Der Chefvolkswirt der WirtschaftsWoche rast im Fake News Modus durch Entenhausen

Der Chefvolkswirt der WirtschaftsWoche, Malte Fischer, erklärt seiner Leserschaft, warum er glaubt, dass das Europrojekt gescheitert sei. Bei seinen Erklärversuchen wird aber vor allem eins deutlich: Malte Fischer scheitert an seinen falschen Vorstellungen und Glaubenssätzen über unser Geldsystem. Dabei vermengt er manch Richtiges mit fundamental falschen Annahmen und Aussagen. Ein intellektuelles Desaster für eine Zeitung, die für sich selber den Anspruch erhebt, das führende Wirtschaftsmagazin in Deutschland zu sein.

Dabei fängt es zu Beginn so gut an, wenn Fischer schreibt:

Das Kernproblem der Europäischen Währungsunion ist nicht die gemeinsame Währung als solche, sondern der gemeinsame Zins, mit dem die EZB den Euro steuert. Quelle

Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Schön wäre es allerdings gewesen, wenn Fischer eine Lösung für dieses Problem präsentiert hätte, die nicht nur für Entenhausen, sondern auch für Euroland geeignet ist; denn eine solche gibt es (mehr dazu am Ende dieses Beitrags).

Aber dann kommt auch schon die erste Fehleinschätzung wenn er schreibt:

Denn der Euro hat den Anspruch, Währung im Sinne des Wortes zu sein, nicht erfüllt. Eine Währung muss sich bewähren und Dinge bewahren. Der Euro hat beides nicht getan. Er hat sich nicht bewährt, weil er ohne die milliardenschweren Rettungsaktionen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Regierungen längst untergegangen wäre. Ein Tauschmittel auf der Intensivstation der Politik, dessen Überleben von fiskalisch-monetärer Dauerbeatmung abhängt, ist keine Währung sondern eine Krankheit.

Fischer hat wohl schon vergessen, wo der Ursprung für die massiven Interventionen aller großen Zentralbanken dieser Welt lag: nämlich in den USA. Und hier hat die Fed viel schneller und viel intensiver seitens der Geld- und Fiskalpolitik interveniert und mit fiskalisch-monetärer Dauerbeatmung aus allen Rohren geschossen. Der Vorwurf an die EZB müsste also eher lauten: Zu spät und zu wenig und zeitweise auch noch die falsche Richtung. Zudem war die Eurokrise eine Folge der Krise im privaten Bankensektor, bei der die Staaten die Banken retten mussten. Es waren die Geschäftsbanken, die im Wettbewerb um die höchste Rendite das zuvor nach den Prinzipien der Ideologie des freien Marktes deregulierte Finanzsystem an den Abgrund geführt haben. Hierfür die Konstrukteure des Euro verantwortlich zu machen, das ist schon ein starkes Stück Geschichtsklitterung, die Fischer hier betreibt.

Wenn Fischer seinen Vorwurf logisch konsistent aufrecht erhalten möchte, dann müsste er auch alle anderen Währungsprojekte für gescheitert erklären.

Und bevor ich es vergesse: Geld ist selbstverständlich KEIN Tauschmittel, sondern ein Zahlungsmittel, mit dem eine Geldschuld erfüllt wird. Aber das werden unsere Tauschökonomen wohl nie verstehen. Mehr dazu hier: Warum können wir unser Geldsystem nicht richtig verstehen?

Es geht munter weiter:

Auch bewahrt hat der Euro nichts. Die Kaufkraft seiner Besitzer hat sich seit seiner Einführung im Schnitt um rund 1,7 Prozent pro Jahr verringert. Wer heute noch Euros aus dem Jahr 2002 in der Tasche hat, kann sich dafür rund ein Drittel weniger kaufen als damals. Gemessen an dem Anspruch an eine Währung, zu bewahren und sich zu bewähren, muss der Euro daher als gescheitert betrachtet werden.

Kann mal jemand Herrn Fischer darüber aufklären, dass alle wichtigen Notenbanken dieser Welt aus sehr guten Gründen ein Inflationsziel von 2 % verfolgen. Leider hat Hans-Werner Sinn beim Thema Zielinflation ähnlich versagt, wie in der TARGET-Debatte. Ein erfolgreiches Geldsystem muss leicht inflationär sein, damit Geld nicht zu einem eigenständigen Asset wird und somit zum Zweck an sich. Leider kein Erkenntnisfortschritt bei diesem Thema seit Aristoteles. Hilfreich für ein besseres Verständnis könnte hier ein gemeinsamer Liederabend mit den Enkelkindern sein.

