Studentenaufruf vom 16.05.2014

Liebe Studierende, Kollegen und Ehemalige,

ich richte mich heute mit einem sehr ernst gemeinten Aufruf an Sie alle. Es geht hierbei um nicht weniger als unsere gemeinsame Zukunft in einem friedlichen und vereinten Europa, das viele von uns für selbstverständlich erachten, weil sie nichts anderes kennen gelernt haben. Tatsächlich waren Frieden und Freiheit aber bislang nur eine sehr kurze Phase in unserer gemeinsamen Geschichte Weiterlesen

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Geldmythen

Nachdem ich mich seit Beginn der Finanzkrise im Jahre 2007 intensiver mit unserem Geldsystem auseinander gesetzt habe, ist mir zunehmend bewusst geworden, dass nicht nur ich, sondern sogar manche Fachleute von der Deutschen Bundesbank (ich hoffe, nicht alle) eine sehr überholte Vorstellung vom Wesen eines modernen Kreditgelstandards hatten. So mancher hat das wohl immer noch, vor allem viele Vertreter der Mainstream-Ökonomie.

update 02.04.2016: Nun leider auch Andreas Dombret – Vorstandsmitglied bei der Bundesbank – der diesen Unsinn in einem Spiegelinterview zum Besten gibt: „Dahinter steht der massive Anlagedruck der Banken. Weil die Zinsen so niedrig und bei der EZB sogar negativ sind, müssen sie irgendetwas mit ihrem Geld machen. Und deshalb vergeben sie so viele Immobilienkredite.“ Diese Aussage ist falsch. Warum? Das wird in den folgenden Absätzen erläutert.

In Anlehnung an meinen 1. Blogbeitrag im September letzten Jahres (Zinsmythen), habe ich daher den Titel des heutigen Beitrags gewählt. Dass viele Ökonomen nicht so recht wissen, was Geld eigentlich ist, schwante mir ja schon in einem Leserbrief, den ich an den Chefredakteur der Wirtschaftswoche, Roland Tichy, im Oktober 2013 geschrieben hatte. Eine aktuelle Diskussion im Herdentrieb (Was Sie schon immer über Geld wissen wollten) hat mich in meiner Auffassung bestätigt, dass sich viele Irrungen, Wirrungen und Mythen um dieses Thema ranken. Daher möchte ich hier nun eine Zusammenfassung der zentralen Aussagen zu unserem heutigen Geldsystem vornehmen (und nein, es handelt sich hierbei um keinen Aprilscherz). Weiterlesen

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Die Leiden des jungen W.

Antinomien der geldpolitischen Wünsche des Jens Weidmann.

Herr Weidmann, wie auch die meisten anderen Zentralbankchefs dieser Welt, ist zurzeit nicht zu beneiden. Als Vertreter der Deutschen Bundesbank hat er zum einen die Interessen der Bürger Deutschlands zu vertreten, ist aber andererseits zugleich auch Vertreter der Interessen des Eurosystems und damit direkt oder indirekt verantwortlich für alle Bürger Europas. Weiterlesen

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In diesem Punkt irrt Herr Prof. Sinn

Herrn Prof. Sinn gebührt der Respekt und der Dank hinsichtlich der Offenlegung der Target-Problematik. In einem Gastbeitrag für die FAZ hat er gestern noch einmal als Reaktion auf einen Beitrag von Marcel Fratzscher seine Sicht der Dinge dargelegt.

Viele Leser dieses Beitrags beklagen zu Recht, dass die Thematik nicht einfach zu verstehen ist. Dies ist in der Tat so, auch wenn manche der Diskutanten hier anderer Meinung sind und fordern, Deutschland möge aus dem Europrojekt aussteigen und schon ist alles wieder gut. Dies wäre aber ein folgenschwerer Irrtum. Warum? Die Fehler sind alle in der Vergangenheit gemacht worden. Das Kind liegt im Brunnen! Und die AfD-Apologeten möchten sich am liebsten in einem Harakiri-Kommando hinterher stürzen. Sancta Simplicitas. Weiterlesen

