Die EZB und die Deutsche Bundesbank beklagen seit einiger Zeit, dass der geldpolitische Transmissionsmechanismus gestört sei. Die zinspolitischen Signale kommen nicht mehr in der Realwirtschaft an. Trotz massiver Erhöhung der Geldbasis MO werden kaum noch Kredite vergeben, um über den Investitionsmultiplikator das Wachstum zu stimulieren. Die Ursachen liegen hierbei nicht nur im Deleveraging der Banken sondern auch und insbesondere in den schlechten konjunkturellen Aussichten bei z. T. massiven Überkapazitäten. Gleichzeitig müssen aus Wettbewerbsgründen in der Südperipherie die Löhne nach unten angepasst werden, womit weitere Nachfrage dem Markt entzogen wird.
Die derzeit noch recht stabile Lage in Deutschland wurde vor allem durch den kreditinduzierten Wachstumsimpuls der Südperipherie getragen, aber eben auch durch die einzigartige Stellung Deutschlands durch die Hidden Champions. Dieser Sachverhalt spiegelt sich in den hohen Leistungsbilanzüberschüssen Deutschlands wieder.
Die Leistungsbilanzüberschüsse sind wiederum Anlass für die heftige Kritik der EU aber auch seit neuestem der USA (Die sollten sich allerdings mehr Gedanken über ihr eigenes hohes Leistungsbilanzdefizit machen). Von Seiten der SPD – wohl gestützt durch die Argumentation von Flassbeck – wird vor allem die Idee eines gesetzlichen Mindestlohns propagiert und als conditio sine qua non einer GroKo gesehen. Mit dieser Idee werden aber die grundsätzlichen Probleme der nun seit über 5 Jahren wütenden Krise nicht zu beseitigen sein. Wir können uns nicht am eigenen Schopf aus diesem Sumpf ziehen (siehe auch mein Beitrag im Herdentrieb, warum Flassbeck irrt).
Die wirklichen Ursachen für diese Krise, die sehr ähnlich der Krise von 1929 sind, liegen in einem nicht verstandenen Geldsystem sowie einer Fehlinterpretation makroökonomischer Sachverhalte aufgrund einer falschen Zusammenführung der Ideen von Keynes mit der neoklassischen Zinstheorie im sogenannten IS-LM-Modell. Dieses Modell hat Generationen von Ökonomen geprägt und hindert uns daran, die wirklichen Krisenursachen adäquat zu analysieren und zu interpretieren. Auch die Bundesbank sowie die EZB scheinen in ihrem eigenen Theoriekonstrukt gefangen zu sein.
Zielsetzung dieses Blogs ist es, die Fehler in unseren ökonomischen Theorien und in unserem Denken offen zu legen. Der Leser wird relativ schnell feststellen, dass wir es selbst in der Hand haben, ob diese Krise Europa sprengen wird oder ob wir den ursprünglichen Ideen von Schumann, Adenauer und de Gaulle für ein Europa in Frieden, Freiheit und Freundschaft wieder das notwendige Augenmerk und Gewicht verleihen. In diesem Punkt irrt Frau Merkel nicht: Scheitert der Euro, dann scheitert Europa!
Allen neuen Lesern empfehle ich die Beiträge, die ich seit August 2013 veröffentlicht habe, in dieser Reihenfolge zu lesen:
- Leserbrief an den Chefredakteur der Wirtschaftswoche
- Zinsmythen
- Geldmythen
- Tapering liquidity? A trap, yet a taper(ing) in the dark of economic theory.
- Die Leiden des jungen W.
- Die Geschichte vom Kleinen Milton und der Dicken Bertha
- Zehn Maßnahmen für ein Europa in Frieden, Freiheit und Wohlstand
Hier ein Vortrag von Mark Blyth, in dem er die Tragödie der aktuellen Austeritätspolitik brillant analysiert. Unbedingt sehens- und hörenswert!
update 19.11.2013: Paul Krugman vs in harmony with Larry Summer
update 25.02.2014: Adair Turner bricht das Tabu!
Und jetzt noch was für Streber:
- Das Geschäft mit der Verbriefung
- Allmachtsfantasien zur Zinssetzungshoheit
- Das Ricardianische Äquivalenz-Theorem – Lost in Recession
- Lost & Found – Die Wiederentdeckung des Say’schen Theorems
Alle Beiträge finden Sie auf dieser Seite in chronologischer Reihenfolge absteigend aufgelistet.