Wenn zudem für Fischer eine Währung mit einer durchschnittlichen Inflation von 1,7 % als gescheitert gilt, was gilt dann erst für die alte DM oder gar Pfund und Dollar? Die durchschnittliche Inflationsrate der besonders stabilen DM lag von 1948 bis 2001 bei 2,6 %.

Und weiter geht’s im Karussell der Irrtümer:

Denn Geld ist ein Netzwerkgut. Dabei handelt es sich um Güter, die für den Einzelnen umso wertvoller sind, je mehr Personen dieses Gut nutzen.

N E I N, NEIN und nochmals nein. Geld ist kein Gut, sondern eine soziale Verpflichtungsrelation in der Zeit. Geld entsteht durch einen Kreditvertrag im Heute und wird erst mit der Kredittilgung im Morgen wieder vernichtet. Geld ist das ultimative Mittel, mit dem eine Schuld getilgt wird. Ein Güter-Tauschvertrag ist und bleibt etwas anderes als ein Kaufvertrag. Das ist Basiswissen Einführung ins BGB.

Weiter geht’s:

Wenn alle Menschen dasselbe Geld nutzen und akzeptieren, ist der Nutzen für den Einzelnen am größten. Er kann dann überall auf der Welt mit derselben Währung zahlen, Umtauschkosten und Wechselkursrisiken entfallen. Überließe man die Auswahl der Währungen dem Wettbewerb auf dem freien Markt, wie es der Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek (1899 – 1992) forderte, setzte sich vermutlich eine Weltwährung durch, die überall akzeptiert wird. Vieles spricht dafür, dass es sich dabei um ein Warengeld wie Gold oder andere Edelmetalle handeln würde.

Erst stellt Fischer fest, dass der Euro gescheitert ist und jetzt will er plötzlich eine Einheitswährung à la Entenhausen für alle Länder dieser Welt? Zu Beginn schrieb Fischer:

Spätestens die Finanzkrise 2008 hat gezeigt, dass der konstruktivistische Versuch, eine funktionierende Währung auf dem Reißbrett der Politik zu entwerfen, zum Scheitern verurteilt ist.

Und weil es in der Tat Probleme mit dem Euro gibt, kommt nun als Reflex von Fischer der untaugliche Rekurs auf einen konstruktivistischen Goldstandard vom Reißbrett der österreichischen Schule? Das wäre ein evolutorischer Rückschritt in die Zeit von König Midas. Die gesamte griechische Mythologie sowie die Bibel beschäftigen sich immer wieder mit den fatalen Folgen einer goldfixierten Gesellschaft. Keynes bezeichnete den Goldstandard zur Recht als „barbarisches Relikt“ und Barry Eichengreen als „Golden Fetters“, die die Hauptschuld an der großen Depression von 1929 getragen haben.

Zudem haben doch gerade die Banken sehr anschaulich demonstriert, dass sie gerade nicht in der Lage sind, im freien Wettbewerb ein stabiles Geld zu schaffen, sondern ihnen der Laden 2007/2008 um die Ohren flog. Und zwar ähnlich dramatisch, wie schon vor über 150 Jahren, wie die Geschichte der Evolution des amerikanischen Bankensystems gezeigt hat.

Folgendem Absatz von Fischer stimme ich hingegen uneingeschränkt zu. Er schreibt:

Eine gemeinsame Währung ist unter Effizienzgesichtspunkten daher ein ökonomischer Fortschritt. Nicht ohne Grund weisen deshalb die Befürworter des Euros darauf hin, dass die Gemeinschaftswährung wirtschaftliche Transaktionen erleichtert, weil Wechselkursrisiken und Umtauschkosten entfallen. Wer mit dem Euro groß geworden ist, kann sich kaum vorstellen, für Ferienreisen ins europäische Ausland die Währung zu wechseln.

Das Kernproblem der Währungsunion ist daher nicht die einheitliche Währung. Das Kernproblem ist der einheitliche Zins, mit dem die EZB den Euro steuert.

Aber jetzt folgen wieder die typischen Fehlschlüsse und falschen Anschuldigungen gegenüber der EZB wenn er schreibt:

Man stelle sich eine freie Marktwirtschaft ohne Zinsmanipulation durch die staatliche Zentralbank vor. Der Marktzins entspräche dann den Zeitpräferenzen der Menschen. In diesen spiegelt sich ihre Vorliebe für den heutigen Konsum wider. Je höher die Präferenz für den schnellen Konsum ist, desto höher muss der Zins als Entschädigung ausfallen, damit die Menschen auf den Sofortkonsum verzichten und sparen.