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Euroland im Dauerkrisenmodus

Die EZB und die Deutsche Bundesbank beklagen seit einiger Zeit, dass der geldpolitische Transmissionsmechanismus gestört sei. Die zinspolitischen Signale kommen nicht mehr in der Realwirtschaft an. Trotz massiver Erhöhung der Geldbasis MO werden kaum noch Kredite vergeben, um über den Investitionsmultiplikator das Wachstum zu stimulieren. Die Ursachen liegen hierbei nicht nur im Deleveraging der Banken sondern auch und insbesondere in den schlechten konjunkturellen Aussichten bei z. T. massiven Überkapazitäten. Gleichzeitig müssen aus Wettbewerbsgründen in der Südperipherie die Löhne nach unten angepasst werden, womit weitere Nachfrage dem Markt entzogen wird.

Die derzeit noch recht stabile Lage in Deutschland wurde vor allem durch den kreditinduzierten Wachstumsimpuls der Südperipherie getragen, aber eben auch durch die einzigartige Stellung Deutschlands durch die Hidden Champions. Dieser Sachverhalt spiegelt sich in den hohen Leistungsbilanzüberschüssen Deutschlands wieder.

Die Leistungsbilanzüberschüsse sind wiederum Anlass für die heftige Kritik der EU aber auch seit neuestem der USA (Die sollten sich allerdings mehr Gedanken über ihr eigenes hohes Leistungsbilanzdefizit machen). Von Seiten der SPD – wohl gestützt durch die Argumentation von Flassbeck – wird vor allem die Idee eines gesetzlichen Mindestlohns propagiert und als conditio sine qua non einer GroKo gesehen. Mit dieser Idee werden aber die grundsätzlichen Probleme der nun seit über 5 Jahren wütenden Krise nicht zu beseitigen sein. Wir können uns nicht am eigenen Schopf aus diesem Sumpf ziehen (siehe auch mein Beitrag im Herdentrieb, warum Flassbeck irrt).

Die wirklichen Ursachen für diese Krise, die sehr ähnlich der Krise von 1929 sind, liegen in einem nicht verstandenen Geldsystem sowie einer Fehlinterpretation makroökonomischer Sachverhalte aufgrund einer falschen Zusammenführung der Ideen von Keynes mit der neoklassischen Zinstheorie im sogenannten IS-LM-Modell. Dieses Modell hat Generationen von Ökonomen geprägt und hindert uns daran, die wirklichen Krisenursachen adäquat zu analysieren und zu interpretieren. Auch die Bundesbank sowie die EZB scheinen in ihrem eigenen Theoriekonstrukt gefangen zu sein.

Zielsetzung dieses Blogs ist es, die Fehler in unseren ökonomischen Theorien und in unserem Denken offen zu legen. Der Leser wird relativ schnell feststellen, dass wir es selbst in der Hand haben, ob diese Krise Europa sprengen wird oder ob wir den ursprünglichen Ideen von Schumann, Adenauer und de Gaulle für ein Europa in Frieden, Freiheit und Freundschaft wieder das notwendige Augenmerk und Gewicht verleihen. In diesem Punkt irrt Frau Merkel nicht: Scheitert der Euro, dann scheitert Europa!

Allen neuen Lesern empfehle ich die Beiträge, die ich seit August 2013 veröffentlicht habe, in dieser Reihenfolge zu lesen:

  1. Leserbrief an den Chefredakteur der Wirtschaftswoche
  2. Zinsmythen
  3. Geldmythen
  4. Tapering liquidity? A trap, yet a taper(ing) in the dark of economic theory.
  5. Die Leiden des jungen W.
  6. Die Geschichte vom Kleinen Milton und der Dicken Bertha
  7. Zehn Maßnahmen für ein Europa in Frieden, Freiheit und Wohlstand

Hier ein Vortrag von Mark Blyth, in dem er die Tragödie der aktuellen Austeritätspolitik brillant analysiert. Unbedingt sehens- und hörenswert!

update 19.11.2013: Paul Krugman vs in harmony with Larry Summer
update 25.02.2014: Adair Turner bricht das Tabu!

