
    – konsumptive Ausgaben = Geld gegen Güter oder Dienstleistungen eintauschen, die nicht produktiv eingesetzt, sondern schlicht VERBRAUCHT werden
    – produktive Ausgaben = Geld gegen Güter oder Dienstleistungen eintauschen, die produktiv eingesetzt werden, und damit ERSPART worden sind, (da gerade nicht VERBRAUCHT)

    Daraus folgt: Ersparnis ist die Ersparnis von Konsum (-ptiven Ausgaben) zugunsten von produktiven Ausgaben, und nicht die Ersparnis von Ausgaben bzw. Horten.*

    Wenn man diesen Arbeitsdefinitionen folgt, merkt man das keine kopernikanische Wende im Geldsystemverständnis notwendig ist, denn die Aussage „monetäre Ersparnisse ermöglichen Investitionen“ ist fundamental richtig. Wer eine Geldeinheit gegen ein Überraschungsei einTAUSCHt und sich an Spiel, Spaß und Spannung erfreut (konsumiert), der wird dieselbe Geldeinheit nicht gegen Schokolade (Rohstoffe), Überraschungseifertigungsmaschinen (Kapital) oder Wartungspersonal für selbige Maschine (Arbeitsplätze) TAUSCHen können (investieren).
    Horten ist in diesem Kontext nicht mehr als die Velagerung der Entscheidung zwischen konsumptiven und produktiven Ausgaben von der Gegenwart in die Zukunft, denn es wird zwar keine Entscheidung in der Gegenwart getroffen aber der Zweck von Geld ist darauf ausgerichtet sich irgendwann wieder in Güter oder Dienstleistungen einzuTAUSCHen.

    Natürlich setzen die logisch konsistenten Arbeitsdefinitionen dieser Wörter voraus, dass Geld auch, und zwar zu allererst ein TAUSCHmittel ist (daher die Hervorhebung) und lediglich die realen Güter und Dienstleistungen repräsentiert gegen die es sich in der Gegenwart oder Zukunft eintauschen lässt. Eine Prämisse die Herr Stöcker leider nicht teilt.
    Aber man kann es ja trotzdem mal erwähnen.

    Was man nebenbei ebenfalls erwähnen kann, weil es die Dinge richtig kompliziert macht, ist, dass Herr Stöcker’s Sicht ironischerweise trotzdem unser Geldsystem richtig beschreibt.
    Sozusagen der Unterschied zwischen „Wie funktioniert es mehr oder weniger (eher weniger) in der Realität“ (durch begriffliche Verwirrungen) und „Wie kann es in der Realität richtig funktionieren“ (durch begriffliche Klarheit im Kontext von realen Gütern, die Geld repräsentiert).

    *Der Grund hierfür scheint in der eigenartigen Betrachtung zu liegen, dass Konsum als Investition begriffen wird. Das ist allerdings in sich widersprüchlich, das es logisch voraussetzt, dass wer auch immer die Geldmittel von einem Endkonsumenten erhalten hat (im Austausch gegen Endprodukte), diese Person die erhaltenen Geldmittel gerade nicht dazu verwendet ebenfalls Endprodukte zu erwerben, sondern Zwischenprodukte sowie Produktionsfaktoren.

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Lieber Herr Schmidt,

      Ihre Arbeitsdefinitionen leiden am Tauschparadigma, von dem Sie sich einfach nicht lösen können. Ich hatte Ihnen hierzu schon an anderer Stelle geantwortet.

      Damit ist Geld aber auch kein Tauschmittel, sondern ein Zahlungsmittel, mit dem eine Schuld getilgt wird. Man kann also auch sagen, dass Geld ein Schuldentilgungsmittel ist.

      Horten, Sparen und Investieren gibt es auf monetärer und auf realer Ebene.

      Horten auf monetärer Ebene hat im Aggregat auf der realen Ebene eine Lagerinvestition zur Folge, die in der Folgeperiode zu einer Adjustierung des Produktionsprozesses führt. Alternativ hätten diese Vorräte auch von den Bürgern erworben werden können und in den Keller gelegt werden können. Empfiehlt sich aber wohl eher nur für Wein. Zudem wären dann die falschen Signale an die Produzenten – und somit die Gesellschaft als Gesamtheit – gesendet worden.

      Zwischenprodukte sowie Produktionsfaktoren müssen in einer gesunden Volkswirtschaft über den Bankkredit vorfinanziert werden. In einer gesunden Volkswirtschaft verschulden sich die Unternehmen (Produktivkredite, aber keinesfalls Finanzialisierungskredite) und nicht der Staat und auch nicht der Bürger. Und Konsum wird selbstverständlich nicht als Investition betrachtet; insbesondere nicht von mir.

      Sie haben das Henne-Ei-Problem leider immer noch nicht verstanden wenn Sie schreiben:

      „…denn die Aussage “monetäre Ersparnisse ermöglichen Investitionen” ist fundamental richtig.“

      Es ist der Bankkredit, der Investitionen ermöglicht und temporäre monetäre Ersparnisse generiert. Die Bundesbank irrt sich nach der Überarbeitung ihres Schülerheftes im Jahre 2008 nicht mehr (im Gegensatz zur SNB). Und mit dem Bankkredit wird zusätzliche Kaufkraft geschaffen. Eine monetäre Ersparnis gibt es hingegen nur auf individueller Ebene.

      LG Michael Stöcker

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      • EraserFS schreibt:

        @Michael Stöcker
        Zum Tauschparadigma: Siehe Antwort in Ihrem anderen SPON Blog.
        Das Geld ein Schuldentilgungsmittel ist, resultiert aus seiner Eigenschaft als Tauschmittel, das reale Güter und Dienstleistung repräsentiert.

        „Horten, Sparen und Investieren gibt es auf monetärer und auf realer Ebene.“
        Einen Tisch kann ich im Keller eingepackt abstellen, und mich später entscheiden, ob ich ihn privat nutze / abnutze / verbrauche oder ihn in meinem Unternehmen als Bürotisch verwende, mir den privaten, konsumptiven Verbrauch des Tisches also erspare und ihn somit in mein Unternehmen investiere bzw. produktiv verbrauche. Ob man dasselbe mit den diesen Tisch repräsentierenden Geldeinheiten macht, ist egal.
        Richtige Aussage also, nur der Schluss in Form des falschen Signals an Produzenten ist falsch.
        Denn das Signal im Aggregat ist korrekt. Wenn die Entscheidungen über die Verwendung des Tisches in die Zukunft verlagert werden, dann werden bis zu diesem Zeitpunkt in der Zukunft + Abnutzungszeitperiode der Tische, keine neuen Tische nachgefragt werden und eine Anpassung der zukünftigen Tischproduktion ist erforderlich, um diesem Umstand Rechnung zu tragen.
        Gibt es eine Steigerung von korrekt?
        Lediglich die konsequente Anpassung der Produktion nach unten, wird von interessierten Seiten als falsch bzw. nicht zweckdienlich gewertet.
        Kann man machen, muss man nicht.

        Und nein, in einer gesunden Wirtschaft wird lediglich mehr Zeit in werthaltige Produktion investiert. Wer da in welcher Form Zeit investiert und ob sowie welche Schuldverhältnisse dadurch konstruiert werden, ist dem Grad der Komplexität heute existierender Ökonomie geschuldet aber für die grundlegenden Zusammenhänge irrelevant.
        Über diesen eigentlich simplen Sachverhalt täuscht die Komplexität der Realität leicht hinweg. Man erkennt es aber am Gedankenexperiment einer autarken Ein-Personen-Ökonomie, deren einzigen Produkt ein Kuchen ist und der Frage, wie mehr oder besserer Kuchen produziert werden kann.
        Entweder muss mehr Zeit in die Kuchenbackfähigkeit investiert werden oder es muss einfach mehr Zeit in die Kuchenproduktion investiert werden.
        Dieses Beispiel kann man graduell komplizieren und irgendwann hat man eine exakte Beschreibung der Realität wie wir sie heute wahrnehmen.
        Yeah Reduktionsnismus! 🙂

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        • Michael Stöcker schreibt:

          Ihr mikroökonomischer Reduktionismus in allen Ehren. Für eine Erstsemesterveranstaltung durchaus nützlich, aber eine romantizistische Tauschwirtschaft taugt als Erklärungsansatz für eine hochkomplexe Zahlungswirtschaft keinesfalls: https://soffisticated.wordpress.com/42-das-grose-ganze-und-so/.