Schon die erste These geht fehl, dass die Zentralbank den Zins manipuliere. Fakt ist, die Zentralbank setzt den Hauptrefinanzierungssatz REAKTIV zur Marktentwicklung fest. Von Manipulation kann hier keine Rede sein. Dieser Vorwurf gilt allerdings sehr wohl für die Geschäftsbanken, die sich die Freiheit herausgenommen haben, ihre Zinssätze untereinander abzusprechen. Diese manipulative Schweinerei ist unter dem Stichwort LIBOR-Skandal bekannt.

Auch die beliebte Geschichte mit der Vorliebe für Gegenwartskonsum ist nicht ganz korrekt. Sie trifft insbesondere nicht auf alternde Gesellschaften zu, die wegen des Langlebigkeitsrisikos sowie der Schleifung der gesetzlichen Rente vermehrt zum Zukunftskonsum neigen. Dieser Ansicht ist auch der Großmeister der deutschen Kapitalmarkttheorie Carl Christian von Weizsäcker. Damit kehren sich aber auch die Zinssätze um und aus positiven Zinsen werden plötzlich negative Zinsen. Das aktuelle Niedrigstzinsszenario ist also kein Ergebnis von Marktmanipulation sondern vielmehr von fundamentalen Marktkräften, die insbesondere in der Demografie begründet sind.

Wie bekommen wir aber nun das Hauptproblem in den Griff, das Malte Fischer zu Recht thematisiert: Ein Zinsniveau, das auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Anforderungen der Volkswirtschaften der Eurozone Rücksicht nimmt?

Zu diesem Zweck müssten wir zusätzlich zum Interbankenmarkt einen Interzentralbankenmarkt etablieren. Der Interbankenmarkt ist der Markt, an dem sich die Geschäftsbanken ihre Salden, die sich am Tagesende aus den Geldbewegungen im Eurosystem ergeben, gegenseitig kreditieren. Übertragen auf die Zentralbanken würde dies bedeuten, dass es einen Markt für Salden auf der Zentralbankebene geben müsste. Dann hätten auch die TARGET-Salden plötzlich einen Preis und würden auf das Zinsniveau am Interbankenmarkt ausstrahlen. Die Bundesbank müsste nicht mehr passiv zuschauen, wie sich ihre Bilanz aufbläht, sondern sie könnte nun ihre Überschüsse am Interzentralbankenmarkt den anderen Zentralbanken mit den korrespondierenden negativen TARGET-Salden gegen Zins kreditieren. Damit würden sich dann auch wieder die Zinsen am Markt ausspreizen. Wen die Details hierzu interessieren, der wird hier fündig.

Insofern sollten wir den Euro evolutorisch weiterentwickeln, keinesfalls aber auf die historisch vielfach gescheiterten Instrumente aus der Duckschen Mottenkiste der österreichischen Schule zurück greifen. Ein solches Ansinnen ist für die WirtschaftsWoche mehr als eine peinliche Petitesse. Noch wurde sie nicht vom Egmont/Ehapa Verlag übernommen.

Über Michael Stöcker

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
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9 Antworten zu Der Chefvolkswirt der WirtschaftsWoche rast im Fake News Modus durch Entenhausen

  1. Julian schreibt:

    Hmmmh Währungsunionen sind bis dato immer gescheitert und Papiergeld ebenso. Spricht beides eher für die Aussage von Fischer.

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Hmmmh… Geld ist dualistischer Natur und somit insbesondere ein Geschöpf der Rechtsordnung (Knapp). Ist die Rechtsordnung in Gefahr, dann gerät mit ihr zugleich die Geldordnung in Gefahr. Häufigste Ursachen hierfür: Kriege, Bürgerkriege und/oder Missbrauch des staatlichen Geldmonopols.

      Gold ist somit die ultimative Absicherung gegen den Verfall der Rechtsordnung. Zugleich gefährdet allerdings ein Festhalten am Goldstandard bei Liquiditätskrisen die Rechtsordnung (siehe Eichengreen und die Golden Fetters). Insofern sollten wir unser Kreditgeldsystem weiter entwickeln und daran arbeiten, dass die Rechtsordnung nicht gefährdet wird.

      Ein moderner Kreditgeldstandard braucht insbesondere einheitliche Bonitätsnormen bei der Kreditgewährung sowie deutlich höhere Eigenkapitalquoten in Abhängigkeit von der Größe einer Bank (je größer die Bank, desto höher die EK-Quote). Ein Goldstandard wäre ein Rückfall in die Zeiten vor König Midas und somit ein archaisches/barbarisches Relikt.