Und jetzt noch was für Streber:

  1. Das Geschäft mit der Verbriefung
  2. Allmachtsfantasien zur Zinssetzungshoheit
  3. Das Ricardianische Äquivalenz-Theorem – Lost in Recession
  4. Lost & Found – Die Wiederentdeckung des Say’schen Theorems

Alle Beiträge finden Sie auf dieser Seite in chronologischer Reihenfolge absteigend aufgelistet.

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Die Geschichte vom Kleinen Milton und der Dicken Bertha

Und nun erzählt euch der Onkel Michael noch eine Gutenachtgeschichte. Es ist die Geschichte von dem Kleinen Milton und der Dicken Bertha. Weiterlesen

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Die Liquiditätsfalle wird immer größer

Die neuesten Daten von Eurostat bestätigen leider meine bisherige negative Einschätzung der Lage. Die Inflation geht von zuletzt 1,1 auf nun nur noch 0,7 Prozent zurück. Die destruktive Deflationsspirale gewinnt weiter an Kraft und die Liquiditätsfalle wird damit immer größer. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit (40 – 60 %) im Süden Europas ist nicht nur eine menschliche Katastrophe, sie birgt auch das Potenzial, unser demokratisches Gefüge aus den Angeln zu heben. Weiterlesen

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Tapering liquidity? A trap, yet a taper(ing) in the dark of economic theory.

Warum die Zentalbanken aufgrund ihres bisherigen Theorieansatzes alles richtig machen, aber dennoch scheitern müssen. Eine hegelianische Tragödie in fünf Akten.

Prolog

Rendite ist das heilige Mantra der Finanzmärkte zur Befreiung des FinanzMenschen von der Geißel der Arbeit. Damit sich der Traum vom Paradiese schneller erfüllen konnte, als es der Natur der Dinge entsprach, baute sich der Mensch eine Himmelsleiter. Die Himmelsleiter war/ist das ewige Wirtschaftswachstum, das mit konstant hoher Rate uns dem Paradiese immer schneller näher bringt.

Das ewige Wirtschaftswachstum ist das Elixier des Finanzkapitalismus. Aber wie wir alle wissen: Bäume wachsen nicht in den Himmel und auch der Turmbau zu Babel endete tragisch. Weiterlesen

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Lost & Found – Die Wiederentdeckung des Say’schen Theorems

Nachdem mir vor zwei Tagen das Ricardianische Äquivalenztheorem abhanden gekommen war, wurde ich gestern mit der Wiederentdeckung des Say’schen Theorems mehr als versöhnt.

Worum geht es bei diesem Theorem, das seinen Namen Jean-Baptiste Say, einem französischen Ökonomen der klassischen Nationalökonomie verdankt. Der Grundgedanke ist ganz einfach: Das Angebot schafft sich seine Nachfrage selbst. Weiterlesen

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Das Ricardianische Äquivalenz-Theorem – Lost in Recession

Das Ricardianische Äquivalenz-Theorem geht auf den großen Ökonomen David Ricardo zurück. Zentrale Aussage dieses Theorems ist, dass es letztlich egal sei, wie der Staat seine Ausgaben finanziert, da Steuersenkungen/Steuererhöhungen und Staatsverschuldung perfekte Substitute sind; sie sind äquivalent. Oder anders ausgedrückt: Eine höhere Staatsverschuldung führt in der Erwartung rationaler Wirtschaftssubjekte unmittelbar zu einer erhöhten Ersparnisbildung und kompensiert konterkariert damit zugleich die intendierten Wirkungen in der Realwirtschaft. Ein keynesianisches Deficit-Spending muss damit wirkungslos bleiben; es kommt zum vollständigen Crowding-out. Die Ideen hierzu wurden von Robert Barro in den 70er Jahren in dem vielfach beachteten Beitrag im Journal of Political Economy aufgegriffen (Are Government Bonds Net Wealth?). Weiterlesen

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