          LG Michael Stöcker

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        • EraserFS schreibt:

          Möglich. Interessanterweise reicht dieser Reduktionismus aber um den verlinkten Blogeintrag nachvollziehen zu können, da ich eine ähnlich zentrale Bedeutung des Geldes sehe, diese aber nicht nur auf eine moderne Wirtschaft beschränke, da ich das, was dort beschrieben wird, als „systematische Allokationsfunktion des Geldes“ bezeichne. Im Mainstream wird diese Funktion normalerweise von irgendeinem gütigen Sozialplanner oder Auktionator übernommen, wie dort richtig angemerkt wird. Aber obwohl diese nennen wir sie „systematische Funktion des Geldes“ zentral ist, betrachte ich sie nicht als elementar.

          Anders formuliert, was dort unter Geldwirtschaft geführt wird, und logisch anders funktionieren soll als eine Tauschwirtschaft ist in Analogie zu dem metaphorischen Schaubildchen am Ende des Blogeintrags lediglich ein Betriebssystemupdate.
          Eine Tauschwirtschaft funktioniert mit DOS und eine Geldwirtschaft mit Win95 (quasi revolutionär). Wirtschaft an sich funktioniert aber analog zu jedem elektronischen Gerät auf Basis des simplen Unterschieds zwischen 1 und 0, auch wenn ein modernes Smartphone mit irgendeinem Android Betriebssystem derart komplex ist, dass man das kaum noch glauben mag. Entsprechend verhält es sich mit Wirtschaft, Geld als Betriebssystem der Hardware täuscht über den Umstand hinweg, dass ein Gerät nicht durch bessere Softwareupdates funktioniert, sondern umgekehrt sowohl Hardware als auch Software auf Basis des Binärsystems funktionieren.
          Das verhält sich auch wunderbar konsistent zu dem Punkt, den ich hier öfter gemacht habe: Software ohne Hardware ist genauso überflüssig wie Geld ohne Güter. Güter ohne Geld sind aber genausowenig wie Hardware ohne Software überflüssig – die Möglichkeiten sind nur beschränkt.

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  2. Jenenserin schreibt:

    Aufgelesen bei Thomas Mayer: Wer ist wirklich schuld an den niedrigen Zinsen?

    Schuld ??? niedrige Zinsen ist ein Segen für die Realwirtschaft. Es fließt mehr Geld in Sachwerte und das ist gut so. Diese müssen nämlich erst geschaffen werden, was wieder Arbeit und Lohn bringt und hier liegt die Stärke des sozialen Rentensystems unseres Staates als Altersvorsorge! Zur Not kommen junge Männer und Frauen aus Afrika, wenn wir zu wenig Kinder dafür selbst gebären.
    Es gibt einen guten Spruch: wir kommen mit leeren Händen und gehen mit leeren Händen und glauben dazwischen etwas zu besitzen. Ja Grund und Bodenbesitz gehört auch dazu! Irrtum Freunde. Wir leben nur in einem kleinen Zeitfenster, wo einige wenige glauben Erde- und Wasserrechte zu besitzen. Herr Gabriel hat es sogar schon geschafft die Sonnensteuer einzuführen. Das neue EEG Gesetz ist auch nur ein Verzögerer der künftigen Entwicklung. Künftig wird dezentral, an der Balkonbrüstung der Strom produziert. Das neue Gesetz war nur ein letztes Aufbäumen der Großindustrie. Das Zeitalter der Industrie ist aber vorbei. Gut zu sehen in Ostdeutschland. Neue Industrie gibt es nämlich kaum und die Alte (z.B. Kohle, Auto, Stahlindustrie kämpft um das überleben) Bei Autos gibt es eine Überproduktion und Stahl wird an anderen Ecken der Erde viel günstiger produziert! Das alte Deutschland wird noch ganz bös erwachen. Deutschland kann im Moment nur noch als Intelligenzschmiede punkten, die Bedarf aber weniger kreative Köpfe, die ihr Leben ganz anders gestalten, wie der Arbeiter im Ruhrpott! Dann gibt es noch ne Menge Dienstleistungen von der Putze bis zum Koch und der Rest lebt vom Sozialsystem!

    Wir haben ein ganz anderes Problem. Wir müssen zur Sicherung des Gemeinwohles eine „Maschinensteuer/Digitale Steuer“ einführen, die ein bedingungsloses Grundeinkommen finanziert. Es ist durch die Robotertechnik heute schon ein Mangel an Arbeitsplätzen da. Deutschland hat durch die Minijobs – Teilung der Arbeitsplätze von einem auf 2-3 dies nur verzerrt!

    und die Digitalisierung wirkt sich erst aus. Da ist Deutschland noch hinter dem Mond!

    Ich bin Immobilienmakler und mein Geschäftspartner betreibt ein online Nachrichtenportal:
    http://www.jenapolis.de – wir machen vor allem den Osten sichtbar! Die Medien haben noch gar nicht erkannt, dass hier die Welt ein bissel anders tickt. Man ist nur über Pegida erschrocken, versteht aber die Leute da gar nicht, die da auf der Straße demonstrieren, die sind weder rechts noch links, nur Bürger, die spüren: Politik macht seine Hausaufgaben nicht. Uns ist der Dollar und € auch egal, wird es uns zu bunt, setzen wir auf Regionalwirtschaft und führen einfach ne Regionalwährung ein. Die Globalisierung ist durch. Fairtrade auch. Warum soll ich Honig aus Nikaragua her karren lassen für viel Geld und Verbrauch von Ressourcen, wenn nebenan ein Imker sein Geschäft hat? Zur Not bauen wir unsere Kartoffeln wieder selber an. Viele sind Konsummüde geworden. Man teilt das Auto, die Bohrmaschine, die Kleidung, ja es gibt schon Verschenkschränke bei uns in Jena, 8 Stück! Wem das zu weit weg von zu hause ist , na und? Was wir nicht mehr brauchen schmeißen wir nicht mehr weg, wir stellen es auf die Straße um die Ecke, machen ein Foto und posten den Ort in FB. Abends ist schon alles weg. Wenn etwas kaputt geht, schmeißen wir es auch nicht weg. 1x im Monat gibt es bei uns ein kostenloses ReparierCafe in Jena, immer an einen anderen Ort. Da schafft man kaputte Sachen hin, vom Handy bis zum Hemd ohne Knöpfe. Tja, da hat wohl der Kapitalismus ein viel größeres Problem, man erstickt in Überproduktion. Früher gab es zyklische Krisen, heute wird sie uns dauerhaft eingeredet. Was juckt uns, den Bürgern die Schulden von Kommunen und Ländern? Ich wohne in Jena, da baut man keine fehlende Sportschwimmhalle, gründet einen Eigenbetrieb nach dem anderen – die neue DDR! – um alle Einnahmen selbst in den Stadthaushalt zu bekommen, dieser wird an brave Parteisoldaten und in eine aufgeblähte Verwaltung gestopft. Dies ist nicht nur intransparent sondern auch noch sehr ineffektiv, da der Staat nun mal der schlechteste Planer und Bauherr ist ! Geld wird regelrecht verbrannt. Dazu kommt das Jena auch noch eine reiche Stadt ist und wir uns entschulden. 2022 sollen wir schuldenfrei sein und was ist die Auswirkung? teurer Nahverkehr, Investitionen werden nicht getätigt, Straßen und Plätze vergammeln. Unsere Schulen sind alle saniert und Jena glänzt mit dem breitest aufgestellten Schulkonzepten von Deutschland, bezahlt von den Mietern, dafür wurde der kommunale Wohnungsbestand an die Stadtwerke verkauft. und hier wird der Bürger weiter abgezockt, wir haben die höchsten Stompreise, die höchsten Mieten Ostdeutschlands, 2 € kostet nur 1 Fahrt ab 1 Station mit Bus und Bahn! Wir haben die höchsten Fernwärmepreise – hier wird sogar gegen Kartellrecht verstoßen, aber das Kartellamt hat auch seine Zähne verloren. Das Problem der Bürger: Politik wird von Verwaltungsangestellten gemacht, welche den gewählten Politikern auch noch mit Gutachten grauer Eminenzen (Lobbyisten) begründet wird. Wir sehen das im Kleinen, das die Gutachten den Druck des Papieres nicht wert sind. Die Realität hat oft alte Weisheiten und Denke längst überholt: siehe Bau von Einkaufszentren in der Innenstadt – was nicht nur hässlich sondern auch nicht mehr zeitgemäß ist. Den Bürgern wird dadurch der letzte freie öffentliche Raum genommen. Nichtkommerzielle Begegnungsstätten gibt es kaum noch. Nein , wir haben keine Währungsprobleme, wir haben ein Demokratieproblem ! Lasst die Bürger an die Macht, dann haben wir keine Geldprobleme, die werden uns nämlich höchstens eingeredet! Solange die Politik den Bürger nur als Konsument oder als Steuerzahler wahr nimmt und sie sich mit verquasteten Gutachten rumschlägt, wird sie falsche Entscheidungen treffen, die das Leben auch nicht einfacher machen. Aber der Bürger weiß sich zu wehren, er verweigert einfach den Kauf des nächsten teuren Autos. Man nimmt das Fahrrad oder macht Carsharing. Man baut sich sein Gemüse in den Städten an und züchtet sich seinen Fisch im Keller. Das wird die Zukunft sein, gibt sogar schon einen Namen: einfach mal Aquaponik googeln!