      Übrigens: SEK (1668), GBP (1694) und USD (1913) gibt es nun doch schon recht lange. Warum? Es sind stabile Rechtsordnungen mit relativ unabhängigen Notenbanken.

      Sollte hingegen die Rechtsordnung scheitern, dann wäre ein Papiergeldstandard oder auch ein Goldstandard wohl das geringste Problem.

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      • Peter Hölsken schreibt:

        „Übrigens: SEK (1668), GBP (1694) und USD (1913) gibt es nun doch schon recht lange. Warum? Es sind stabile Rechtsordnungen mit relativ unabhängigen Notenbanken.“

        Keine der genannten Währungen hat außer dem Namen irgendetwas mit der Währung von 1668, 1694, oder 1913 gemein. Der letzte Währungsschnitt für alle 3 Währungen liegt noch nicht mal 40 Jahre zurück (Abkopplung des Dollar von Gold durch Nixon 1971, dies betraf auch SEK und GBP da über Bretton Woods I an den Dollar gekoppelt).

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        • Michael Stöcker schreibt:

          Das ist durchaus korrekt in Bezug auf die Goldbindung sowie die evolutorische Weiterentwicklung. Aber das Thema war ja Papiergeld/Kreditgeld. Die Goldbindung ist und war schon immer eine Illusion. Insofern macht es wenig Sinn von einem Währungsschnitt zu reden, da der normale Bürger nur sehr sehr wenig Gold benötigt für ein erfülltes Leben. Die ältesten immer noch umlaufenden Münzen der Schweiz sind übrigens die 10-Rappen-Münzen aus dem Jahre 1879. Die haben sich aus den Kriegen einfach herausgehalten.

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  2. Peter Hölsken schreibt:

    „Geld entsteht durch einen Kreditvertrag im Heute und wird erst mit der Kredittilgung im Morgen wieder vernichtet.“

    Das sind altbekannte Tatsachen. Neu ist hingegen, dass Zentralbanken inzwischen keine Abschreibung von Schulden durch Staats- und Unternehmenspleiten mehr zulassen. Dadurch entsteht auch kein schuldfreies und zinsfreies Geld mehr. Zinsfreies Geld entsteht immer dann, wenn die Bank ihre Forderung an den Schuldner abschreiben muss, weil der Schuldner insolvent ist und die Sicherheiten nicht zur vollen Tilgung ausreichen. Das vom Schuldner ausgegebene Geld aus der Kreditschöpfung zirkuliert nun schuld- und zinsfrei in der Volkswirtschaft. Dieser Mechanismus macht die Erhebung eines Zinses überhaupt erst tragbar, da eben NICHT auf alles umlaufende Geld ein Zins erhoben wird. In Wirtschaftkrisen wird eine Menge dieses zinslosen Geld durch Abschreibungen „erschaffen“ und legt den Grundstein für den Aufschwung und die erneute Tragfähigkeit höherer Zinsen.

    „Das aktuelle Niedrigstzinsszenario ist also kein Ergebnis von Marktmanipulation sondern vielmehr von fundamentalen Marktkräften, die insbesondere in der Demografie begründet sind.“

    Die Niedrigzinsen sind zwangsweises Resultat der Verhinderung von Insolvenzen und damit Kreditabschreibungen. Zuerst werden sie gesenkt, um die Kreditschöpfung anzuregen und damit Insolvenzen zu verhindern. Durch die Verhinderung von Insolvenzen/Abschreibungen und die Anregung der Kreditschöpfung ist dann aber ein immer höherer Prozentsatz des zirkulierenden Geld in den Bankbilanzen an eine Kreditschuld gekoppelt. Die Erwirtschaftung des notwendigen Zinses wird durch die schrumpfenden Anteil zinsfreien Geldes immer schwieriger, deshalb ist dann auch keine Erhöhung des Zinses mehr möglich (möchte man weiterhin Insolvenzen vermeiden). sondern weitere Senkungen werden notwendig. Somit schließt sich der Teufelskreis Richtung Null- und Negativzins.

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Neu ist hingegen, dass Zentralbanken inzwischen keine Abschreibung von Schulden durch Staats- und Unternehmenspleiten mehr zulassen.

      Diese Behauptung wird immer wieder gerne kolportiert, hat aber mit der Realität nichts zu tun.

      Zinsfreies Geld entsteht immer dann, wenn die Bank ihre Forderung an den Schuldner abschreiben muss, weil der Schuldner insolvent ist und die Sicherheiten nicht zur vollen Tilgung ausreichen.

