AAA about monetary policy from BBB

Ben Bernanke ist unter die Blogger gegangen. Mit dem gebührenden Jahresabstand hat er sich gestern zum ersten Mal zu Wort gemeldet: Why are interest rates so low? Er widerlegt hier schlüssig, warum die Kritiker der Fed falsch liegen. Damit widerlegt er aber auch zugleich den Vorwurf, den viele Kritiker der EZB machen und argumentiert hiermit ganz im Sinne eines älteren Beitrags von mir vom September 2013: Allmachtsfantasien zur Zinssetzungshoheit. Weiterlesen

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Die Citoyage: Keynesianischer Monetarismus als ordnungspolitisches Korrektiv

Nach einem kurzen monetaristischen Intermezzo der Deutschen Bundesbank in den 70er und 80er Jahren dominiert bis zum heutigen Tag der neukeyensianische Ansatz die geldpolitische Agenda. Tatsächlich sind beide Ansätze aber nur ein scheinbarer Gegensatz und müssen lediglich vom Kopf auf die Füße gestellt werden und können sodann die alte Frage von G-W-G‘ lösen sowie einen systemischen Beitrag zur Entschärfung des biblischen Matthäus-Effekts leisten. Die Zeit ist reif für ein neues geldpolitisches Paradigma, in dessen Zentrum ein zentralbankfinanziertes Bürgergeld von anfänglich 80 EUR pro Kopf und Monat steht (=Citoyage, ein Neologismus aus Citoyen und Seigniorage). Ziel ist es, Geld als mittelalterliches Herrschaftsinstrument des Lehensherrn (Seigneur), über die Bankokratur der entfesselten Finanzmärkte zu dem weiter zu entwickeln, was Geld im Geiste der französischen Revolution eigentlich sein sollte: Eine Allmende, die als soziale Verpflichtungsrelation über die Citoyage ihre Wirkung zum Wohle aller Bürger entfalten kann. Weiterlesen

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Die wundersame Welt des Hans-Werner Sinn

Hans-Werner Sinn zählt zu den wenigen deutschen Top-Ökonomen, deren Renommee über Deutschland hinausweist. Er hat diesen Ruf in vielen Bereichen sicherlich zu recht und es gibt viele Themen und Problembereiche, in dem ich mit ihm übereinstimme. Umso verwunderlicher waren für mich so manche Aussagen, die er gestern im Rahmen eines Interviews in den VDI-Nachrichten gemacht hat. So sagte Sinn: Weiterlesen

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QE versus ML

Über die Irrungen und Wirrungen von Wolfgang Münchau
und Norbert Häring

Der von mir sehr geschätzte Norbert Häring hat vor wenigen Tagen auf die wirren Ausführungen von Wolfgang Münchau im Spiegel reagiert, der in einer Serie den Bürgen die angekündigte Geldpolitik der EZB verständlich machen möchte. Häring greift in seiner berechtigten Kritik die zentralen Fehler in den Erläuterungsversuchen von Münchau auf, um aber im selben Moment mit seiner konkurrierenden Erklär-Einheit den Sachverhalt teilweise zu verschlimmbessern. Wenn noch nicht einmal die Fachjournalisten in der Lage sind, die komplexe Materie richtig darzustellen, dann müssen wir uns nicht wundern, dass die Politik hilflos den Willkürmächten des Finanzsektors ausgesetzt ist. Aber der Reihe nach: Weiterlesen

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Schuldmythen und das Dilemma der schwarzen Null

In unserem Sprachgebrauch ist der Begriff Schuld eindeutig negativ besetzt. Tatsächlich macht die deutsche Sprache keinen Unterschied zwischen Schuldner und Kreditnehmer. Auch das zweite Buch des BGB trägt den Titel Schuldrecht bzw. Recht der Schuldverhältnisse, obwohl es überwiegend um Vertragsverhältnisse geht. Semantisch tief verankert ist der Schuldbegriff zudem durch das mea culpa des katholischen Schuldbekenntnisses, das dogmengeschichtlich auf die Erbsünde verweist. Schuld und Sünde liegen von daher in unserer subjektiven Wahrnehmung sehr nahe beieinander.