    Nein, der Bürger hat kein Problem mit niedrigen Zinsen, bei den wenig Erspartem fällt das kaum ins Gewicht. Das haben die großen Finanzinstitute, denen Gebühren fehlen, weil der Michel sein Geld in sein Haus, in Urlaub und unters Kopfkissen steckt. Das ist das wahre Gejammere!

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  3. Jenenserin schreibt:

    bei einem muss ich mich korrigieren. Natürlich sind wir in einer globalisierten Wirtschaft, ich schrieb Globalisierung ist vorbei. Ich meinte damit, was das 2stellige Wachstum betrifft. China steht auch vor einer Wirtschaftskrise, da wird es eine Korrektur geben. Die Finanzinstitute schauen nur nach dem Horizont, wo kann ich mit wenig Einsatz in kürzester Zeit viel Rendite erwirtschaften. Das ist das große Übel des Geldes. Es werden Zahlenkolonnen gebildet, die mit der Realwirtschaft aber auch gar nix zu tun hat. Ich lese in den Zeitschriften: .. ich sage Ihnen den Ausblick für das Jahr 2016, wo sollten Sie ihr Geld anlegen, um das meiste raus zu holen. Das ist doch pervers. Ohne diese ganzen Spekulanten , sondern das diese sich auch mit Arbeit ihr Auskommen verdienen müssten, hätten wir gar keine Geldprobleme! und sie können orakeln wie sie wollen: der eine wird gewinnen, der andere wird verlieren. Bei einem Pokerspiel habe ich kurzfristig bessere Aussichten zu gewinnen als an der Börse.

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  4. Jenenserin schreibt:

    und noch ein Problem hat die Finanzindustrie: in Afrika läuft der Geldverkehr nicht über Banken sondern übers Handy, in Deutschland leiht man sich schon Gelder von privat an privat, siehe Smava und größere private Geldgeber tuen sich schon zusammen und finanzieren ganze Wohnhäuser: crowdfunding, Tja, da tut sich wohl außerhalb von Banken und Börsen ein neuer privater unabhängiger Finanzmarkt auf, den Ökonomen nicht unterschätzen sollten ! Also wo haben wir ein Zinsproblem? der Bürger hat keines !

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  5. felsberger2012 schreibt:

    Sehr geehrter Herr Stöcker,

    Erstens:Kredit kann: a) geschöpft, b) übertragen oder c) getilgt werden. Von daher enthält jedes Schuldverhältnis sowohl den Aspekt der Tausches als auch der Tilgung. Wann immer A eine Ware von B kauft, wird im Gegenzug eine Forderung, die A gegen C hält, auf B übertragen. Die Behauptung, dass eine Forderung kein Tauschmittel sei, ist daher falsch.

    Zweitens: Nicht jede Investition wird aus Kredit finanziert, ein großer und immer größer werdender Teil wird aus bestehenden Forderungen gestemmt. Wenn A eine Investition tätigt und bei B einkauft, kann er auf bestehende Forderungen gegen C zurückgreifen, die er auf B überträgt. Hier spiegelt sich die Tatsache, dass eine Forderung immer auch Tauschmittel ist.

    Drittens: Stagnation tritt ein, sobald die Menge der Forderungen die noch abzuschreibenden Investitionsgüter (=Kapitalstock) signifikant überschreitet. Es bedarf „externer“ Schuldner wie den Staat oder das Ausland, um die Menge der Forderungen über den noch abzuschreibenden Kapitalstock zu heben. Ist dieser Zustand erreicht, zirkulieren überschüssige Forderungen.

    Viertens: Diese Forderungen sind überschüssig exakt in dem Sinne, dass sie zur Finanzierung des gesamtwirtschaftlichen Kapitalstocks nicht beitragen. Sie können gehortet oder zu spekulativen Zwecken eingesetzt werden. Ersteres führt zur Abschöpfung der gesamtwirschaftlichen Produktion auch durch Zinseinkommen, letzteres zu Preisexzessen,

    Fünftens: Wann immer Zinseinkommen einen zu großen Kuchen des Produkts erheischt, bedeutet dies Lähmung. Nichts-Tun wird honoriert. Die Absenkung des Zinssatzes stellt eine Trotzreaktion des Systems gegen überschüssige Forderungen dar, verursacht aber neue Wirkungen wie exzessive Preissteigerungen einzelner Sachwerte.

    PS: Dies folgt dem alten Muster, dass Widersrpüche stets gelöst werden nur um neue zu schaffen.

    LG
    Alfred Felsberger

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Sehr geehrter Herr Felsberger,

      ich stimme mit Ihnen ja in vielen Punkten überein. Aber die Geschichte mit der Forderung sollten Sie vielleicht doch noch einmal überdenken: Verirrungen zwischen Geld und Forderungen.

      Bei einem Giroguthaben handelt es sich tatsächlich um eine Forderung. Und worauf lautet diese Forderung? Auf die Auszahlung von Zentralbankgeld bzw. auf Basis des Girovertrags, der mit der Bank geschlossen wurde, auf die Übertragung dieser Forderung an einen Dritten. Aber was bitte schön wollen Sie noch von wem fordern, wenn Sie das gesetzliche Zahlungsmittel im Portemonnaie haben??? Ohne einen vorherigen Kaufvertrag können Sie hier gar nichts fordern! Erst durch einen Kaufvertrag wird eine Forderung begründet, nicht aber durch den Besitz von Bargeld. Statt von einer konkreten Forderung spreche ich von daher lieber von einem unspezifischen Anspruch auf reale Güter und Dienstleistungen, der sich letztlich aus dem Schuldendruck der Kreditnehmer ergibt. Eine konkrete Forderung ist dies aber keinesfalls.