      Wenn eine Forderung abgeschrieben wird, dann wird auch die korrespondierende Verbindlichkeit abgeschrieben. Dabei entsteht gerade kein zinsfreies Geld, sondern dieses Geld/Kredit wird via Abschreibung vernichtet. Damit sind auch Ihre weiteren Schlussfolgerungen falsch.

      Anders sieht es aus, wenn der Abschreibungsbedarf so hoch ist, dass das Eigenkapital der Bank nicht ausreicht. In diesem Fall werden die Banken über den Staat rekapitalisiert und es entsteht neues zinstragendes Geld via Staatsverschuldung. Nur für den Sonderfall, dass sich der Staat zu null Prozent finanzieren kann, trifft Ihre Aussage zum zinsfreien Geld/Kredit für einen begrenzten Zeitraum zu (Laufzeit der Anleihe), nicht jedoch auf die Schuldfreiheit.

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  3. Peter Hölsken schreibt:

    P.S.: Wäre die Demographie ursächlich für den Niedrigzins, würden wir nicht nur ein Schrumpfen der Zinsen, sondern ein Schrumpfen des Ertrages in der Breite bei ALLEN Formen der Vermögensanlage sehen (die größeren Kohorten der Alten divestieren, um den Lebensabend zu finanzieren, die kleineren Kohorten der Jungen investieren, aber der Überschuss an Divestition führt zu einem Verfall der Preise für Anlage-/Vermögenswerte). Dies ist nicht der Fall. Ganz im Gegenteil, synchron zum Verfall der Zinsen haben Investitionen in Immobilien und Aktien einen unglaublichen Ertrag gebracht und zu einem immer größeren Anstieg der Vermögensschere zwischen Alt und Jung geführt. Mit der Demographie ist das nicht zu erklären, da diese normalerweise zu einem umgekehrten Effekt führen müsste (Vermögenswerte verfallen, da weniger Kaufnachfrage der Jungen vorhanden, als Verkaufsdruck auf Seiten der Alten. Preise für Dienstleistungen sowie Gehälter steigen steil an, da die Nachfrage durch die alten Konsumenten hoch aber junge Arbeitskräfte knapp sind).

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    • Michael Stöcker schreibt:

      Auch diese Behauptungen sind durch die Fakten nicht gedeckt. Richtig ist allerdings, dass durch das Niedrigzinsumfeld eine Asset-Reallokation (Rebalancing) stattfindet, die eine starke Inflation aller Vermögenspreise zur Folge hatte. Dieser Prozess ist immer noch nicht abgeschlossen.

      Richtig ist zudem Ihre Aussage, dass damit die Schere zwischen Jung und Alt weiter auseinander gegangen ist. Das gilt zugleich auch für die Schere zwischen Reich und Arm, die ich für noch viel bedeutsamer halte, da die Jungen ja das Vermögen der Alten vererbt bekommen. Die Demografie erklärt selbstverständlich nicht alles, aber doch sehr viel. Der zweite wichtige Aspekt ist die Einkommens- und Vermögensschere.

      Ihr Szenario mit fallenden Vermögenswerten und steigenden Löhnen aufgrund der Demografie wird mAn erst in etwa 15 bis 20 Jahren Realität werden. Allerdings hängt die Entwicklung der lohninduzierten Inflation insbesondere am technischen Fortschritt. Sollten sich die Prognosen hier bewahrheiten, dann wird die Knappheit am Arbeitsmarkt gar nicht so groß sein, da mehr Arbeitsplätze automatisiert werden als Babyboomer den Arbeitsmarkt verlassen.

      Vielen Dank für Ihre sachlichen Diskussionsbeiträge.

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  4. vinoroblesFrankieB schreibt:

    Demographie, oder vielmehr das Angebot an „Workforce“-Volumen scheint mir schon ein ganz wesentliches Element für die Zinshöhe zu sein. Das Wachstum der Workforce nimmt weltweit spürbar ab und wird sich in den nächsten Jahren verstärken, das treibt inflationäre Tendenzen, und die gleichzeitige Entsparung für Rentenzwecke vermindert das Kreditangebot, was logischerweise die Zinsen erhöht. Anbei eine Studie der Allianz SE, die diese Entwicklungen plausibel beschreibt. Interessant ist , dass die Studie aus 2004 ist und doch die Zinsentwicklung bis in die Gegenwart ziemlich exakt vorhergehen hat. Lange vor der Finanz- und Eurokrise. https://www.allianz.com/de/economic_research/publikationen/spezialthemen-fmo/news8.html

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