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Bankmythen

Der heutige Beitrag bildet den vorläufigen Höhepunkt der monetären Mythologien. Nach den Zinsmythen und den Geldmythen soll es heute in ausführlicher Weise um den Mythos Bank gehen, den ich in einem meiner älteren Beiträge schon einmal angedeutet hatte. Mitverantwortlich für diesen Mythos zeichnet nicht zuletzt auch die Deutsche Bundesbank, die bis zum Jahre 2007 den Geldschöpfungsprozess falsch dargestellt hatte (Geld- und Geldpolitik 2007 Seite 59 ff. update 13.11.2018: Bundesbank führte Lehrer und Schüler  in die Irre). Tatsächlich hat dieser Mythos aber seinen Ursprung schon in grauer Vorzeit. Weiterlesen

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Besorgte Stimmen zur aktuellen Lage in Europa

Von meiner Seite ist im Moment alles Wichtige zur Krise des Finanzkapitalismus sowie notwendiger Gegenmaßnahmen gesagt. Ich hatte hierzu im letzten Jahr einen 10-Punkteplan für Europa entworfen. Zu diesem Masterplan stehe ich  noch heute (siehe Diskussion hierzu) und die Entwicklungen der letzten 8 Monate sowie zahlreiche Diskussionen in den einschlägigen Foren haben mich in meiner Meinung hierzu weiter bestätigt. Weiterlesen

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Studentenaufruf vom 16.05.2014

Liebe Studierende, Kollegen und Ehemalige,

ich richte mich heute mit einem sehr ernst gemeinten Aufruf an Sie alle. Es geht hierbei um nicht weniger als unsere gemeinsame Zukunft in einem friedlichen und vereinten Europa, das viele von uns für selbstverständlich erachten, weil sie nichts anderes kennen gelernt haben. Tatsächlich waren Frieden und Freiheit aber bislang nur eine sehr kurze Phase in unserer gemeinsamen Geschichte Weiterlesen

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Geldmythen

Nachdem ich mich seit Beginn der Finanzkrise im Jahre 2007 intensiver mit unserem Geldsystem auseinander gesetzt habe, ist mir zunehmend bewusst geworden, dass nicht nur ich, sondern sogar manche Fachleute von der Deutschen Bundesbank (ich hoffe, nicht alle) eine sehr überholte Vorstellung vom Wesen eines modernen Kreditgelstandards hatten. So mancher hat das wohl immer noch, vor allem viele Vertreter der Mainstream-Ökonomie.

update 02.04.2016: Nun leider auch Andreas Dombret – Vorstandsmitglied bei der Bundesbank – der diesen Unsinn in einem Spiegelinterview zum Besten gibt: „Dahinter steht der massive Anlagedruck der Banken. Weil die Zinsen so niedrig und bei der EZB sogar negativ sind, müssen sie irgendetwas mit ihrem Geld machen. Und deshalb vergeben sie so viele Immobilienkredite.“ Diese Aussage ist falsch. Warum? Das wird in den folgenden Absätzen erläutert.

In Anlehnung an meinen 1. Blogbeitrag im September letzten Jahres (Zinsmythen), habe ich daher den Titel des heutigen Beitrags gewählt. Dass viele Ökonomen nicht so recht wissen, was Geld eigentlich ist, schwante mir ja schon in einem Leserbrief, den ich an den Chefredakteur der Wirtschaftswoche, Roland Tichy, im Oktober 2013 geschrieben hatte. Eine aktuelle Diskussion im Herdentrieb (Was Sie schon immer über Geld wissen wollten) hat mich in meiner Auffassung bestätigt, dass sich viele Irrungen, Wirrungen und Mythen um dieses Thema ranken. Daher möchte ich hier nun eine Zusammenfassung der zentralen Aussagen zu unserem heutigen Geldsystem vornehmen (und nein, es handelt sich hierbei um keinen Aprilscherz). Weiterlesen

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Die Leiden des jungen W.

Antinomien der geldpolitischen Wünsche des Jens Weidmann.

Herr Weidmann, wie auch die meisten anderen Zentralbankchefs dieser Welt, ist zurzeit nicht zu beneiden. Als Vertreter der Deutschen Bundesbank hat er zum einen die Interessen der Bürger Deutschlands zu vertreten, ist aber andererseits zugleich auch Vertreter der Interessen des Eurosystems und damit direkt oder indirekt verantwortlich für alle Bürger Europas. Weiterlesen

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