      Stagnation bzw. Rezession und oder Depression tritt insbesondere dann ein, wenn Kredittilgung >= Kreditaufnahme. Und dies ist wiederum Folge eines asymmetrischen Aufschuldungsprozesses mit anschließendem Deleveraging.

      Und überschüssige ‚Forderungen‘ existieren insbesondere dann, wenn der Staat nicht genügend Steuern bei den cash-rich eingetrieben hat.

      Die Ursache vieler unserer Probleme liegt jedoch in der kontroversen Geldmacht: http://blogs.faz.net/fazit/2015/12/30/die-kontroverse-geldmacht-7088/ sowie im Matthäuseffekt.

      Enden möchte ich mit einem Zitat aus einem anderen Blog von vor 4 Tagen. Es könnte ein guter Vorsatz für das neue Jahr für alle sein, die noch auf der Suche nach einer echten Herausforderung sind:

      Auf den Punkt gebracht: wer sich selbst ändert und damit sein Umfeld ändert Alles. Aber sich selbst zu verändern ist eine unendlich schwere Aufgabe.
      Wir sollten es aber zumindest versuchen….. http://www.querschuesse.de/kritik-an-der-deutschen-dominanz-spaltet-angela-merkel-europa/

      Kommen Sie – und alle Leser dieses Blogs – gut ins neue Jahr. Die monetären Irrwege werden uns auch im kommenden Jahr weiter begleiten; da bin ich mir ganz sicher. Die Kopernikanische Wende hatte auch etwas länger gedauert. Beim Geldsystemverständnis ist der Durchbruch noch lange nicht gesichert. Wir sollten es aber zumindest versuchen…

      LG Michael Stöcker

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  6. felsberger2012 schreibt:

    Sehr geehrter Herr Stöcker,

    Danke für Ihre Antwort. In meinem Denken ist Zentralbankengeld gar nicht existent, ich denke nur in Forderungen und Verbindlichkeiten. Dass dieser Ansatz richtungsweisend ist, erkennt man daran, dass man letztendlich auf den gleichen Schluss wie Sie kommt: Eine Verbindlichkeit kann nur durch Lieferung von Arbeitskraft/Ware/Dienstleistung/Eigentum getilgt werden. Die unsägliche Diskussion über das „Wesen“ des ZB-Geldes kann man sich schlichtweg sparen.

    Kredittilgung > Kreditaufnahme als „Erklärung“ von Stagnation sagt für sich genommen rein gar nichts aus. Stagnation ist ein Prozess, der durch Überalterung der Bevölkerung eröffnet wird. Das Konsumverhalten der Menschen wird defensiver und die Mechanisierung steigt, weil ältere Arbeitskräfte sich besonders gut für „kapitalintensives“ Wirtschaften eignen. Der Output stagniert, die Arbeitslosigkeit steigt und das Problem der Versorgung der Überalterten wird virulent.

    Alle Massnahmen, die der Staat als Antwort auf diese Problemkonstellation setzt, haben sich bis dato als kontraproduktiv erwiesen. Eine höhere Staatsverschuldung mindert zwar das Leid, schafft aber das Problem exzessiver Forderungen, die spekulative Prozesse und Investitionen in Gang setzen. Eine Steuerpolitik, die auf Umverteilung zugunsten der Brachgelegten setzt, verschärft den Prozess der Unternehmenskonzentration und der Auslagerung.

    Zwei unbedingte Botschaften fordert uns die Lage der entwickelten westlichen Länder ab: Erstens, es ist nicht der Kapitalismus an sich, der scheitert, es ist die Problemkonstellation (Überalterung), in die er eingebunden ist. Zweitens. Der Staat ist hilflos und wird hilflos bleiben. Wenn Sie, Herr Stocker, auf Verhaltensänderungen der Einzelnen hoffen, kann ich nur antworten, dass sich dies vor allem auf das Reproduktionsverhalten der Menschen beziehen müßte.

    Weltweit und seit gut 50 Jahren tendiert die Menschheit zur Überalterung. Die Lebenserwartung steigt an, die Fertilitätsrate nimmt ab. Die Ahnungslosen denken noch immer in Kategorien der Überbevölkerung, wo es Tag für Tag offensichtlicher wird, dass die Menscheit ihre Vitalität verliert. Der Kapitalismus ist kein System, das für Überalterte erdacht ist. Er strebt nach vorne, nicht zurück und hält nicht inne. Mit der weltweiten Überalterung der Bevölkerung stirbt auch er………

    Einen Guten Rutsch!
    A.F.

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  7. felsberger2012 schreibt:

    Die Ökonomen verharren in ihrer Welt, sie sind nicht bereit über die Grenzen ihres Faches hinauszudenken, auch wenn Ihnen das tagtägliche Politikspektakel das Problem der Überalterung ins Gesicht schreit. Man tröstet sich mit illusionären Hoffnungen und sucht die Gründe für das Sytemversagen (=Stagnation) innerhalb der vorgegebenen Parameter. Man wird es dort nicht finden, egal welcher Gedankenschule man anhängt. Die Frage des Geldes ist sekundär und erst virulent, seit die Staatsverschuldung voran geschritten ist. Man erkennt nicht, dass die behauptete Problemlösung (=Staatsverschuldung) eine bloße Schmerzmilderung ist. Was wir benötigen, ist nicht noch mehr Geldtheorie, sondern endlich: mehr Naturwissenschaft. Dies ist mein Wunsch fürs Neue Jahr, wohlwissend, dass ich alleine bin.-)

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    • Jenenserin schreibt:

      felsberger, sie sind nicht allein. Weiß nicht, ob sie meine unwissenschaftlichen Kommentare gelesen haben. Hier steht aber sehr deutlich drin; was juckt denn eigentlich dem Bürger die Staatsverschuldung? Eigentlich nur sekundär. Für die Reichen gibt es weder Politik noch Staatsgrenzen, sie haben sich schon lange ihr eigenes System geschaffen und die ganz Armen, z.B. Griechenland gehen in Tauschgeschäfte über, auch eine Art Regionalwährung. Na und die Mittelschicht erträgt zähneknirschend noch die Steuerlast, denn sie sind es , die die Steuern aufbringen, mit denen der Staat seine Schulden bezahlt. Diese alte Schule nun lässt sich nicht reformieren. Will man etwas verändern, darf man nicht gegen das Alte kämpfen oder Schreiben sondern man muss Neues schaffen, was das Alte überflüssig macht. Im Kleinen geht das schon sehr gut, siehe das viele Regionalgeld, was es heute schon gibt: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Regionalgelder
      Wenn sich viele aus dem System ausklinken: Konsumverweigerer, Regionalwährung, Steuerflüchtige, neue Generation des Teilens: es zählt nicht mehr der Besitz oder man leiht sich Geld von privat an privat – JA WAS DANN FR. MERKEL? Wenn die Leute sagen: Wohlstand muss auch ohne Wachstum möglich sein, dann gibt es ein neues System! Vergessen wir nicht, wer braucht Wachstum, ausgehend mal von Deutschland ohne Flüchtlinge mit einer stagnierenden Bevölkerung? Doch wohl in erster Linie der Saat, da er jedes Jahr mehr Geld ausgeben will, und dafür jedes Jahr einen höheren Steuerbetrag eintreiben muss, muss er das wirklich? Stellen sich nun immer mehr Bürger diese Frage, so wird sich von ganz allein nach und nach etwas neues bilden. Geld ist doch nur eine Religion. Ich vertraue darauf, dass ich für ein Stück Papier eine Ware bekomme. Wie blöd ist das eigentlich?
      Lieber felsberger, die Geldmenge überschreitet schon lange die produzierten Waren. Wir müssen uns also über die symbolische Darstellung des geschaffenen Mehrwertes gar keine Gedanken machen. Erst wenn es eine Währung gibt, die nicht den Wert von z.B. Gold widerspiegelt oder virtuelle Zahlenkolonnen auf einem Stück Papier (Anteile je Aktie) (auch nur eine Religion) sondern die tatsächlich geschaffenen Produkte auf unserem Planeten, haben wir keine Geldmengenprobleme mehr. Ja und da haben wir doch gleich die nächste Frage: wie ist das mit dem Wert von Grund und Boden? Darf dies überhaupt beziffert werden? Ich sage, dies wird es in Zukunft auch nicht mehr geben. Dann haben wir aber den Kapitalismus bereits überwunden. Im Umkehrschluss heisst das: Der Kapitalismus kann das Währungsproblem, Geldmengenproblem gar nicht lösen! Grundlage der Geldmenge dürfte nur die tatsächlich vorhandene Waren- und Dienstleistungsmenge sein. Diese geht auch mal zurück oder stagniert. Wie das aber gehen soll, weiß ich auch nicht, da ja Produkte auch verbraucht werden bzw. dem Alterungsprozeß unterliegen. Jetzt überlasse ich das Feld gern den Wissenschaftlern, vielleicht ist mein Ansatz auch total falsch. Hätte ich die Lösung schon, bekäme ich sicher einen Preis und würde vor einem viel größerem Publikum meine Gedanken vortragen. Da fällt mir gerade wieder eine Frage an unsere Experten hier ein: wird vielleicht nur Geld zusätzlich gedruckt, bzw. die Geldmenge erhöht , um Zinsen zahlen zu können? Wie gesagt, bin kein Ökonom, nur ein kleiner Bürger, Makler auf diesem Planeten, der sich so seine Gedanken macht.

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      • felsberger2012 schreibt:

        @Jenenserin: Das Neue entsteht unentwegt, die Frage ist nur, ob es auch revolutionär wirkt. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Manche Staaten können die Überalterung ihrer Bevölkerung kaum mehr stemmen und gehen nun dazu über die zu pflegenden Bürger schon zu Lebzeiten zu enteignen, indem sie das Eigentum der Betroffenen als Deckungsbeitrag ihrer Pflege einfordern. Damit wird das Erbrecht schrittweise, zunächst kaum merkbar, dann immer greifbarer, unterlaufen. Von hier bis zur 100%-igen Besteuerung des Erbens und Schenkens ist es dann nur mehr ein kleiner Schritt. Eine Abschaffung des Erbrechts aber beseitigt mit einem Schlag das Schuldenproblem der Staaten und öffnet das Tor zu einer neuen Verteilung, die (a) leistungsgerecht und b) schuldenminimierend ist. Man darf sich die Veränderung unserer Welt niemals revolutionär denken, sondern immer: evolutionär. Und das Problem liegt mehr in der Geduld der Bürger als in der Fähigkeit des Systems die notwendigen Anpassungschritte zu setzen. Politisches Engagement hilft natürlich diese Anpassungen zu beschleunigen….

        LG
        A.F.

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        • Jenenserin schreibt:

          Um Gottes willen! Der Staat ist der schlecheste Ökonom und Produzent und Bauherr!!! Eine Besteuerung des Erbes genügt. Dem Bürger geht es wesentlich besser, wenn der Staat weniger nimmt, so bleibt mehr Geld im profitablen Wirtschaftskreislauf. Ich bin dann eher für die Besteuerung des Kapitals, der Maschinen, Der Internet Firmen (könnte auch eine Art Umsatzsteuer sein) um ein bedingungsloses Grundeinkommen zu finanzieren. Ich komme aus der DDR, Jena, die Vorzeigestadt des Ostens. Der Staat arbeitet wie ein Monopolist mit seinen Eigenbetriebe. Ineffizient, ineffektiv , fast schon ein mafiöses wirtschaften. Der Bürger zählt dies mit vergammelter Infrastruktur, hohen Gebühren für Nahverkehr und Fernwärme. Man verstößt selbst gegen Kartellrecht. Leider ist das Kartellamt ein zahnloser Tiger und kaum ein Bürger klagt gegen seine Stadt vor Gericht! Hast du nicht, das richtige Parteibuch, darfst du nicht mitspielen. Geht bis zur Ausweisung von Bauland, einziehen von Gewerbeerlaubnis. Und dann nimm mal den Mut, das Geld und die Zeit gegen eine Stadt zu klagen. Recht haben, heißt nicht Recht bekommen! Und solange wir in Deutschland Richterrecht haben und die Staatsanwaltschaft Anweisungen zu Ermittlungen befolgen muss, kannst DU Gerechtigkeit knicken. Nein, nie wieder eine DDR, wo Politiker über das Vermögen der Bürger entscheiden. Nichts anderes ware nämlich das einziehen der Erbschaften !!!

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  8. felsberger2012 schreibt:

    Es hilft nichts sich Veränderungen zu wünschen, für die das System selbst keine Tür öffnet. Man muss stets auf dem Boden der Realität bleiben, denn auch nur dann hat man eine Chance die „öffentliche Meinung“ hinter sich zu scharen. Auch hier gebe ich Ihnen, Frau Jenenserin, ein Beispiel: Die größte revoltionäre Entwicklung wäre es freilich, wenn die Bürger selbst, anstatt in der Opferrolle zu verharren, ihr Schicksal in die Hand nehmen und genossenschaftliche und auf Selbstversorgung fokussierte Strukturen vornehmlich am Land schaffen würden. Nur dafür gibt es nirgends einen Anhaltspunkt. Im Gegenteil: der Kapitalismus frisst unweigerlich alle „unterlegenen“ Produktionsweisen auf, dem Kostenvorteil, den er bietet, kann man nirgendwo etwas entgegensetzen. Anstatt daher in Träumereien zu verharren und sinnlos Energie zu verschleudern, muss man sich von solchen Phantasien trennen. Man kann nur an der Wirklichkeit wachsen und stärker werden, niemals an pubertären Wünschen……

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    • Jenenserin schreibt:

      Aber es werden doch Genossenschaften gegründet, Handelsgenossenschaften , Produktionsgenossenschaften, Wohnungsgenossenschaften, das ist ein Ansatz. Wir selbst sind dabei, in Jena eine 1. Bauherrengenossenschaft zu gründen, nicht Miete, Eigentum schaffen ist das Ziel. Das Zauberwort heisst: soziales Unternehmertum, heisst in USA no profit Firmen. Auch hier war Jena führend: Abbe und Zeiss gründeten das erste Sozialsystem bereits vor 100 Jahren für seine Arbeiter und gaben ihre Firma in die Hände einer Stiftung. Sie enterbten damit ihre Kinder! So wie jetzt der Inhaber der DM Drogeriemärkte. Nur so überlebte Zeiss die DDR und die Wende, wo viele Firmen unberechtigt von der Treuhand für 1€ verhökert wurden. Viele überlebten ihren westdeutschen neuen Herren nicht. In Chemnitz nahm die Belegschaft eines Maschinenbauunternehmens je Arbeiter 10.000 DM in die Hand und kaufte ihren Betrieb aus der Insolvenz. Es ist jetzt ein erfolgreicher Exporteur in alle Welt und die Fa. wächst. Ich lade sie auch gern in Jena ein, wenn sie mal mit uns diskutieren wollen. Jena hat eine aufwachende Bevölkerung, haben schon 4 Aktivisten aus Bürgerinitiativen im Stadtrat. Bei der nächsten Wahl sind es noch mehr. Im Moment blockiert noch die Koalition von SPD-Grüne-CDU kluge Beschlüsse. In 2 Jahren ist aber wieder Wahl. Da machen die Bürger für ihre Mitstreiter wieder Wahlkampf. Gerade in den Kommunen ist sichtbar, wo die heutige Politik an die Grenzen kommt. Sie wird im Moment regiert von dummen Verwaltungsangestellten, denen selbst die Argument fehlen und deshalb teure Gutachten in Auftrag geben. Hier mal ein nettes Beispiel dazu aus Jena. Geschrieben von einem Stadtrat, einer Piratin – übrigens bei Zeiss beschäftigt und Dr. der Physik. In Jena herrscht schließlich das Bildungsbürgertum, leider ist die Intelligenz aber zu sehr mit Forschung beschäftigt, dass nur wenige Zeit finden sich mit Tagespolitik auseinander zu setzen. Viele haben auch nur einen eingeschränkten Bekanntenkreis, durch ihre viele Arbeit oder abgehobene Art, so dass sie das echte Leben gar nicht mitbekommen.
      http://www.jenapolis.de/2015/12/31/mobilitaets-leitlinien-fuer-wolkenkuckucksheim/

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  9. felsberger2012 schreibt:

    Frau Jenenserin: Die Abschaffung des Erbrechts ist unweigerlich und ich kann Sie trösten, sie wird nichts mit „Sozialismus“ zu tun haben. Es geht einzig und allein: um die nicht mehr tragbare Schuldenlast des Staates. Wenn man Wasser bergauf fliessend macht, wie in den letzten Jahrzehnten durch die nimmerendende Schuldenausdehnung der Staaten geschehen, wird man eines Tages akzeptieren müssen, dass das Wasser seine Richtung kehrt und bergab fließt. Nichts dümmer als dies in den alten Begriffen von „Sozialismus“ zu thematisieren, man hat: gegen „Naturgesetze“ verstossen. Und wird dafür die Rechnung bezahlen…….

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    • Jenenserin schreibt:

      Na da bin ich mal gespannt, wer über die Nutzung, die Verteilung der Gewinne aus den Vermögenswerte entscheidet. Man sieht auch an Nicaragua wohin es führt, wenn aus Privateigentum Staatseigentum wird. Es verkommt und wird von Menschen verteilt, die ihre Macht für ihre persönlichen Zwecke ausnutzen. Wie will ich denn da aus 2 € 2,2 € erwirtschaften? Geht nicht sag ich! Wenn sie ein System schaffen, was Staatsvermögen gerecht verteilt und es auch noch effektiv und transparent wirtschaften lässt unter direkter Beteiligung der Bürger, dann wählen wir sie in Jena schon mal zum Bürgermeister in 3 Jahren. Verspreche ich ihnen, wir machen schließlich PR und Wahlkampf mit Jenapolis. Jena hat sogar eine städtische Elektro- und Heizungsfirma. Sind schon wieder ein halber Staatsbetrieb. Und sie währen als OB in jedem Aufsichtsrat der Firmen. Wir haben glaube über 10 städtische eigene Betriebe. Wir suchen auch schon krampfhaft einen Bürgermeister. Jena war für Experimente schon immer gut . Also auf auf. Fangen wir mal mit einer Großstadt an, ob ihre Ideen umsetzbar sind!

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      • felsberger2012 schreibt:

        Frau Jenenserin: Die weltweite Schuldengleichung lautet nun mal: „Netto-Forderungen der Haushalte = Netto-Verbindlichkeitden der Unternehmen + Netto-Verbindlichkeiten des Staates“. Muss man die Netto-Verbindlichkeiten des Staates senken, weil man Jahrzehnte über seine Verhältnisse gelebt hat, dann gibt es gar keine andere Möglichkeiten als auf die Netto-Forderunegn der Haushalte zuzugreifen. Über Steuerpolitik geht das nicht, weil die Haushalte mit Reduktion der Ausgaben antworten und das System in Rezession treiben. Als Lösung verbleibt nur: die Enteignung.

        PS: Sie stzen der Vorstellung auf, dass sich dann staatliches Eigentum bildet. Das ist falsch! Es wird nur die Schuldenlast des Staates reduziert, das ist alles, was passiert. Forderungen gegen den Staat verschwinden und lösen sich in Luft auf……..

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    • Jenenserin schreibt:

      und das schöne: Jena ist 2022 schuldenfrei !!!

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      • vinorobles schreibt:

        Gern geschehen!
        Ein Soli-Zahler.

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        • Jenenserin schreibt:

          soli zahlt man in Ost und West und unsere Stadt wird Schuldenfrei weil wir an Infrastrukturmaßnahmen sparen (Sanierung), das z.z. der Wasserdruck von den Wasserwerken runter genommen wird, damit im Monat nur 2 Wasserleitungen platzen, unser Stadion so vergammelte das nur ein Neubau geht, von 27 Mio zahlt übrigens 7 Mio ein privater Investor, weil wir keine benötigte Sportschwimmhalle bauen (Kinder können kaum den Schwimmunterricht wahr nehmen) weil die Eigenbetriebe: Stadtwerke und kommunale Immobilien Gewinne einfahren müssen, wir haben die höchsten Strom- und Mietpreise von Ostdeutschland, weil wir unsere Kindergartengebühren und Nahverkehrsticket erhöht haben (1 Fahrt : 2 € – Kurzstreckentarif gibt es nicht) weil wir die höchsten Gewerbesteuersätze im Osten haben und vor allem weil wir fast alle kommunalen Grundstücke versteigerten. Unser Tafelsilber ist sozusagen auch alle !Und alles weil der brave Ossi, das mit sich machen lässt, wir sind halt geduldig und immer noch verwaltungshörig, das ist das schlimmste ! Bei Ihnen hätte sicher der Bürgermeister einen Misthaufen vor der Tür, wenn er das mit ihrer Stadt gemacht hätte.

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        • Jenenserin schreibt:

          aber ja, in den Straßenbau sind auch viele Mittel des Soli geflossen aber die Häuser wurden alle privat saniert, mit dem Abschreibungsmodell, was es bis 1999 gab. wenn ihre These stimmen würde, gäbe es auch mehr schuldenfreie Städte im Osten, ist aber nicht. und wenn ihre Stadt überschuldet ist, dann ist es genau diese bürgerfeindliche Verteilungspolitik von Parteifunktionären und Verwaltungsangestellten, die glauben ihnen gehören die Städte. Gehen sie einfach zur nächsten Stadtratsitzung in ihr Rathaus. Ich hatte da beim 1x jedenfalls einen Kulturschock.

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    • Jenenserin schreibt:

      Diesen netten Herrn können sie dann beerben, ist ein Pfarrer, wie so viele Politiker. Gibt nur einen Beruf in Deutschland der keine Qualifikation nachweisen muss: den des Politikers:
      http://www.jenatv.de/sendungen/8/1882/Neujahrsansprache_2016_von_Oberbuergermeister_Dr_Albrecht_Schroeter.html

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    • Jenenserin schreibt:

      unser gesamter kommunaler wohnungsbestand gehört der Stadt über die Stadtwerke Jena und Jena hat die höchsten Mieten von Ostdeutschland. 400 Wohnungen zu 9 € kalt neu gebaut und nur 45 Sozialwohnungen, wie passt das in ihre Denke? Noch dazu ist Jenawohnen mit 25 % des gesamten Wohnungsbestandes der Monopolist von Jena!

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  10. felsberger2012 schreibt:

    >Wir selbst sind dabei, in Jena eine 1. Bauherrengenossenschaft zu gründen, nicht Miete, Eigentum schaffen ist das Ziel.> Das finde ich toll. Ich unterstütze das, auch wenn ich es nicht für richtigsweisend halte. Die Geschichte ist voll mit gescheiterten genossenschaftlichen Ideen…..

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  11. Jenenserin schreibt:

    Lieber felsberger, ich lade sie wirklich gern nach Jena ein, in unsere offizielle Lichtstadt, da kann ich Ihnen an mehreren Beispielen zeigen, dass ihre Idee in unserer individualisierten Welt, mit diesem homo sapiens leider nicht funktioniert!

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  12. felsberger2012 schreibt:

    Das Verrückte ist doch, dass in der Bevölkerung die Vorstellung vom „gefrässigen Staat“ vorherrscht, wo doch dieser Staat die letzten Jahrzehnte nichts anderes getan hat als sich zu verschulden und die Bürger mit Geldgeschenken zu überhäufen. Es müßte schön langsam jeder sich selbst fragen, welcher Art von Irrtümern er aufsitzt, wenn er nun den Staat als Schuldigen der ganzen Misere zeichnen will. Es gibt keinen Schuldigen, der Staat hat bloß auf weltweite Veränderungen reagiert, namentlich: Überalterung, Mechanisierung, steigende Arbeitslosigkeit und Auslagerung von Produktion. Er hat gehofft, mit seiner Verschuldung dies Leiden mildern zu können, und dieser Schuss ist nach hinten losgegangen. Die Schuldenlast des Staates ist das Geldvermögen der Menschen und die wissen mit diesem Geldvermögen nichts Vernünftiges anzufangen. Ergo: wird sie der Staat eines Tages enteignen. Was gibt`s da zu beklagen?

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  13. felsberger2012 schreibt:

    Vielen Dank für Ihre Einladung. Ich trau`mir es kaum zu sagen: Ich war noch nie in ostdeutschen Landen. Es muss sicher sehr schön sein dort, zumindest habe ich als Österreicher ein verklärtes Bild. Wir denken uns unter „Ostdeutschland“ Heimat, etwas, was uns hier, namentlich in Wien, schon lange abhanden gekommen ist. Hier herrscht das Weltsystem……

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  14. Jenenserin schreibt:

    Ah , sie sind Wiener, tolle Stadt und unser großes Vorbild zum Thema Wohnen. Ihre Baudirektorin war vor kurzem bei einem Vortrag in Weimar, Bauhaus Uni. Ja gerade wir kämpfen um direkte Demokratie. Für einige hat sich Politik nur dahin gehend geändert: wir können ins kapitalistische Ausland fahren, Bananen kaufen und unsere Fassaden sind sehr hübsch saniert. Das ist aber alles. Mit direkter Demokratie für Bürger hat das nix zu tun. Deshalb hat es auch nicht funktioniert unseren Demokratiegedanken auf die arabische Welt zu stülpen. Ging ziemlich schief. Irak, usw.
    In Wien kann man sehen, wie Genossenschaften und kommunale Wohnungsgesellschaften ohne Renditegedanken preiswert Wohnraum schaffen. Dafür kämpfen wir auch hier. Ihr seit unser großes Vorbild!

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  15. felsberger2012 schreibt:

    Wien war einmal das große Vorbild puncto kommunalem Wohnungsbau und dies für die ganze Welt. Stichwort: Austromarxismus. Ob Wien dies heute auch noch ist? Ich befürchte: Nein. Zumindest haben die Wähler der Sozialdemokratie, die in diesen Gemeindebauten leben, der Partei längst den Rücken gekehrt. Sie schätzen diese „Errungenschaften“ nicht mehr…..

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  16. felsberger2012 schreibt:

    Aber auch in Wien spürt man das Phänomen, von dem Sie erzählen: Die Fassaden sind geputzt, die Stadt pulsiert, den Menschen geht`s gut. Und doch erreicht die Unzufriedenheit unfassbare Ausmasse…..

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    • Jenenserin schreibt:

      Weil die Visionen fehlen, ein gemeinsames gesamtgesellschaftliche Ziel, eine Aufgabe! Wird bei uns Ostalgie genannt. Wir hatten in der DDR kein Ich sondern ein Wir Gefühl, man hat sich aus der Not geholfen, Kontakte gepflegt egal ob Gartenlaubekollonnie oder FKK Strände. Es war nicht so individualisiert. Es gab größere Gruppen von Menschen mit gleichen Wünschen, gleichen Zielen und das hat man dann zusammen auch gelebt. Selbst wenn man nur zusammen von einem besseren Leben träumte, war das schön. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Und da hat uns die BRD sehr schnell auf den Boden der Tatsachen plumsen lassen. Der Geist verarmt mit Luxus- und Harz IV Angeboten. Kaufen ist eine Ersatzdroge. Und gleichgeschaltete Medien tun ihr übriges aus uns Zombies zu machen. Kritik ist nicht erwünscht.

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  17. felsberger2012 schreibt:

    Ja, Sie haben recht. So sehe ich es auch. In den Wiener Vorstädten gab`s früher „SPÖ-Ombudsmänner“, die von Tür zu Tür gingen und die Leute fragten, wo Ihnen der Schuh`drückt. Heute weiss man nicht einmal mehr: wer neben einem wohnt.

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    • Jenenserin schreibt:

      Oh, das Internet erleichtert einiges. Selber machen. Schon mal auf http://www.Jenapolis.de geschaut? Die Plattform ist von nur einem Menschen gegründet. Arne Petrich. Wir können dies auch für Wien machen. Geht ruck zuck. Eine Plattform, wo die Beschlüsse des Rates der Stadt Wien sichtbar und erklärt werden. Dann kann man eine Rubrik Bürgerwünsche machen. Die Bürger können hier ihre Probleme und Wünsche sowie Vorschläge einfach rein schreiben und einmal im Monat trägt man diese zu ihren Bürgermeister. Vielleicht ist dieser ja offener für die Interessen seiner Bürger wie unserer. Man kann dann die Ergebnisse online stellen. Ein Archiv sichert über lange Zeit die Antworten des Rates. Tritt ein Problem häufiger auf, kann man über die Vorwände, warum etwas nicht geht eine Historie abbilden. Das ist das große Kapital Jenapolis. Man kann über Jahre verfolgen, wer, was, wann , warum sagte oder tat. So kann man auch mal Beschlüsse korrigieren, wenn die Ziele nicht erreicht wurden. Transparenz und Öffentlichkeit ist der erste Schritt einer erfolgreichen Bürgerbeteiligung. Ohne Öffentlichkeit – keine demokratischen Prozesse!! Einfach mitmachen ist unsere Devise, und das so einfach wie möglich.

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      • felsberger2012 schreibt:

        Zunächst: Die mediale Wirklichkeit kann die reale nicht ersetzen! Ein schwerer Irrtum! Würden Sie, Frau Jenenserin, mich persönlich kennen, die Art wie ich argumentiere, wie ich mich meinen Mitmenschen gegenüber verhalte, und so weiter, würden Sie vielleicht kein Wort mit mir wechseln. Mediale Abtsimmungsprozesse können reale nicht ersetzen! Was wir benötigen, sind nicht ein Dutzend Internetprojekte mehr, sondern endlich: eine Reform der Verfassung, die der vom Volk initierten Volksabstimmung die Tür öffnet. Wir benötigen Schweizer Verhältnisse, und zwar heute und nicht morgen! Wenn wir noch länger zuwarten und es weiter gestatten, dass Entscheidungsprozesse fernab der „öffentlichen Meinung“ ablaufen, werden wir in einem Zustand des „permanenten Aufstands“ enden. Das Referendum erzieht jeden Bürger zum Demokraten, er lernt auf diese Weise sich der Mehrheit zu fügen. Die heutige Form von Demokratie züchtet Anti-Demokraten, die sich einbilden messianisch über die Mehrheit hinwegsetzen zu können. Wenn wir nicht endlich lernen, dass die „Refendums-Mehrheit“ die oberste Instanz in unserem Staate ist, wird das Ganze ein schlechtes Ende nehmen….

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  18. sadoma schreibt:

    Wiener Kaffehauskultur und Jena-Innovationskraft, na wenn dass nicht eine wunderbare Freundschaft/Symbiose wird 😉

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    • felsberger2012 schreibt:

      @Sadoma: Ja, nur das Beste vom Besten!.-)

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    • felsberger2012 schreibt:

      Da fällt mir eine nette Anektode ein: Auf die Möglichkeit einer Revolution in Russland angesprochen, hat der spätere k.-k.-Ministerpräsident Heinrich Graf Clam-Martinic gesagt: „Wer soll denn schon Revolution machen? Vielleicht der Herr Bronstein aus dem Café Central?“ Gemint war Leo Trotzki, der seit Oktober 1907 als Emigrant in Wien lebte und regelmäßig im „Central“ Schach spielte. Der Volksmund hat später folgenden Witz daraus gemacht. Ober zum Gast: „Stell`Dir vor, die Revolution in Russland ist ausgebrochen.“. Gast zum Ober: „Geh`, wer hat`s denn g´macht?“. Ober zum Gast: „Der Trotzki!“. Gast zum Ober: „Welcher Trotzki?“ Ober zum Gast: „Na, unser Trotzki“.

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  19. Jenenserin schreibt:

    Lieber Herr Felsberger, ja direkte Demokratie, Volksentscheide sind die Zukunft. Unsere repräsentative Demokratie versagt vom Rathaus bis zum Bundestag. Vor allem da die Wahlzyklen 4-5 Jahre viel zu groß sind. Zumindest im Kommunalen Bereich müsste man einen Bürgermeister auch abwählen dürfen! Und ja werter Herr Sadoma, Jena war schon immer innovativ und vor allem revolutionär. Bereits 1982 gab es Demos, Schwerter für Pflugscharen und man ließ sich reihenweise von der Stasi verhaften. Vielleicht haben wir in unserem Tal eine ganz besondere Energie. Die erste Uni, die erste Burschenschaft und wir versuchen uns mitten in unserem System an der Neugestaltung unserer Stadt. Ja nur online geht nicht, aber hier findet der erste Informationsaustausch und die Vernetzung verschiedener Akteure statt. Und gerade die unterschiedlichen Leute in einer Gruppe bringen die Innovation. Ich bin Immobilienmakler, Marketing, Vertrieb, mein Geschäftspartner Medienanalyst, Journalist , IT Spezialist und vor allem Bürgerrechtler. Sie glauben nicht, wie stark uns diese unterschiedlichen Erfahrungen als Unternehmen gemacht haben. Wir rocken sozusagen Jena mit. Wir bekommen von Bürgern und Unternehmern anrufe: Wir kommen nicht mehr weiter mit unserem OB und unserer Politik. Wir haben sogar mehr Firmenab- als -anmeldungen. Nach außen strahlen wir natürlich. Aber wir haben einen viel höheren Anspruch als nur eine Unistadt zu sein. Wir wollen vor allem eine für Bürger liebens- und lebenswerte Stadt. Ach , da fällt mir ein, bei unserem Kampf um den Eichplatz, gegen die Kommerzialisierung öffentlicher Räume !!! da hatten wir einen Beobachter aus Wien. Herr Reiter, der Zukunftsforscher: hier sein Blog, toller Mann, einer der wenigen mit Visionen. Vielleicht besuchen Sie ihn ja mal. In diesem Beitrag ist auch ein Satz über unser Jena: http://blog-ztb-zukunft.com/2014/10/12/sharing-city-warum-die-urbane-beteiligungskultur-zunimmt/
    Unser Erfolg beim Kampf um den Eichplatz kam 1. durch unsere Plattform, Öffentlichkeit, ist die Voraussetzung von Demokratie! die Vernetzung ! und natürlich durch gemeinsame Aktionen auf der Straße: wir sammelten Geld für ein eigenes Modell, stellten uns auf die Straße mit Kundgebungen, organisierten 1 Demo um den Eichplatz, sammelten Unterschriften, organisierten im Rathaus eine 1 monatige Ideenwerkstatt für den Eichplatz, gingen in den öffentlichen Raum, bepflanzten illegal den Eichplatz mit Blumen (sonst nur kleine Hecken , die Stadt hat den Platz nicht mehr gepflegt, er sollte halt vergammelt aussehen) und bauten lange Tische da auf: für das Eichplatzfrühstück. alle brachten Essen und Trinken mit und wir setzen uns dann einfach in die Stadt. Auch meldeten wir 2x eine Kundgebung an, bei denen wir auch Tische und Stühle auf die Straße und den Kirchplatz stellten und einfach eine öffentliche Arbeitsbesprechung abhielten. Die Bürger müssen sich einfach ihre Stadt wieder zurück erobern und nicht nur in ihren 4 Wänden hocken bleiben !!!! Und immer waren es Einzelne , die anfingen und Ideen hatten, die einfach machten. Wir haben eine ganze Stadt bewegt, der harte Kern dazu waren nur 10 Mann ! Das ist auch eine wichtige Erkenntnis. Die Gesellschaft wird von wenigen Akteuren geführt ! Zum Schluß ist die Masse der Bevölkerung eine Herde Schafe, die den einen oder andern Führer hinter her rennt. Ist halt so !!!! Hier nun mal einige Beiträge zu unseren Aktionen im öffentlichen Raum, den wir uns nieeee weg nehmen lassen werden!

    http://www.jenapolis.de/2014/04/07/bi-mein-eichplatz-laesst-den-eichplatz-erbluehen/
    http://www.jenapolis.de/2014/11/17/was-die-buerger-vom-eichplatz-erwarten-die-ergebnisse-der-ideenwerkstatt/
    http://www.jenapolis.de/2014/07/09/kommunaler-initiativpreis-2014-3-preis-fuer-moratorium-eichplatz/
    http://www.jenapolis.de/2014/03/17/jenaer-eichplatz-fruehstueck-lockte-viele-menschen-an/
    und hier, so hat vor der Bürgerabstimmung die Stadt für die Bebauung gekämpft, das Video haben auch noch die Bürger mit ihren Steuern bezahlt: hat 27.000 € gekostet, einfach nur ne Sauerei, auch noch Demonstrationen wie Hohn vorgeführt. Hat nix genutzt , 70 % sagten : NEIN !!!!
    http://www.jenapolis.de/2014/03/14/die-videokampagne-der-stadt-jena-zum-eichplatz/

    liebe Grüße aus Jena !
    Antwort

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  20. Jenenserin schreibt:

    Hallo Admin, irgendwie ist hier mein Kommentar verschwunden. Könnten sie diesen mal frei schalten?

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  21. felsberger2012 schreibt:

    Ja, Herr Jenenserin: Die repräsentative Demokratie versagt und die Menschen lassen sich etwas als Demokratie verkaufen, was in Wahrheit Parteienherrschaft ist. Nur in der Schweiz sind noch die Überreste der antiken, direkten Demokratie vorhanden, und dies ist auch der Grund, warum dieses Land in jeder Hinsicht eine Vorzeigestaat ist. Direkte Demokratie zu leben ist für alle schmerzhaft, besonders für die „Intellektuellen“: Zu oft werden sie vom „Volkswillen“ ettäuscht sein, zu oft werden sie die Mehrheit als barbarisch empfinden. Andererseits muss man den Status dieser „Intellektuellen“ hinterfragen, die im Windschatten der Parteien sich bilden. Man muss, im Grunde genommen, die ganze Vorstellung von „Elite“ in Frage stellen, sobald sie sich anmasst, dem Volk „Ratschläge“ zu geben, die über das antike Verständnis vom Versammlungsredner, der die Bürger zur Stimmabgabe leitete, hinausgehen. Ja, wir stecken in einer Sackgasse und ich wünsche Ihnen, Herr Jenenserin, viel Glück mit Ihren Aktivitäten. Bewundernswert, was sie leisten!

    LG
    A.F.

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